Petition: Prüfung der Abgabepflicht zur Künstlersozialversicherung durch Rentenversicherung

petition ksk

Da die Deutsche Rentenversicherung Unternehmen, die freischaffende Künstler und/oder freischaffende lehrende Künstler beschäftigen, nicht ausreichend kontrolliert, entgehen der Künstlersozialkasse (KSK) jährlich rund 40–50 Millionen Euro*, was die Künstlersozialversicherung als solche in Gefahr bringt. Als jemand, der als KSK-Mitglied von der Künstlersozialversicherung profitiert, kann ich die unten aufgeführte Petition nur unterstützen.

Gleichzeitig möchte ich auf Seiten auftraggebender Unternehmen, den Verwertern, dafür werben, die Künstlersozialabgabe zu zahlen, weil diese einen zentralen Beitrag im Leben von derzeit 177.143 bei der KSK versicherten Selbstständigen darstellt und weil die Künstlersozialabgabe zudem insgesamt für eine größtmögliche Vielfalt innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft sorgt. Ohne die Leistungen der Künstlersozialkasse wären tausende Kreative und Publizisten in ihrer Existenz bedroht.

Ich habe soeben, angeregt durch einen Kommentar, die folgende Petition unterzeichnet und lade alle Kreativen, Designer, Künstler und Autoren dazu ein, sich der Petition anzuschließen.

Hier gehts zur Petition:
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.html

* siehe Künstlersozialkasse – Aus Mangel an Kontrolle | journalist.de

126 Kommentare zu “Petition: Prüfung der Abgabepflicht zur Künstlersozialversicherung durch Rentenversicherung

  1. Um mal ein paar von Friederikes Gedanken aufzugreifen…

    1 Was Arbeitsweise, Berufsethos und Beschäftigungsverhältnisse angeht, gibt es offensichtlich wesentlich mehr Gemeinsamkeiten zwischen Designern und Architekten, als zwischen Designern und freien Künstlern. Warum werden Designer von der KSK erfasst und Architekten nicht? Nominell gehören sie ja beide zu den „Bildenden Künsten“.

    2 Während ein freier Künstler meistens allein für sein Werk verantwortlich ist, arbeiten Designer (und Architekten) heute hochgradig arbeitsteilig (der eine macht das CD, ein anderer das konkrete Layout, wieder andere Photos und Illustrationen) und sind häufig auf weitere Dienstleister wie Drucker und Programmierer (oder eben die Bauwirtschaft angewiesen), um überhaupt ein fertiges Werk abliefern zu können. Verträgt sich das mit der Grundidee der KSK?

    3 Es wurde ja verschiedentlich behauptet, dass viele Designer so wenig verdienen würden, dass sie ohne den Zuschuss der KSK überhaupt nicht in der Lage wären, ihre Kosten zu decken?! Mal abgesehen davon, dass ich jemanden, der sich so billig verkauft, dringend dazu raten würde, das mit der Selbstständigkeit zu lassen, muss man sich schon fragen, ob hier nicht (zu mindestens teilweise) Ursache und Wirkung verwechselt werden? Sollte man nicht eher davon ausgehen, dass hier (ähnlich wie bei 400€-Jobs und Hartz4-Aufstockern) auch durch diesen Markteingriff ein Preisdumping zum Nachteil der Mitbewerber und der Allgemeinheit etabliert wurde?

    …und um ein paar Fehleinschätzungen gradezurücken:

    4 Die freiberufliche Designer arbeiten längst nicht alle exklusiv für eine oder wenige Agenturen. Es gibt genügend Selbstständige (insbesondere Gbrs) die auch direkt für Endkunden arbeiten und/oder einem größeren Kundenstamm haben.

    5 Das man auf die Wünsche und Timings des Kudnen reagieren muss, ist doch kein Zeichen für ein Angestelltenverhältnis?! Das ist doch vollkommen normal im Dienstleistungsbereich und bei Anwälten, Notaren, Unternehmensberatern und Architekten auch nicht anders.

    6 Längst nicht jeder freiberufliche Designer ist KSK-Mitglied. Auch wenn ich keine repräsentativen Zahlen dazu habe (habt ihr beim AGD welche?) würde ich auf so max. 50% tippen – Tendenz abnehmend, je weiter man Richtung Web-, Games- und Motiondesign geht.

    7 Es ist nun mal die Grundidee der Selbstständigkeit, dass man auf eigenes finanzielles und soziales Risiko tätig ist. Wer das nicht will, sollte sich anstellen lassen und nicht versuchen zu duschen ohne nass zu werden. Die Selbständigkeit bringt neben viele Freiheiten eben auch Pflichten mit sich. Und warum sollten Designer das nicht genauso bewältigen, wie Architekten, Programmierer, Ärzte, Anwälte, Steuer- und Unternehmensberater oder der Handwerker von nebenan?

    Warum sollen/müssen ausgerechnet wir Kreativen uns so bemuttern lassen? Warum sollen/müssen ausgrechnet wir, die wir uns so gerne als die Schaumkrone auf der Welle des Fortschritts betrachten, uns an eine der Art unflexible und in Ihren Strukturen antiquierte Institution ketten, die überhaupt nicht in der Lage ist mit unsere vielfälltigen und häufig wechselnden Beschäftigungsverhältnissen Schritt zu halten?!

  2. Wie gesagt, jeder darf gerne seine eigene Petition dort aufmachen:
    https://epetitionen.bundestag.de/epet/peteinreichen.html
    Zum Beispiel: “KSK endgültig abschaffen”, “Architekten hinein in die KSK!”
    Inwieweit man sich lächerlich macht, Kammerberufe mit dazu zu nehmen: mir egal. Macht.
    Unterzeichne halt nicht. Vermutlich aber mit weniger Geschrei.

    Petitionen, die einem nicht passen, fortwährend und mit Gschraa in die Suppe zu spucken, darf man natürlich auch gerne machen, wir haben eine demokratische Verfassung: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.html

    Dickfellige Grüße

  3. @ Martin #101:
    Du musst dich weder “bemuttern” lassen noch an eine Institution “ketten”. Keiner zwingt dich, der KSK beizutreten.

    Zu deinem Geraderücken der angeblichen Fehleinschätzungen von Friederike – du musst genauer lesen. Sie hat nicht geschrieben, dass freiberufliche Designer exklusiv für eine Agentur arbeiten, sondern dass drei Viertel des Umsatzes durch drei oder weniger Auftraggeber generiert werden. Das heißt auch nicht, dass sie nur drei Auftraggeber haben, sondern der Hauptumsatz in der Regel durch einige wenige gemacht wird.

  4. @Christoph
    “Ich glaube, bei der Honorarstruktur unserer Branche ist die KSK schon ganz nützlich, da sie den “Arbeitgeberanteil” an der Sozialversicherung trägt. Andernfalls müssten die Honorare steigen.”

    1. Kennst du den Tarifvertrag des AGD?
    2. Arbeitest du konsequent damit?
    3. Falls ja, du hast eine sehr gute Honorarstruktur: 78,00 Stundensatz + das maximal 6-fache der Stunde! Eine höhere Honorarstruktur wäre dreist.
    4. Falls nein, kauf dir bitte, bitte, dieses Buch und arbeite damit.

    Ich habe es oben schon mehrfach gesagt. Vor dem Hintergrund des VTV des AGDs ist es peinlich eine höhere Honorarstruktur zu fordern.

    @AGD und Frau Sobiech
    1. Der VTV ist ein wunderbares Werkzeug, der es sehr gut ermöglicht, sehr gute Honorare durchzusetzen. Danke für dieses Werk!!!

    2. Der VTV plus KSK ist irrwitzig!!! Das nimmt keiner mehr ernst, kein Unternehmer, kein Auftraggeber, kein A-Kunde, B, C, D,… .

  5. Hallo allerseits,

    lieber Martin, danke für die schöne, vielschichtige Antwort. Ich hab heute noch eine volle ToDo-Liste, deswegen nur zu einem (Doppel)Punkt, weil der missverständlich bzw. in die Irre führend ist: das Künstlersozialversicherungsgesetz wurde nicht auf Grundlage von Arbeitsweisen (alleine, in Kooperation) entwickelt – und btw. keine Sängerin, die ich kenne, kommt auf der Bühne ohne Tontechniker- und Beleuchter- aus, PR-Praktiker/-innen und und und ;-)

    Entscheidend für die Mitverantwortung der Auftraggeber/Verwerter ist allein die wirtschaftliche Abhängigkeit, die auch von Firmenkunden, die keine Agentur sind, entstehen kann.

    Ein paar Zahlen aus unserer Studie vom letzten Jahr: 2 von 3 AGD-Designern sagen, dass ihre drei größten Kunden 61% oder mehr von ihrem Jahresumsatz ausmachen, 45% sagen 3/4 oder mehr Ihres Umsatzes kommt von den bis zu drei Hauptkunden. Übrigens sind 90% mit der Zusammenarbeit mit diesen Kunden sehr zufrieden oder zufrieden – man kann von einem guten Verhältnis sprechen. “Trotz” der Tatsache, dass 65% unserer Mitglieder in der KSK krankenversichert sind – da wir ein designspartenübergreifender Berufsverband sind (der einzige meines Wissens) und nicht alle Sparten/Fachbereiche automatisch eine Pflichtversicherung in der KSK bedeuten, ist das ein erwartbares Ergebnis gewesen. Wobei vielleicht einige vorher auch eher 50% gefühlt geschätzt hätten…

    Sodele, für heute und morgen erstmal herzliche Grüße aus der Steinstraße.
    Friederike

  6. @Hendrik:

    Natürlich gibt es einen Zwang: Es besteht (zumindest auf dem Papier) eine gesetzliche KSK-Pflicht für aller künstlerisch und publizistisch tätigen Freiberufler. Dass ich persönlich nicht darunter Falle, liegt nur daran, dass ich als Interaktionsdesigner in erheblichem Maße auch als Entwickler tätig bin. Wie gesagt: die KSK ist inkompatibel zu vielen aktuellen Berufsbildern im Medienbereich.

    Trotzdem müssen ich und viele andere nicht über die KSK-versicherte Kollegen hinnehmen, dass die DRV versucht, auch bei unseren Kunden die KSA einzutreiben. Und wer, glaubst Du, muss das dann ausbaden?!

    @Friederike

    Was das Argument „geringe Kundenanzah rechtfertigt Schutzl“ angeht:
    Es gibt nicht nur etliche andere Freiberufler (z.B. Informatiker, Wirtschaftsprüfer, Ingenieure oder Pädagogen) sondern auch Firmen (z.B. Automobilzulieferer, Landwirte) die den größten Teil ihres Umsatzes mit einigen wenigen Kunden machen. Ich kann da beim besten Willen nicht erkennen, warum es ausgerechnet für Designer eine Art Welpenschutz geben soll? Was macht uns so besonders? Sind wir etwas zu doof für uns selbst zu sorgen?

    Zumal sich sowas kaum mit den Stundensätze vereinbaren lässt, die z.B. der VTV des AGB fordert. Man macht sich doch lächerlich, wenn man auf der einen Seite versucht, als Unternehmer ernstgenommen zu werden und eine angemessene Vergütung durchzusetzen, und auf der anderen Seite ein Hilfsprogramm wie die KSK mit den Argumenten Bedürftigkeit und Fürsorgepflicht des Auftraggebers rechtfertigt?! Den Angestellten, der in unsere Branche mit einer gestalterischen Tätigkeit 78€/h (das sind grob überschlagen >130.000€ im Jahr) verdient, will ich erstmal sehn.

    Der Deal ist doch ganz einfach: Entweder man ist selbständig und rechtfertigt seinen Stundensatz mit dem höheren unternehmerischen Risiko, oder man lässt sich anstellen und nimmt für die Sicherheit und Fürsorge ein deutlich geringeres Gehalt in Kauf. Sich da (z.B. mit Hilfe von VTV und KSK) nur die Rosinen rauszupicken, lässt sich wirklich niemandem vermitteln.

    Was wahrscheinlich auch dazu führt, dass es viel zu viele freiberufliche Designer gibt, die u.a. Dank der KSK bereit und in der Lage sind, Ihre Arbeit viel zu billig zu verkaufen und so den seriös kalkulierdenden den Markt kaputt machen. Die KSK ist also eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung.

  7. @Martin

    Ich bin deiner Meinung. Das der VTV-Design nicht im Einklang zur KSK steht scheint den AGD aber nicht zu stören, ran an die Rosinen! Ich vermisse jedenfalls dazu nach wie vor eine Antwort, die genau diesen Punkt erläutert. Vielleicht fehlt diese Antwort, weil es schlichtweg nicht vermittelbar ist. Vergiss nicht, dass auf die Stunden noch die Berechnung der Nutzungsvergütung kommt! ;-)

  8. RENTABILITÄT:

    Ich finde es extrem witzig, dass sich bei der Diskussion total konträre Auffassungen / Wünsche / Interpretationen finden:

    A.: Der eine hätte nichts gegen eine KSK-Versicherung, weil er sich einen finanziellen Vorteil davon verspricht – kommt aber nicht rein.

    B.: Ein anderer wird zur KSK-Versicherung genötigt und kämpft dagegen an, weil es sich für ihn nicht finanziell rentiert.

    Kommt vermutlich auf 2 Faktoren an: das durchschnittliche Einkommen und das Alter. Je ärmer und älter, desto rentabler ist die KSK – richtig?

    NUTZUNGSVERGÜTUNG:

    Ist meiner Erfahrung nach bei typischen Brot-und-Butter Kunden nicht anwendbar – aber sowas von gar arg überhaupt nie nicht. Betrifft das eher HighEnd Jobs, wie z.B. bei Entwicklung von TV-Spots mit weltweiter Reichweite? Mir widerstrebt ehrlich gesagt das Geschäftsmodell, darum kaufe ich z.B. ausschließlich RoyaltyFree Stockmaterial. Andererseits wäre ich freilich schön blöd, wenn ich dem Zahnarzt fürs Logo genau das gleich berechne, wie dem international agierenden Konzern mit intermedialem Marketing.

    KUNST/DESIGN/BEGRIFFLICHKEITEN:

    Die von Friederike dargelegte Grund-Intention der KSK, nämlich die “Freien” ohne Gewerbe (wegen eines statistisch relevanten Aufkommens!?) und deren häufig auftretende einseitige Beziehung zu Kunden / Verlagen / Agenturen zu unterstützen, trifft heutzutage zwar auch den Designer, aber natürlich nicht nur:

    Einfach mal die KSK komplett loslösen vom Begriff Kunst/Design (und deren Förderung): Unterstützung aller frei Schaffenden ohne Gewerbe unerheblich welcher Branche. Aus der KSK würde dann vielleicht die FSK (FreieSozialKasse oder so ähnlich). *ups, nicht: freiwillige Selbstkontrolle*

    Hierbei kann ich mir 3 Dinge nicht verkneifen:

    A.: warum? – dann evtl. lieber konsequenterweise den steuerrechtlichen Status “freiberuflich” abschaffen? (schon allein das mit den 7% Steuern – oder hat sich das mittlerweile geändert? – ist doch historischer Humbug…)

    B.: Fast scheinselbständig – aber nicht wirklich – YEAH! – solange keiner mault, warum nicht? ;-)

    C.: Agenturen, die dieses Konstrukt ausnutzen, stärker in die Pflicht nehmen!

    RECHTFERTIGUNG:

    Das Heranziehen der Design-Kundschaft von Non-KSK-Members zur KSA wäre dann eben wegen der oben genannten (total tollen Gründe – isn´t it!?) überhaupt nicht mehr gerechtfertigt, weil sowohl die Versicherung als auch die Verwerter-Abgaben eigentlich gar nichts mit der Branche (sondern mit der Rechtsform “Freischaffender”) zu tun haben sollten. Dann ginge die KSA den Webdesigner genauso viel oder wenig an, wie den Bäcker von nebenan.

    STATISTIK:

    Ein solidarisches System legitimiert sich mMn. nur dann, wenn die Profiteure und diejenigen, die durchs Raster fallen in einem gesunden (nicht unbedingt rentablen aber bitteschön dann doch plausiblen) Verhältnis stehen.

    Darum wage ich folgende Zielgruppen-Splittung mit entsprechender Hinterfragung:

    1. Zielgruppe: der arme Künstler/Musiker/Redakteur
    Umfeld: eher wenige Kunden/Aufträge, Arbeiten eher idealistisch (lieber in Schönheit sterben, als kommerzielle Absichten zu bedienen)
    Frage: wieviel % davon KSK, wieviel % davon KSA (vom Gesamt-KSA-Aufkommen)?

    2. Zielgruppe: der durchschnittliche Grafiker
    Umfeld: ne Hand voll Kunden/Agenturen mit typischen Jobs (hier mal ne Website, da mal ein Logo – eher regional…)
    Frage: wieviel % davon KSK, wieviel % davon KSA (vom Gesamt-KSA-Aufkommen)?

    3. Zielgruppe: Art Directors, Creative Directors
    Umfeld: eher Agenturen, Jobs auch mal im gehobenen Bereich, besser bezahlt
    Frage: wieviel % davon KSK, wieviel % davon KSA (vom Gesamt-KSA-Aufkommen)?

    Erst wenn solche Zahlen (nicht nur der KSK) vorliegen, könnte man beurteilen, ob die ganze Sache HOP oder TOP ist.

    TRICKSEREIEN VS. BÜROKRATIE:

    Die einen sind kreativ bei der “nichtkreativen” Formulierung auf Rechnungen, die andern sind genauso kreativ bei der Vertuschung von Scheinselbständigkeiten, nochmal ganz andere haben ihre kreative Ader entdeckt, um einer Gewerbe-Anmeldung zu entgehen. Die einen machens, um die Bürokratie zu hintergehen, die anderen nutzen dabei das Bürokratie-Konstrukt aus.

    Prima! – Dann haben eigentlich alle, was sie wollen, oder?

    TIME FOR A CHANGE – NUR NIX ÜBERSTÜRZEN:

    Friederike nimmt leider jeden Wind aus Segeln, was eine kurz- oder mittelfristige Änderung der KSK betrifft. Ich glaube ihr – mit Bedauern – aufs Wort. Vermutlich zuviele Interessens-Gemeinschaften, Lobbys, Sachverständige, politisches Tiefwasser auf nem Haufen. Und 2 Hauptgründe, die ich aus meinem gefährlichen Halbwissen heraus mal frech behaupte:

    1. nicht relevant genug (dann doch eher politische Peanuts – es gibt Wichtigeres)

    2. nicht öffentlich genug (die freien KSK-versicherten Redakteure schaufeln sich doch nicht ihr eigenes Grab)

    ——

    Weitermachen…

  9. @CL

    1. Kennst du den Tarifvertrag des AGD?

    Ja, kenne ich. Was ich aber nicht kenne, sind Auftraggeber die sich im Angesicht der dort skizzierten Vergütungsmodelle nicht totlachen. Der AGD-Vertrag ist vollkommen marktfern in seinen Preismodellen. Schlicht nicht durchsetzbar, bei groß nicht und bei klein erst recht nicht.

    Machen wir uns nichts vor: Wer in unserer Branche übers Jahr gerechnet einen durchschnittlichen Stundensatz von 80,- Euro erwirtschaftet ist extrem gut im Rennen. Kalkulieren wir mal mit 100 bis 120 abrechenfähigen Tagen, kommen wir auf etwa 75.000,- Umsatz p.a. Nach Kosten (wir machen ja nicht alles alleine und haben vielleicht sogar ein Büro) sind wir bei 50k bis 60k Gewinn vor Steuer. Mit diesem Gewinn über private Versicherungen ein Absicherungsniveau zu erreichen, das dem eines vergleichbaren Angestellten entspricht, ist wesentlich teurer als in der KSK zu sein.

    Im Übrigen ist die KSK eine Pflichtversicherung. Es besteht keine Wahlfreiheit. Personen, bei denen die KSK Versicherungspflicht feststellt (üblicherweise auf Antrag), haben nicht die Wahl.

  10. @friederike

    2 von 3 AGD-Designern sagen, dass ihre drei größten Kunden 61% oder mehr von ihrem Jahresumsatz ausmachen, 45% sagen 3/4 oder mehr Ihres Umsatzes kommt von den bis zu drei Hauptkunden.

    Dieses statistische Phänomen nennt man Pareto-Verteilung und es sagt zunächst mal nichts über die Besonderheiten unserer Branche aus.

  11. @christoph

    “Was ich aber nicht kenne, sind Auftraggeber die sich im Angesicht der dort skizzierten Vergütungsmodelle nicht totlachen. Der AGD-Vertrag ist vollkommen marktfern in seinen Preismodellen.”

    Ich komme gerade aus einer Logopräsentation für ein kleines mittelständisches Unternehmen. Es wurde unter anderem über die Anbringung des Logos an der Fassade diskutiert. Im Nebensatz wurden dafür Kosten von 20.000 EUR völlig unaufgeregt erwähnt. Das Logo liegt laut AGD bei dieser Unternehmensgröße, je nach Aufwand, zwischen 7.020 bis 16.848 EUR (Erstellung + Faktor 3,5). Unterm Strich verdient der Schildhersteller deutlich mehr als ich, der es entworfen hat – er darf das Logo sogar zweimal anbringen. Wer lacht in diesem Fall wohl am meisten??? Der Kunde jedenfalls lebt noch.

    Designer geben gerne an in einem großen, umfassenden Rahmen zu denken, zu entwerfen (“Design kann die Welt verändern”, etc.) und gönnen sich sogar wie Vroni eine Unterteilung in “Kundenklassen”. Mir fehlt die Konsequenz diese “Größe” auch wirtschaftlich zu kommunizieren und eine entsprechende Haltung einzunehmen. Wir schwächen uns enorm, wenn wir die gestalterische Sicherheit nicht auch finanziell klar und überzeugend darstellen.

    Ich halte die Tarifmodelle des AGD für sehr gut durchdacht, da durch die Nutzungsparameter jeder Kunde in seinem Rahmen sehr gut bedient werden kann.
    Also Leute: “HALTUNG BEWAHREN”

  12. CL: „Unterm Strich verdient der Schildhersteller deutlich mehr als ich …“

    Der Werbetechniker, der mit 78.-/Stde glaubt kalkulieren zu können, der ist am Markt schlichtweg nicht wettbewerbsfähig.
    Für mich ist der VTV-Design auch unbrauchbar weil mit den x-Varianten und Faktoren so viele Resultate generierbar sind, daß ich dann gleich selber „schätzen“ kann.

  13. @koni

    Der Werbetechniker macht bei diesem Auftrag einen Umsatz von 40.000 EUR für die Anbringung von zwei 10 Meter langen Logos. Dieses Beispiel soll einfach mal einen Einblick in die Zahlen geben, mit denen Unternehmer täglich umgehen. Es zeigt, dass die Tarife des AGDs sich in einem sehr gesunden Rahmen bewegen.

  14. Ist eh müssig darüber zu diskutieren eigentlich. Im Endeffekt muß halt jeder nehmen was der Markt hergibt. Egal ob Designer, Werbetechniker oder Schnürsenkelverkäufer. Und darauf gründet ja auch der VTV-Design mit seinem Faktorsystem: Der renommierte Gestalter kann von einem Multi mehr an Kohle rausholen wie der arbeitsamtsumgeschulte Mediendesigner für das Logo des Rohrreinigers um die Ecke. Daß Lobbyisten für ihr Klientel bei Ihren Vorschlägen für deren Vergütung eher höher greifen liegt in der Natur der Sache. Ein hilfreiches Werkzeug ist der VTV-Design für mich aber eben nicht.

  15. @CL: Auch wenn ich grundsätzlich Deine Einschätzung teile, dass die Kosten, die wir so in Rechnung stellen, verglichen mit vielen anderen Ausgaben unserer Kunden geradezu marginal sind, sollte man im konkreten Beispiel nicht den Fehler machen, Umsatz und Gewinn zu verwechseln:

    Während bei einem Designer die Personalkosten (also unser eigener Lohn) den bei weitem größten Teil der Rechnung ausmachen, dürften z.B. bei diesem Schilderherstellerfabrikanten ein Großteil der Kosten für das Material und die Technik draufgehen (allein die Einrüsten einer Fassade zum Anbringen eines so großen Schildes kann einige tausend Euro kosten).

    Allerdings dürfte es dem Schilderfabrikanten wesentlich einfacher fallen, einen Preis mit eben diesen fixen Kosten zu begründen, als einem Designer, der einen erheblichen Teil seiner Zeit mit etwas verbringt, was der Kunde oft nicht mal als Arbeit ansieht: Beratung und Konzeption.

    Wenn man ehrlich ist, sieht man auch einem guten Design selten die Arbeit an, die dahinter steckt. Die Presseaufreger „Warum hat das Logo XY Z-tausend Euro gekostet?!“ kommen ja nicht von ungefähr…

    Und gerade deshalb dürfen wir erst garnicht das Missverständnis aufkommen lassen, man könne uns wie einen Angestellten mal eben dazuabstellen weisungsgebunden ein Logo zu zeichen. Ein guter Designer ist eben kein Umsetzungsgehilfe, sondern ein Berater seines Kunden.

  16. @koni

    “Im Endeffekt muß halt jeder nehmen was der Markt hergibt”

    Nein!!! Wir müssen gemeinsam eine Linie fahren, dann ist es für den Kunden transparent und verständlich.

    “Und darauf gründet ja auch der VTV-Design mit seinem Faktorsystem: Der renommierte Gestalter kann von einem Multi mehr an Kohle rausholen wie der arbeitsamtsumgeschulte Mediendesigner für das Logo des Rohrreinigers um die Ecke.”

    Nein!!! Der VTV trifft keine Aussage zur beruflichen Herkunft und Erfahrung eines Designers oder zur Qualität der Arbeit. Wie oben schon oft gesagt, werden nicht professionell arbeitende Gestalter durch die KSK leider subventioniert.

  17. @koni
    “Ist eh müssig darüber zu diskutieren “

    Genau darum geht es! Wir dürfen die Diskussion nicht scheuen. Wer “zu faul” ist sich für sein Honorar einzusetzen, der hat es auch nicht verdient.

  18. CL: „Der VTV trifft keine Aussage zur beruflichen Herkunft und Erfahrung eines Designers”

    AGD VTV Design 7.3: „ Der Stundensatz eines fachlich qualifizierten Designers {bestimmt durch Ausbildung, Rang und Ruf sowie Berufserfahrung) wird …“

  19. Lieber Christoph,

    das Pareto-Prinzip scheint dann nicht für Friseure, Anwälte, Ärzte uva zu gelten. ;-) #110

    Lieber Thomas,

    7% USt haben nix mit “Freiberuflichkeit” zu tun #108 (ein A.) – sondern es gibt einen langen Katalog an Leistungen und Waren, die für den Endverbraucher mit einer geringeren Umsatzsteuer belastet werden sollen. Das reicht von Lebensmitteln über Bücher bis hin zu (neuerdings) Hotelübernachtungen und (schon lange) “die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben” (UStG §12 (2) 7. c.). Die USt-Höhe ist für den B2B-Bereich, in dem ein Großteil der Designaufträge abläuft irrelevant. Und die Anwendbarkeit (Anwendungspflicht) dieses Steuersatzes nimmt von Illustration, Fotografie und Text (häufig) über Produkt- und Grafikdesign (ab und zu) bis Webdesign (seltenst) stark ab, ist also für einen Großteil der Kommunikationsdesigner ohnehin ohne Belang.

    Gibt noch einige andere Unschärfen und auch schiefliegende Argumentationsketten in dem Beitrag. Ich vermute aber mal, dass sich die zu Grunde liegende Gefühlslage “egal wie man’s macht, es wird nie was Richtiges” ohnehin nicht durch weitere Austausch bewegen ließe? ;-) Da ich Dich/Sie nicht – und schon gar nicht zu den Bürozeiten – zu einer optimistischeren Sicht auf Welt, Gesellschaft, Rechtslage diskutieren werde, verbleibe ich mit internetten Grüßen

    Friederike

    PS: Sehr cool finde ich die Aussagekombi “Nutzungsrechte sind nix für den Designeralltag*” gefolgt von “natürlich unterschiedliche Vergütungshöhen für ein Logo, wenn es vom Bäcker nebenan oder dem international tätigen Maschinenbauer sein soll”. Nichts anderes meint der VTV Design: die Vergütung ist abhängig vom Nutzwert des Gestalteten für den Kunden. Ein regionaler Backwarenhersteller hat weniger Nutzen/Gewinnerwartung, als ein global bekannter Limonadenproduzent.

    *meint meist: “Ich kann mit bestimmten Kunden darüber nicht reden, das werden immer komplizierte und unbefriedigende Gespräche.”

  20. Ohne die KSK-Subventionen würden die ganzen Unfähigen zur freien künstlerischen Berufsausübung endlich aus dem Markt purzeln und das wäre für den Markt als ganzes nur von Vorteil.

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