In einer Woche steigt auf dem Nürburgring in der Eifel “Rock am Ring”. Zum 25-jährigen Bestehen gönnte sich die Festival-Leitung ein neues Outfit. Bei der Gestaltung des neuen Schriftzugs fiel die Wahl auf einen Freefont, der sowohl Einflüsse des Jugendstils aufweist, sich aber auch stark an das Erscheinungsbild von Runen anlehnt. Die Buchstaben M und N in der Wortmarke des Festival-Logos wurden nachträglich modifiziert. Im Ergebnis steht ein ungemein sperriges und kantiges Wortungetüm, ein typographischer Kraftprotz.
Bemerkenswert: Stilrichtungen wie der Jugendstil und Arts & Crafts, die sich beide durch geschwungene, elegante, florale Formen und in der Typographie durch teilweise besonders schmale Buchstaben auszeichnen, geben dem Rockfestival das typographische Gesicht.
Dazu muss man allerdings sagen, dass besonders die Pflug ähnlichen Ecken im C und im G so ganz und gar nicht elegant und auch wenig nach Jugendstil ausschauen. Daran erkennt man, dass der Freefont eben eine Retroversion ist. Nick Curtis gestaltete die Schrift namens: „Fortune Cookie NF“ im Jahr 2006 und fügte gewissermaßen eine Portion „Härte“ hinzu, was sicherlich sehr im Sinne des Veranstalters sein dürfte.
In einer Woche steigt auf dem Nürburgring in der Eifel “Rock am Ring”. Zum 25-jährigen Bestehen gönnte sich die Festival-Leitung ein neues Outfit. Bei der Gestaltung des neuen Schriftzugs fiel die Wahl auf einen Freefont, der sowohl Einflüsse des Jugendstils aufweist, sich aber auch stark an das Erscheinungsbild von Runen anlehnt. Die Buchstaben M und N in der Wortmarke des Festival-Logos wurden nachträglich modifiziert. Im Ergebnis steht ein ungemein sperriges und kantiges Wortungetüm, ein typographischer Kraftprotz.
Bemerkenswert: Stilrichtungen wie der Jugendstil und Arts & Crafts, die sich beide durch geschwungene, elegante, florale Formen und in der Typographie durch teilweise besonders schmale Buchstaben auszeichnen, geben dem Rockfestival das typographische Gesicht.
Dazu muss man allerdings sagen, dass besonders die Pflug ähnlichen Ecken im C und im G so ganz und gar nicht elegant und auch wenig nach Jugendstil ausschauen. Daran erkennt man, dass der Freefont eben eine Retroversion ist. Nick Curtis gestaltete die Schrift namens: „Fortune Cookie NF“ im Jahr 2006 und fügte gewissermaßen eine Portion „Härte“ hinzu, was sicherlich sehr im Sinne des Veranstalters sein dürfte.






Weil einige Runen ebenso wie das Hakenkreuz, das als Swastika ja eigentlich ein Glück verheißendes Symbol ist, von den Nationalsozialisten besetzt und stigmatisiert wurden. Die Geschichte und die Bedeutungsebene lässt sich nicht ohne weiteres von einer Form loslösen. Ebenso wie man ein Stopschild nicht grün färben kann, lassen sich die Farben und Formen, die an das Erscheinungsbild der Nazis erinnern, nicht vollkommen unvoreingenommen einsetzen. Wer sich als Gestalter in diesem Segment tummelt, muss immer damit rechnen, dass die Kreation nicht als „spielerische Weiterentwicklung“ verstanden wird, die politisch inhaltslos konzipiert ist – denn als solche würde ich das RAR-Design aufgrund der Mischung der Stile tatsächlich einstufen –, sondern als ein Zitat, das ganz gezielt eine antisemitische Haltung transportiert, Beispiel: Afrikaner Weerstandsbewegung. Natürlich haben die Nazis Runen und etwa die Farbe Rot nicht erfunden. Die Annektierung der Farbe Rot, die bislang von den Kommunisten genutzt wurde, war allerdings der erste Sieg über den Klassenfeind wahrlich ein Schachzug.
@ jaoTe – RoyalSlimLine Genau dieses Fingerspitzengefühl ist wichtig, das zeigt dieses Beispiel. Rot ist nicht gleich Rot und Jugendstil ist nicht zwangsläufig als Jugendstil erkennbar. Die wenigsten Besucher des Festivals lesen und interpretieren die Gestaltung, wie wir es hier tun. Die Diskussionen im Musikumfeld zeigen, dass es entweder in Richtung: „Ich finds hässlich. Fand das alte Logo besser“ geht oder in Richtung: „Ich mags. Sieht irgendwie metal-mäßig aus“. Ich finde es aber wichtig, sich mit dem Ursprung zu beschäftigen, vor allem vor dem Hintergrund, wenn eine Veranstaltung beworben wird, die auf einem ehemaligen Reichsparteitagsgelände stattfindet (RIP). Danke debruehe für den Hinweis!
Der Vorteil des alten Logos war, dass man es oft sieht und sofort erkennt, zum Beispiel auf T-shirts und Kappen.
Das neue Logo hingegen wirkt mit seinen vermischten Stilrichtungen zwar nicht unausgereift, trifft aber auch keine eindeutige Aussage. Vom Stil her mutet es sogar ein wenig griechisch an. Was gut passt sind die oberen harten Kanten der Schrift. Das “AM” im Kugelblitz könnte größer sein und die Blitze im Gegenzug etwas kleiner.
Ich denke es hätte ein bessere Lösung für das Logo geben können, aber man kann sich damit anfreunden.
Die Homepage wirkt durch das rot-schwarze Design und die dicken Rahmen ebenfalls sehr hart und schwer. So wirklich modern kommt es dadurch nicht rüber. Ein bisschen mehr Leichtigkeit und hellere Farbabstufungen hätten es für das Auge vielleicht abwechslungsreicher gemacht.
Passend dazu gibt es das Favicon auch in SWR Reichsflaggen Ansicht. Undifferenzierte Übernahmen von Stilen ohne Kritik – sei es hartgesottene Metaloptik mit freiwilligem NS-Bezug oder die direkte Anlehnung an den NS – reproduzieren Werte der Ideologie. Punkt
Es erinnert eher an ein modernes Kyrillisch und allgemein wenn, dann eher an die Rotefraktion anstatt die NS.
Der Beitrag ist mehr als dürftig und nichts aussagend.
Grüße…
Hallo Achim,
ich finde es super, dass Du Dich vehement gegen NS-Verharmlosung positionierst. Ich kann allerdings Deine Einlassungen zum RAR-Logo beim besten Willen nicht nachvollziehen.
Mich erinnert das Artwork an alte Propagandaplakate aller Couleur (s. SPD-Plakat in Beitrag 15), die Blitze sind für mich typische “Sendegeräte”-Blitze, wie sie bei Telefunken oder RCA zu finden sind. Die ganz unnazihaften Franz Ferdinand oder die Dead 60s machen Cover Art in diese Richtung.
Bei AC/DC (Gleichstrom/Wechselstrom) steht der Blitz übrigens für “High Voltage” (daher auch das Album dieses Namens), das heißt: kräftig Strom auf den Gittarenverstärkertürmen. Die Schrift ist für mich weniger an nordische Runen angelehnt als an zahlreiche handtypografierte Hard-Rock und Metal-Logos (z.B. Iron Maiden). Witzigerweise hatte ich auch sofort das Led-Zep-Cover aus Beitrag 34 vor augen
Dass der Gebrauch von schwarzweißrot oder den ästhetischen Vorlieben der Nazis eine Gefahr der Verharmlosung der NS-Verbrechen bergen sollen, ist eine andere Sache. Ich kann Dir auch da nicht folgen, aber darüber lässt sich sicher streiten. Ich persönlich fände es besser, wenn eben nicht jeder bei schwarzweißrot “Nazi-Design” schreit. Wenn jeder dritte (und auch Du) sofort diesen Reflex hat, muss man das als Designer wohl berücksichtigen. Schade, weil das einfach eine sehr “starke” Farbkombi ist – und nicht per se rechtsaußen.
Eher ketzerisch mag die Theorie sein, dass sich ein Design auch neu und positiv besetzen lässt: ich erinnere mich, dass schwarzrotgold bis zur WM 2006 (in diesem Fall ohne historisch belastet zu sein) abseits von Olympia und Kanzleramt auch ein nationales “Geschmäckle” hatte (als auch die REPs noch größer als die NPD waren) und jetzt freut man sich, dass alles in unseren Landesfarben erstrahlt, von Lena bis Luftballon.
Meine Meinung: den Nazis nicht die Blitze und schwarzweissrot überlassen! Lieber Rockfestivals damit verbinden!
es liegt ja nicht nur an den farben …
vielleicht ist unten angeführtes buch ganz hilfreich ;-)
NSCI – Andreas Koop
Das visuelle Erscheinungsbild der Nationalsozialisten 1925 – 1945
152 Seiten mit ca. 300 meist farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-87439-768-1
29,80 EUR
@bendschi Über NSCI von Andreas Koop hatte ich im letzten Jahr berichtet.
Hallo Philip, ich finds wunderbar, dass Du Dir so viel Zeit genommen hast. Als einer der wenigen hast Du meinen Versuch, mich gegen eine Verharmlosung der NS-Symbolik zu stellen, erkannt und honorierst ihn. Im Grunde genommen sind wir (alle?) nicht sooo weit aus einander. Natürlich sollte man Schwarz/Weiß/Rot nicht den Braunen überlassen. Aber wer mit den Gestaltungsstilen aus der Geschichte „spielt“ sollte die Geschichte kennen, denn sonst wird aus einer gekonnten Weiterentwicklung schnell ein falsch verstandenes Zitat.
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