VfB Stuttgart kehrt zum alten Wappen zurück

VfB Stuttgart Wappen

Viele Jahre haben die Fans dafür gekämpft, gestern nun wurde auf der Mitgliederversammlung die Rückkehr zum Traditionswappen mit großer Mehrheit verabschiedet. Bis zur Spielzeit 2014/2015 werden sich die Fans des VfB Stuttgart allerdings noch gedulden müssen. So lange dauert die Umstellung. Schon jetzt ist klar: die Traditionalisten im Verein übernehmen das Ruder.

Rund 250.000 bis 300.000 Euro lässt sich der Verein die Umstellung kosten. Eine Marginalie im Vergleich zu den Summen, die mittlerweile im Transferkarussell kreisen. Anders als etwa beim 1. FC Kaiserslautern, der nur für zwei Spielzeiten zum Traditionswappen zurück gekehrt ist, will man offenbar beim VfB nicht auf kurzfristige Kampagneneffekte, sondern auf Kontinuität setzen. So weit so gut.

Wie üblich in Fußballvereinen spielt bei einer Debatte um ein traditionelles Vereinswappen gestalterische und formalästhetische Aspekte keine oder nur eine sehr geringe Rolle. Und das ist schade. Sobald der Begriff „Tradition“ fällt, scheint es um einen objektiven Diskurs geschehen zu sein. Trotz Bemühen um eine sachliche Diskussion werden Vorteile hinsichtlich etwa der Reproduzierbarkeit eines Emblems gerne zur Seite geschoben, so auch in diesem Fall (siehe Broschüre der Initiative Pro altes VfB-Wappen, PDF).

Denn natürlich stellt das von den Fans so heiß geliebte Traditionswappen keinesfalls ein Optimum dar, sowohl aus drucktechnischer wie aus rein ästhetischer Hinsicht. Die zu enge Linienführung und zu geringen Abstände, etwa zwischen roter Umrandung und schwarz-gelbem Württemberg-Wappen, birgen die Gefahr, dass Druckerzeugnisse jeder Art „zulaufen“, wie ein Drucker sagen würde. Die Farben vermischen sich, das Druckergebnis wird unsauber. Diesbezüglich waren beide Vorgängerzeichen, trotz anderer Schwächen, anwenderfreundlicher. Die Trennung der Gründungsjahreszahl „18 93“ mag zwar der Form des Württemberg-Wappens geschuldet sein, ein Dorn im Auge ist sie dennoch. Man stelle sich vor, die Lettern „V  fB“ wären in ähnlicher Form getrennt. Ein Unding, richtig. Und bei der ebenso bedeutenden Jahreszahl schaut man über einen solchen Fauxpas hinweg?

Die wilden Verzierungen innerhalb der Wortmarke sorgen hingegen für größtmöglich Eigenständigkeit und Wiedererkennbarkeit, die Schweife und Bögen wirken zudem dynamischer als die begradigten Vorgängerentwürfe. Aus gestalterischer Sicht ist die Rückkehr insgesamt doch eher bedauerlich. Hier gäbe es durchaus die Chance, Bewährtes mit Verbessertem zu vereinen. Solch ein Entwicklungsschritt wäre auch im Sinne einer sportlichen Zukunft ein positives Signal. Stattdessen kehrt der VfB im Jahr seines größten finanziellen Defizits zurück zum Alten. Nur echte Fans sehen in dieser Botschaft etwas positives.

Die Romantisierung der Vergangenheit ist wohl nirgends größer als in Fußballvereinen. Je leidenschaftlicher sie gefeiert wird, umso weniger darf man auf ein offenes Ohr in Fragen eines zwar der Tradition verpflichtenden aber doch zugleich zeitgemäßen Erscheinungsbildes hoffen. Wer eine Neugestaltung eines Vereinswappens per se und reflexhaft als neumodisches Marketinggedöns abtut, demonstriert eine befremdliche Rückwärtsgewandtheit. Dass künftig nun die Änderung des Wappens nur durch eine Satzungsänderung möglich ist, über die allein die Mitgliederversammlung entscheiden kann, dürfte das Schicksal des Wappens besiegeln. Eine Weiterentwicklung, eine Verbesserung scheint unmöglich. Jeder Markenverantwortliche in der Wirtschaft würde sich ob eines solchen Szenarios einen anderen Job suchen, ließe er sich den Markenauftritt von den Aktionären oder von der Belegschaft diktieren. So etwas gibt es wohl nur im Fußball.

VfB Stuttgart Wappenhistorie

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56 Kommentare zu “VfB Stuttgart kehrt zum alten Wappen zurück

  1. Was ich mich dabei immer frage: Wie alt muss man sein um ein vor zwanzig Jahren abgeschafftes Logo zurückhaben zu wollen? Sitzen da wirklich Fans die den ganzen Tag von Fritz Walter und dem Meistertitel ’83 schwärmen und wie schön das Wappen damals war? Tragen die auch alle immer noch Magnum Schnauzbart und Vokuhila?

    Zeiten ändern sich und damit auch das was als modernes Design angesehen wird. Niemand würde heute mehr mit langärmeligen, weiten Trikots auflaufen, warum dann ein uraltes Logo?

  2. Ich muss mich Uli anschliessen. Besonders weil das Wappen sehr subtile Aenderungen erfahren hat… Frankfurt oder Hannover hatten viel radikalere Veraenderungen. Macht das wirklich DEN Unterschied?

  3. Ich bin zwar kein Fan vom VfB… aber ich find das alte und zukünfig neue Logo um einiges besser!

    Das hat einfach was mit einem gewissen Verständnis für Tradition zu tun, die man in einem so alten Verein nun mal pflegen muss, da muss ich nicht 60 Jahre alt sein!
    Moderne hin oder her! Der Spagat machts dabei interessant!

  4. @Uli, wenn du einen Verein wirklich lebst, dann demonstrierst du vorallem Tradition und Identifikation. Wie ginge das besser, als mit einem traditionellen Logo? Viele wollen und werden es aber nie verstehen. Und das ist nicht negativ gemeint, aber um das zu verstehen muss man sich ein wenig mehr mit dem Thema beschäftigen :)

  5. 2 Dinge sind an der Aktion sind mir besonders unverständlich:
    1. Das alte Logo wurde nicht durch etwas komplett anderes ersetzt, sondern behutsam und evolutionär weiter entwickelt. Es gab keinen krassen Bruch, der sonst typischerweise Widerstand provoziert und Auslöser für Retro-Bestrebungen ist..
    2. Das alte Logo wurde vor fast 20 Jahren abgelöst. Die Mehrheit der heutigen Club-Mitglieder kennt das aus eigenem Erleben vermutlich gar nicht mehr? Warum ein seit 20 Jahren totes Logo nun exhumiert werden soll, ist völlig unverständlich.

    Zum alten Logo selbst: Dank der wilden Verzierungen und des oben geschlossenen V lese ich da DfB.

  6. Danke Plotek.

    Der VfB ist keine Marke im klassischen Sinne. Der VfB ist ein Verein. Ein Fussballverein. Es gibt wenige emotionalere Bereiche wie der Fussball. Genau deswegen ist Identifikation das Kerngeschäft. Da entscheidet nicht das bessere Design.

    Werte sollten bei einem Verein im Vordergrund stehen. Beim Fussball findet man die noch z.B. in den Fankurven. Bei Marken nur im „Image“.

    Keine geplante Inszenierung sondern echte Gefühle:
    http://youtu.be/HNg0Zw29E8I

    Keine Marke schafft solche Emotionen.

  7. Ich muss den Kommentaren 1 und 2 zustimmen. In diesem vorliegenden Fall ist es eher falsch verstandene Nostalgie als Tradition.

    Aber abgesehen davon: Ist das »1893« in Arial gesetzt?! Sieht danach aus! Finde ich irgendwie lieblos und inkonsequent.

  8. Das neue Logo wird beim Druck versumpfen. Diese Hinweis ist v.a. sehr zutreffend.
    Abgesehen davon, dass es an Klarheit einbüßt und auch noch auf dem Papier quasi in alle Ewigkeit festgeschrieben ist.

  9. @bism: wo hatte Hannover bitte seit den 60er Jahren radikale Änderungen am Logo?
    Und auch Frankfurt ist ein blödes Beispiel, da man dort auch wieder zurück richtung Tradition ist (auch in etwas abgeänderter Form, aber der Adler ist 1:1 der aus den 50er & 70er Jahren)

    Dazu noch allgemein. Man kann so etwas einfach nicht design-technisch Erklären, natürlich ist das aktuelle Wappen moderner, besser zu lesen etc.

    Aber einem Fan interessiert das alles nicht. Vor allem zur heutigen Zeit wo man sich gegen die Moderne ala Hoffenheim oder RB Leipzig wehren muss.

    Ist als außenstehender schlecht zu erklären.

    Vielleicht so, der Verein ist für die Fans wie eine Familie, und Familien-Wappen werden ja auch nicht modernisiert. Oder glaubt jemand dass das Englische Königshaus bald auf Flat-Design ihr Wappen umstellt? ;-)

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