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Ohio erneuert Markenauftritt

Ohio Logo, Bildquelle: TourismOhio
Ohio Logo, Bildquelle: TourismOhio

Der US-Bundesstaat Ohio präsentiert sich im Kontext digitaler Medien seit wenigen Tagen im neuen Look. Dabei feiert die Tagline „Ohio, The Heart of it All“ ein Revival.

Ohio, im Mittleren Westen der USA gelegen, ist mit rund 11,8 Millionen Einwohnern der siebtbevölkerungsreichste Bundesstaat der USA. Um die Attraktivität von Ohio zu steigern, wurde der Markenauftritt modifiziert und aufgefrischt. Der bereits zwischen den Jahren 1984 und 2001 verwendete Markenslogan „Ohio, The Heart of it All“ steht dabei ebenso im Fokus wie das neue Logo, das über die Typographie 1950er-Jahre-Retro-Feeling vermittelt. Gleichwohl soll die Markenidentität, so jedenfalls wollen es die verantwortlichen politischen Akteure auf Seiten der Tourismusbehörde des Bundesstaates (TourismOhio) verstanden wissen, eine Botschaft in Sachen Zukunft und Prosperität senden.

„Our state is thriving, and we want the world to know that Ohio is the heart of technology, the heart of opportunity, the heart of adventure, and the heart of family“, so Governor Mike DeWine. Wie es anlässlich der Vorstellung des neuen Markenauftritt heißt, sollen die Markenaktivitäten und -Botschaften in den Bereichen Tourismus und Wirtschaftsentwicklung nicht mehr länger getrennt werden. Die neue Marketingstrategie des Staates werde ganzheitlich ausgerichtet. Neben den vielfältigen touristischen Veranstaltungen, Reisezielen und Attraktionen wolle man zukünftig auch Beschäftigungsmöglichkeiten, die Familienfreundlichkeit der Gemeinden und die allgemeine hohe Lebensqualität stärker in den Mittelpunkt stellen. „Tourism is big business in Ohio, but it’s only part of the puzzle,“ erklärt Lt. Governor Jon Husted. „We want to be champions for the state of Ohio. Moving forward, we’re going to be more intentional about attracting not only visitors, but also people who want to live, learn, and work here.“

Ohio Logo – vorher und nachher, Bildquelle: TourismOhio, Bildmontage: dt
Ohio Logo – vorher und nachher, Bildquelle: TourismOhio, Bildmontage: dt

Vom Grundaufbau ändert sich wenig. Auch weiterhin ist der Name Ohio in blau gehalten, eingebunden in den roten Umriss des Bundesstaates. Allerdings ist die Typo nicht nur deutlich größer, auch aufgrund des nunmehr scriptualen Stils ändert sich der Gesamtausdruck. Der handschriftliche Duktus verleiht dem Logo mehr Lebendigkeit, Selbstbewusstsein, Positivität. Im direkten Vergleich wirkt das bisherige Logo zaghaft, fast zittrig.

Entworfen wurde das Logo von Ron Foth Advertising (Columbus, Ohio).

Kommentar

Eine ganzheitlich ausgerichtete Marke, so wie intendiert/angekündigt, ist derzeit nicht zu erkennen – und schon gar nicht ist diese für mich anhand des vorgestellten Designs ablesbar. Will man eine Marke im Sinne von Nation Branding ganzheitlich ausrichten, genügt es nicht, lediglich ein neues Logo in einen bestehenden touristischen Webauftritt einzupflegen, so wie unter ohio.org geschehen.

In gewisser Weise spiegelt das vorgestellte Markendesign von Ohio das Gegenteil dessen wider, was eine Nation Brand auszeichnet. Vereinfacht könnte man sagen, der kartografische Umriss zementiert die Begrenztheit und Limitiertheit der damit verbundenen Marke: bis hier hin und nicht weiter! Schon für eine reine touristische Marke ist das damit verbundene visuelle Konzept nicht frei von Widersprüchen, um es wohlwollend zu formulieren. Als Grundlage für das Erscheinungsbild einer Nation Brand ist ein Kartenumriss meines Erachtens denkbar ungeeignet.

Denn im Falle einer Nation Brand wird die Marke, ihre Identität sehr weit gefasst. Auch deshalb geht es im Nation Branding, bezogen auf die visuelle Ebene, weniger um die Darstellung des Konkreten (Landesgrenzen, bestimmte Orte, typische Landschaften, Sehenswürdigkeiten, u.a.), als vielmehr darum, für so abstrakte Konstrukte/Gebilde wie die Wirtschaftskraft und die Technologie eines Landes, für die kulturelle Vielfalt, das geselllschaftliche Engagement und das soziale Miteinander in einem Staat sowie für eine Vielzahl weiterer Aspekte, die gleichsam identitätsprägend sind, eine adäquate visuelle Entsprechung zu finden. Es braucht hier also im Visuellen das Mittel der Abstraktion, Beispiel Nation Brand USA, Beispiel Netherlands, Beispiel Nation Brand Australien.

Wenn aus dem aktuellen Tourismusmarkenauftritt von Ohio eine ganzheitlich ausgerichtete Markenidentität hervorgehen soll, wenn man es also ernst meinte in Sachen Nation Branding, bräuchte es weitere umfassende Aktivitäten seitens der Verantwortlichen. Ein weiteres Rebranding wäre die Folge.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. @Achim – Ich glaub im zweiten Abschnitt ist ein Satz durcheinander gewürfelt:

    “Wie es anlässlich der Vorstellung des neuen Markenauftritt heißt, sollen die Markenaktivitäten und -Botschaften in den Bereichen Tourismus und Wirtschaftsentwicklung sind mehr länger getrennt werden.”

    1. Danke für den Hinweis. Wirklich durcheinander gewürfelt ist der Satz nicht. Statt „sind“ muss es allerdings „nicht“ heißen. Ist korrigiert.
      Besten Dank.

  2. Du hast viel richtiges bereits in Deinem Kommentar geschrieben, Achim. Eines würde ich aber relativieren: Die Darstellung des Konkreten hat auch im Nation Branding ihren Platz, wenn es nicht beliebig werden soll. Beispiel ist die Tulpe im NL-Brand. Selbst Grenzen können das sein, wenn sie in der Marke mit einer darüber hinausgehenden positiven Bedeutung aufgeladen werden.
    Das ist hier aber nicht der Fall – und dazu kommt, dass dieser Umriss handwerklich einfach miserabel umgesetzt ist.

    1. Danke intermalte, für Deinen Kommentar.

      Die Darstellung des Konkreten hat auch im Nation Branding ihren Platz, wenn es nicht beliebig werden soll. Beispiel ist die Tulpe im NL-Brand.

      Die NL-Tulpe erscheint mir in diesem Fall, eben da sie stark abstrahiert ist und so ihr konkretes florales Wesen nicht (unmittelbar) offenbart, kein gutes Beispiel zu sein, um Deine These zu untermauern. Vielleicht fällt Dir ja noch das ein oder andere passendere Beispiel ein.

      Es besteht meiner Ansicht nach, um in einer Gegenrede auf Dein Argument einzugehen, in der von Dir getroffenen Aussage kein Kausalzusammenhang. Denn unkonrekte Gestaltung führt nicht zwangsläufig zur Beliebigkeit. Wie etwa das Beispiel des Nation Brandings Perus zeigt, das als zentrales Element, die Nazca-Kultur zitierend, eine Spiralform beinhaltet. Das Zitat und der auf diese Weise hergestellte Bezug sind sehr konkret und offensichtlich. Die Darstellung als solche ist hingegen maximal abstrakt. Es gibt, vom Kontext Nation Branding abgesehen, tausende Beispiele dafür, dass unkonrekte Gestaltung nicht zwangsläufig zur Beliebigkeit führt, siehe Nike, Deutsche Bank, Fedex, Target, Audi, Mastercard, u.v.a..

      Ich glaube vielmehr – möglicherweise ist dies ja ein gemeinsamer Nenner –, dass gute, kreative Logogestaltung weniger die Darstellung des Konkreten benötigt, als vielmehr im Visuellen einen passenden/stimmigen Bezug zum konkreten Anliegen der Marke (Nike-Swoosh = Bewegung). Oder anders gesagt: nicht die Darstellung muss/sollte konkret sein, sondern der Bezug.

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