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Oktoberfest München erhält eigene Markenidentität

Oktoberfest Logo / Corporate Design
Oktoberfest Logo / Corporate Design, Quelle: Red / Stadt München

Das Oktoberfest München, seit 1810 jährlich auf der Theresienwiese in der bayerischen Landeshauptstadt ausgerichtet, erhält erstmals eine eigene Markenidentität. Ein einheitliches Erscheinungsbild solle der Markenwelt des weltweit größten Volksfestes einen zentralen visuellen Rahmen geben und die Vermarktung verbessern.

Nachdem das Oktoberfest in den letzten beiden Jahren Corona-bedingt abgesagt wurde, soll in diesem Herbst die 187. Auflage der „Wiesn“ stattfinden (17. September bis zum 3. Oktober 2022). Um die Wiedererkennbarkeit als Marke zu erhöhen und die nationale wie internationale Vermarktung zu optimieren, bekommt das Oktoberfest erstmals in seiner Geschichte eine eigene Markenidentität sowie ein eigenes Logo. Darüber hinaus wurde ein modulares Designsystem geschaffen, in dem der Umgang mit Farben, Bildsprache, Typographie definiert ist. Das neue Erscheinungsbild wurde heute im Rahmen einer Presseveranstaltung im Münchner Stadtmuseum der Öffentlichkeit präsentiert.

Oktoberfest Corporate Design, Quelle: Red / Stadt München

Für die Verantwortlichen auf Seiten der Stadt München sei es wichtig gewesen, wie Benedikt Brandmeier, Leiter Bereich Tourismus, Veranstaltungen und Hospitality im Referat für Arbeit und Wirtschaft, anlässlich der Vorstellung erläutert, dass das visuelle Erscheinungsbild als typisch bayrisch wahrgenommen werde. „Im Branding verbinden sich Tradition und Moderne. Das Design lässt Spielraum für Interpretationen, ist international verständlich ist und es funktioniert für alle Zielgruppen“.

Oktoberfest Corporate Design, Quelle: Red / Stadt München

Als zentrales Gestaltungselement der neuen Markenidentität dient die Initiale „O“, die mit ornamenthaften Ausschmückungen und Verzierungen versehen wurde. Anstatt ein einzelnes bildhaftes Zeichen zu wählen, beispielsweise einen Bierkrug, ein Herzerl oder ein Riesenrad, habe man sich bewusst dazu entschlossen, eine abstrakte Form zu wählen, um so mehr Interpretationsspielraum zu bieten. Die dynamische Form und der Schwung der O-Bildmarke spiegele so den „Spirit“ des Oktoberfestes wider, so die offizielle Erklärung.

Die Bildmarke basiert – ebenso wie die neue Marken-Schrift („Wiesn“) – auf einer traditionellen gebrochenen Fraktur-Schrift, die zum Gründungszeitpunkt des Festes die üblicherweise verwendete Schriftart in Bayern war. Diese habe man modern und zugänglich interpretiert und insbesondere in Hinblick auf Internationalität und optimale Lesbarkeit in Form einer vollständig neuen, eigenständigen und zeitgemäßen Schrift überführt.

Das neue Branding für die Wiesn werde nach und nach implementiert, online, im Marketing und auf der Theresienwiese vor Ort. Für die strategische und visuelle Entwicklung zeichnet die Markenagentur RED verantwortlich, die sich in einem mehrstufigen Pitch durchgesetzt hat.

Kommentar

Interessant ist das Markendesign schon allein deshalb, da es ein elementares Spannungsfeld im Corporate Design beschreibt: wie viel Klischee (zumeist negativ konnotiert) darf/muss die Marke vermitteln? Und viel Modernität/Individualität darf das Design transportieren? Eine zu klischeehafte Gestaltung wirkt sehr schnell kitschig, abgedroschen und anbiedernd. Ein zu moderner, progressiver Look könnte wiederum von vielen Menschen als unpassend, aufgesetzt und unglaubwürdig angesehen werden. Noch schlimmer wäre, wenn die damit verbundene Botschaft gar nicht erst verstanden würde.

Eine gänzlich klischeefreie Gestaltung ist im Grunde nicht möglich, sie ist überdies – in aller Regel – auch nicht sinnvoll und erstrebenswert. Denn wenn eine Marke als attraktiv, begehrenswert und vor allem als passend und geeignet angesehen werden soll, muss sie den Zielgruppen entsprechend und zum Kontext passend gewisse Erwartungen bedienen, freilich nicht einzig über das jeweilige Logo, sondern insgesamt über die im Corporate Design verankerten Gestaltungselemente. Eine Sportmarke muss so etwa Dynamik ausstrahlen, eine Versicherung/Bank Verlässlichkeit, eine Premium-Uhrenmarke Exzellenz, ein Bio-Label Naturbezug … und so weiter. Zwangsläufig bedienen sich Designer und Markenmenschen, die wir uns visuelle Konzepte ausdenken, einer gewissen klischeehaften Formensprache. So ist das Nike-Logo ein an Dynamik kaum zu überbietender Swoosh, die Hausfarbe der Allianz Blau, die Logos der meisten Premium-Uhrenmarken klassisch zentrisch ausgerichtet und ein Bio-Label eben grün. Ein rosafarbenes Bio-Logo könnte die mit einem solchen Label verbundenen Zwecke unmöglich erfüllen. Deshalb führt an der Verwendung der Farbe Grün in diesem Kontext quasi nichts vorbei. Eben WEIL ein Bio-Label dem damit verbundenen Klischee entspricht, wird es von uns als Konsument als (potenziell) Kompetenz auf diesem Gebiet vermittelndes Markenzeichen angesehen. Ob diese Kompetenz tatsächlich besteht, ist freilich eine andere Frage. Eine Gestaltung, die sich also an gewissen Klischees, bekannten Mustern und Vorstellungen orientiert und auf diese Weise – vom französischen „cliché“ ableitend – eine „Nachbildung“ bzw. einen „Abdruck“ eines Originals darstellt, dient dem Verständnis der intendierten Botschaft.

Dem beschriebenen Prinzip folgend werden im Markenauftritt des Oktoberfest München die Farbe Gelb/Gold (eine Metapher für Bier/Brezel), auf typographischer Ebene eine Frakturschrift und ein aus zahlreichen Bögen und Schleifen bestehendes Monogramm als Logo verwendet, um so als typisch bayerische und traditionell verankerte Einrichtung wahrgenommen zu werden. Die begleitenden Anwendungsbeispiele vermitteln, wie ich meine, tatsächlich auch eine gewisse Modernität. Insofern scheint mir das Design passend und gut gewählt.

Der im Logo enthaltene in Versalien gesetzte München-Schriftzug wurde übrigens, obschon von einer anderen Agentur entworfen, aus dem Tourismus-Markenauftritt der Stadt München übernommen und wirkt im neuen Oktoberfest-Logo im Sinne einer Dachmarke.

In Sachen Einheitlichkeit und Stringenz bei der Implementierung ist die Marke Oktoberfest München noch ausbaufähig. Denn klar ist: zwei unterschiedliche Logos als Absender werden auf oktoberfest.de nicht benötigt.

Update 05.08., 17:44 Uhr: Der alljährlich stattfindende Plakatwettbewerb bleibt, wie mir die betreuende Agentur auf meine Anfrage hin mitteilt, bestehen. „Das neue Logo wird integrativer Bestandteil des Plakats und ersetzt das alte Logo. Die bisher in frei wählbaren Fonts gestaltbare Headline muss künftig in der Schrift „Wiesn“ ausgeführt werden.“

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Dieser Beitrag hat 25 Kommentare

  1. Stilistisch und als Marken ID durchaus annehmbar. Eine eindeutige Verbesserung zur vorherigen Version.
    Die Vorgängerversion war ja wohl ein Witz – oder!?

  2. Ich denke die Farbwahl hat weniger mit Bier und Brezel zu tun, als mit den Farben der Stadt München und des Münchner Kindls > Gelb/Schwarz.

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