Typeface „Volvo Centum“ soll die Sicherheit beim Autofahren erhöhen
Volvo Cars hat in Zusammenarbeit mit dem Designstudio Dalton Maag eine neue, exklusive Hausschrift namens „Volvo Centum“ vorgestellt. Die Typografie wurde gezielt entwickelt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Informationsaufnahme während der Fahrt zu optimieren.
Der Autohersteller Volvo integriert Typographie als funktionales Sicherheitselement, als Bestandteil eines ganzheitlichen Designansatzes. Der Fokus des Typedesigns liegt auf maximaler Klarheit und Lesbarkeit bei flüchtigen Blicken („glance-based reading“), wodurch die visuelle Ablenkung des Fahrers minimiert werden soll. „Volvo Centum“ ist für den Einsatz bei hohen Geschwindigkeiten sowie auf digitalen Schnittstellen und physischen Oberflächen optimiert. Die Schrift unterstützt 35 Sprachen, einschließlich komplexer Schriftsysteme wie Chinesisch und Arabisch.
Ihr Debüt wird die neue Schriftart im kommenden Volvo EX60 feiern, gefolgt von einer schrittweisen Einführung in weiteren Modellen. Der Name „Centum“ verweist auf das bevorstehende 100-jährige Firmenjubiläum im Jahr 2027.
Kommentar
Leserlichkeit, Lesbarkeit und hoher Lesekomfort sind nicht nur im Bereich der Barrierefreiheit und der Leichten Sprache wichtig, Stichwort inklusives Kommunikationsdesign, sondern generell bei sehr vielen Anwendungsfällen, gerade auch im Umfeld der Mensch-Maschine-Interaktion. Die damit verbundene Prämisse, einen maximal hohen Lese- und Bedienkomfort zu erreichen, gilt im Kontext Informationsdesign im Grunde für jedwedes Interface, und nicht nur für Schriften wie die „Volvo Centum“, die in Automobilen auf digitalen Instrumententafeln und Head-Up Displays (HUD) erscheinen.
Wenn hier von Seiten der Verantwortlichen bei Volvo Lesekomfort höher gewichtet wird als Individualität (typographischer Ausdruck), dann sagt dies viel über die dahinterstehende Marke aus. Sicherheit ist für die Marke Volvo seit Jahrzehnten nicht nur ein Kernwert, es ist das Fundament der gesamten Markenidentität. Typographie und die vorgestellte Schrift „Volvo Centum“ werden im Rahmen der PR gezielt deshalb platziert, um so die damit verbundene Positionierung zu stärken. Sicherheit fungiert bei Volvo als Vertrauensanker, und die Schriftzeichen bilden im übertragenen Sinne die Kette, die Anker und Marke verbindet.
Mediengalerie
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
- Volvo Safety Typeface, Quelle: Volvo
Weiterführende Links






















Gutes und wirklich wichtiges Thema!
Ich hatte zwischenzeitlich sehr lange Zeit kein Auto und mir ist immernoch unklar, wie mit dieser Informationsflut heute sinnvoll ein Auto bewegt werden kann. Ich weiß nicht, ob ich da allein bin, aber ich brauche während der Fahrt eigentlich nur 10 % der Informationen, die mir permanent angezeigt werden.
Viele Jahre bin ich ein Auto Baujahr 90 gefahren. Damals waren Displays für den Fahrer (denke ich) nicht mal erlaubt. Heute ist ein großes Display in der Mitte der Standard und ich wünschte, es gäbe eine Funktion, es insbesondere im Dunklen standardmäßig abzuschalten.
Sinngemäß gab es eine solche wohltuende Funktion in meinem Saab (RIP), mit entsprechender Zielsetzung. wikipedia: (https://de.wikipedia.org/wiki/Saab_Automobile#Beispiele_für_Saab-Entwicklungen) »Die Saab-Modelle 900-II, 9³ und 9-5 sind oft mit der Funktion Nightpanel ausgerüstet: Bei Nachtfahrten kann die Cockpitbeleuchtung …« (gemeint sind hier: sämtliche beleuchteten Instrumente, Tasten und Anzeigen) »… mit Ausnahme der unteren Tachoanzeige per Knopfdruck ausgeschaltet werden. Lediglich eventuelle Warnhinweise werden angezeigt. Auch diese Innovation soll der Sicherheit dienen und ein ruhigeres Fahren bei Nacht sowie eine erhöhte Konzentration auf den Verkehr ermöglichen.« Es gibt dazu auch diverse YouTube-Videos, welche die Funktion recht eindrucksvoll veranschaulichen. Entlehnt war das angeblich der Saab-Historie als Flugzeughersteller; Piloten wurde bei Nachtflügen so ermöglicht, ihre Umgebung ohne störende/überstrahlende Cockpitbeleuchtung visuell besser wahrzunehmen. (Auch typografisch sind/waren Saab-Instrumente immer markentypisch schlicht und sehr gut ablesbar, mir nicht bekannt ob dazu ggf. auch ein gesonderter Font entwickelt wurde.)
Ah, spannend. Das wusste ich noch nicht.
Wäre auch interesant, ob das in einigen Jahren vielleicht mal auf die Tagesordnung kommt, das wieder zurück zu fahren?
Mich hat einige Male, als mich die Displays zu stark in Beschlag genommen hatten, der automatische Spurhalteassistent davor bewahrt, die Fahrbahn zu weitreichend auszunutzen.
Ich vereinfache mal grob … da baut man für tausende Euro Ablenkung ins Auto, die dann wiederum auch tausende Euro teure Assistenzsysteme erforderlich macht … ;)
Grundsätzlich ein gutes und sehr wichtiges Thema!
Allerdings ist mir nicht klar, warum immer wieder das hundertelfundneunzige „neue“ Derivat von bereits herkömmlich bekannten Schriften wie Frutiger, Helvetica usw. „erfunden“ werden muß und dies dann auch noch als den Stein der Weisen gefeiert wird!
Was die Überinformation in aktuellen Fahrzeugen angeht, so stimme ich meinen Vorrednern zu – too much!
Und viel zu viel technisches Gedöns, was ablenkt – und m.E. auch dazu dient, immer mehr aktive Verantwortung abzugeben und „Irgendwem“ zu übergeben.
Ich bin froh, nachwievor ein Auto zu fahren, was weitestgehend auf all diese sogenannten Assistenten verzichtet…
In diesem Sinne: Wieder mehr Eigenverantwortung sowie Mitdenken und weniger technische Spielereien ins Auto! :)
In erster Linie dürften wohl lizenzrechtliche Belange ausschlagebend sein. Es ist wohl günstiger und rechtlich sicherer, eine eigene Typo zu kreieren, als Jahre und Jahrzente Lizenzen abdrücken zu müssen. Abgesehen davon ist es dann eben etwas eigenes!
Ich bin auch überhaupt kein Freund von den übertriebenen digitalen Spielereien im Auto. Für mich ist es ein Rätsel, wie diese Features den Segen der Kraftfahrtbundesämter dieser Welt bekommen. Ein Handy während der Fahrt zu benutzen, steht gefühlt unter Todestrafe. Die Temperatur beim Golf 8 bei Nacht einzustellen, bindet indes die Aufmerksamkeit auf das Informationssystem dermaßen – in der Zeit habe ich Candy Crush zwei mal durchgespielt. Ernsthaft, die Bedienkonzepte und Instrumente müssten meiner Meinung nach zwingend blind zu bedienen sein, also mechanisch und haptisch erkennbar, wie es bis vor wenigen Jahren üblich war.
Diese ganzen Display- und Touch-Spielereien mögen ja optisch ihre Reize haben, sind aber eben ihrer Zeit voraus. Diese Dinge können meinet Wegen ihre Renaissance feiern, wenn autonomes Fahren standard und selbstverständlich geworden ist.
Ich weiß gar nicht, ob das jetzt so neu und innovativ ist. Mir scheint eher, als hinkte Volvo da bisher etwas hinterher. Wenn ich mir zum Beispiel die Exklusivschrift von Volkswagen ansehe, wurde bzgl. Lesbarkeit auch viel richtig gemacht, wenngleich ich damals die geometrische Brücke zum Logo (und den typografischen Wurzeln, siehe Futura) sehr vermisst habe. Auch Bosch und Deutsche Bahn waren da schon sehr zeitig auf der richtigen Spur.
Wenn es Volvo wirklich um Sicherheit geht (und nicht nur Marketing), spielen sie die neue Schrift auch auf bisherige Fahrzeugtypen, die bereits für solche eigentlich trivialen Software-Updates ausgestattet sind.
Nun ist Volvo Car schon länger kein teil der Volvo Group mehr, obwohl die gleiche marke genutzt wird. Die neue schrift wird zuerst in einem Pkw (Volvo Car) genutzt, kann diese dann auch von Volvo Truck und Volvo Bus verwendet werden? (Ich könnte sie mir auch im fahrgastinformationssystem eines busses vorstellen.)