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The international Flag of Planet Earth

The International Flag of Planet Earth

Wie müsste/könnte eine Flagge aussehen, die unsere Erde repräsentiert? Eine solche hat der schwedische Designstudent Oskar Pernefeldt im Rahmen seiner Abschlussarbeit entworfen. Eine Flagge, die mehr sein will als bloßer Absender, mehr als ein Erkennungszeichen.

Ah, ok – eine Planetarflagge. Damit Aliens wissen, auf wen sie schießen. Oder was soll der Quatsch!? Es ist im Grunde ganz einfach. Pernefeldt, der am Beckmans College of Design in Stockholm Design studiert, ging es weniger darum, ein Erkennungszeichen im klassischen Sinne zu entwerfen. Für eine visuelle Identität, wie sie etwa Unternehmen, Marken und Vereine, zum Teil auch Regionen und Nationen zum Zwecke der Differenzierung pflegen, scheint für den blauen Planeten keinerlei Notwendigkeit zu bestehen. Ergo braucht es auch keine Flagge für die Erde.

Vielleicht doch. Beteiligte an einem Corporate-Design-Prozess wissen um die Wirkung, die ein professionelles Erscheinungsbild nach außen wie nach INNEN hat. Ein neues Design kann immer auch Veränderung IM Unternehmen bewirken, kann ein Selbstverständnis neu justieren oder gar entstehen lassen, kann neue Werte stiften und zum Hinterfragen bestehender Strukturen anregen. Nicht selten vollzieht sich im Rahmen eines solchen Prozesses auch eine grundsätzliche Neupositionierung des Unternehmens. Im Idealfall reflektiert eine neue visuelle Identität also vor allem auch nach innen, wo es dazu beiträgt, ein Wir-Gefühl zu stärken bzw. zu schaffen. Im Marken-Management sind die Mitarbeiter die ersten und zugleich wichtigsten Botschafter einer Marke. Ihr Handeln fällt direkt auf die Marke zurück, positiv wie negativ.

The international Flag of Planet Earth“ ist kein Hirngespinst eines verrückten Designers, sondern ein politisches Statement. „Innen“ meint in diesem Fall freilich alle. Alle Erdenbürger. Der Symbolgehalt der Flagge adressiert keine Außerirdischen, sondern uns alle. Die Botschaft ist denkbar simpel: Wir alle teilen uns den gleichen Planeten! Zu simpel, so scheint es, wenn man sich die Kriege vor Augen führt, die weltweit geführt werden, und zwar seit es den Menschen gibt. Natürlich ist es naiv, ja sogar verrückt, zu glauben, mit Hilfe eines Zeichens, einer Symbolik, die Welt verbessern zu können. Nach Ansicht von Steve Jobs sind es allerdings genau jene Verrückte, die die Welt tatsächlich verändern (Zitat: „The people who are crazy enough to think they can change the world are the ones who do“).

Konzept und Umsetzung sind einfach wie genial. So charmant die Idee auch ist, wäre es doch ein in jeder Hinsicht verstörendes Signal, wenn beispielsweise „Astro Alex“ bei seinem nächsten Ausflug in den Orbit die Planetarflagge auf dem Anzug trüge, wenn auf diese Weise etwas kommuniziert würde, was nicht ist und was aller Voraussicht nach auch in ferner Zukunft nicht sein wird. Eine Einheit darstellen, die nicht existiert, hat nach meinem Verständnis weniger mit Design zu tun, als vielmehr mit Augenwischerei. Ebenso wenig ist beispielsweise BP ein auf Ökologie und Nachhaltigkeit ausgerichtetes Unternehmen, auch wenn es unter Verwendung der Farbe Grün im Erscheinungsbild einen solchen Eindruck zu vermitteln beabsichtigt. Die Planetarflagge als universale Version von Greenwashing zu bezeichnen, als „Bluewashing“ sozusagen, würde sicherlich zu weit führen, denn tatsächlich sind die Absichten hinter dem Projekt sehr löblich.

In diesem Fall geht es nicht ums Vorgaukeln falscher Tatsachen vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Interessen, sondern um den Versuch, mittels eines Zeichens Solidarität innerhalb der Erdbevölkerung zu stiften. Nur weil die Motive ethisch einwandfrei sind und der Wunsch nach Weltfrieden gemeiner Konsens ist, leitet sich daraus allerdings nicht automatisch die Legitimität zur Verwendung einer solchen Flagge ab, sofern man das Konzept denn in die Tat umsetzen würde. Legitim wäre die Darstellungsform der Flagge, wenn der mit Hilfe von sechs weißen Ringen erzeugte Eindruck von Einheit (trotz Vielheit) zwischen den Völkern der Erde Realität wäre. Eine solche Einheit ist utopisch. Nicht einmal die Einheit aller amtierenden Staatschefs lässt sich erreichen – und das sind derzeit gerade einmal 193 Personen.

In jedem Fall regt die „The international Flag of Planet Earth“ dazu an, an der Legitimität eines solchen Zeichens zu arbeiten! Schauen wir mal, wie es in siebeneinhalb Millionen Jahren darum bestellt sein wird. Mit blauer Flagge quer durch die Galaxis.

The International Flag of Planet Earth

The International Flag of Planet Earth – Construction

The International Flag of Planet Earth

The International Flag of Planet Earth

Weitere Impressionen unter: flagofplanetearth.com

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Dieser Beitrag hat 25 Kommentare

  1. Nette Idee – wie oben geschrieben – um das „WIR“-Gefühl zu stärken. Jetzt müssen wir nur noch die Aliens nach ihrer Flagge fragen, dann wären es schon zwei in der „Vereinten Föderation der Planeten“… wobei die ja von Menschen und Vulkaniern gegründet wurde… Aber Spaß bei Seite!

    Dabei schleicht sich mir ein Bisschen der Gedanke einer einzigen Weltregierung ein, was ich garnicht begrüßen würde. Die Gleichstellungs-Fanatiker (in welcher Form auch immer) nehmen derzeit etwas Überhand. Erinnert mich gerade an das Multi-Religions-Münchner-Kindl, schon da musste ich mich leider über den Versuch aufregen, alles unter einen Hut bekommen zu wollen…

    Wenn auch das wahre Ziel dieser Flagge einen friedlichen, gemeinschaftlichen Hintergrund hat, sehe ich es etwas kritischer. Auch – wie oben schon erwähnt – weil man dabei sehr viele Fehler in der grafischen Darstellung des Symbols durch die verschiedensten Vorstellungen aller Kulturen machen kann.

  2. Das Symbol finde ich schön.

    Aber eine Weltflagge, ein Markenzeichen für Planet Erde? Gegen wen will man sich denn damit abgrenzen bzw. für wen identifizieren? Fremde Galaxien und Außerirdische? :)

    Das ist Design ad absurdum!

  3. Man sollte nicht außer Acht lassen, dass es sich hierbei um ein studentisches Projekt handelt. Ich bin mir sicher, dass die Konzeption und die Idee dahinter genau die oben beschriebene ist.
    Der ernsthafte Versuch damit die Welt zu verbessern wäre aber dann etwas zu viel gewollt :-)
    Ein netter Nebeneffekt aber, dadurch eine solch große Diskussion anzuregen! :-)

  4. ja…tolle idee…aber „etwas“ fehlt..zu glatt/zu rund/zu symmetrisch… die erde hat ja auch eine ziemlich unrunde form..nix kugel…und die spezies
    erst……

  5. Ich finde die Anmutung ganz schick.

    Was mir etwas komisch vorkommt, ist dass die Konstruktionszeichnung durch unnötige Linien die Geometrie eher künstlich verkompliziert sowie wichtige Details einfach auslässt und daher als Konstruktionszeichnung wenig taugt.

    Es wurde z.B. gar nicht versucht, eine nachvollziehbare Ordnung in die Überschneidungen der Kreise zu bringen (Beispiel unten rechts). Auch die Linienstärke der Kreise und deren Umrandungen (bzw. die Radien) werden nicht angegeben.

  6. Für alle Iphone-Besitzer, geht mal auf Einstellungen, dann schaut doch mal das Logo für Hintergrundbild an..

    1. Tja, Apple verwendete die Weltflagge halt schon, bevor sie überhaupt entworfen wurde. Steve Jobs war halt ein Visionär ;)

  7. Ich finde selbst den „Einheitsgedanken“ hier etwas seltsam wiedergegeben, weil die Ringe, die auf den ersten Blick alle mit allen verschränkt scheinen, dies überhaupt nicht sind. Der linke obere Ring weist keine Verschränkung mit dem mittleren aus. So wie das Gebilde gezeichnet ist, kann er sogar komplett lose sein und aus dem Logo „herausfallen“. Das passt dann zwar mehr zur Realität, ist damit aber als repräsentatives Symbol weder nach innen noch nach „außen“ geeignet.

  8. Sich dieses Thema als Projekt zu suchen finde ich überragend. Die Herleitung der grafischen Form ist allerdings für mich auch nur ansatzweise nachvollziehbar. Im Video wird zwar auf charakteristische Eigenschaften unseres Planeten hingewiesen (Neigung, Tag und Nacht …), aber außer Kreisen fließt dabei nichts in das Symbol ein (oder habe ich es nicht deuten können)?

    Was mir aber am wichtigsten erscheint und völlig vernachlässigt wurde ist der „Faktor Mensch“, denn immerhin ist es das „Leben“, was den Planeten Erde (zumindest in unserem beischeidenen Blick in das uns bekannte Universum) einzigartig macht. Der Ansatz dazu könnte für mich durchaus über eine grafische Anlehnung z. B. einer Fibonacci-Folge (findet sich in fast allen Naturgesetzmäßigkeiten) oder den uns umgebenden Kontrasten (Hell-Dunkel, Heiß-Kalt etc.) liegen.

    Aber zugegeben ein schwieriges Thema mit unendlich vielen Ansatzmöglichkeiten und Interpretationen, denn immerhin ist es kaum möglich die Schönheit und unfassbare Komplexität der Zusammenhänge unserer Erde in einem grafischen Element zu vereinen.

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