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Schweizer Pass im neuen Design

Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)

Die Schweiz führt für Staatsangehörige einen neuen Reisepass ein. Der Pass entspreche neuesten Standards für Identitätsdokumente und enthalte „einzigartige Designelemente, die von der Schweizer Landschaft inspiriert sind“, wie es seitens des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) im Rahmen der Vorstellung heißt.

Das Design des Schweizer Passes ist 16 Jahre alt. Im Zuge der Einführung biometrischer Daten wurde der Pass zuletzt im Jahr 2006 an die damaligen Sicherheitsstandards angepasst. Die nun vollzogene Überarbeitung erfolgt vor dem Hintergrund weiter gestiegener Sicherheitsstandards.

Auch weiterhin besteht der Schweizer Pass aus einem roten Einband. Anstelle von Kreuzen sind auf dem Einband nun jedoch Gebirgszüge dargestellt – und zwar in Form einer Blindprägung, die eine haptische Wirkung erzeugt. Auf jeder Seite, die für Visa-Stempel dient, wird ein Kanton abgebildet. Wie bisher werden die biometrischen Daten auf dem Mikrochip gespeichert, der sich im Einband des Reisepasses befindet.

Auszug der Pressemeldung

Die neue Passfamilie vereint Sicherheit, Funktionalität und Ästhetik. Sie basiert auf den neuesten Technologien für Sicherheitsmerkmale von Ausweisdokumenten. Diese Sicherheitsmerkmale, die sowohl mit blossem Auge als auch unter UV-Licht sichtbar sind, machen den Schweizer Pass zu einem sicheren und einzigartigen Dokument. Das Design des neuen Reisepasses veranschaulicht die Eigenschaften der Schweiz als ein Land, das sowohl heimatverbunden als auch weltoffen ist. Das Wasser ist ein wiederkehrendes Element, das sich durch alle 26 Kantone zieht, von den Alpengipfeln bis in die Täler. Das Gotthardmassiv bildet mit dem Pizzo Rotondo das Zentrum. Es beherbergt die Quellen der grössten Schweizer Flüsse, die sich bis ins Ausland erstrecken, und verbindet so die Hauptthemen des Designs: Berge und Wasser.

Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)
Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)Schweizer Pass - neues Design (ab 2022), Quelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol)

Auf der ersten Innenseite ist der Pizzo Rotondo dargestellt, der höchste Berg des Gotthardmassivs. Der Pizzo Rotondo wurde laut der Bundesbehörde gewählt, da er der höchste Punkt im Gotthardmassiv ist. Das Gotthardmassiv wurde gewählt, da es die Quelle der größten Schweizer Flüsse beheimatet und somit beide Design-Hauptthemen, Berge und Wasser, verbindet.

Die Kantonssujets wurden vom früheren Pass übernommen und dem aktuellen Design angepasst. Die Kantonssujets sind weiterhin vorhanden, neu aber ausschließlich unter ultraviolettem Licht sichtbar.

Neue Typo

Die auf der Vorderseite des Einbandes abgebildeten Bezeichnungen „Schweizer Pass“ (deutsch), „Passeport suisse“ (französisch), „Passaporto svizzero“ (italienisch), „Passaport svizzer“ (rätoromanisch) und „Swiss passport“ (englisch) sind nicht mehr in der Arial gesetzt. Die Systemschrift Arial ist seit langem Bestandteil des Corporate Designs der Schweizer Bundesverwaltung, aus Gründen der Praktikabilität, wie es heißt.

Schweizer Pass - Design / Typo Vorderseite– vorher und nachher, Bildquelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol), Bildmontage: dt
Schweizer Pass – Design / Typo Vorderseite– vorher und nachher, Bildquelle: Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol), Bildmontage: dt

Neben der Arial ist die Frutiger die Hausschrift der Schweizer Bundesverwaltung. Beide Schriften entsprechen laut Bundesverwaltung den Gestaltungsgrundsätzen des Bundes, da diese „klassisch zeitlos, diskret und klar“ seien. Die auf der Vorderseite des neuen Passes gesetzten Bezeichnungen sind jedoch weder in Arial, noch in Frutiger gesetzt, gut zu erkennen etwa an der i-Minuskel, die über eine linksseitige Serife verfügt – ein Merkmal, das insbesondere auf Maschinenlesbarkeit hin ausgerichtete Schriftarten aufweisen, so auch die vom Schweizer Typographen Adrian Frutiger entworfene OCR-B.

Der OCR-B-Zeichensatz hat sich weltweit als Standard für die Beschriftung maschinenlesbarer Angaben in Ausweisdokumenten und Legitimationspapieren durchgesetzt. Gut möglich also, dass der Wechsel auf die neue Typo vor dem Hintergrund gestiegener Sicherheitsstandards einerseits wie auch im Hinblick auf eine optische Angleichung des Schriftbildes andererseits vorgenommen wurde. Denn auch im Schweizer Pass kommt die OCR-B auf den Innenseiten zum Einsatz. Wie die Bundesverwaltung dem dt auf Anfrage mitteilt, sind in den Ausweisen teilweise proprietäre Schriftarten enthalten, welche dem Bund gehören und nicht öffentlich erhältlich sind.

Zusätzlich zu den im Web durch das Bundesamt für Polizei bereitgestellten Informationen wurde zudem ein Video produziert, in dem der Pass präsentiert wird:

Neben dem Reisepass wird derzeit auch eine neue Identitätskarte entwickelt und entworfen. Die Einführung dieser Identitätskarte ist für das erste Halbjahr 2023 vorgesehen. Der neue Schweizer Pass ist ab sofort in den jeweiligen kantonalen Passstellen erhältlich.

Das Design des neuen Schweizer Passes entstand in Zusammenarbeit mit der Firma RETINAA SA (Genf).

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Kommentar

Die Gestaltung, insbesondere die des roten Einbandes samt der im Blindprägeverfahren aufgebrachten Höhenlinien, vermittelt Wertigkeit. Nicht nur haptisch hat der Schweizer Pass mehr zu bieten als etwa das deutsche Pendant, auch optisch ist die Gestaltung überzeugender. Während beim Deutschen Pass Gestaltungselemente wie das Brandenburger Tor, der Bundesadler oder Sterne völlig uninspiriert bisweilen chaotisch angeordnet sind, greift beim Schweizer Pass ein Designkonzept.

Nun ist die Schweiz gewiss nicht das einzige Land auf der Welt, für das eine durch Berge und Wasser geformte Landschaft charakteristisch ist. Und doch braucht es, will man überzeugendes Design schaffen, ein Konzept, eine Idee, ein Leitmotiv, etwas Sinngebendes. Diesbezüglich ist die Schweizer Bundesverwaltung, bezogen auf den Reisepass, der Deutschen Bundesregierung voraus. Denn in der Schweiz hat man schon längst erkannt, dass ein solcher Pass mehr ist, als bloß ein mit Sicherheitsmerkmalen ausgestattetes Dokument zur Identifikation einer Person. Der Pass ist zudem Ausdruck der individuellen Persönlichkeit, gleichsam der nationalen Kultur. Auch in Norwegen wird der Reisepass als Teil nationaler Identität angesehen – entsprechend sorgsam und mit viel Liebe fürs Detail wurde dieser neu gestaltet.

Der Schweizer Pass enthält im Innenteil gleichwohl derart viele Elemente, Formen, Zeichen und Symbole, dass die üppige Gestaltung teilweise ein wenig erschlagend wirkt. Etwas mehr helvetische Klarheit/Sachlichkeit hätten die Innenseiten schon vertragen können.

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Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Gefällt mir sehr gut! Die Motivthemen erinnern mich an den norwegischen Pass, haben aber eine ganz eigene Formsprache.
    Mir gefällt die “Swissness” des Dokuments. Schade, dass andere Länder (wie z.B. Deutschland) Ihre Dokumente rein funktional designen und dabei weniger auf die identitätsstiftende Funktion zurückgreifen.

    1. dt-Hinweis****************************
      Kommentar wurde gelöscht: Bitte bleiben Sie sachlich. Dies ist ein Fachblog, in dem über Design diskutiert wird. Für tendenziell ausgrenzende, tendenziell aufwiegelnde, plumpe Kommentare ist hier kein Platz.
      **************************************

  2. Danke für die Vorstellung, Achim.
    Faszinierend mit welcher Leichtigkeit ein Identitätsstiftendes Konzept umgesetzt wurde. Die Schweizer können es! Hut ab.

  3. Meines Erachtens nach ein wirklich gelungenes Ergebnis, vor allem wegen der von Achim als erschlagend beschriebenen Wirkung im Innenteil. Da liegt er in formal-ästhetischer Hinsicht völlig richtig – sehe ich auch so. Ich nehme das allerdings eher als unverfälschte Angleichung an die Realität da draußen wahr. Die Welt ist so laut, bunt und schrill wie nie zu vor. Der heutige Mensch, der so gütig ist seine “kostbare” Zeit irgend einer Sache zu widmen, muss mit Reizen belohnt werden – auch bitte beim Durchblättern seines Reisepasses. Alles muss ein Erlebnis sein. Die reine, sachliche Information ist langweilig geworden – “da gibt es nichts mehr zu erleben.” Reiz! Reiz! Reiz! Willkommen in der neuen Welt. Gute Arbeit!

    1. In einer immer mehr reizüberfluteten Welt steigt auch der Reiz von im Kontrast dazu stehendem ruhigem klaren Design, finde ich. Dass hier die typische Schweizer Sachlichkeit als eingetragenes Identitätsmerkmal des Landes im Inhaltsteil aufgegeben wurde, finde ich auch schade und wenig nachvollziehbar. Hingegen hätte man aus meiner Sicht mit der Typo etwas mutiger, innovativer sein können. Ist OCR-B tatsächlich noch nötig heute oder wäre auch etwas wie Simplon oder Akkurat Mono (beide von Schweizer Foundries der Gegenwart) möglich gewesen?

      1. Ist OCR-B tatsächlich noch nötig heute oder wäre auch etwas wie Simplon oder Akkurat Mono (beide von Schweizer Foundries der Gegenwart) möglich gewesen?

        Gute Frage, die ich nicht beantworten kann, aber die mich ebenfalls interessiert. Womöglich können andere Fachkundige weiterhelfen?

      2. Mein Kommentar ist auch bewusst zum Teil ironisch und überspitzt gemeint. Ich gebe dir völlig recht, dass wir visuelle Ruhezonen brauchen. Finde dennoch, dass es eine gute Arbeit ist!

      3. Disclaimer: Ich komme nicht aus der „Branche“, arbeite aber in anderen Branchen an der Entwicklung von Maschinen und Software.

        Sehr viele Details dazu kann man hier lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Biometrischer_Reisepass

        Es gibt im Pass eine „maschinenlesbare Zone“. Diese ist weltweit standardisiert und die Standards schreiben OCR-B vor. Seit langer Zeit kann Bilderkennungs-Software auch andere Schriftarten lesen (siehe: Google Lens, Abbyy FineReader etc.) aber die Standardisierung hat einige Vorteile:
        1. Alte Lesegeräte (an Flughäfen, Konstrollstellen) funktionieren weiter
        2. Lesegeräte lassen sich einfacher entwickeln und testen wenn man nur eine Variante bedenken muss und nicht hunderte Schriftarten, Farben, Layout-Varianten

        Vielleicht sind auch die Komponenten (Kameras, Rechentechnik) zum Lesen von OCR-B einfacher und billiger, als das, was man zum Lesen beliebiger Texte braucht.

        Die restlichen Texte (außerhalb der maschinenlesbaren Zone) sind davon aber unberührt. Der im Beispiel gezeigte längere Text („ … ist mit der erforderlichen Sorgfalt zu behandeln …“) ist auch nicht aus der OCR-B gesetzt, was man am kleinen ‚g’ sieht.

  4. Eine wunderbare Arbeit, die Spaß macht, zu betrachten. Vom Blutspende-Ausweis des roten Kreuzes durch die Haptik des Umschlags gut zu unterscheiden.
    Warum ist der Ausweis eigentlich rot, nicht gelb, blau oder schwarz? Was liegt dort für ein Farbcode hinter und wer definiert den? Wer hat es erstellt, welche Agentur? Habe ich das überlesen?

    1. Weshalb sollte der Pass gelb sein? Seit 1959 ist der Schweizer Pass rot, siehe Historie. Bereits 1889 wurde das Aussehen des eidgenössischen Wappens – weißes Kreuz auf rotem Grund – per Bundesbeschluss festgelegt. Davon leitet sich auch das Aussehen des Passes ab.

      Der Name der Agentur, die für das Design verantwortlich zeichnet, wird im Artikel genannt.

  5. Können Norwegen und die Schweiz so hübsche Passporte gestalten, weil sie klein sind. Im Gegensatz zu Deutschland? Nee, die Franzosen sind ebenso groß, wie Deutschland und können auch tolle Passeports gestalten.

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