NRW-Wirtschaftsministerium verschickt fragwürdige Logo-Ausschreibung

NRW ZIEL2 – fragwürdige Ausschreibung

Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen schreibt derzeit ein Logo aus und erwartet von allen Bietern, dass sie mit Abgabe des Angebots auch gleich die entsprechenden Entwürfe einreicht. In der Ausschreibung heißt es: „Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt.“

Es ist ärgerlich genug, dass Agenturen sich in Pitchs immer dreisteren Anforderungen seitens Auftrag vergebender Unternehmen ausgesetzt sehen. Dass öffentliche Auftraggeber diese Entwicklung zudem noch verstärken, macht die Situation umso schlimmer. Wer am meisten im voraus leistet und dabei den geringsten Preis abgibt, der gewinnt. Auch in diesem Fall scheint dieses Motto zu gelten. Das NRW-Wirtschaftsministerium schreibt im Rahmen des sogenannten EFRE-Wirtschaftsförderungsprogramms die Kreation eines Logos sowie die damit in Verbindung stehende Bezeichnung aus. Das oben abgebildete „Ziel2“-Logo soll im Rahmen der nun anstehenden Förderperiode, die bis 2020 geht, durch ein neues Zeichen abgelöst werden.

In den Ausschreibungsunterlagen werden alle Bieter zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Allerdings sollen nicht nur der veranschlagte Arbeitsaufwand in Stunden sowie ein Preis für die Kreation eingereicht werden, auch der oder die entsprechenden Entwürfe sollen gleich mit in den Umschlag. Während in fairen Pitch-Verfahren auch diejenigen Agenturen ein „finanzielles Trostpflaster“ erhalten, die bei der Vergabe des Auftrags leer ausgehen, ist in diesem Fall, wie mir auf Nachfrage von Seiten der zentralen Vergabestelle im Ministerium bestätigt wurde, eine solche Aufwandsentschädigung nicht vorgesehen. De facto arbeiten also alle Bieter, bis auf den Sieger, für lau.

Ausschreibungen, bei denen die Gestaltung einiger weniger Elemente (z.B. Logo, Anzeige) im voraus „angefragt“ wird, und die, so man denn den Zuschlag erhält, die Beauftragung weiterer Leistungen nach sich ziehen (z.B. komplettes Corporate Design, Kampagne), sind weit verbreitet. Jede Agentur wägt in einem solch Pitch ab, ob sie sich auf diesen Pakt einlässt. Im Fall der Ausschreibung um das EFRE-Programmlogo ist allerdings mit Abgabe des Angebotes bereits die Hauptleistung erbracht! Im Bedarfsfall folgt lediglich noch die Reinzeichnung des Logos. Logoeinreichung mit Preisetikett. „Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt“, wie es in der Ausschreibung heißt. Streiche „wirtschaftlichste“ setzte „billigste“. Die Zuschlagskriterien sehen im Detail wie folgt aus: „Kreativität und Originalität der einzureichenden Entwürfe“ = 40%, „Erfüllungsgrad der unter dem Punkten 2.1 beschriebenen Anforderungen an das zu entwickelnde Logo“ = 30% (hier werden allgemeine Vorgaben definiert, etwa auch, dass das Logo in schwarzweiß druckfähig sein muss), Preis = 30%.

Gerade weil die Ausschreibung ausschließlich im Ausschreibungsportal des Wirtschaftsministeriums und lediglich den dort registrierten Nutzern einsehbar ist – ich habe über eine vom Ministerium angeschriebene Agentur davon erfahren –, darf ein solches Verfahren nicht stillschweigend hingenommen werden. Wenn Unternehmen und Behörden nach dem Motto verfahren: „Legt erst mal alles auf den Tisch, liebe Agenturen, und wir schauen dann später, wer von Euch Geld erhält“, dann kann die Empfehlung nur lauten, auf die Teilnahme am Bieterverfahren zu verzichten. Die Ausschreibung läuft noch wenige Tage und endet am 14.03.2014.

Das EFRE-Programm wird durch EU-Fördermittel realisiert. Es zielt insbesondere auf die regionale Entwicklung in den Bereichen Wirtschafts-, Struktur- und Beschäftigungspolitik ab. Im Ausschreibungstext wird die Landespolitik vollmundig angepriesen: „Die Politik der Landesregierung Nordrhein-Westfalens zielt auf ein ökonomisch leistungsfähiges, sozial gerechtes und ökologisch verträgliches Wirtschaften und auf wettbewerbsfähige und attraktive Standorte. Damit will sie gute und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze schaffen und sichern helfen, die den Menschen ein Leben in Würde ohne staatliche Zuschüsse ermöglichen.“ Die Ausschreibung verdeutlicht: zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine gewaltige Lücke.

Wettbewerbsfähige Arbeitsplätze schaffen, indem man von kreativen Dienstleistern verlangt, Arbeiten unentgeltlich zu verrichten!? Aha. Auf diesen Widerspruch hin angesprochen, ließ man bei der zentralen Vergabestelle des Ministeriums durchblicken, dass man diesen Missstand anerkenne. Mir wurde telefonisch mitgeteilt, dass die Ausschreibung überprüft würde. Wie man mir allerdings auch gleich zu Verstehen gab, sähe man keine andere Möglichkeit, als so zu verfahren. Begründung: weil es ansonsten keine Chance gäbe, die Entwürfe vorab zu sichten. Eine Logik, die sich nur vor dem Hintergrund einem durch zunehmend unfaire Pitchs und inakzeptablen Crowdsourcing-Wettbewerben verdorbenen Markt erklärt. Das ist, als würde man bei 100 Bringdiensten bestellen und nur die Pizza bezahlen, die einem schmeckt. 99 Bestellungen landen in der Tonne.

Immer wieder erschreckend, wie wenig sensibilisiert (nicht nur) öffentliche Auftraggeber augenscheinlich sind, wenn es darum geht Kreativleistungen fair auszuschreiben. Indem das NRW-Wirtschaftsministerium von Designagenturen verlangt, ohne jegliche Entlohnung Entwürfe einzureichen, fordert sie diese indirekt dazu auf, gegen ihre Interessen und unwirtschaftlich zu handeln. Ein absurde Vorstellung von Wirtschaftsförderung, die die NRW-Landesregierung verfolgt. Offensichtlich wurde beim Aufsetzen der Ausschreibung in der Fülle an Vorgaben, Richtlinien und im Befolgen von Paragraphen aus den Augen verloren, wer eigentlich Ziel einer regionalen Wirtschaftsförderung ist.

84 Kommentare zu “NRW-Wirtschaftsministerium verschickt fragwürdige Logo-Ausschreibung

  1. lieber Achim, danke für den Bericht. Ich sehe hier die Defizite im Design-Einkauf, der Design als Dekoration, nicht als Problemlösung einkauft. Wir beobachten aber in der letzten Zeit, dass derartige Ausschreibungen immer weniger qualifizierte Einreichungen bekommen. Trotzdem fordern wir im BDG weiter energisch faire Wettbewerbe und professionelle Design-Einkäufer und rufen alle Kollegen dazu auf, an unfairen Wettbewerben nicht teilzunehmen.

  2. Das ist total daneben! “Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung” – haben die sich ihren eigenen Claim mal durchgelesen? Sollte eine Institution wie diese nicht ein Vorbild für den Mittelstand sein? Bzw. sollten sie nicht genug im Thema drin sein und merken, dass sie mit so einer Aktion eben nicht den Mittelstand (große, namhafte Agenturen werden hier wohl aus gutem Grund nicht teilnehmen) fördern sondern genau das Gegenteil bewirken?

    Leider ist das aber die vorherrschende Mentalität in deutschen Unternehmen. Deshalb findet man auch im Gegensatz zu anderen Ländern wie England, Schweden usw. nur wenig schönes Design in deutschen Firmen und Regalen. Fragt sich, wie lang sie brauchen um zu merken, dass gutes Design eine erhebliche Bereicherung sein kann.

  3. Ich arbeite seit über 15 Jahre für ein Ministerium, und kann nur berichten das den kompetenten Referaten die Handlungsfähigkeit entzogen wurde. Der Einkauf findet zentral über Ausschreibungen statt, in denen min. 60% der Vergabeentscheidung von der Wirtschaftlichkeit abhängt (über die Niedrigstpreise der Kollegen äußer ich mich an dieser Stelle nicht). Das hat zur Folge, das eine kontinuierliche, profilgebende Arbeit nicht möglich ist – der Frust auf meiner und Kundenseite ist sehr groß.

  4. Meiner Erfahrung nach ist die Vergabepraxis nach Wirtschaftlichkeit auch nicht immer nachvollziehbar. Bei zwei öffentlichen Ausschreibung im letzten Jahr war das einzige Kriterium für die Wirtschaftlichkeit die Angabe des Stundensatzes – eine Prognose des Zeitaufwandes wurde nicht verlangt, was die Angabe des Stundensatzes letztlich völlig sinnfrei und willkürlich macht. Nichtsdestotrotz ist genau diese das Top Kriterium für die Vergabe eines größeren Design-Budgets – Geradezu Kafkaesk!

    Man darf schon ins Zweifeln kommen, ob die sicher in bester Absicht erstellten Regeln für Ausschreibungen immer zielführend angewendet werden.

  5. Eine Branche, die keine Stimme hat, kann sich nicht bemerkbar machen.
    Der Protest gegen solche Fehlentwicklungen braucht eine starke Stimme und diese Stimme ist der Berufsverband. Der Verband kann allerdings nur so laut rufen, wie er auch von Designern unterstützt wird. Das Unterstützen geht ganz einfach, kostet aber etwas Geld: 19 € im Monat. Von nix kommt nix :)

    http://www.bdg-designer.de/geben-sie-ihre-stimme-den-kommunikationsdesignern-werden-sie-mitglied-im-berufsverband

  6. Unabhängig davon hat natürlich JEDER Gestalter einer Stimme, der man hier in Form eines Kommentars, via Twitter, Facebook oder per E-Mail/Brief direkt an das NRW-Wirtschaftsministerium und/oder an dessen zentrale Vergabestelle Ausdruck verleihen kann. Wer diese Möglichkeiten ungenutzt lässt, kann nicht erwarten, dass sich die Dinge verändern.

  7. Tja, wenn alle Gestalter sich weigern würden bei solchen Aktionen mitzumachen, wird sich vielleicht langsam wieder der Gedanke etablieren, dass Gestaltung etwas wert ist. Aber leider werden sich wieder genügend Einzelkämpfer und Agenturen finden, die auch unter solchen Bedingungen bei dem Pitch teilnehmen. Und so zerstört sich die Branche langsam selbst.

  8. Ich verstehe bis heute nicht, warum der Begriff »Designer, Diplom-Designer, Design etc. pp« nicht endlich als schützenswerter Begriff etabliert wird. Ist doch klar, dass eine Wertschätzung unserer Arbeit nicht stattfindet, wenn sich jedes Nagelstudio um die Ecke »Nail-Design« auf die Fahne schreibt oder Friseure sich zu Art Direktoren oder Hair-Designern titulieren.

    Heutzutage ist alles Design und alles nichts. Die inflationäre Abnutzung des Begriffs führt dazu, dass alles in einen Topf geschmissen wird.

    Meiner Meinung nach benötigt die Branche zunächst eine klare Definition des Begriffs »Design«, um sich dann entsprechend neu zu formieren und zu festigen.

  9. Hallo Herr Büning,

    ich schätze Ihre Arbeit und Engagement für den Berufsstand, vorab also eine ehrliches “Danke” für ihre Arbeit. Als Designer wäre ich allerdings froh, wenn die Designer Deutschlands mit einer Stimme sprechen würden. Das nebeneinanderher von zwei Verbänden (AGD und BDG) erscheint mir intransparent und ineffektiv – schon die Frage, welcher der Verbände meine Belange besser vertritt, ist von Aussen für mich nicht zu beantworten. Angesichts der Rahmenbedingungen des Designberufs in Deutschland erscheint es mir geradezu irrwitzig dass sich die Branche zwei letztlich konkurrierende Verbände leistet.
    Gibt es denn Entwicklungen die auf eine Zusammenführung der Verbände hindeuten?

    Dies nur als sehr themenfremder Einwurf und Antwort auf ihren Aufruf zum Engagement im BDG.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Jürgen Gawron

  10. »Das wirtschaftlichste Angebot« ist in diesem Fall nicht das mit dem niedrigsten Preis: wie zitiert, zählen auch »Kreativität und Originalität der eingereichten Entwürfe« sowie »Erfüllungsgrad der unter dem Punkten 2.1 beschriebenen Anforderungen an das zu entwickelnde Logo« zur Wirtschaftlichkeit, und zwar mit mehr als Zweidritteln in der Bewertung. Soviel Genauigkeit muss sein.
    Wer von uns will denn nicht, dass unsere Steuern gut ausgegeben werden, also dass die Öffentliche Hand günstig einkauft, um mehr Leistungen anbieten zu können? Sie muss auf niedrige Preise achten — ob das allerdings mit einfach niedrigen Stundensätzen geht, da habe ich mehr als Zweifel. Aber die sind so schön einfach zu vergleichen. Und oft genug haben wir es ja auch nicht mit regelmäßigen Auftraggebern zu tun.
    Abgesehen davon: selbstverständlich ist es entgegen allen guten Regeln, ohne Vergütung einen Entwurf abgeben zu müssen — hier wie so oft ja auch noch ohne ordentliches Briefing.
    *
    Organisation: ja, die ist ein großer, großer, großer Mangel bei allen in der Kreativwirtschaft Tätigen, ob angestellt oder selbständig. Neben der AGD, dem einzigen Verband für alle Designer, gibt es ja noch jede Menge Spartenverbände (Mode/Textil, Industrie …), die alle ihr eigenes kleines wässriges Süppchen kochen und durchaus mal den eigenen Interessen einen Bärendiesnt erweisen. So zum Beispiel der BDG, der veröffentlicht, dass es Grafikdesign überall für’n Appel und ’n Ei gibt mit seinem Gehaltsreport. Nein, uns gute Leute und unsere gute Arbeit gibt’s nur für gutes Geld (das war jetzt nach ver.di, der Gewerkschaft für Selbständige, zitiert)!

  11. Das ist wirklich Designlimbo – irgendein Blöder quält sich immer unter der Stange durch, egal wie tief sie hängt. Genauso wie es verzweifelte Designer gibt, die sich für (fast) jeden Lohn und für unmenschliche Arbeitsbelastung ausbeuten lassen, gibt es offenbar auch Agenturen, die unter solchen lausigen Voraussetzungen teilnehmen.

    Aber wer will sich beschweren – solange Leistung ohne faire Entlohnung nicht branchenweit boykottiert wird, werden Auftraggeber solche Späßchen versuchen. Dabei sollte inzwischen hinreichend bekannt sein, was der Tanz um das billigste Angebot bewirkt – siehe Elbphilharmonie, Stuttgart 21 etc. Folgekosten? Völlig egal, solange man bei der Auftragsvergabe ein Schnäppchen schießt.

    Und hey, immerhin ist es kein Studentenwettbewerb …

  12. Ich finde den Hinweis von Johannes auch nicht ganz unbedeutend: das wirtschaftlichste Angebot wird zu lediglich 30 % vom Preis bestimmt. Und mit der Problematik, einen Entwurf für lau liefern zu müssen, schlagen sich auch viele andere Berufsgruppen durch den Tag. In einer Goldschmiede zum Beispiel werden jeden Tag mehrere Beratungsgespräche mit individuellen Entwürfen zu Schmuck geführt, denen auch nie ein Auftrag folgt. So ist das im Leben nunmal. Und im Gegensatz zu einer Ausschreibung, bei der man die Wahl hat, ob man daran teilnehmen möchte, ist das in der Goldschmiede schon schwerer, einen potentiellen Kunden vor die Tür zu setzen … :-)

  13. Sehe wie Büning auch das Problem generell im Design-Einkauf.
    Kein Bewusstsein vorhanden.

    Wo soll es auch herkommen.

    Wenn man nicht weiß, wie man Design einzuschätzen und einzukaufen hat, dann nimmt man eben den im Beginn schon schiefen Strohhalm “Stundensatz” und den Ausbeuter-Strohhalm “vorab eingereichter Entwurf”.

    D: Design einkaufen wie man Schrauben einkauft.
    Maschinenbauerland Deutschland. Wir können nur Autos.

    (Eigenartigerweise haben unsere Autos alle ein professionelles Design. Seltsam …, da muss jemand den pekuniären und wettbewerbsvorteilhaften Wert des Designs von Autos entdeckt haben … Man darf also die Hoffnung nie verlieren ;- . außer bei Ministerien und kommunalen Behörden, da regiert der Buchhalterbleistift und der Filz gleichermaßen. Wer Sarkasmus entdeckt, darf ihn behalten.)

  14. Rein virtuell:
    Ich stelle mir gerade geistig vor, wie die Autoindustrie anfängt, am Design zu sparen und Ausschreibungen und solche merkwürdigen Pitches zu ihrem Autodesign macht, wie es viele anderen Firmen leichtsinnigerweise zu ihrem schäbigen Kommunikationsauftritt machen.

    Hübscher kleiner Albtraum über die Autos, die das ergeben wird: nageldesign-mäßig aufdekorierte Schrott-Kartätschen. Was ein Spaß … infinite jest.

    Aber bei Kommunikation kann man das ja machen. ;- )

    Nun bin ich aber wieder ernst, wie es sich gehört.
    Ein Ministerium muss, um seiner Verantwortung dem Steuerzahler gegenüber gerecht zu werden, sorgfältig und wirtschaftlich einkaufen. Ist in Ordnung. Solange dies Designbüros oberhalb des Mindestlohns machen, wird sich auch kein ernsthaft legitimierter Streiter dagegen finden. Ist halt freie Wirtschaft you stupid, wenn der Designmarkt so ein überlaufener Haufen ist, dann ist das eben so: günstig für den Anfragenden. Kann man nicht mehr so leicht ändern.
    (Außer langfristig: den Ausbildungslevel deutlich anheben, die Studenten auf verkäuferische und betriebswirtschaftliche Mindeststandards trimmen, endlich die Berufsbezeichnung schützen, endlich alle Designverbände spürbar zu einem richtigen schlagkräftigen zusammenfassen und nicht nur ein Dachverbändchen als Häubchen oben drauf kleben als Deko^^-Maßnahme etc. pp)
    Ist aber nur meine unmaßgebliche Meinung.

    Es wird sich alles wie gehabt im Kreis drehen. Ein Shit-Störmchen und dann wars das wieder. Bis zum nächsten Shit-Störmchen durchs Designerdörfchen. Ich bin langsam zu alt für diese Dinge ;- )

    Liebe Ministerien:
    Auch hätte ich aber gerne gewusst, wie es zu dem Einkauf dieser überteuerten und völlig nutzlosen Drohne kam. Ein Mysterium im Ministerium? Aber ich bin schon still.

  15. Und mit der Problematik, einen Entwurf für lau liefern zu müssen, schlagen sich auch viele andere Berufsgruppen durch den Tag. In einer Goldschmiede zum Beispiel werden jeden Tag mehrere Beratungsgespräche mit individuellen Entwürfen zu Schmuck geführt, denen auch nie ein Auftrag folgt.

    Dieser Vergleich hinkt hier leider gewaltig: Der Goldschmied skizziert evtl. auf einem Blatt einen Schmuck-Entwurf – vielleicht gefällt er dem Kunden, vielleicht nicht – wenn er dem Kunden gefällt, erfolgt die Auftragsvergabe und es beginnt erst JETZT der Großteil der Handwerkskunst und er fängt an zu schmieden. Wenn der Papier-Entwurf nicht gefällt, kann er ihn vielleicht dem nächsten Kunden zeigen und verkaufen. Soweit so normal.

    In dem geschilderten Fall ist es aber so, dass im Prinzip erwartet wird, dass der Großteil der ausgeschriebenen Leistung schon vor der Auftragsvergabe erbracht wird. Denn hier ist die Hauptleistung: Ideenfindung, Konzeption, Kreation – die Umsetzung am Rechner ist keine besonders aufwändige Leistung mehr. Ein Schmuckstück kann auch einem anderen Kunden gefallen, ein solch spezielles Logo kann ich keinem anderen Kunden verkaufen. Die komplette Zeitinvestition ist nutzlos wenn man den Auftrag nicht bekommt.

    Wenn wenigstens das Logo nur der erste Teil einer umfangreichen Corporate Design Umsetzung wäre, könnte man evtl. das Risiko eingehen. Aber hier ist wirklich nur dieses eine Logo ausgeschrieben! Und das ich grundsätzlich ein Logo gestalten kann, kann man in meinem Portfolio sehen, dass brauche ich nicht mehr beweisen.

  16. Alle Adressaten der Ausschreibung haben soeben von der zentralen Vergabestelle eine E-Mail erhalten, in der der Versuch unternommen wird, die Aufgabenstellung zu präzisieren:

    „Aufgrund aktueller Berichte im Internet möchten wir Sie bitten, sofern Unklarheiten oder Fragen zur Ausschreibung, insbesondere zu dem mit dem Angebot vorzulegenden Unterlagen bestehen, diese umgehend an uns zu richten.

    In jedem Fall möchten wir klarstellen, dass mit dem Angebot keine endfertigen Entwürfe erwartet werden, sondern Vorentwürfe bzw. Skizzen, die die Ideen und Farbgestaltung wiedergeben.“

    Wir leben in einer von digitalen Medien/Diensten/Produkten/… geprägten Welt. Viele von uns realisieren Entwürfe nicht mit dem Bleistift, einem Pinsel oder dem Filzstift, sondern nutzen als Werkzeug einen Computer. Solche Entwürfe sind, sofern in einem Vektorenprogramm wie Illustrator erstellt, quasi-endfertig, zumindest jedoch druckfähig. Die letzten 20 Jahre habe das Berufsbild des Designers so umfassend verändert, wie kaum eine andere Tätigkeit. Eine Entwicklung, die außerhalb der Kreativbranche kaum wahrgenommen wird. Auch das verdeutlicht die Ausschreibung wie auch die an die Bieter gerichtete E-Mail.

    Der eigentlichen Gestaltung geht in der Regel eine Konzeptionsphase voraus, die sich zuweilen über mehrere Tage hinzieht. Wir lassen uns inspirieren, betreiben Recherche, sichten den Mitbewerb und grenzen die Lösungsmöglichkeiten ein. Erst im Anschluss werden erste Ideen umgesetzt. In vielen Fällen ist die Umsetzung der Idee eine reine Fingerübung. Die Idee zu entwickeln, ist der eigentliche, arbeitsintensive Aufwand!

    Das an die Bieter gerichtete Schreiben verdeutlicht, wie gering die Kenntnisse auf Seiten der zentralen Vergabestelle in Bezug auf Kreativleistungen sind, was mehr als bedauerlich ist, was allerdings auch kein Dauerzustand bleiben muss.

    Und noch ein Satz zum Arbeitsaufwand: Ich selbst habe eineinhalb Stunden damit verbracht, alle der Ausschreibung beiliegenden Unterlagen, Formulare und Richtlinien durchzulesen. Der Satz „Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt“ dürfte dafür sorgen, dass auch dieser Aufwand bei der Kalkulation unberücksichtigt bleibt. Man will ja ein möglichst schlankes Angebot abgeben.

  17. @ Jürgen Gawron: vielen Dank für die Blumen, gebe ich gerne an die Kollegen weiter. Auf xing führen Oliver Schuh, Ex-AGD-Vorstand und ich gerade ein Lagerfeuergespräch über die Rolle der Dachverbände, was vielleicht Ihre Frage beantworten könnte, welcher Verband der richtige ist.

    https://www.xing.com/net/pri4f62a2x/diegebrauchsgrafiker/das-lagerfeuer-381376/am-lagerfeuer-bdg-prasident-christian-buning-ex-agd-vorstand-oliver-schuh-46175789/

    Generell zur Unterscheidung:
    BDG: nur für Kommunikationsdesigner, Qualifikationsnachweis erforderlich*
    AGD: für alle, kein Qualifikationsnachweis erforderlich.

    *Studium reicht, für Quereinsteiger ein paar Arbeitsproben.

    @ Ralle: Der Begriff Designer kann und wird wohl nicht geschützt werden, ähnlich wie der Begriff Musiker oder Bildhauer. Das finden wir im BDG auch gut so, weil sonst eine Kammer mit Beamten entscheiden müsste, ob Sie kreativ genug sind für den Beruf. Abgesehen davon haben die Architekten einen geschützten Begriff und einen ähnlichen harten Preiskampf wie wir Designer.

    @ Achim: natürlich hast du Recht, jeder Designer kann seine Stimme erheben, das ist auch gut so. Aber gebündeltes Licht brennt schärfer :)

  18. Wirtschaftlich kann doch eigentlich nicht mit “am billigsten” gleich gesetzt werden. Oder mit dem günstigsten Stundensatz. Das ärgert mich bei den Ausschreibungen immer am meisten. Wirtschaftlich bedeutet:
    “Wirtschaftlichkeit ist ein allgemeines Maß für die Effizienz im Sinne der Kosten-Nutzen-Relation, bzw. für den rationalen Umgang mit knappen Ressourcen. Sie wird allgemein als das Verhältnis zwischen erreichtem Erfolg und dafür benötigten Mitteleinsatz definiert. Das Ziel ist, mit einem möglichst geringen Aufwand einen gegebenen Ertrag zu erreichen oder mit einem gegebenen Aufwand einen möglichst großen Ertrag zu erreichen.” (Wikipedia)

    Das bedeutet dich das ein hoher Stundensatz bei besserem Kommunikationserfolg die bessere Wirtschaftlichkeit darstellt. Aber wie soll der Wert der Wirtschaftlichkeit vorab anhand eines Angebotes gemessen werden?

    Es müsste ein grundsätzlich anderer Umgang der öffentlichen Stellen mit dem Thema Ausschreibungen geben. Oder wundert Ihr Euch nicht das es ein paar wenige Agenturen gibt, die unendlich viele Jobs für Land und Bund realisiert haben? Haben die immer das wirtschaftlichste Angebot abgegeben? Oder riecht das nicht auch nach klüngeln…

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