So sieht Hertie also zukünftig aus

Logo Hertie (2007)

Mir gefällt’s. Ein bisschen Tradition, eine Spur S.Oliver und eine sehr schwungvolle Bewegung. Ich find’s gut, dass man den Schritt gemacht hat und sich vom sperrigen Schriftzug und dem fragwürdigen „Sonnenkreis“ getrennt hat. Traditionsbewußtsein heißt nicht, ein verstaubtes Image um Teufel komm raus am Leben zu halten, sondern die positiven Werte, die ein Name transportiert, auch neuen Generationen zu vermitteln. Dazu gehört, dass man das Aussehen und die Sprache anpasst, zumindest, wenn man glaubwürdig sein will. In diesem Zusammenhang ist übrigens auch der Artikel über das neue KFC-Logo ganz interessant.

Der neue Schriftzug verströmt etwas von der guten alten Kaufmannsladenzeit – ganz ohne Patina angesetzt zu haben. Die Jahre des vor sich hin Schlummerns tat dem Aussehen keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Frischer denn je wirkt nun die alte und neue Marke, deren Revitalisierung einen zweistelligen Millionenbetrag kostet.

16 Kommentare zu “So sieht Hertie also zukünftig aus

  1. Schöner als das End-70er-Bürokratenlogo ist es allemal, aber an einem echten alten Kaufmannsladen hätte ich eine solche tanzende Buchstabenkette eher nicht erwartet. Weitere Assoziation bei mir: Hertie & Mauritz.

  2. Wie beim Kommentar im vorherigen Eintrag von mir geschrieben, finde ich es zwar sehr schön, aber irgendwie passt es nicht zu dem Bild was von dem guten alten Hertie hab. Das alte Logo war ohne Zweifel nicht mehr zeitgemäß. Aber ich hätte mir gewünscht ein wenig vom alten Hertie im neuen Image wiederzufinden. Aber anscheinend will man mit dem alten Image nichts mehr zu haben. Vielleicht ist das ja auch gut so … wer weiss.

  3. Nach der Aeusserung, dass zumindest die Farbe Rot bestehen bleibt, war bereits zu erahnen, dass vom 70er-Jahre-Zeichen Herties nicht sonderlich viel uebrig bleiben wird. Dass die Markenentscheider des britischen Finanzinvestor Dawnay Day dem aktuellen Trend zu individuellen Scriptschriftzuegen folgen, ueberrascht ebenfalls wenig, wobei sich mir die Frage stellt, ob die Marke sich damit nicht bereits von vornherein ein Bein stellt.

    Ein Kollege formulierte es gerade so: Du kannst ein Zimmer Deines Hauses zum Spielzimmer erklaeren oder aber das ganze Haus zum Spielplatz machen. In diesem Falle also nur die Suesswarenabteilung mit der Handschrift der Grossmutter versehen oder aber das ganze Warenhaus — das Ziel ist klar: entrueckte grosse Unternehmen wieder naeher an den Konsumenten heran bringen. Was vor zwei Jahren sich noch in dauerhaften (nervenden und staendig unglaubwuerdigen) Liebesbekundungen aeusserte (Volkswagen, McDonald’s etc.) wird nun mit handschriftlicher Typografie versucht. Dem Kunden soll vermittelt werden: Hertie ist der Tante Emma-Laden des 21. Jahrhunderts. Denn die Produktpalette des nach eigenen Angaben groessten lokalen Warenhausbetreibers Deutschlands enthaelt »insbesondere Produkte des taeglichen Bedarfs«.

    Was aber wenn sich die Investorengruppe in den naechsten Jahren entschliessen sollte die Produktpalette von »Hertie« um einige im Premiumbereich angesiedelte Kleidungsmarken zu erweitern oder — wie es sie bei Karstadt seit langem gibt — um eine Hausbank? Wie glaubwuerdig ist in diesem Fall ein verspielter, lieb-freundlicher Schriftzug wenn ich dort meine FondsRente verwalten lassen oder eine Risikolebensversicherung abschliessen moechte?
    Wie gering der Toleranzbereich des Kunden in diesem Angebotssegment ist, durften die Kollegen von Wolff Olins schmerzlich bei ihrem zunaechst aufsehenerregenden Re-Branding von »Abbey« vor einigen Jahren erfahren.

    Moeglicherweise limitiert sich folglich die ueberarbeitete »Hertie«-Marke in ihrer Flexibilitaet bereits vor ihrem Marktwiedereintritt – viele neue und alte Kunden werden sich jedoch von dem lieblichen Scriptschriftzug angesprochen fuehlen, waehrend er mir auf den ueberarbeiteten Whiskas- und Knorr-Verpackungen aussreicht.

    Wie sehen das andere Leser?

  4. Martin, du hast sicherlich nicht ganz Unrecht und an eventuelle Premiumbereiche sollte auch gedacht werden. Allerdings glaube ich nicht, dass diese Premiumbereiche an einem Logo scheitern werden sondern vielmehr an einer schlechten Einführung und Positionierung. Ich würde z.B. „Harrods“ in London sofort ein Fond-Geschäft zutrauen und deren Logo hat auch eine „Tante Emma-Laden des 21. Jahrhunderts“-Anmutung. Wobei ich hier nicht über die Qualität des Harrods-Logo sprechen möchte.
    Mein Fazit: Im Umgang mit einer gut gewählten, grotesken Hausschrift kann ich mir ein Gesamtauftritt des neuen CIs sehr gut vorstellen. Interessieren würde mich daher die Gestaltung der Geschäftsausstattung!

  5. Für mich hat es auf jeden Fall den Charme des vorvorigen Jahrhunderts. Ein Coca-Cola-Laster vor einem Hertie-Kaufhaus – perfekt. Es wirkt in meinen laienhaften Augen als habe es schon immer so oder ähnlich ausgesehen. Interessieren würde mich, welche Schrift man diesem Schriftzug an die Seite stellt. Das kann das ganze Design ja komplett kippen…

  6. @Jan: Welche Schrift denn nicht?

    FutureBrand Madrid stellte beim Re-Design von Telefonica, einem ebenfalls eigens gezeichneten Firmenschriftzug Luc(as) de Groots Thesis dazu und das ist sicher reichlich brav, funktioniert aber ausgezeichnet, denn wenn es in der Anwendung spezieller wird greifen Werbeagenturen auch auf die extremen Display-Fett- oder auch Hairline-Schnitte der Großfamilie zurück.

    Eine große Extravaganz in der Schriftwahl von »Hertie« würde ich jedenfalls nicht erwarten …

  7. Zur Schriftergänzung: Ich denke auch, dass sich Hertie keine Extravaganzen in der sonstigen Schriftwahl leisten wird, auch um flexible zu bleiben, was bei der Produktpalettenbreite nur vernünftig ist. Es wird also beim seriösen, vermutlich grotesken Bereich bleiben (He, vor 30 Jahren hätte ich auf Helvetica getippt).

    Zum Logo: Ansich ist das Logo ganz stimmig geworden und überzeugt, da es schon mal kein riskanter Griff in die Logoüberideebastelkiste ist, sondern sich auf einfache Wesenszüge beschränkt. Keiner muss mehr rätseln was es mit der Sonne (oder was auch immer) auf sich hat.

    Das Problem entsteht dann aber natürlich bei der Differenzierung und damit auch Wiedererkennbarkeit, denn die Nähe zu H&M und S.Oliver ist ja nicht wegzureden, dann ist es auch noch nahezu im gleichen Rotton …

    Hier denke ich ist die größte Gefahr. Bleibt abzuwarten wie es dann tatsächlich platziert wird: Mit Hintergrund oder ohne? Leuchtkasten oder nicht? Nicht desto trotz wird es als Logo erst mal funktionieren, ob ein anderes Logo besser funktioniert hätte wird sich schwer nachweisen lassen. Jedenfalls wird es interessant zu sehen wie die Geschäfte dann tatsächlich ausschauen und ob man dann tatsächlich denkt im H&M zu sein.

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