Rebranding von Rügenwalder Mühle

Rügenwalder Mühle, Markenhersteller von Wurst-, Fleisch- und vegetarischen Produkten, ändert derzeit seinen Markenauftritt. Dass Rügenwalder Mühle seit einigen Jahren verstärkt vegetarische und vegane Produkte herstellt, sieht man dem überarbeiten, nunmehr zweidimensionalen und einfarbigen Logo nicht unbedingt an.

Mit der Herstellung vegetarischer Produkte hat Rügenwalder Mühle in den vergangenen Jahren für ziemlich viel Bewegung innerhalb der Fleischindustrie gesorgt. Der Hersteller hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 40 Prozent des Umsatzes mit vegetarischen Produkten zu erwirtschaften, wie Firmenchef Christian Rauffus und Geschäftsführer Godo Röben gegenüber SPIEGEL erklärten. 2016 lagen die Umsätze bereits bei 20 Prozent.

Das Thema Veggie, so heißt es etwa in einer von Rügenwalder Mühle veröffentlichten Infobroschüre, sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mittlerweile würden 56% der deutschen Gesamtbevölkerung bereits seltener und bewusster Fleisch und Wurst essen, womit sie zur Gruppe der Flexitarier zählen. Rügenwalder Mühle befände sich derzeit in einer Übergangszeit. „Heute müssen wir erklären, warum man vegetarische Wurst essen soll. In fünf Jahren werden sich alle fragen, warum man sie nicht essen sollte“, so Röben im SPIEGEL-Interview.

Im Zuge der Einführung zahlreicher neuer vegetarischer Produkte wurde das Verpackungsdesign sowie insgesamt der Markenauftritt von Rügenwalder Mühle überarbeitet. Seit Mitte März erfolgt sukzessive die Umstellung auf das neue Design, das für die noch junge Veggie-Linie die Farbe Grün vorsieht. Das Markenzeichen, eine rote Windmühle, beinhaltet auch weiterhin zwei Würste als Flügel. Fortan entfällt beim Logo die Abbildung des Markennamens.

Für den neuen Markenauftritt sowie Marketingaktivitäten verantwortlich zeichnet die Agentur BrawandRieken (Hamburg).

Kommentar

Dass sich die Marke derzeit in einer Übergangsphase befindet, ist dem überarbeiteten Markenauftritt durchaus anzusehen. Für eine Lebensmittelmarke, die von Verbrauchern langfristig (auch) als Veggie-Marke wahrgenommen werden möchte, scheint eine Wurstdarstellung im Logo nur bedingt hilfreich. Unabhängig von den tatsächlichen Inhaltsstoffen sind Darstellungen von Würsten unweigerlich mit dem Begriff Tier konnotiert. Um diese semantische Verbindung aufzuweichen/aufzulösen, bedarf es wohl mehrere Generationen an Flexitariern, Vegetariern und Veganern. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) hält die Verwendung von Begriffen wie „Wurst“, „Schnitzel“ und „Frikadelle“ für veganen Wurstalternativen gar für Verbrauchertäuschung und will Fleischnamen für Veggie-Produkte verbieten lassen. Sollte es tatsächlich soweit kommen, wäre Kreativität in Bezug auf die Benennung der Produkte gefragt. Wie soll man etwa eine vegetarische Schnitzelalternative bezeichnen, ohne das Wort Schnitzel zu verwenden?

Es wird in den kommenden Jahren spannend zu beobachten sein, wie sich die unternehmerischen Veränderungen auf den Markenauftritt auswirken werden. Da sich die Marke Rügenwalder Mühle inmitten eines Transformationsprozesses befindet, kann das Design nur eine Momentaufnahme sein.

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70 Kommentare zu “Rebranding von Rügenwalder Mühle

  1. Markenauftritt hin oder her. Wenn eine Wurstwaren-Firma vegetarische Produkte anbietet oder gar als Zukunfts-Projekt anpreist, läuft einfach etwas schief. Entweder ich stehe hinter meinem Handwerk des Metzgers, der nunmal Tiere schlachtet und verarbeitet, oder eben nicht!

    Außerdem kann ich das Denken nicht verstehen, wenn jemand kein tierisches Produkt essen möchte, aber dann Ersatzprodukte konsumiert, die so aussehen und schmecken wie Fleisch.

    Herrn Schmidt von der CSU kann ich da im Prinzip schon verstehen, ABER… ein Verbot der bekannten Fleischwaren-Namen ist natürlich nicht so einfach, zumal sich hinter den Begriffen nicht nur „Fleisch“ versteckt, sondern auch eine bestimmte Form und bekannter Geschmack… Die Kennzeichnung sollte trotzdem deutlich genug sein, ein winziger Zusatz „vegetarisch“ oder nur eine andere Farbe reicht da vielleicht nicht aus…
    In dem Zusammenhang müssen sich natürlich auch Supermärkte ein besseres Sortiersystem ausdenken, dann die Veggie-Frikadellen sollten nicht neben den Echtfleisch-Produkten platziert werden, sondern in einer separaten, deutlich gekennzeichneten Abteilung.

    • Wenn sich jemand aus ethischen Gründen vegan/vegetarisch ernährt, aber den Geschmack von Fleisch und co. mochte, was spricht dann dagegen auf Alternativen zurückzugreifen, die ähnlich aussehen und schmecken? Ist doch naheliegend.
      Ich verstehe eher nicht, wie man das NICHT verstehen kann.

      Person X mag den Geschmack von Hähnchenschnitzeln.
      Person X möchte aber nicht, dass Hühner für seine Ernährung umkommen.
      Person X kauft also etwas, das so aussieht und ähnlich schmeckt wie seine geliebten Hähnchenschnitzel und konsumiert lieber ein (fast) tierleidfreies Produkt aus Soja oder Ähnlichem.
      Person X ist zufrieden.
      Ganz einfache Geschichte, ganz einfache Lösung, kein kompliziertes Denken :)

      • Vom Prinzip her hast du Recht. Je nach Verarbeitungsstufe des Produktes ohne Bestandteile tierischen Ursprungs sollte Person X dann aber seine/ihre ethische Motivation nochmal überdenken.
        Ein Produkt, das auf Biegen und Brechen und mit rücksichtslosem Einsatz so genannter „Chemie“, dem Tierreste-Pendant angeglichen wird, ist doch keine Alternative, sondern eine Verlagerung des Problems.

        Die vom Fleischwurstminister ersonnenen Verbote unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes ist und bleibt dabei natürlich reiner Lobbyismus der untersten Schiene.

        Zum Sortiersystem von Paddy S.: Manche Verkaufsstellen sortieren die Produkte absichtlich NICHT nach vegetarisch/tierisch sondern nach Geschmack bzw. Verwendungszweck, um eben dem Verbraucher alle Optionen, die er hat aufzuzeigen. Ist das sorum nicht viel transparenter, als das einfache Schubladendenken „Original ist Fleisch, vegetarisch ist Fake und schlechter“?

        Zum Thema Kennzeichnung: Ohne offizielle Definition der Begriffe „vegetarisch“ bzw. „vegan“ kommt man hier einfach nicht mehr weiter. Ethische Grundfrage: Wie kann ein Produkt vegan im Sinne von tierleidfrei sein, wenn es von Rügenwalder stammt? Sind nur die Zutaten oder auch die Produktionsstufen zu berücksichtigen?
        Einfacher wäre es, einfach alle Produkte tierischen Ursprungs entsprechend zu kennzeichnen. Das Problem dabei wird sein, dass die Umsatzzahlen von Säften, Gummibärchen und allem anderen, wo kein Tier reingehört, dann deutlich sinken dürften…

      • Manche Verkaufsstellen sortieren die Produkte absichtlich NICHT nach vegetarisch/tierisch sondern nach Geschmack bzw. Verwendungszweck, um eben dem Verbraucher alle Optionen, die er hat aufzuzeigen.

        Und welchen Vorteil soll es haben, dass ein Veganer sich durch die Fleischwaren wühlen muss, um sein Tofuschnitzel zu finden??? Sehe keinen Sinn hinter dieser Methode.

        Ist das sorum nicht viel transparenter, als das einfache Schubladendenken „Original ist Fleisch, vegetarisch ist Fake und schlechter“?

        Finde ich nicht. Außerdem habe ich keine Wertung abgegeben, was denn nun schlechter oder besser ist. Sicher sind tierische Produkte teils ungesünder oder es sind von der Tierhaltung bis zum Endprodukt oft Missstände zu bemängeln – keine Frage. Aber ich finde, dass das ursprüngliche Produkt, welchem der Name zugewiesen wurde einfach DAS ORIGINAL ist, daran gibt es nichts zu rütteln.

        Auch wenn Mancher unter einer „Frikadelle“ auch eine gebratene pflanzliche Masse verstehen mag, liegt der Ursprung des Wortes aber im „tierischen Bereich“. (siehe Wikipedia). Für vegetarische Abwandlungen gab es auch früher z.B. schon die Bezeichnung „Bratling“… und derartige abgewandelte Begriffe kann man auch bei anderen Veggie-Produkten erwarten, ohne eine Verwechslung zu riskieren.

      • Du hattest ein „besseres“ Sortiersystem gefordert. Ich wollte nur aufzeigen, dass es auch gute Gründe für verschiedene Systeme geben kann ;)
        Das mit dem Namen hat halt auch immer ein Für und Wider. Den einen hilft es, gerade als Neu-Vegetarier, sich zurechtzufinden. Dass vegane Salami nicht aus Fleisch ist, verwirrt andere.

        Bis heute sind die Begriffe vegan und vegetarisch weder definiert noch geschützt, was eine eigene „Sprachwelt“ per se schwierig macht.

      • Es geht halt auch um die Bezeichnung, siehe Politiker. Solche Begriffe sind einfach fleischbezogen, warum erfinden die da nicht einfach neue Begriffe, wenns schon was komplett neues ist? Ich kann ja auch nicht einfach ne Scheibe Schinken grün einfärben und als Salatblatt bezeichnen. Da würden sich sämtliche Veganer sicherlich auch aufregen. ;)

        Ganz dämlich wirds wenn Firmen „vegane Fleischwurst“ schreiben und sich nicht nur auf die Form beziehen…

    • Warum sollte hier etwas schief laufen? Alles läuft richtig, solang sich das Produkt gut „dreht“. Der Erfolg der Veggie-Produkte von Rügenwalder erübrigt diese Diskussion.

      • Du hast natürlich Recht. Solange etwas Geld einbringt, läuft nichts schief und Diskussionen erübrigen sich.

    • Markenauftritt hin oder her. Wenn eine Wurstwaren-Firma vegetarische Produkte anbietet oder gar als Zukunfts-Projekt anpreist, läuft einfach etwas schief. Entweder ich stehe hinter meinem Handwerk des Metzgers, der nunmal Tiere schlachtet und verarbeitet, oder eben nicht!

      Mit diesem Argument dürfte sich kein Traditionsunternehmen weiterentwickeln, neue Produkt forcieren und Augen auf Marktwünsche und Kundenbedürfnisse haben. Du kannst ja mal Daimler sagen, dass sie auf dem Verbrennungsmotor beharren müssen und das Thema e-Auto nicht anfassen dürfen, weil der Gottfried damals den Verbrennungsmotor auf vier Rädern erfunden hat.

      Von einer „Tradition des Metzgerhandwerks“ hat sich Rügenwalder zudem doch schon vor Jahrzehnten verabschiedet, das geht bei dem Volumen doch gar nicht anders.

  2. Mal von meiner grundlegenden ethischen Abneigung abgesehen zurück zum Design:
    Die Logoanpassung finde ich gelungen, auch wenn die Jahreszahl für mich wie reinkorrigiert wirkt. Das Logo ist aufs Grundsätzliche reduziert worden und das tut ihm auch gut. Wurstflügel hin oder her – für den ersten Schritt finde ich die Beibehaltung sinnvoll und richtig.

    Wo ich meinen Vorrednern Recht geben muss, sind die Verpackungen: Die wirken frisch und bunt, handwerklich solide – und damit kein bisschen anders, als die Handelsmarken der Discounter. Ohne das Logo können weder Verpackungsform, Farbwahl noch allgemeine Gestaltung als eigenständig überzeugen. Gerader der Fisenius-Störer wirkt wie eine dieser hohlen Qualitätssiegel, an denen wir uns sattgesehen haben (vermutlich, weil es genau so eines ist). Nichtmal die Präsentation übersteigt das heutige Niveau der üblichen Discounter.

  3. Grundsätzlich finde ich die inhaltliche Idee einer Wurstmühle (und damit auch die alte Mühle mit den 3D-Würsten als Flügel) albern.

    Es sind die rotierenden Cuttermesser in einem großen Bottich, die die Wurst herstellen.
    Nicht rotierende Würste, die die Wurst herstellen. Was für ein Blödsinn.

    Solche merkwürdigen Bildideen sind für mich ähnlicher Teil der untergehenden Metzger’kultur‘, die auch gern verquer das Schwein oder die Kuh fröhlich grinsend oder hopsend für ihren eigenen Verzehr werben lässt.

    Das dazu.

    Zur Branding-Diskussion und der Diversifikation „Veggie“:
    Warum macht man eigentlich bei Veggie-Produkten die Mühle rot? (Konnotation Blut)
    Verstehe das nicht.

    Ich habe mich als Grafikdesigner eine Zeitlang viel mit ‚line extensions‘ beschäftigen müssen:
    Daher meine Frage:
    Wäre nicht eine entschieden andere Farbe der Mühle auf Veggie-Produkten besser für das Branding? Damit sich die beiden Linien nicht gegenseitig ‚kannibalisieren‘?
    (Diesen Begriff verwendet man im Marketing tatsächlich, wenn ein Unternehmen zu viele ähnliche ‚line extensions‘ auflegt; hier passt der Begriff ‚Kannibalsierung‘ zufällig unfreiwillig gut wegen der geistigen Nachbarschaft ‚Fleischkonsum‘.)

    Mit Gewalt überall die rote Farbe durchhalten, weil Rügenwalder nun mal rot ist, und weil man das halt immer nach old school so durchzuhalten hat, führt nicht weiter. Das sieht man an der heftigen Veggie-Diskussion hier. Die überall gleiche Farbe verwirrt als erstes auch den Konsumenten.

    • Die Farbe Rot durchzuhalten finde ich deutlich wichtier, als die Anpassung an die jeweilige Produktlinie.
      Zum einen ist doch die Konnotation „Blut“ nicht die einzige (zumal bei mir bspw gar nicht vorhanden) und nur weil etwas Veggie ist, muss es noch lange nicht grün und hell sein.
      Die rote Mühle ist doch viel mehr DAS Erkennungszeichen für Rügenwalder aufgrund dessen sie auch auf den ausgeschriebenen Namen verzichten können!

      Zu den Kannibalisierungseffekten kann ich mich nur nochmal wiederholen: Ich vermute, dass es diese bei den großen Fleischfabrikanten, die jetzt auch Veggie machen, kaum in nennenswertem Maß geben dürfte. Viel mehr werden die Kunden von anderen z. B. reinvegetarischen Betrieben abgegriffen.
      Außer aus Neugier greifen doch die meisten aus ethischen, gesundheitlichen oder okologischen Überlegungen zur Veggie-Alternative und würden ohne die hauseigene Linie bei der „Konkurrenz“ kaufen.

      • Selbst wenn weniger klassische Würste verkauft werden sollten, Rügenwälder sagt selbst, dass sie mit Veggieprodukten höhere Preise abrufen können und eine bessere Marge einfahren.
        Autovergleich: Jeder versucht sich einen Premiummanstrich zu geben wie VW oder Opel, weil dann mehr Marge winkt.

  4. Leider gehen sie ihr Rechtschreibversagen auf den Packungen anscheinend nicht an.
    Oder müsste man hier Recht Schreib Versagen schreiben?

    • Ich hoffe, Du willst nicht auf die „fehlenden“ Bindestriche hinaus? Das ist kein Deutschaufsatz, sondern eine _grafische_ Gestaltung. Quasi ein Bild das unter anderem mit Buchstaben gemalt wird. Und so wie es dicht’rische Freiheit gibt, in der formale Rechtschreibung nach DIN und ISO nachrangig ist, so gibt es auch gestalterische Freiheit diesbezüglich.

      Außerdem kann man weiße Kreidestifte kaufen. Damit darf sich dann jedes Mitglied des Vereins zur Wahrung der deutschen Sprache zuhause einen kleinen Strich vors „Würstchen“ machen. :-)

  5. Redesign durch Vereinfachen/Weglassen ist immer eine leichte Übung für den Designer. Den Markennamen selbst von der Schauseite der Verpackung zu streichen, ist aber schon mächtig gewagt. Fühlt man sich auf einer Ebene mit Apple und Nike, wo sowas geht?

    P.S. Kein Wort über die konsequenten Deppenleerzeichen? Stört dies im »Design Tagebuch« niemanden mehr?

    • P.S. Kein Wort über die konsequenten Deppenleerzeichen? Stört dies im »Design Tagebuch« niemanden mehr?

      Ich finde viele andere Aspekte tatsächlich deutlich interessanter/spannender, als die Frage hinsichtlich des Umgangs mit Leerzeichen. Deppenleerzeichenkritiken neigen zum Prinzipienreiten.
      Die Aufgabe von Sprache ist es doch – so mal ganz unprinzipiell –, Verständigung herbeizuführen. Manch Deppenleerzeichenkritiker scheint hingegen einzig die Rechtschreibung als oberstes Ziel anzuerkennen. Dabei wird wohl gerne übersehen: wie bei Eigennamen gelten auch bei Marken- und Produktnamen die amtlichen Rechtschreibregeln … nur bedingt. Hierzu sei der Beitrag der freien Lektorin Marion Kümmel empfohlen: Eigennamen und Rechtschreibung.
      Die Kritik ist auch deswegen Erbsenzählerei, da die Verwendung der Leerzeichen in den abgebildeten Beispielen keine Bedeutungsverfälschung zur Folge hat. Läge eine Verfälschung der Aussage vor (Beispiel: „Husten- und Bronchial Tee“ versus „Husten und Bronchial Tee“), wäre die übliche Schreibweise die eindeutig bessere Wahl. Nach meinem Dafürhalten ist jedoch beispielsweise „Mühlen Frikadellen“ ebenso legitim wie „Thüringer Rostbratwurst“. Ein Bindestrich ist in beiden Fällen abkömmlich.
      To-tal ga-ga kann das eigentlich nur finden, wer Werbung und Kommunikationsdesign, halt diesen ganzen Werbefuzzikram, to-tal oberflächlich betrachtet. Rechtschreibregeln alleine sind jedoch nicht die vielleicht erhoffte einfache Antwort auf die komplexen Anforderungen, wie es sie im Kommunikationsdesign gibt.

      • Kann man so machen, dann ist es aber falsch.

        Sowas ist Augenkrebs.
        Falschschreibung als Stilmittel ist natürlich in der Werbung erlaubt.
        Wenn es aber keinen erkennbaren Grund dafür gibt, wie bei diesem Wurstladen, zeugt es nur von Unprofessionalität.

      • Mir scheint es so, dass die durchaus auch für Laien erkennbaren und, wie ich meine, nachvollziehbaren Gründe (bessere Erfassbarkeit des Produktnamens > schnellere Auswahl des Produktes sowie ein (subjektiv) schöneres Schriftbild/Gesamterscheinungsbild) vor lauter Reiten auf Prinzipien schlichtweg hinten rüber fallen.
        Es geht in diesem Fall zudem nicht um Falschschreibung als Stilmittel, wie etwa aktuell bei Subway: „Chickst du noch richtig?“ oder bei McDonald’s: „Asia Woken“, sondern um die Frage, ob eine Getrenntschreibweise sowie der Verzicht von Bindestrichen im Rahmen von Marken- und Produktnamen legitim ist. Bitte hier differenzieren.

      • Für den Laien erkennbar? Ja. Nachvollziehbar? Leider nein.

        Der grafische Laie erkennt mitunter nicht, dass es optische Nachteile mit sich bringen könnte, schriebe man nach herkömmlichen Regeln korrekt. Den fehlenden Strich bemerkt der Laie dann aber eventuell wieder und stört sich dran.

        Es gibt eben verschiedene Wahrnehmungen, wie wichtig „richtige“ Sprache auch bei Produktnamen ist und wie wichtig die Ausgestaltung dergleichen.
        Das hat nichts mit Prinzipienreiterei zu tun – Recht machen kann man es hierbei wiedermal nicht jedem.

        Die bessere Erfassbarkeit des Produktnamens, die du unterstellst, wirkt bei mir z. B. trotz der Kenntnis, dass man es so machen dürfte, genau gegenteilig.

        Dem Blick für dieses Detail als „Erbsenzählerei“ oder „oberflächliche“ Betrachtungsweise abzutun, halte ich für ziemlich arrogant.
        Meiner Erfahrung nach werden (besonders auf Food-Verpackungen) solche Entscheidungen häufig eben nicht aufgrund reiflicher Überlegung, sondern schlichtweg mangelnden Sprachfertigkeiten des Kunden getroffen.

      • Es gibt eben verschiedene Wahrnehmungen, wie wichtig „richtige“ Sprache auch bei Produktnamen ist und wie wichtig die Ausgestaltung dergleichen.

        Das ist richtig. Die Sache ist nur, dass bei der ganzen Deppenleerzeichenzählerei stets nur die Orthographie als einzig wahre Lösung apo­s­t­ro­phie­rt wird, obwohl es weitere ebenso legitime Motive, Kriterien und Anforderungen hinsichtlich der Bewerbung beispielsweise eines Produktes gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass im Zusammenhang mit Eigennamen, wie bereits angedeutet, Rechtschreibregeln eher den Charakter von Faustregeln haben.

        Ist doch klar, dass insbesondere Werber, auch Designer *bitte nicht verwechseln*, die Nase rümpfen, wenn selbsternannte „Sprachwächter“ ihnen vorschreiben wollen, was sie schreiben sollen und wie Kommunikation für ein Produkt auszusehen habe. Setzen wir doch einfach mal voraus, dass beide Seiten ihr Handwerk verstehen und dass auch der Kunde entgegen Deiner persönlichen Erfahrungen Sprachfertigkeiten mitbringt. Punkt. Etwas mehr Verständnis für die Position der jeweils anderen Seite wäre zur Abwechslung mal sehr erfrischend.

        Wahrnehmung folgt der Wahrnehmungsintention. Wer im Supermarkt – wie auch sonst im Leben – stets nach Fehlern Ausschau hält, wird auch nur diese überall finden.

      • An den „Mühlen Würstchen“ kann man es m.E. schön erkennen. „Mühlen“ hängt durch das große M eh schon optisch etwas nach links. Ein Bindestrich würde den Produktnamen noch weiter nach links kippen lassen. Oder man müsste diesen erst wieder optisch zentrieren.

        Solange wir hier aber nicht über Feuer Löscher oder Not Ausgang reden, sondern über Würstchen ohne Bindestrich, plädiere ich für ein wenig Laissez-Faire gegenüber der grafischen Komponente und optischen Konsistenz zu ungunsten der Orthografie.
        Die rote Wellenlinie des Deutschlehrers kann sich bei diesem Zwei-Wort-Kurzdiktat ja jeder selbst dazu denken.

      • Bei Trennungen über zwei Zeilen kann ichs ja noch verstehen, weils halt optisch schöner aussieht. Aber bei Begriffen in nur einer Zeile? Da sieht „Mühlen Frikadellen“ halt einfach dämlich und falsch aus.

      • Wenn man es aber einmal so und einmal so macht, wird es inkonsistent. Was noch schlimmer ist, als ein Konzept durchzuziehen, weil man egal mit welcher der beiden Optionen eh nicht alle zusammen glücklich machen kann. Wie man sieht :-)

        Bei dieser doch sehr einfachen, reduzierten Gestaltung des Produktnamens hätte ich auch lieber den Bindestrich gesehen.

      • „Mühlen Frikadellen“ ebenso legitim wie „Thüringer Rostbratwurst“. Ein Bindestrich ist in beiden Fällen abkömmlich.

        Also solange man es sich zusammen reimen kann (und nicht die korrekte und damit im kollektiven Sprachverständnis erwartete und damit bestmögliche Form nimmt), ist es in Ordnung? Sorry, aber dieser Argumentationsart ist ein Totschlagargument, das sämtliche typografischen und gestalterischen Fragen hinfällig machen machen würde. Gute Typografie und gutes Design sind eben gerade mehr als »funktioniert schon irgendwie«.

        Und du unterstellst sogar eine »bessere Erfassbarkeit des Produktnamens«. Jetzt wäre die Frage, wie sich das begründen lässt! Warum soll die Abweichung von der Üblichkeit etwas besser machen? Man könnte auch »mühlen frikadellen« schreiben. Ja, darf man bei Eigennamen. Hast du recht. Aber ist das jetzt besser erfassbar? Oder hilft nicht eher die übliche Schreibung von Substantiven, dem Leser entgegenzukommen? Mühlen-Frikadellen ist ein Wort und zum Verständnis desselbigen muss man das als Leser erkennen. Bei »Mühlen Frikadellen« liest man zwei Wörter und muss dann merken, dass das keinen Sinn macht und sich den fehlenden Bindestrich wieder dazudenken. Und dies dient der »besserer Erfassbarkeit«? Warum?

        Etwas mehr Verständnis für die Position der jeweils anderen Seite wäre zur Abwechslung mal sehr erfrischend.

        Gilt auch umgekehrt! Ich habe bislang noch nicht mal argumentiert, sondern allein das Thema Deppenleerzeichen erwähnt. Aber du schüttest gleich einen Eimer von Unterstellungen aus. Erbsenzählerei, oberflächliche Betrachtung, vermeintlich »einzige Lösung«, Sprachwächter usw. Leider eine Strohmann-Argumentation. Wer sich an einem Deppenlehrzeichen stört, gehört nicht automatisch in diese Schublade der dogmatischen Sprachnörgler. So wie du nicht automatisch in die Werbe-Fuzzi-Ecke gesteckt werden möchtest, wo man vor lauter Englisch die Schreibung deutscher Substantive verlernt hat.

      • damit im kollektiven Sprachverständnis erwartete […] Form nimmt

        Das ist zunächst einmal eine Behauptung, dass Menschen mehrheitlich selbst dort einen Bindestrich vermissen, wo dieser aufgrund der Eigennamen-Sprachregelung gar nicht von Nöten ist. Wichtig dürfte den meisten Konsumenten sein, dass sich Produkt- und Markennamen sowie Inhaltsstoffe gut ablesen lassen, sodass sie zügig eine Auswahlentscheidung treffen können. Und das soll bei „Mühlen Frikadellen“ nicht möglich sein? Weil ein Bindestrich fehlt? Komm schon.

        Bei »Mühlen Frikadellen« liest man zwei Wörter und muss dann merken, dass das keinen Sinn macht

        Die hinter dem Produkt stehende Marke heißt „Rügenwalder Mühle“. Der Bezug zum Markennamen ist bei der Produktbezeichnung „Mühlen Frikadellen“ auch aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades der Marke derart offensichtlich, dass sich der Sinn unmittelbar erschließt. Um einmal zuzuspitzen: die guten Mühlen Frikadellen, Schinken Spicker und Mühlen Schnitzel müssten echte Ladenhüter sein, weil ja kein Mensch damit etwas anzufangen weiß. Mühlen plus Frikadellen? Wie jetzt? Hilfe!

        Dass fehlende Satzzeichen tatsächlich oftmals Probleme verursachen (zum Behinderten WC), ist das eine. Probleme herbei reden, wo es keine gibt, ist das andere. Ich glaube da stehen sich Gestalter zuweilen selbst auf den Füßen, dann nämlich, wenn sie sich (zu lange) mit Fragen beschäftigen, die die allerwenigsten Menschen da draußen interessieren.

        Der Zweck heiligt auch nach meinem Verständnis sicher nicht jedes Mittel, ebenso wenig sollten Verkaufszahlen dafür herhalten müssen, schludrige Gestaltung zu legitimieren, aber man sollte bei der Beurteilung derlei Fragestellungen, die eben mehr als nur orthographische Korrektheit umfasst, den Bezug zur Praxis und zu den tatsächlichen Herausforderungen im Alltag nicht verlieren. Das wäre für mich nämlich die Voraussetzung, um gutes Design entstehen zu lassen.

      • ebenso wenig sollten Verkaufszahlen dafür herhalten müssen, schludrige Gestaltung zu legitimieren

        Genau das versuchst du ja nun aber gerade.

        Im Fall von Rügenwalder ist das Leerzeichen sicher noch verschmerzbar und wenn man will, lassen sich auch sicher Gründe dafür finden. Die Ausgangsfrage war ja aber, ob sich hier niemand mehr am Deppenleerzeichen stört, das hier nunmal konsequent verwendet wird.

        Deine These war, dass es der besseren Erfassbarkeit diene und solange die Bedeutung nicht verzerrt werde, das auch so eine gute Umsetzung sei. Die Begründung dazu würde aber auch mich ernsthaft interessieren.

        P. S.: Nur weil etwas erlaubt ist und man etwas machen _darf_, heißt das noch lange nicht, dass man es auch machen _sollte_

        P. P. S.:

        Wer im Supermarkt – wie auch sonst im Leben – stets nach Fehlern Ausschau hält, wird auch nur diese überall finden.

        Wenn ich deine Anmerkung richtig verstehe, ist das eine Aufforderung nicht das Haar in der Suppe zu suchen. Mal ungeachtet dessen, das das eine recht feindliche Unterstellung ist, lebt doch dieser Blog von dem Diskurs über Design-Entscheidungen. Wenn wir hier alle alles immer super finden, weil die anderen ja „ihr Handwerk verstehen“, erübrigt sich die Kommentarfunktion ;)

      • Genau das versuchst du ja nun aber gerade.

        Nein, versuche ich nicht. Ist nur ein Beispiel, um zu verdeutlichen, dass am Point of Sale, beim „Scannen“ der Regale andere Kriterien wichtiger sind. Konsumenten, denn das fällt bei derlei Diskussionen gerne hinten rüber, sehen sich mit gänzlich anderen Fragestellungen konfrontiert.

        Wie bereits mehrfach erwähnt, gelten bei Marken- und Produktnamen allgemeine Rechtschreibregeln nur bedingt. Derlei Namen bezeichnet man auch als semiotische Zeichen. Zeichen, die die Marke bzw. das Unternehmen identifizieren.

        „Mühlen“ meint in diesem Fall eben NICHT Mühlen generell, nicht all jene Gebäude, in denen Mehl gemahlen wird, sondern explizit DIESE Marke. „Mühlen“ ist nicht nur ein Wort, es ist zudem ein sprachliches Symbol für die Marke. Sowohl die zusammen geschriebene Form „Mühlenfrikadellen“ wie auch die Schreibweise mittels Bindestrich würde diese Codierung aufheben. Dadurch wäre die Produktbezeichnung auf die gleiche semantische Ebene gesetzt wie „Rindfleischfrikadellen“ beziehungsweise „Gemüse-Reis-Frikadellen“. Das allerdings wäre höchst verwirrend, da sich vermutlich ein jeder etwas unter „Gemüse-Reis-Frikadellen“ vorstellen kann, wohingegen Mühlen als Bestandteil einer Frikadelle doch eher schwer vorstellbar sind.

        Wenn wir hier alle alles immer super finden, weil die anderen ja „ihr Handwerk verstehen“, erübrigt sich die Kommentarfunktion ;)

        Nun ja. Dass auch Andere ihr Handwerk verstehen ist gewissermaßen als Replik auf die überwiegend negative Bewertung gemünzt, die innerhalb der Designergilde weit verbreitet ist. Wir Designer kritisieren nun einmal leidenschaftlich gerne. Das Positive kommt dabei leider oftmals zu kurz. Schon ein Leerzeichen genügt, und alle anderen Aspekte scheinen wie weggeblasen.

      • Schon ein Leerzeichen genügt, und alle anderen Aspekte scheinen wie weggeblasen.

        Naja, bei über 60 Kommentaren darf man sich doch auch mal über Nichtigkeiten streiten, wenn sie ein allgemeines Thema aufgreifen. Die „Wurstflügel“ und Begriffsproblematiken wurden zuvor auch durchdiskutiert ;)

        Dass es (vor allem hier) oftmals mehr negatives als positives zu lesen gibt, liegt halt in der Natur der Sache: Wenn alles toll ist, sind sich alle schnell einig :)

        (Dazu kommen dann die Dauernörgler mit ihren Prakti-Vergleichen, aber die lasse ich jetzt außen vor)

      • Das ist zunächst einmal eine Behauptung, dass Menschen mehrheitlich selbst dort einen Bindestrich vermissen, wo dieser aufgrund der Eigennamen-Sprachregelung gar nicht von Nöten ist.

        Ja, das ist eine Behauptung. Eine, die auf dem Wesen und Grundprinzip der Rechtschreibung basiert und somit kaum in Zweifel gezogen werden kann. Man benutzt die übliche Schreibung, weil der Leser sie erwartet. Der Leser erwartet sie, weil sie so üblich ist. Zwei Seiten einer Medaille. Lesen ist ein automatischer Prozess – er macht auch vor Eigennamen keinen Halt. Nur weil hier Abweichungen formal erlaubt sind, ist man in keinem anderen Lesemodus, wo andere Gesetze gelten würden und sich Fehler plötzlich auf wundersame Weise zu Vorteilen umkehren. Interessanterweise hast du aber jetzt in deiner Antwort nichts auf meine ausdrückliche Nachfrage vorgebracht, was die behauptete bessere Erkennbarkeit eigentlich rechtfertigen soll.
        Wenn also nichts für den Fehler spricht, warum ihn dann nicht einfach unterlassen?

        Und das soll bei „Mühlen Frikadellen“ nicht möglich sein? Weil ein Bindestrich fehlt? Komm schon.

        Hab ich nicht behauptet. Ich habe behauptet, dass du ein Totsschlagargument benutzt. Deine Logo-Rezensionen sind immer »Erbsenzählerei«. Das ist der Sinn der Sache – das Ganze UND alle Details zu begutachten. Was ist mit unpassender Schriftwahl, schlecht gezeichneten Freefonts, falschen Kapitälchen, schlechtem Kerning usw.? Würdest du das anprangern oder fällt das alles unter »solange man versteht, ist es schon in Ordnung«?
        Warum fällt das Deppenleerzeichen nicht in die Kategorie der beispielhaft genannten Probleme?

        Um einmal zuzuspitzen: die guten Mühlen Frikadellen, Schinken Spicker und Mühlen Schnitzel müssten echte Ladenhüter sein, weil ja kein Mensch damit etwas anzufangen weiß. Mühlen plus Frikadellen? Wie jetzt? Hilfe!

        Strohmann- und Reductio-ad-absurdum-Argumentation. Die Aussagen anderer (durch Übertreibung) ins Lächerliche zu ziehen ist ein unehrlicher Diskussionsstil.

         … man sollte bei der Beurteilung derlei Fragestellungen, die eben mehr als nur orthographische Korrektheit umfasst, den Bezug zur Praxis und zu den tatsächlichen Herausforderungen im Alltag nicht verlieren. Das wäre für mich nämlich die Voraussetzung, um gutes Design entstehen zu lassen.

        Klingt nett, aber sagt uns wenig. Details sind Teil des »guten Designs« und Teil nahezu aller deiner Rezensionen. Warum Rechtschreibfehler hier nicht reinfallen oder im Einzelfall gar einen Vorteil (»bessere Erkennbarkeit«) bieten können wurde immer noch nicht gezeigt.

      • Warum fällt das Deppenleerzeichen nicht in die Kategorie der beispielhaft genannten Probleme?

        Weil es in diesem Fall gar kein Problem darstellt. #Phantomproblem

        Warum Rechtschreibfehler hier nicht reinfallen oder im Einzelfall gar einen Vorteil (»bessere Erkennbarkeit«) bieten können wurde immer noch nicht gezeigt.

        Im folgenden Kommentar wurden die Argumente sehr wohl von mir genannt.

        Lieber Ralf, statt persönlich zu werden und mir einen unehrlichen Diskussionsstil zu unterstellen, wäre es der Diskussion dienlicher, auszuführen, weshalb Deiner Ansicht nach ein Bindestrich in diesem Fall besser wäre. Diesbezüglich kam bislang herzlich wenig. Ein Verweis auf übliche Schreibung wäre nur dann ein schlagendes und überzeugendes Argument, wenn es diese in Bezug auf die Namenskonvention auch gäbe.

        Wörter folgen Rechtschreibregeln. „Mühlen“ ist zwar auch ein Wort, in diesem Fall überwiegt jedoch dessen semiotische Funktion und damit die Bedeutung als Zeichen, als Synonym, Stellvertreter und Repräsentant der Marke. Beim Deppenleerzeichenzählen wird jene ganzheitliche Betrachtung der Marke gerne ausgeblendet. Die Konnotation von „Mühlen“ = „Rügenwalder Mühle“ ist derart offensichtlich, dass man sie eigentlich nicht übersehen kann.

        Ich denke, die gegensätzlichen Standpunkte sind deutlich geworden. Es ist meines Erachtens ein Fehler, zu glauben, mit Orthographie ließe sich die komplexe Beschaffenheit einer Marke richten. Eine Marke besteht nicht nur aus Buchstaben und Satzzeichen.

      • … wäre es der Diskussion dienlicher, auszuführen, weshalb Deiner Ansicht nach ein Bindestrich in diesem Fall besser wäre. Diesbezüglich kam bislang herzlich wenig.

        Ach, Unfug! Ich habe ein Grundprinzip der Rechtschreibung dargelegt und erklärt, dass es im Sinne der Leseerfahrung auch hier gilt, weil Lesen ein automatischer Prozess ist, der auch im Supermarkt-Regal nicht anders funktioniert. Das ist alles so selbstverständlich, da gibt es wenig zu belegen und zu begründen. Fehler sind (es sei denn man hat sehr gute Gründe) nach Möglichkeit zu vermeiden und Rechtschreibfehler sind nun mal definitionsgemäß Fehler. Wie David schon sagte: nur weil Abweichungen formal erlaubt sind, sind sie ja noch lange nicht wünschenswert.

        Und dein Verweis auf eine bewusste und damit gar positive Abgrenzung von »Mühlen« als Marke (statt Mühlen in allgemeiner Verwendung) zieht ohnehin nicht, denn schon bei dem ebenfalls gezeigten »Schinken Spicker« trifft deine Logik gar nicht mehr zu. Das Argument ist also hinfällig. Gibt es andere Gründe FÜR die falsche Schreibung? Oder geht es nur über Strohmänner, wie der hier gerade wieder:

        Es ist meines Erachtens ein Fehler, zu glauben, mit Orthographie ließe sich die komplexe Beschaffenheit einer Marke richten.

        Wer bitte hat das denn behauptet? Niemand! Gutes Design ist die Summe aus vielen Teilen. Und jedes Teil kann und darf man für sich betrachten.

        Ich mache es noch mal ganz einfach, um Strohmänner (wie den gerade genannten) zu umgehen:
        Fall 1: Wir haben zwei identische Entwürfe auf dem Tisch. Einziger Unterschied: einmal falsche, einmal echte Kapitälchen im Produktnamen. Ja, das ist ein kleines Detail, das nicht entscheidend für die »komplexe Marken-Beschaffenheit« ist und sicher keinen signifikanten Einfluss auf die Verkaufszahlen haben wird. Ja, man kann den Namen auch mit falschen Kapitälchen relativ problemlos lesen. Dennoch können wir leicht einen Entwurf kritisieren und dem anderen gut begründet den Vorzug geben. Es ist Teil unseres Jobs, unseres »Handwerks«.
        Fall 2: Wir haben zwei identische Entwürfe auf dem Tisch. Einziger Unterschied: einmal steht da »Zwiebel Suppe«, einmal »Zwiebel-Suppe«.
        Auch hier kann ich leicht einen Entwurf kritisieren und dem anderen gut begründet den Vorzug geben. Korrekte Schreibung ist die Vorzugsvariante. Das muss man kaum begründen. Warum absichtlich Fehler einbauen? Warum absichtlich von der Lesekonvention abweichen?
        Gleichgültigkeit oder gar Umkehrung des Vorzugs bedarf jedoch einer Erklärung! So wie absichtlich eingesetzte falsche Kapitälchen einer Erklärung bedürften.
        Schlüssige Argumente für die Deppenleerzeichen habe ich bislang jedoch nicht gehört.

  6. Gefällt mir gar nicht, aus einem eindeutigen Label wird jetzt irgendwas … mal wieder so eine Verschlimmbesserung. Ich bin Fan von weniger ist mehr, aber dann muss es auch inhaltlich funktionieren :(

  7. Ich frage mich vor allem, warum die Mühlenflügel nicht rechtwinklig zueinander stehen.

    Zum Deppenleerzeichen: ich finde diese Schreibweise auch furchtbar. Bei „Mühlen Würstchen“ mag ja das semiotische Argument gerade noch gelten. Der Störer
    FLEISCH
    FREI
    genießen

    haut allerdings voll in die Deppen-Kerbe. Hier wird die Bedeutung des Satzes völlig verkorkst und verwischt. Das ist für mich ein starkes Indiz, dass wir es hier nicht mir Designern zu tun haben, die sich Gedanken um Semiotik machen, sondern schlicht mit Ignoranz.

    Ich hatte mir irgendwann mal vorgenommen, keine Produkte mit Deppenleerzeichen mehr zu kaufen. Leider lässt sich das heutzutage nicht mehr durchhalten, wenn man nicht verhungern will …

    • Der Störer
      FLEISCH
      FREI
      genießen

      haut allerdings voll in die Deppen-Kerbe.

      Bin ich dabei. In der Tat ein Anwendungsfall, beim dem aufgrund fehlenden Bindestrichs der Sinn verfälscht wird. Schön, dass Du das Beispiel gefunden hast.

      Es lohnt in jedem Fall, das Thema Leerzeichen differenziert zu betrachten.

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