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Signal des Aufbruchs? FDP kehrt zur bewährten visuellen Identität zurück

FDP Logo, Quelle: FDP
FDP Logo, Quelle: FDP

Die FDP hat sich auf ihrem Bundesparteitag in Berlin personell und visuell neu aufgestellt. Vor dem Hintergrund des eingeleiteten Reformprozesses präsentiert sich die FDP mit veränderter visueller Identität. Bereits zu früheren Zeiten verwendete, nun wieder reaktivierte Gestaltungsmittel wie die Farbgebung Blau-Gelb sollen Aufbruchstimmung verbreiten.

Der 77. Ordentliche Bundesparteitag der FDP war geprägt von personellen Weichenstellungen und strukturellen Veränderungen. Mit 59,3 Prozent der Delegiertenstimmen ist der 74-jährige Wolfgang Kubicki zum neuen Vorsitzenden der FDP gewählt worden. Nachdem die Partei bei vergangenen Wahlen herbe Niederlagen verkraften musste, steht sie vor einem Neuanfang. Auch im Visuellen vollzieht die FDP einen Wandel. Die Parteiführung beschreibt den Prozess als Erneuerung „aus der Partei heraus“. FDP-Vize Svenja Hahn spricht von einer „Antwort auf den Wunsch der Basis nach einer modernen, schlagkräftigen und einladenden FDP“.

Das neue visuelle Erscheinungsbild knüpft stark an die Tradition des früheren Corporate Designs der Partei an und vermittelt damit, in einer Phase des politischen Neustarts, eine gewisse Kontinuität. „Neustart Deutschland“ lautet auch der Titel des Leitantrags, mit dem die Partei ihren Anspruch als „Reformmotor in Deutschland“ formuliert.

Neustart mit bewährten Mitteln

Bei ihrem visuellen Wandel setzt die Partei klar auf Rückbesinnung. Im Zentrum steht ein neues Parteilogo. Zuletzt hatte die FDP ihr Corporate Design 2015 umfassend überarbeitet und bei diesem Schritt auch ihr Parteilogo geändert (dt berichtete). Auf eine Slab-Serifenschrift (PMN Caecilia) folgt nun eine kräftige Groteskschrift.

Viele Unternehmen und Marken sind in den letzten Jahren zu ihren früheren Logos/Signets zurückgekehrt und versuchen auf diese Weise die Marke zu emotionalisieren. Volkswagen, Pepsi, Burger King, Bahlsen, Reebok, Pizza Hut und viele andere Marken dokumentieren eine regelrechte Rückbesinnungswelle, von der zuletzt auch der VfL Wolfsburg erfasst wurde. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihren Alltag als unübersichtlich, unwägbar und unsicher empfinden, sehnen sich viele nach Verlässlichkeit und Stabilität. Marken fungieren als eine Art Vertrauensanker. Auch die FDP folgt dem Prinzip „Back to the Roots“.

FDP Logo – vorher und nachher, Bildquelle: FDP, Bildmontage: dt
FDP Logo – vorher und nachher, Bildquelle: FDP, Bildmontage: dt

In dem von der FDP bis 2015 genutzten Parteilogo (Abb. ganz links) sind die Lettern in der von Kurt Weidemann gezeichneten Corporate S gesetzt. Das in den Jahren 2015 bis 2026 verwendete Logo mit ausgeschriebener Wortmarke „Freie Demokraten“ basiert auf der Slabserife PMN Caecilia. Jetzt wechselt die Partei wieder auf eine Groteskschrift.

Das FDP-Kürzel ist fortan in den fetten, serifenlosen Lettern eines Helvetica-Derivats gesetzt. Im Webauftritt unter fdp.de* ist das Logo blau auf weißem Grund dargestellt, während als Profibild ein gelbes FDP-Kürzel auf blauem Grund verwendet wird. Enge Zeichenzwischenräume verstärken die Robustheit. Die Schlichtheit der Zeichen signalisiert einen funktionalen Pragmatismus.

Als ergänzende Hausschrift setzt die FDP künftig auf die Public Sans (entworfen von USWDS, Dan Williams, Pablo Impallari, Rodrigo Fuenzalida). In den von der Partei am Wochenende veröffentlichten Social Posts sind Texte und Überschriften in dieser modernen Groteskschrift gesetzt.

Auch beim Farbspektrum setzt die Partei bewusst auf frühere und vertraute Codes. Blau und Gelb fungieren wieder als Primärfarben, wie schon zur Ära von Guido Westerwelle (2001–2011) oder von Hans-Dietrich Genscher (1974–1985). Magenta und Cyan, unter dem Vorsitz von Christian Lindner eingeführt, haben ausgedient.

Im Zuge der Einführung des Erscheinungsbildes der Lindner-Ära im Jahr 2015 und der Umstellung auf Gelb, Magenta und Cyan als Parteifarben kommentierte Kubicki damals: „Gelegentlich muss man mal die Tapeten wieder neu streichen oder überkleben, um festzustellen, in was für einer tollen Wohnung man lebt“. Das aktuelle Redesign wurde weder im Rahmen des Bundesparteitages eingehend thematisiert, noch wurde dem veränderten Erscheinungsbild seitens der Partei eine Pressemeldung gewidmet. Eine Anfrage an die Pressestelle wurde bislang nicht beantwortet (siehe Update unten).

FDP Claim: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich.“, Quelle: FDP
FDP Claim: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich.“, Quelle: FDP

Der Weg des Neuanfangs beginnt für die FDP mit der Rückkehr zum Bekannten. Neue Stilelemente gibt es auch, wie den Orange-Gelb-Blau-Farbverlauf, der Sonnenaufgangsstimmung verbreiten und so den personellen und inhaltlichen Neustart auf der visuellen Ebene unterstreichen soll (Abb. oben).

Als neuen Marken-Claim setzt die Partei künftig auf: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“.

Ob der personelle Wechsel verbunden mit dem visuellen Wandel politisch Wirkung entfalten kann und eine Rückkehr in die Parlamente gelingt, wird sich zeigen. In Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stehen im Herbst Landtagswahlen an. Bis dahin will die Partei ein neues Grundsatzprogramm beschließen.

Wie bewerten dt-Leser das Design? Kann vom neuen visuellen Erscheinungsbild der FDP ein Signal des Aufbruchs ausgehen oder ist die vollzogene Rückkehr zum Bewährten der falsche kommunikative Ansatz? #Diskussion

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Mediengalerie

Update 02.06.2026, 14:45 Uhr: Wie die Pressestelle der FDP mitteilt (und einen Leserkommentar bestätigt), wurde der Designprozess durch die Agentur Antoni begleitet. Zwei von der Pressestelle zur Verfügung gestellte Fotos vom Bundesparteitag wurden der Galerie hinzugefügt (Bild 1, Bild 2).

* Auf das neue Design umgestellt wurde bislang lediglich, im Sinne einer Splash Page, die Startseite. Alle Unterseiten zeigen noch das alte Design.

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 20 Kommentare

  1. Gibt mir Lufthansa Vibes. Die “Altbackenheit” des Designs ist natürlich gewollt, passt in meinen Augen auch gut zu der Partei und ihrem neuen Vorsitzenden. Nach Aufbruch und frischen Ideen sieht es nicht aus.

  2. Neben dieser starken Reduktion und dem Zitieren sehr weit zurückliegender, besserer Zeiten wirkt die CDU geradezu anti. Irre steril, reminiszierend und insgesamt wenig los; manchmal ist mehr doch mehr.

    Auf dem gelben Hintergrund spielt sich dann die ganze Spannung eines Dudens / Langenscheidt-Wörterbuchs ab. So ähnlich stelle ich mir auch den Inhalt des Parteiprogramms vor: alle Wörter drin, macht Ihr Wähler*innen Euch mal selbst einen Sinn draus. Das ist, wofür die FDP steht: eigentlich nichts.

      1. Achim, welche Freiheit denn? Das die Reichen noch reicher werden? Das die Mieten weiter steigen? Das sie neue Atomkraftwerke bauen wollen? Tatsächlich finde ich es sehr nebulös, was sie meinen. Nicht greifbar, kein Aufbruch für mich. Wie du sagst: nicht verkehrt. Heißt übersetzt 3-, oder? Wenn wir uns den Wahlkampf des New Yorker Bürgermeister ansehen, so hatte er drei klare Botschaften, für die er gewählt wurde. Auch das vermisse ich hier. Freiheit ist definierbar und austauschbar. Schöne Grüße, Micha

        1. Dank Dir Micha.

          „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“ steht als Markenclaim auf einer anderen semantischen, markentheoretischen Ebene als politische Forderungen (sofern sie konkret sind). Deshalb ist es nicht ganz fair, diese miteinander zu vergleichen.

          „Freeze the rent. Fast, fare free buses. No cost childcare.“ waren im Wahlkampf Zohran Mamdanis zentrale politische Forderungen. Man kann diese auch als Kernbotschaften bezeichnen – doch sie sind gewiss kein Markenclaim. Mamdanis Forderungen sind vergleichsweise konkret, und nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort. Ein Markenclaim ist hingegen oftmals abstrakt und unbestimmt/vage. Die Bedeutungsoffenheit ist das strategische Prinzip. Sie ermöglicht ganz andere Narrative, auch eine stärkere Emotionalisierung.

          Claims wie „Just do it“ (Nike), „Think different“ (Apple) oder „Ich liebe es“ (McDonald’s) sind eine Art Projektionsfläche. Je bedeutungsoffener ein Claim formuliert ist, desto größer ist der Spielraum für individuelle Interpretation.

          Welche Freiheit gemeint ist, ist individuelle Auslegungssache. Genau darum geht es: Diesen Raum, der sich sprachlich öffnet, kognitiv mit Inhalt zu füllen. Toyotas „Nichts ist unmöglich“ ist ähnlich angelegt.

          Da Markenclaims oftmals großen Spielraum für Interpretationen bieten, können sie auch negativ auslegt werden. Wie von Dir angedeutet. Dies ist typisch. Shoot! Just do it!

          „Freiheit“ kann deshalb auch jene Freiheit sein, wie im Februar 2020 im Thüringer Landtag geschehen, sich mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen.

          Solche Auslegungen sind bei einem abstrakt formulierten Markenclaim stets möglich. Was nicht besagt, dass ein abstrakter Claim prinzipiell schlecht sein muss.

          Der Markenclaim „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“ ist im Fall der FDP nicht verkehrt, wie ich es formuliert habe, da er die Brand Essence der Marke enthält: Freiheit. Der Claim ist nicht aufgesetzt, nicht affektiert. Er passt zur Marke, ist glaubhaft. Und er bietet eine große Projektionsfläche.

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