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Schriftbild süß-sauer

Kein Aprilscherz. Schmunzeln musste ich kürzlich, als ich beim Vorbeifahren diese Außenwerbung entdeckte. Offensichtlich waren die in der Times gesetzten Buchstaben dazu bestimmt, entlang eines Ovals ausgerichtet zu werden. Daraus wurde jedoch nichts, wie man sieht. So gerade eben noch passen die Buchstaben, die beim Anbringen eigenwillig positioniert und zum Teil sogar neu sortiert wurden, auf das rechteckige Schild. Ein typographischer Leckerbissen, bei dem man mit der Zunge schnalzst.

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 30 Kommentare

  1. @Kai: Vollkommen richtig! Das sage ich als Kunde und Lieferant von Werbetechnikern. Meine Erfahrung zeigt, dass die Handwerker typografisch oft besser informiert sind wie manch ein “studierten Designer”. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass “Satzfehler” z.B. bei der Einzelbuchstabenherstellung bzw. Montage viel teuerer daher kommen, als typografische “Fehltritte” in einem Magazin, was ja auch noch kurz vor Drucklegung am Rechner optimiert werden kann.

    Zum Artikel – Der Besitzer hat vermutlich auf Bestandsobjekte zurückgegriffen – auch vermutlich aus Kostengründen. Denn Einzelbuchstaben in dieser Menge und Umsetzung (abgesehen jetzt vom Font) sind schon sehr wertig und gut im fünfstelligen Euro-Bereich inkl. der Montagearbeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine ovale Schilderanlage plant und baut ohne zuvor eine Baugenehmigiung zu haben. Diese muss bereits für eine “Werbe-Tafel” des Zahnarztes an seiner Fassade erteilt werden! Der Bauantrag wird mit allen erforderlichen technischen Angaben und Fotomontagen der “Nachher-Situation” gestellt – und bevor man kein “GO!” von der Behörde erhält, passiert erstmal nix!

    Wenn die Baubehörde dann schreibt: “Einzelbuchstaben in der Höhe X, Breite Y, Tiefe Z, Beleuchtungsart BliBlaBluna ist zugelassen.” und der Hausbesitzer auch abnickt, dann geht der entspannte Asiate mit einem Zollstock zu seiner Garage und misst die eingelagerten Buchstaben ab. Ist alles im gebotenen deutschen Behördenmaß, werden die guten alten Stücke der ovalen Anlage amontiert – von wem auch immer.

  2. @Hans Dieter und Kai – meine WordArt-Anmerkung bezog sich nicht auf den Werbetechniker, sondern eher auf den Kunden, der vielleicht ohne Böses im Sinn die ihm zur Verfügung stehenden Mittel genutzt hat. Tatsächlich halte ich auch Axels (#26) Erklärung für plausibler.

  3. Ich achte die Tradition der Schildermaler sehr hoch – aber wie so oft gibt es nur noch sehr wenige Meister ihres Faches.

    Wenn ich an Schildermaler denke, denke ich zuerst an Houseindustries…

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