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Ritter Sport im neuen Design

RitterSport Redesign (2022)
RitterSport Redesign (2022), Quelle: RitterSport

Die Marke Ritter Sport hat ein Rebranding verpasst bekommen. Nachdem die Verpackungen der Schokoladentafeln bereits 2019 eine Frischzellenkur erhalten hatten und dabei die Gestaltung deutlich verändert wurde, erfolgt nun eine vergleichsweise dezente evolutionäre Weiterentwicklung.

Die Anfänge der Marke Ritter Sport gehen auf die Gründung der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik von Alfred Eugen Ritter und Clara Ritter im Jahr 1912 in Stuttgart (Bad Cannstatt) zurück. In Deutschland verfügt Ritter Sport Angaben des Unternehmens zufolge über eine Markenbekanntheit von 99 Prozent. Produkte der Marke Ritter Sport werden heute in über 100 Ländern weltweit verkauft.

Im Rahmen des aktuellen Redesigns habe man die farbliche Gestaltung modernisiert und den Fokus stärker auf die Zutaten der Schokoladen setzen wollen, wie es in einem Beitrag im Corporate-Blog des Unternehmens heißt. Seit 2018 beziehe man für alle Sorten und für das gesamte Sortiment der Marke Ritter Sport zu 100 % zertifiziert nachhaltigen Kakao. Ein entsprechendes Label ist nun auf jeder Verpackung auf der Vorderseite zu sehen. Derzeit besteht ein Großteil der Primärverpackungen noch aus Polypropylen. Das Unternehmen möchte dies ändern und plant bis spätestens 2025 das gesamte Sortiment papierbasiert zu verpacken.

Ritter Sport Edel-Vollmilch – vorher und nachher
Ritter Sport Edel-Vollmilch – vorher und nachher, Bildquelle: Ritter Sport, Bildmontage: dt
RitterSport Halbbitter – vorher und nachher
RitterSport Halbbitter – vorher und nachher, Bildquelle: RitterSport, Bildmontage: dt

Die grundlegende Gestaltung – zentrischer Aufbau, Verwendung Versal-Typo (Futura), fotografische Abbildungen – bleibt erhalten. Auch das Markenlogo selbst wurde nicht verändert. Die unterschiedlichen Grundfarben für Sorten wurden hingegen modifiziert und leuchten fortan nicht mehr ganz so satt. Die auffälligste Veränderung jedoch ist ein hellgrünes Nachhaltigkeits-Label auf der Vorderseite.

Für das Redesign verantwortlich zeichnet die Agentur KLIS Design (Herrenberg).

Kommentar

Im Hinblick auf das in den letzten Jahren veränderte Bewusstsein der Menschen hinsichtlich Themen wie Bio, Nachhaltigkeit, Verpackung-/Plastikvermeidung, Tierwohl, ist schon überraschend, dass der Bezug von 100 % zertifiziert nachhaltigen Kakao bislang im Packaging Design von Ritter Sport offenbar keine bzw. kaum eine Rolle gespielt hat. Ich denke ebenfalls, dass ein entsprechendes Label ein Differenzierungsmerkmal darstellt und von vielen Konsumenten als ein Qualitätsversprechen wahrgenommen wird. Studien und Marktforschung belegen dies. Ein Stück weit erklärt dies auch die große Anzahl an derlei Labels und Siegel, die es in der Lebensmittel- und beispielsweise in der Bekleidungsindustrie gibt, auch da die Zertifizierung von Produkten/Leistungen ein Geschäft ist.

Zum Thema Label-Dschungel: Müsste heutzutage nicht das Ziel von Markenkommunikation generell sein, dass Qualitätsversprechen wie nachhaltiger Anbau, fairer Handel u.a. über das Markendesign/Markenzeichen, also über die Identität und den Namen einer Marke selbst abgegeben werden? Anstatt dass hierfür Label von Nöten sind? So wie Alnatura für Bio-Lebensmittel steht, Patagonia oder Pyua für Recycling-Kleidung. Wie lange werden Hersteller wohl noch grüne Label und Siegel verwenden, um kenntlich zu machen, was heutzutage doch eigentlich selbstverständlich sein sollte. Bedarf es etwa wirklich eines Labels, um deutlich zu machen, dass ein Produkt ohne Kinderarbeit entstanden ist?

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Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Ritter Sport und die anderen Markenhersteller haben ein großes Problem: Die Herkunft der Rohstoffe. Auf uns Verbraucher prasseln immer neue Siegel ein. Man muss sich sehr mit dem Thema beschäftigen um zu verstehen wofür das Siegel steht und welche Bemessungs-/Berechnungsgrundlagen dort verwendet werden. Leider ist es wie beim BioSiegel oft nur Greenwashing. Mengenausgleich ist hier ein wichtiges Schlagwort. Zudem ist die Verwendung von Milch und die damit verbundene Massentierhaltung ebenfalls schwierig. Die Siegel sollen suggerieren, dass die Bauern fair bezahlt werden, oder dann dieses und jenes dort getan wird… aber die Tierhaltung in Deutschland wird bei Schokoladenherstellern aktuell nicht thematisiert. Milch als Qualitätsmerkmal von Schokoladen wird sich zukünftig ins Gegenteil verkehren. Ritter Sport hat bereits wenige Sorten ohne Milch im Programm. Jedoch allesamt am Konsumenten vorbei entwickelt. Nicht alle Veganer wollen Schoki mit Sesam, Quinoa oder sonstigen exotischen Zutaten. Einfache Rum-Traube-Nuss würde reichen. Die erfolgreichen Sorten mit Milch werden auch die erfolgreichen Sorten auf Pflanzenbasis sein.

    Zur Gestaltung: Es ist eine evolutionäre Weiterentwicklung. Weckt bei mir keine anderen Emotionen. Das Siegel auf der Vorderseite sitzt mir persönlich zu tief. Zu nah am Logo und darüber ist eine Leerfläche. Seltsame Gestaltungsentscheidung.

    Wer ein bessere Einordnung der Siegel möchte dem sei das Projekt Labelchecker.de ans Herz gelegt.

    1. Könntest du deine Behauptung irgendwie bitte belegen, dass Bio häufig nur Greenwashing ist? Meines Wissens ist Bio auf EU-Ebene präzise definiert und wer Bio im Namen führt, ohne die Kriterien zu erfüllen, macht sich Betrugs schuldig.

    2. “Milch als Qualitätsmerkmal von Schokoladen wird sich zukünftig ins Gegenteil verkehren.”

      Genau. Genauso wie sich Flugreise als Qualitätsmerkmal von Urlaub ja ins Gegenteil verkehrt hat, seit man erkannt hat, dass Flugreisen nicht nachhaltig sind, eindrucksvoll zu beobachten diesen Sommer an den deutschen Flughäfen.

      Ich lass das mit dem Fliegen seit Jahren sein und nehme mir daher die Freiheit raus, Milch weiterhin für ein Qualitätsmerkmal von Schokoladen zu halten. Milch hier im Sinne von Milch, d.h. einem aus den Eutern von Kühen geholten Nahrungsmitttel.

    3. Stimme absolut zu, insb. mit der Milch. Man hätte beim Redesign eigentlich auch mal die Rezepturen „redesignen“ können. Die Zukunft ist plant based.

  2. Ich hätte die Änderung im Supermarktregal nicht bemerkt, im direkten Vergleich gefällt mir die alte Verpackung etwas besser, hätte ich da mitgearbeitet, hätte ich die fotografische wohl ganz weggelassen, aber das mag persönlicher, minimalistischer Geschmack sein.

    Zu dem Sigel:
    in manchen Bereichen vertraue ich diesen Sigeln irgendwie garnicht, Kakao ist einer davon, ich weiß garnicht ob man den auch wirklich fair beziehen kann. Tangiert hier (leider!) nicht meine Kaufentscheidung und wird bei mir pauschal in den Greenwashing-Topf geworfen, ob das fair ist oder nicht mag ich garnicht beurteilen.

  3. Die Positionierung der einzelnen Elemente finde ich auch nicht gerade super. Das grüne Siegel ist (wie bereits oben erwähnt) etwas zu tief. Die Produktsorte ist meiner Meinung nach aber zu hoch gesetzt, bzw. zu nah an den Foto-Details des Inhalts.

    Die Farben finde ich persönlich ganz okay. Das etwas matt-pastellige vermittelt mir auch etwas mehr “Natur” als die hochglanz-Optik der alten Verpackungen.

    Bei der Plakatwerbung habe ich auch die ein oder anderen Bauchschmerzen. “Glückliche Erntearbeiter” sind immer etwas mit Vorsicht zu genießen. Die mitten im Urwald aufgestellte, real anmutende Rolltapete finde ich nicht wirklich schön bzw. unnötig. Hier hätte ich den einfarbigen Hintergrund mit einer simplen Rechteck-Grafik (ggf. leicht transparent) besser gefunden. Und das Faultier… ja, netter Gag.

    Insgesamt nicht wirklich schlimm, aber eben auch nicht perfekt. Die Änderung wäre mir im Regal jetzt auch nicht aufgefallen.

  4. Die sachliche Zurückhaltung der alten Verpackung hat mir deutlich besser gefallen. Dadurch dass direkt hinter dem Logo jetzt Bilder sind, wirkt es deutlich unruhiger und das Auge spring hin und her. Das Label dürfte auch etwas kleiner sein, insgesamt wirken die Verpackungen nun überladen. Allerdings ist es im Vergleich zu dem was die Mitbewerber so treiben immer noch sehr elegant und insofern sicher noch eins der besten Designs in diesem Bereich.

  5. Nebeneinander sehe ich links eine Marke und rechts ein Produkt. Links ist die Verpackung gut, rechts ist sie schön. Nachhaltige und eigene Gestaltung wird dem Zeitgeist geopfert. das Logo steht nicht frei genug und jedes weitere Label schwächt die Marke.

  6. Generell gefällt mir das Redesign gut. Mit den zentrierten perspektivischen Fotos bekommt das ganze mehr Tiefe und erzeugt eine gewisse optische Spannung.
    Was ich aber schrecklich finde ist die Position und Größe des Bio-Siegels. Die Position wirkt irgendwie beliebig und eindeutig zu nahe am Logo, wodurch es dem Rittersport-Logo den Freiraum nimmt. Auch durch die Größe drückt es auf das Rittersport-Logo. 12-15% kleiner und etwas weiter nach oben verschoben, dürfte es besser wirken.

  7. Was mir besonders gut gefällt – und darauf wurde noch gar nicht wirklich eingegangen – ist, dass bei den neuen Verpackungen gut aufgeräumt wurde: keine “Bunde Vielfalt” mehr, keine Zusatzinfos á la “50% Kakao”, keine unnötigen, weissen, vertikalen Linien mehr an den Seiten. Das alles lässt die neuen Verpackungen etwas kräftiger und befreiter wirken… wäre da nicht… ja, das neue Öko-Label. Positionierung, Größe, die Menge an Text – wäre toll, wenn da nochmal dran gegangen wird.

    1. Ich finde aber, dass gerade eine Zusatzinfo wie “50% Kakao” unbedingt auf die Vorderseite der Verpackung gehört. Gerade Neu- oder Gelegenheitskunden hilft der Kakaogehalt, um sofort zu erkennen, ob die Schokolade die richtige Bitternote hat. Ist dies nicht gleich ersichtlich, dann nimmt man vielleicht doch lieber die Tafel von der Konkurrenz, wo man weiß, dass die Schokolade nicht zu bitter und nicht zu süß ist. Als regelmäßiger Konsument der Halbbitter-Tafel (wie ich) weiß man natürlich, dass der Kakaogehalt 50% ist, allerdings unterscheidet sich das von Hersteller zu Hersteller. Andere Halbbitter/Zartbitter-Schokoladen haben einen Kakaogehalt von 70%.

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