Unschönes Europa

Europa Internetauftritt

Das offizielle Webportal der Europäischen Union wurde Ende September erneuert. Drei, vier Klicks reichen bereits, um zu sehen, dass es noch ein weiter Weg ist, hin zu einem konsistenten und vor allem übersichtlichen Auftritt.

„Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch“, eine Redewendung, die in diesem Fall kein Ausdruck von Dynamik ist, sondern die Defizite in der Nutzerführung und im Design beschreibt, für die man offenbar Ernst & Young, DG Communication konsultiert hatte. Vor allem die Aufbereitung der Pressemeldungen (siehe Grafik) ist wirklich gruselig. Eine Sprachverwirrung babylonischen Ausmaßes. Jegliche Lust, sich über europäische Themen zu informieren, stirbt nach kurzer Zeit den Desorientierungstod. Traurig bis tragisch dieser Relaunch.

23 Kommentare zu “Unschönes Europa

  1. Ich verstehe nicht so recht das Ziel der Seite. Wenn man die Bürger von einem einigen Europa (was ja an und für sich keine schlechte Sache ist) überzeugen will, so ist man hier gründlich am Ziel vorbeigeschrammt. Um dieses Ziel inhaltlich und visuell zu kommunizieren muss man die Menschen mit Emotionen abholen und wie das geht brauche ich ja hier nicht erklären, genau so wenig wie ich den emotionalen Gehalt der jetzigen Seiten schildern muss. So wie es jetzt ist werden maximal ein paar Insider, Europaabgeordnete oder extrem in der Materie verhaftete die Seite genauer erkunden. Kein Wunder das Waldy sich nicht länger mit der Seite beschäftigt hat.
    Wenn es eine Seite für einen mittelschändischen Handwerkerbetrieb wäre so könnte man sagen „geht besser aber naja…“ aber für eine Organisation wie die EU mit 27 Mitgliedsstaaten über 400 Mio Bürgern und einem enormen weltpolitischen und wirtschatlichen Gewicht. ist das fürwahr peinlich.
    Mich würde interessieren wer die Seite gemacht hat. Es war die Mühe nicht wert.

  2. Mir stellt sich die Frage, ob sich hier jemand schon einmal die Seite vor dem Relaunch angesehen hat. Im Vergleich dazu ist die neue schon einmal ein deutlicher Fortschritt. Wer sich zudem einmal mit dem Entscheidungsfindungsprozess vor der Änderung durch den Lissaboner Vertrag befasst hat, weiß, wie schwierig und langwierig dieser in der Europäischen Knochenmühle sein kann. Man darf hier nicht vergessen, dass also fast jede Entscheidung ein Ergebnis endloser Debatten und langer Entscheidungswege ist. Hinzu kommt das „Problem“, in 23 Sprachen vernünftig und gleichwertig zu kommunizieren. Das ist ja eh schon Gegenstand unendlicher Debatten, da die einen das europäische Babylon bemängeln und andere dagegen halten, dass mit 23 Sprachen auch die kleineren Länder gewürdigt werden, die ansonsten noch mehr an dem ohnehin geringen Einfluss verlieren. Zudem ist die Kommunikation in 23 Sprachen ein deutliches Tribut an die vielfältige europäische Kultur, die nunmal einfach nicht simpel linear und unidirektional verlaufen ist.

    Die Kritik hinsichtlich der Option, gelbe Schrift auf schwarzen Hintergrund zu setzen, ist meiner Ansicht nach unbegründet: Wir wissen doch alle, dass dies der Kontrast ist, der vom Auge bestmöglich erfasst werden kann. Das ist zwar nicht schön, aber genau wie die Lösung in grün und rot (Farbenblindheit) eine äußerste Vereinfachung für Leute mit eingeschränkten Sehfähigkeiten.

    Man darf auch nicht vergessen, welch riesige Informationsmenge hier in einen neuen Auftritt zu portieren war.

    Für berechtigt halte ich zumindest die Kritik mit dem transparenten gif-Logo. Das kann man professioneller und auch einfacher lösen – definitiv. Zudem ist der Header wirklich nicht der schönste und der begrenzende Rahmen auch nicht gerade Status Quo.

    Aber wie gesagt: Aus meiner Sicht ein deutlicher Schritt nach vorne.

  3. P.S.: Wenn wir hier mit Emotionen anfangen, dann natürlich aus unserer Sicht von deutschen Designern. Das ist eine exklusive Sichtweise, die man auch mit vielen weiteren Bevölkerungsgruppen von 26 anderen Ländern abstimmen muss. Und dann kommt halt ein solcher Kompromissentschluss raus. Das ist das große Manko der Politik, hat aber auch seine Vorteile.

    Es handelt sich hierbei im Übrigen um ein Portal, das das Thema Europa einfangen und auf die anderen Institutionen weiterleiten soll. Die Mühe ist immer berechtigt.

  4. Wirkt einfach nur abschreckend! Ein guter Grund der EU nicht beizutreten (bin Schweizer). Die gleiche Geschichte wie mit dem Euro, Durchschnittlichkeit auf tiefstem Niveau …

  5. Der blaue Wahnsinn.

    Mein Auge springt von Link zu Link ohne irgend einen Inhalt zu verfolgen.
    Gesuchter Inhalt ist nur mühseelig zu erlangen.
    Fazit: Machs noch einmal.

  6. @ Markus.

    Du hast natürlich recht. Solche Projekte lohnen sich in der Tat immer. Was ich geäußert habe bezog sich ja auch ausschließlich auf gestalterische Fragen (wie das meiste auf diesem Blog). Inhaltlich wollte ich gar keine Wertung abgeben. Im Gegenteil.

    Das ganze habe ich natürlich überspitzt formuliert, denn du wirst auch zugeben müssen, dass schön anders aussieht. Unser Job ist es eben Inhalte auch visuell zu kommunizieren. Und gerade bei einem solchen Portal ist es schade, wenn hier Potenzial verschenkt wird.

  7. Die Benuterführung oder neudeutsch „Usability“ ist vorsichtig ausgedrückt fragwürdig. Um nicht zu sagen nicht wirklich vorhanden. Das hätte man deutlich besser machen könnnen. Hoffen wir das es nur die BETA ist…

  8. Du lieber Gott, schlechter gehts wohl wirklich nimmer. Wenn das das Aushängeschild Europas ist kann ich mich nur Geier Sturzflug anschließen: Besuchen Sie Europa (Solange Es Noch Steht);-)

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