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Ryman Eco. Die schönste nachhaltige Schrift der Welt?

Kurzer Rückblick: Im März dieses Jahres geisterte die von Mashable losgetretene Story überflüssigerweise auch hierzulande durch die Presse. Ein 14-jähriger Schüler habe errechnet, dass die US-Regierung jährlich Kosten in Höhe von 467 Millionen US-Dollar einsparen könnte, wenn diese bei ihren Druckerzeugnissen statt der Times New Roman die Garamond einsetzen würde. Unter anderem hat John Brownlee auf Fastcodesign.com das Ganze als Blödsinn entlarvt.

Offensichtlich ließ Monotype das Thema nicht los. So ließ man den Schriftgestalter Dan Rhatigan einen Font namens Ryman Eco entwickeln, den sie, der Werbewirksamkeit wegen, als „world’s most beautiful sustainable font“ bezeichnen. Mit dem Font ließen sich, so wird in einem zweiten Video erklärt, im Vergleich zu „herkömmlichen“ Fonts ein Drittel an Druckkosten einsparen. Auf rymaneco.co.uk kann Ryman Eco kostenlos heruntergeladen werden.

Bei aller Bewunderung, die ich der ausgefeilten typographischen Arbeit entgegen bringe: man sollte die Aktion als das begreifen, was sie in erster Linie ist: Gut gemachte PR und Marketing. Mit Nachhaltigkeit wesentlich mehr zu tun hat da schon eher die Frage, ob man wirklich jede Rohskizze, jeden Entwurf, jedes Briefing und jedes Textdokument ausdrucken muss. Das lässt sich leicht auch ohne Video beantworten. Nein, muss man nicht.

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 19 Kommentare

  1. Wirtschaftlichkeit und Ökologie hin oder her, die Frage ist ja auch: Wie sieht’s mit der Lesbarkeit aus, mit dem Grauwert etc. Die Schrift kann in kleinen Graden z.B. nicht funktionieren und ein “richtiges Schwarz” bekommt man damit auch nicht hin. Wenn das Lesen dadurch erschwert wird, ist der ökonomische Vorteil dahin.

    Schriftexperten tüfteln in monate- bis jahrelanger Handarbeit an Strichstärken, Punzen, Kerning etc. herum und nun soll es ausreichen, dass das Auge die Lücken schließt?

    Ich sehe die Schrift als schöne Alternative für die Gestaltung, nicht aber als “nachhaltigen Font”. Nachhaltig wäre es, auf die tägliche Entwicklung tausender weiterer Schriften zu verzichten, die ohnehin nie oder kaum genutzt werden. Das spart Lebenszeit – und Papier.

      1. ihr meint beide “Ökologie” oder?

        Ökologisch wäre es wohl auch, die Datenbanken nicht mehr Kommentaren wie Euren oder meinen vollzustopfen und damit Strom zu sparen.

      2. Ich will gar nix (und niemanden) beschneiden. Und ich meine sowohl “Ökonomie” als natürlich auch “Ökologie”. Im Artikel geht es ganz deutlich um Kostenreduzierung und Nachhaltigkeit.

        Da man mir die Schrift als nachhaltig verkaufen möchte, äußere ich Zweifel. Der vermeintlich wirtschaftliche (ökonomische) Vorteil durch den geringeren Tintenverbrauch UND der damit einhergehende (ökologische) “Nachhaltigkeitsvorteil” sind in dem Moment vom Tisch gefegt, in dem Leser länger für die Lektüre benötigen oder der Text aufgrund mangelnder Lesbarkeit z.B. größer gesetzt werden muss.

  2. Das stimmt das Marketing in dieser Kampagne ist wirklich gut, aber ist es nicht of so: What you see is what you get? Man sollte nciht nur am Druck oder an der Schrift sondern auch am Papier sparen und sich gut überlegen was man druckt.

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