Skip to content

So sieht die neue verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung in Deutschland aus

Tierhaltungskennzeichnung Deutschland , Quelle: BMEL
Tierhaltungskennzeichnung Deutschland , Quelle: BMEL

In dieser Woche hat das Bundeskabinett die Einführung einer verpflichtenden staatlichen Tierhaltungskennzeichnung in Deutschland beschlossen. Anhand des schwarz-weißen Labels mit fünf-stufiger Haltungsformeinteilung sei klar zu erkennen, wie ein Tier gehalten wurde; und diese Information können Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen, so Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, im Rahmen der Vorstellung.

Das neue Tierhaltungskennzeichnung besteht aus einem abgerundeten, schwarz umrandeten weißen Rechteck, in dem die Bezeichnung „Tierhaltung“ am linken Rand senkrecht platziert ist und das eine fünf-stufige Haltungsformeinteilung umfasst: „Bio“, „Auslauf/Freiland“, „Frischluftstall“, „Stall+Platz“ sowie „Stall“. Vorangestellt ist den fünf Haltungsformeinteilungen jeweils ein ebenfalls abgerundetes Rechteck, wobei die zutreffende Haltungsform mittels schwarz ausgefülltem Rechteck gekennzeichnet ist. Der auf dem Etikett dargestellte Text ist in der Hausschrift der Bundesregierung, der BundesSans, gesetzt.

In der Fläche rechts neben der Haltungsformeinteilung ist zudem ein QR-Code abgebildet. Der QR-Code verlinkt, wie es von Seiten des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) heißt, auf eine Website, auf der umfangreiche Informationen für Verbraucherinnen und Verbraucher bereitgestellt werden soll…

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 23 Kommentare

  1. Mindestens eine farbliche Kennzeichnung hätte ich auch erwartet, von den anderen Schwächen abgesehen.

    Und dann bitte besser als bei dem privatwirtschaftlichen Label, wo die bessere Haltungsform 3 in der Warnfarbe Orange und die 2 in Blau dargestellt wird und nicht umgekehrt. Das finde ich frech und ist maximal irreführend.

  2. Die neue Kennzeichnung sieht so aus, als ob ursprünglich eingeplant war, das richtige Kästchen von Hand anzukreuzen, anders kann ich mir diesen Aufbau nicht erklären. Wenn das ein Praktikant gemacht hätte, wäre meine erste Frage: Hast du mal gegooglet, wie andere Firmen das machen?
    Die Farben sind nicht ganz optimal, aber ansonsten zeigt die privatwirtschaftliche Variante eindeutig, wie es besser geht. Alles ist gut lesbar, es steht nur das drauf, was relevant ist und sogar eine einfache URL, die ohne QR-Code Reader funktioniert.

    1. Naja, optimal ist die privatwirtschaftliche Kennzeichnung trotz Farben sicher nicht:
      rot (schlecht) -> blau (weniger schlecht) -> orange!! (besser) -> grün (okay).
      Also, blöder kann man nicht staffeln.
      Dann doch lieber schwarzweiß und je höher das ausgemalte Feld ist, desto besser die Haltungsform. Daran kann man sich auch gewöhnen und sollte für Sehbehinderte recht barrierearm sein. Denke, deswegen “darf” das offizielle Siegel keine Farben verwenden…

      Das mit dem QR is vermutlich unnötig, aber irgendjemand im Ministerium hat wohl mitbekommen, dass QR der “latest shit” ist und man das für tolle Sachen nutzen kann…

      1. Ich denke das Etikett der Privaten sieht wegen der Farbkontraste so aus. Rot neben Orange unterscheidet sich jetzt wenig, besonders wenn das Zeichen mal in s/w dargestellt wird.

  3. macone und Christoph kann ich nur zustimmen.
    Es muss farblich sein! An der momentan privatwirtschaftlichen Variante orientiere ich mich jetzt schon in den div. Einkaufsmärkten. Es ist kurz und einprägsam.
    Die Aussage “von Hand ankreuzen” ist super – hatten wir damals (über 20 Jahre ist es her) auch in der Firma weil wir nur ein Verpackungskarton-Design hatten aber verschiedene Volt-Angaben für unsere Elektrogeräte für die div. Länder. Also nichts Neues.
    Dieses S/W – Kennzeichnung hätte ich gar nicht zur Kenntnis genommen, wenn ich es hier nicht gelesen hätte. Muss bei meinem nächsten Einkauf darauf achten.
    Und auch meine Fachverkäuferin in meinem Supermarkt darauf ansprechen :)
    Schade eine Chance für die Kennzeichnung des Tierwohl ist hier vertan … :(

  4. Der Grund, warum beim Label nicht mit Farben gearbeitet wird, ist wohl politischer Natur. Laut diesem Artikel bei ZEIT Online verbiete das EU-Recht klar wertende Skalen bei einem nationalen Alleingang wie diesem. Das hat natürlich keine Auswirkungen auf die Labels der Privatwirtschaft, die sich bunt austoben können.

    1. Danke Kim, für die Ergänzung!
      Leider wird in dem verlinkten Zeit-Artikel keine Angabe gemacht, um welche EU-Verordnung es sich in diesem Fall handelt.

      Der Anfrage der Fraktion der CDU/CSU aus dem August 2022 (PDF) ist allerdings folgendes zu entnehmen. Die Regierung betont, dass es sich bei dem vorgestellten Tierhaltungskennzeichen nicht etwa um „ein Kennzeichen, sondern um eine verbindliche Verbraucherinformation“ handele. Spezifizierend heißt es: „neutrale Verbraucherinformation“.

      Demzufolge ist ablesbar, dass eine neutrale, nicht-wertende Gestaltung seitens der Regierung beabsichtigt ist.

      Nachgereicht sei zudem die folgende Info: Die privatwirtschaftliche Initiative Tierwohl kritisiert das vom BMEL vorgestellte Tierhaltungskennzeichnungsgesetz und die damit verbundene Kennzeichnung, siehe Stellungnahme (PDF).

  5. Hoffentlich werden dazu noch ein paar Fragen beantwortet!
    Worin begründet sich die S/W-Ausführung? Barrierefreiheit? Soll eine Wertung vermieden werden? Berücksichtigt man Fertigungszwänge (etikettendrucker o.Ä.)?
    Und worin begründet sich das Format? Ich stimme Achim zu: die Gewichtung auf der verfügbaren Fläche erscheint mindestens merkwürdig.

    Einige Aspekte finde ich aber tatsächlich besser als gelungen als auf den „Vorbildern“. Die Nennung aller Haltungsformen macht das Zeichen in meinen Augen deutlich verständlicher, als es eine mehr oder wenige fiktive Skala tut.

  6. Ich finde nicht, dass das “Thema” des Labels stärker hervorgehoben werden sollte. Das Label ist im weitesten Sinne zum “erlernen” gedacht. Jeder, den es interessiert hat es ab dem zweiten Kauf raus (so komliziert ist das ja nicht). Auch aus gestalterischer Sicht die Frage warum man Redundanzen (über die verschiedenen Käufe betrachtet) schaffen sollte. Bereits aus dem Inhalt des Labels ergibt sich, dass es um die Haltungsform geht. Man könnte auf das Wort “Tierhaltung” m.E. auch völlig verzichten, ohne, dass das Label schlechter geeignet wäre. Insoweit finde ich die Aufteilung des Labes eigentlich gerade gelungen. Das was an Info transportiert werden soll (bestehende Haltungsformen und Haltungsform dieses Produkte), steht optisch nicht hinter der Überschrift zurück.
    Vielleicht ein etwas hinkender Vergleich: Aber bei einem Fahrplan schreibt man ja auch nicht 100 mal “Uhr” auf ein Blatt, weil jeder weiß, dass Uhrzeiten gemeint sind. Worauf ich hinaus will ist, dass das Label meines erachtens bei der Bewertung nicht hinreichend in den Anwendungskontext versetzt wurde.

    1. Danke Zypri, für Deine Einschätzung, die ich nur bedingt teile.

      Ja, das Label muss natürlich erlernt werden. Und das dauert. Würde man die Bezeichnung „Tierhaltung“ auf dem Etikett weglassen, würde dies den Lernprozess deutlich verlängern. Davon ist auszugehen.

      Aufgrund der Vielzahl an Logos, Siegeln, Etiketten, die es mittlerweile gibt und die auf Verpackungen von frischen Lebensmitteln aufgedruckt werden, bedarf es meines Erachtens zwingend einer erklärenden Bezeichnung. Auf die Schnelle ist eben nicht ohne weiteres erkenntlich, dass mit dem Label die Haltung von Tieren klassifiziert wird, und dass es sich nicht etwa um weitere Angaben handelt, die sich auf die Beschaffenheit des Produktes beziehen, ähnlich des Nutri-Score oder um Angaben in Bezug auf das Tierwohl. Zwischen Tierwohl und Tierhaltung besteht ein Unterschied.

      Ich sehe zudem ein weiteres Problem: Aufgrund der, nennen wir es, betont neutralen Gestaltung und der Verwendung des QR-Codes könnte auf Seiten von Konsumenten der Eindruck entstehen, es handele sich hierbei um ein zusätzliches in erster Linie technisches Element, analog zum Strich-Code. Ich wäre nicht überrascht, sollte im Rahmen einer Marktforschung herauskommen, dass Konsumenten dem neuen Label kaum Beachtung schenken. Denn die Gestaltung ist genau darauf ausgerichtet. Das Etikett geht schlichtweg unter. Hier einmal einige Bildmontagen.

      Bildmontage: Milch Tierhaltungskennzeichnung (Rewe)

      Bildmontage: Tierhaltungskennzeichen Schinken (Edeka) Bildmontage: Tierhaltungskennzeichen Schinken (Edeka)

      Bildmontage: Putenfleisch Tierhaltungskennzeichnung (Rewe) Bildmontage: Putenfleisch Tierhaltungskennzeichnung (Rewe)

      Bildmontage: Hähnchen-Schnitzel Tierhaltungskennzeichnung (Aldi) Bildmontage: Hähnchen-Schnitzel Tierhaltungskennzeichnung (Aldi)

  7. Ich finde dieses Label schneller und intuitiver zu erfassen als die bunte Version der Privatwirtschaft. Dort muss ich mich viel länger mit dem Inhalt beschäftigen, bis mir klar ist wie die Skala funktioniert (ist 1 das Beste oder 4?), oder was die etwas euphemistischen Bezeichnungen konkret bedeuten könnten. Bei der staatlichen Version ist die Hierarchie für mich auf Anhieb ersichtlich, und die Begriffe stärker selbsterklärend. Zudem ist die s/w-Gestaltung markanter und lässt sich auf der Verpackung vermutlich auch schneller finden als die bunte Version die zwischen den sonstigen Labeln rasch untergeht.

  8. Ich finde, dass das Label gerade auffällt, weil es nicht so bunt ist wie die anderen Labels, die um Aufmerksamkeit buhlen, sondern nüchtern (zum Beispiel wie die Inhaltsstoffe/Nährwerte). Lediglich die Überschrift TIERHALTUNG ist in meinen Augen ungünstig angelegt, weil auf den ersten Blick nicht nicht als solche erkennbar. https://i.imgur.com/yG7qt57.jpeg

Schreibe einen Kommentar

Die Netiquette ist zu beachten. Vor dem Hintergrund einer transparenten, sachlich-fairen Debatte wird die Nutzung eines Klarnamens empfohlen.

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="bildurl"> <a> <blockquote>

An den Anfang scrollen