Schwer verdaulich: das neue Salz-Warnsymbol von New York City

New York City – Sodium Warning Label

In New York hat man dem Salz den Kampf angesagt. Seit vergangenen Dienstag ist eine städtische Verordnung in Kraft, die eine Kennzeichnung von stark salzhaltigen Speisen und Lebensmitteln vorschreibt. Mit einem Warnsymbol werden New Yorks Bürger nun auf entsprechende Produkte hingewiesen.

Mit der sogenannten „National Salt Reduction Initiative (NSRI)“ möchte das NYC Health Department seine Bürger für den Konsum von Salz sensibilisieren und vor zu stark salzhaltigen Produkten warnen. Hintergrund hierfür ist, dass der übermäßige Verzehr von Salz zu einem Natriumüberschuss im Körper führen kann, wodurch das Risiko an Krebs zu erkranken, steigt. Allgemein wird empfohlen, nicht mehr als 6 Gramm Salz (enthält rund 2,3 Gramm Natrium) pro Tag zu sich zu nehmen. Speisen und Lebensmittel, die mehr als 2,3 Gramm Natrium enthalten, müssen in New York fortan mit einem Warnsymbol gekennzeichnet werden.

New York ist die erste Stadt, die eine solche Verordnung erlassen hat. Betroffen sind alle Restaurantketten mit mehr als 15 Filialen. Betreiber haben nun 90 Tage Zeit, das vom Gesundheitsamt veröffentlichte Salz-Warnsymbol auf Speisekarten und Produkthinweisen einzusetzen, sofern denn Produkte die Richtwerte übersteigen.

Die Vereinigung nationaler Restaurants (National Restaurant Association), ein Lobbyverband, der unter anderem von Disney, McDonald’s und Starbucks finanziell unterstützt wird, hat bereits angekündigt, gegen die Verordnung juristisch vorgehen zu wollen. Gleichwohl haben Verantwortliche etwa bei McDonald’s und Burger King angekündigt, die im Rahmen der NSRI formulierten Auflagen einhalten zu wollen.

Kommentar

Typisch Behörde – die Verordnung als solche wie auch das entsprechende Warnsymbol: ein Gefahrzeichen-Dreieck nebst Salzstreuer. Bedenkt man, in welch geringer Größe das Symbol meist zur Anwendung kommen wird (siehe Abb. unten), werden die Defizite dieses Zeichens schnell deutlich. Auf 10 Millimeter in der Höhe verkleinert bleibt vom Salzstreuer kaum mehr Erkennbares übrig. In der Detailansicht (Link) treten zudem die erschreckenden handwerklichen Mängel des Salz-Warnsymbols zum Vorschein. Etwas derart schlampig-schludriges wäre in einem von einer Designagentur begleiteten Prozess kaum freigegeben worden. Siegel und Symbole, die von Behörden ins Leben gerufen werden, lassen allzu oft jeglichen Gestaltungssinn vermissen, so auch hier. Statt unterschiedliche Symbole und Logos für Fett, Zucker, Salz, etc. einzuführen, sollte man den Einsatz einer Kennzeichnung mittels Ampel in Betracht ziehen, wie sie beispielsweise die Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch hierzulande empfiehlt.

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25 Kommentare zu “Schwer verdaulich: das neue Salz-Warnsymbol von New York City

  1. Schön, dass sich hier ein Gremium mal wieder so richtig austoben und profilieren konnte. Die ständige Bevormundung von Bürgern ist echt ein Graus unserer Zivilisation, da spielt es in meinen Augen erst mal eine untergeordnete Rolle, in welchem Maß dem Symbol handwerkliche Fertigkeiten abhanden kommen. Die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit ist das alarmierende. Gebt dem Volk seine Mündigkeit zurück!

    • Man könnte aber auch argumentieren, dass ja eben durch die Einführung der Symbole versucht wird „dem Volk seine Mündigkeit“ zurück zu geben, indem man die Lebensmittel „transparenter“ macht, also offensichtlich wird, z.B. wie viel (bzw. zumindest DAS viel) Salz in einem Gericht vorhanden ist (was ja zuvor nicht offensichtlich war). Ich schreibe den Menschen damit ja nichts vor – bevormunde sie also nicht -, sondern ermögliche Ihnen nur eine differenzierte Entscheidung treffen zu können. In einer Zeit in der sich jeder Mensch seine Speisen selbst zubereitet hat, hatte er die Kontrolle über alle Inhaltsstoffe, das ist in der heutigen Zeit immer mehr verloren gegangen (Essen im Restaurant, Fertiggerichte…). Durch eine entsprechende Kennzeichnung wird nun versucht die Macht der freien Entscheidung sowie die Transparenz wieder in die Hände des Konsumenten zu legen. Das funktioniert mit der hier gezeigten Umsetzung wirklich nur sehr bedingt, bzw. ist dieses ehr fragwürdig (eine Ampel, wie Achim erwähnte, wäre um einiges sinniger), aber grundsätzlich muß ich dir da schon widersprechen.

      • So kann man nicht argumentieren. Denn auch bisher musste der Salzgehalt in den USA angegeben werden (Sodium in mg und als Prozent der durchschnittlichen Tagesation), siehe bspw.:https://www.waldenfarms.com/Images-Other/BleuCheese.gif

        Transparenz war also schon dar, was dazu kommt ist ausschließlich ein „Warnsignal“. Es wird nicht mehr gesagt, dies ist der Salzgehalt, entscheide selbst, sondern eine bevormundende Warnung aufgedruckt.

        Im übrigen ist das ganze eh zweifelhaft. Ein Großteil der Bevölkerung kann der Gehalt an Salz vollkommen egal sein. Etwa 80% (iirc) reagieren nicht mit Bluthochdruck auf Salz im Essen und haben deshalb dessen negative Folgen nicht. Sie scheiden zu viel Salz ganz einfach wieder aus. Darüber wird aber nicht informiert.

        Eine Ampel wäre übrigens das Dümmste, was man einführen könnte. Man muss nur an die Hersteller denken und wie die auf eine dicke rote Ampel reagieren würden: Rote Ampel, oh graus, also Butter raus aus dem Rezept, dafür Wasser und Verdickungsmittel rein, dazu Butteraroma. Schwups ist die rote Ampel weg, billiger ist es auch noch auch. Der dumme Verbraucher kriegt billigen Fraß, aber ’ne grüne Ampel und denkt das wäre jetzt was Gutes.

        Und zum Thema differenzierte Entscheidung: Noch nie war das so problemlos möglich wie in der heutigen Zeit. Wer will kann sich sogar per App im Geschäft informieren. Dafür braucht er weder Ampeln noch Salzstreuer auf der Verpackung.

    • Franz Kummer, schau mal auf die Anordnung der Elemente, etwa die beiden vertikalen Linien und die fünf Öffnungen im obersten Segment. Hier stimmen die Abstände nicht. Die zweite Ellipse von rechts kommt dem oberen Rand viel zu nah. Zudem sind die Elemente nicht zentrisch ausgerichtet. Im zweiten Segment, dem Deckel, sind die Bögen unterschiedlich, was dazu führt, dass die rechte Vertikale kürzer ist als die linke. Auch wenn das alles Feinheiten sind, führt das in der praktischen Anwendung dazu, dass Linien in einander übergehen, was die Erkennbarkeit beeinträchtigt. Und vor allem zeigt es, wie wenig man sich mit der Formgebung beschäftigt hat. So etwas darf als offizielles Warnzeichen eigentlich nicht freigegeben werden. Abgesehen davon wiegen die konzeptionellen Mängel schwerer, denn in dieser Form warnt das Zeichen vor einem Salzstreuer, nicht vor dem übermäßigen Verzehr von Salz.

      • …und dabei hätte es so einfach sein können, indem man eine Hälfte vernünftig entwirft und dann spiegelt.

      • Dass die schwarzen Löcher des Salzstreuers mit dunkelgrauen Konturen vom Weiß des Deckels „abgetrennt“ werden, setzt dem Ganzen übrigens die Krone auf.

      • Naja, und dass der Rahmen drum herum ebenfalls in einem Grauton gehalten ist, macht für mich für den Anwendungszweck als kleines Piktogramm ebenfalls null Sinn. Vielmehr macht es den Eindruck, man hätte irgendein farbiges „Warndreieck“ als Vorlage genommen und dieses auf Graustufen gesetzt. Das wäre dann aber der Gipfel des Salzberges…

  2. Wenn die Amis keine anderen Probleme haben, als vor salzhaltigen Lebensmitteln zu warnen…. Wie wärs mal mit nem vernünftigen Waffengesetz und einer Warnung vor Mordinstrumenten? Diese Dämlichkeit ist ja wohl kaum zu verkraften!?! Da bleibt mit glatt das salzhaltige Mittagessen im Hals stecken.

      • Ich wollte nur auf die Banalität im Vergleich mit echten Problemen hinweisen. Was der Mensch frisst ist immer noch sein eigenes Verschulden. Und da der Amerikaner ja auch nicht weiß, dass Fastfood durch übermäßiges Fett und vorallem die Kohlehydrate dick macht, fängt man – um ihn nicht zu überrumpen – mit dem Salzgehalt der Speisen an. Einfach nur peinlich.

    • *PENGG!* Leider wieder das typische Ami-Bashing.
      Also laut dir ist der Ami doof und wir schlau oder was ?
      >Zitat: „Und da der Amerikaner ja auch nicht weiß, dass Fastfood durch übermäßiges Fett und vorallem die Kohlehydrate dick macht, fängt man – um ihn nicht zu überrumpen – mit dem Salzgehalt der Speisen an.“

      Die Amerikaner haben ein vernünftiges Waffengesetz und weil gerade die Mündigkeit der US Bürger bemängelt wurde, traut doch Amerika dir als Bürger pauschal zu, dass du erst einmal das Recht auf eine Waffe hast – hier undenkbar, weil unser Staat zunächst das Schlechte im Menschen unterstellt.
      Natürlich ist es immer schlimm, wenn ein Amoklauf passiert, im Vergleich jedoch zur Masse an in Umlauf befindlichen Waffen ist der Missbrauch jedoch verschwindend gering.
      *Mythos zerstört*
      Nach der Volkswagen Geschichte hoffe ich übrigens dass TTIP endlich kommt.
      Neben schärferen Umweltgesetzen scheint Amerika mittlerweile insgesamt vernünftiger zu sein als sein Ruf wenn man überlegt, was sie bisher alles aufgedeckt und hart verfolgt haben, was Europa nicht konnte oder wollte.

      • Der Begriff „doof“ kam von dir und zunächst mal trifft meine Aussage natürlich nicht auf jeden „Ami“ persönlich zu. Dennnoch bleibe ich bei meiner Meinung. Der Durchschnitts-Amerikaner lässt sich durch Propaganda und Medien derart beinflussen, dass beinahe keine objektive eigene Meinung mehr existiert. Zudem mag ich den arroganten Blick auf den Rest der Welt nicht, denn die USA scheinen die Krone der Schöpfung darzustellen. Jedes andere Land ist klein und primitiv. Zudem muss man sich als Weltpolizei immer und überall einmischen.
        Zu den Waffen kann ich nur sagen, dass ich selbst noch keine gebraucht habe und auch keinerlei Bedürfnis danach habe. Das überlässt man lieber dem Militär, den Jägern und Sportschützen. Ich muss nicht alles besitzen und nutzen, nur weil ich es dürfte.
        Wenn ich hier einem USA-Fan oder den Amerikanern selbst auf die Füße trete, tut mir das sehr leid. Ich habe mir u.A. durch persönliche Erfahrungen einfach mein eigenes Bild machen können. – Freundliche Grüße.

      • „Der Durchschnitts-Amerikaner lässt sich durch Propaganda und Medien derart beinflussen, dass beinahe keine objektive eigene Meinung mehr existiert.“

        Das trifft natürlich auf den Durchschnitts-Deutschen nicht zu, ne? In letzter Zeit mal auf Facebook oder in Dresden gewesen?

        300 Millionen Menschen, egal welcher Herkunft, so in einen Topf zu werfen ist immer bescheuert.

        Wenn ich momentan als Tourist in Deutschland unterwegs wäre, würde ich deiner Logik folgend auch einen ziemlich schlimmen Eindruck von den hier lebenden Menschen gewinnen.

      • Vielen Dank auch für Deine Reaktion. Du hast natürlich absolut Recht, wir Deutschen sind auf dem besten Weg dorthin. Ausgehend von den besagten sozialen Netzwerken und Hartz4-TV sind wir dabei uns in geifernde Smombies zu verwandeln. Dagegen wehre ich mich ebenfalls mit aller Kraft, zumindest soweit es in der „modernen“ Welt überhaupt noch möglich ist. Mir scheint, dass es oft nicht um Weiterentwicklung, sondern um Rückschritt geht, u.A. bei zwischenmenschlichen Dingen oder welches Wissen und welche Werte überhaupt noch zählen.

        Nach der Frage: „Stumpft der Mensch vom Gaffen ab?“ gilt der immer passende Gruß der EAV: „Willkommen im Neandertal!“

        Um für mich einen Schlussstrich unter diese Diskussion zu ziehen, möchte ich zur leichten Beruhigung der Gemüter noch anmerken: Meine Abneigung gilt generell dem, was verblödend auf den Menschen einwirkt, gleich welcher Nationalität er angehört. Die USA hatte ich verstärkt im Fokus, da es hier nunmal um das „Achtung-Salz-Symbol“ aus den Staaten geht… und da sollte die Diskussion eigentlich auch weiter gehen.

        Freundliche Grüße ;-)

  3. Ich dachte, viel Salz sei Gesund und deswegen werden Japaner so alt, weil die soviel Salz über den Fischkonsum aufnehmen?

    Wenn es denn unbedingt ein Salzstreuer sein musste, hätten sie wenigstens eine modernere Anmutung wählen können und nicht so einen alten ranzigen Autobahnraststättenstreue indem das Salz schon gelb und brockig ist.

  4. Ich finde ein Symbol, welches an Gefahrensymbole wie jene für ätzende oder umweltgefährdende Stoffe in Chemikalienlagern angelehnt ist, schon wieder unfreiwillig komisch. Es karikiert die Ernährungshysterie unserer Zeit besonders plakativ. Denn Ursache für galoppierende Fettleibigkeit oder Diabetes etc. ist natürlich nicht Wurst oder Fleisch oder Salz, sondern, dass wir insgesamt zuviel fressen, das auch noch unregelmäßig und umgekehrt unzureichend Bewegung haben und uns nur noch die Hintern platt sitzen. Dazu Zigaretten und Alkohol und zu wenig Schlaf und zuviel Stress und und und.

    Und der kleine Salzstreuer ist unser moderner Sündenbock, auf den wir unser schlechtes Gewissen laden.

    Wie Archäologen wohl einmal solch ein Artefakt aus dem 21. Jahrhundert interpretieren werden, wenn Sie Objekte mit diesem Symbol ausgraben?

  5. Nachdem jetzt alles über die (handwerklichen Mängel) an dem Zeichen gesagt ist:
    Was wäre denn ein besseres Zeichen? Es ist sehr einfach das Schlechte in Dingen zu sehen, aber hat/kennt hier jemand einen besseren Entwurf?

    • Einen Vorschlag hatte ich mit der Ampel bereits im Artikel genannt. Anstelle eines Gefahrdreiecks hätte man mit einem stilisierten „S“ arbeiten können. Ein S, das sich aus Punkten/Körnern zusammensetzt. Etwas, das in Richtung Brand USA ginge. Vielleicht in rot gesetzt. S ist der Anfangsbuchstabe sowohl von Salt wie auch von Sodium, was im Deutschen Natrium bedeutet. Nicht das Salz als solches ist schädlich, sondern Natrium, sofern es denn zu viel konsumiert wird.

      Davon abgesehen können Symbole und Ampel-Kennung alleine kein Bewusstsein für Ernährung schaffen. Da braucht es andere, ganzheitliche Ansätze. Kluge Gestaltung kann dazu beitragen, ein solches Bewusstsein zu fördern. So aber…

      • Ich finde den Salzstreuer deutlich einprägsamer als ein „S“, zumal im Englischen neben dem Salz auch der Zucker mit S beginnt.

    • Gegen den Salzstreuer an sich hat doch keiner was – es ist wohl das prägnanteste Zeichen für „Salz“.
      Hätte man diesen nicht so altbacken dargestellt, sauberer umgesetzt und das Dreieck noch mal hinterfragt, wäre der Aufschrei hier wohl nicht so groß gewesen.

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