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„Niedersachsen. Klar.“ – eine typisch deutsche Debatte über die Frage der Notwendigkeit von Kommunikation

Niedersachsen. Klar. – Logo / Slogan, Quelle: Niedersächsische Staatskanzlei
Niedersachsen. Klar. – Logo / Slogan, Quelle: Niedersächsische Staatskanzlei

Niedersachsen hat einen neuen Claim. Es war zu erwarten, dass das neue Kommunikationskonzept, insbesondere da es einen solch denkbar kurzen Werbeslogan beinhaltet, feixende Lokalredakteure und johlende Politiker aus der Opposition auf den Plan rufen wird. Diesbezüglich unterscheidet sich Niedersachsen nicht vom Rest der Republik. Ein Kommentar.

Anfang der Woche präsentierte die Niedersächsische Landesregierung in Hannover einen neuen Claim, um das Land Niedersachsen zukünftig „markanter, sympathischer und wirkungsvoller gegenüber Einheimischen und Besuchern, Fachkräften und Investoren, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden zu präsentieren, wie es in einem begleitenden Pressetext heißt.

Die Niedersächsische Staatskanzlei über den neuen Claim

Der gut mit dem Wappen zu verbindende Claim ist denkbar kurz und schon deswegen aufmerksamkeitsstark. Er nimmt auf leicht trockene norddeutsche Art Bezug auf den klaren Himmel über dem weiten Land Niedersachsen, auf das Meer, die klare Luft, die klaren Landschaften. ‚Niedersachsen. Klar.’ beschreibt, wie die Menschen in Niedersachsen denken, reden und handeln: bodenständig, ohne viel Umschweife. Der Claim braucht nicht viele Worte, ist sehr positiv konnotiert; er irritiert und regt zum Nachdenken an.

Dass das Ergebnis des sich über viele Monate erstrecke…

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 37 Kommentare

  1. Dieses PDF – dann braucht es andere PDF-Präsentationen als ein solches, von der Niedersächsischen Staatskanzlei publiziertes Dokument. – ist eine Unverschämtheit. Ein Konzept, einen Claim so zu präsentieren, demjenigen gehört das PDF um die Ohren geschlagen.
    Egal wie man zu dem neuen Claim steht – die Politiker brauchen nicht so hämisch feixen – ist das Ergebnis eines Prozesses. Vielleicht hatten die Agenturen ja zwei geilere Claims und die Entscheider haben sich für diesen entschieden?
    Vielen Dank auch für das Aufzeigen der Honorarverteilung. Selbst wenn sie nicht auf den Euro genau stimmt, müsste auch die einfache Hausfrau erkennen, dass das wenig Geld ist.

    1. 200.000 € war jetzt die kleinste Zahl die ich gefunden habe. Die “einfache Hausfrau” will ich sehen die denkt das 200.000 € wenig Geld sind. Außerdem würde ich auch gerne die “einfache Hausfrau” sehen die dir nach so einer Aussage nicht das Nudelholz in die Fresse schlägt. Das würde ich tatsächlich gerne sehen, das wäre mir dann sogar 200.000 € wert.

      1. […] ca. 200.000 Euro für die Gestaltung und den Druck von Anzeigen, die auch den damit in Verbindung stehenden Werbeetat enthalten. Den größten Betrag hierbei dürften die Medienunternehmen und Verlage einstreichen, in deren Magazine und Zeitungen die Anzeigen später geschaltet werden.

        Ich könnte jetzt erzählen, dass eine 1/1 Anzeige in 4c im Stern mit 63.000 € zu Buche schlägt, man also theoretisch gerade mal drei Anzeigenschaltungen buchen könnte und den Restbetrag vermutlich in kleinere Buchungen aufsplittet.

        Aber bei solch einer gewählten Ausdrucksweise sind jegliche Argumente Perlen vor die Säue. Sie wollen sich umbedingt streiten, warum machen Sie das nicht lieber in der Kommentarspalte bei der Bild.

  2. Auch wenn ich absolut der Meinung bin, dass Honorare in der Kreativwirtschaft zu unrecht belächelt werden und ich als Designer immer wieder dafür eintrete, dass unsere nicht auf den ersten Blick sichtbare Arbeit ausreichend gewürdigt wird, muss ich der neuen Niedersachsen Seite eine klare 6 erteilen.

    https://www.niedersachsen.de/startseite/

    Eine so unmoderne, langweilige und ideenlose Website für 350.000€ zu gestalten und zu entwickeln grenzt ja schon an Dilettantismus. Ist das der Siegerentwurf aus einem Pitch gewesen oder muss man hier unterstellen, dass ein befreundeter aus der Privatwirtschaft hier einen Auftrag zugeschanzt bekam?

    Nicht, dass das Honorar nicht angemessen für ein solches Projekt ist aber das Endergebnis ist wirklich katastrophal.

    Zum eigentlichen Thema: Mit der Begründung wofür das “klar” steht bin ich damit einverstanden. Oft wird sich verrenkt um einen ordentlichen Claim zu erschaffen. Oft ist das Ergebnis dann peinlich. In diesem Fall passt es doch gut zu den Niedersachsen.

    1. Ja, du hast Recht. Die Website lädt überhaupt nicht zum Verweilen ein. Ich würde gar behaupten, dass diese Seite geradezu ungestaltet ist. Das schaut aus als hätte ein Programmierer eine Website entworfen. 2016 gibt es nun wirklich so viele Möglichkeiten sich im Internet toll zu präsentieren. Responsive ist sie immerhin, auch wenn einige Elemente noch nicht korrekt dargestellt werden. Beim Slider schiebt sich der Text komplett über das Motiv und die Headline schiebt sich sogar raus. Schade.

      Der Claim geht für mein Empfinden in Ordnung. Ehrlich gesagt hat Niedersachsen gar kein Image in meinem Kopf. Ich hätte aus dem Stegreif keine Attribute nennen können. Außer VW vielleicht. Sie hätten ja auch: “Langweilig vielleicht. Aber fleißig.” nehmen können.

      Die in der PM genannten Eigenschaften sind typisch deutsch, aber nicht ausschließlich typisch niedersächsisch. Ein Markenbotschafter könnte es evtl. noch rausreißen.

      Die Präsentation ist aus den 90ern, oder? Da hat man nur ein paar Bilder am Ende eingefügt. Ich denke mal, dass das kein Grafiker war. Die Titelfolie ist wirklich nur schwer zu ertragen.

  3. „Allerdings ist beispielsweise ein Slogan wie „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, wie Baden-Württemberg ihn nutzt, nicht nur deutlich eigenständiger, es lässt sich ein solch humoriger Spruch viel leichter in den Alltag der Menschen überführen, wo er im besten Fall zum geflügelten Wort wird.“

    – Du missverstehst hier leider, dass der Spruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ kein Slogan ist, der in die Alltagssprache übergehen soll, sondern ein Spruch aus der Alltagssprache, der zum Slogan erhoben wurde.

    Ansonsten aber ein sehr schöner Artikel, vielen Dank.

    1. Danke für die Ergänzung! Ein guter Punkt. Wobei … im Original heißt das dann wohl eher „Mir kennât älles, bloß koe Hochdeitsch“. Ein zu eins wurde das sicherlich nicht überführt.
      Aber eben das auch von Dir noch einmal beschriebene, so wichtige Wechselspiel zwischen Werbung und Alltagssprache ist es, die „klar“ vermissen lässt.

  4. Also, mein erster Gedanke als ich das gelesen habe:
    Im Prinzip ist doch jeder Gestalter und Designer mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er etwas für die öffentliche Hand gestaltet.

    Das ist ja nicht das erste Mal, also kann man sagen die Erfahrung zeigt uns folgende mögliche Szenarien:
    1. Design eingekauft über fragwürdigen Pitch
    Resultat: Designbranche sauer, Designer arm dran (finanziell)

    2. Design wird von der politische Opposition kaputt geredet
    Resultat: Designbranche sauer, Designer arm dran (Rufschädigung)

    3. Design wird durch Entscheider oder Umsetzung mangelhaft
    Resultat: Designbranche sauer, Designer arm dran (Lebenszeit verschwendet)

    Es gibt sicherlich noch mehr Szenarien, aber ich bin mir relativ sicher, dass man als Gestalter für Politik, öffentliche Institutionen oder den Staat in 90 Prozent der Fälle Prügel bezieht, nicht angemessen bezahlt wird oder sein Gehirnschmalz und Lebenszeit verschwendet.

    1. Das unterschreibe ich mal so bzw. ergänze das kurz noch:

      Dieses Szenario gilt insb. auch für das Webdesign sowie die Firmen, die die zugehörigen Websites betreuen dürfen. Ob nun auf Landes- oder Stadtebene – das ist ein verdammt undankbarer Job.

      cu, w0lf.

  5. Mal abgesehen von der üblichen ZuvielGeldfürwas?-Diskussion:

    Böser Fauxpas!!! Bilder aus Sachsen-Anhalt für ne Niedersachsen-Kampagne! Geht gar nicht. Als Harzer-Urgestein kann ich nur fragen: Wer gibt sowas frei? Steht sogar in der Bildbeschreibung bei gettyimages! -> https://www.gettyimages.de/license/661778613

    Wenn man den Ilsewanderweg zum Brocken jedes Jahr langkraxelt fällt einem schnell auf, dass das net in Niedersachsen liegt.

    Dazu sage ich Niedersachsen.Klar, dass ihr mal wieder schöne Seiten des Ost-Harzes als eure verkaufen wollt. Ist ja nicht das erste Mal.

    1. Ich habe sie angeschrieben, bevor das Bild noch endgültig als Anzeigen-Motiv freigegeben wird! Gibt doch auch im niedersächsischen Harz so viele schöne Fotomotive.

    2. Um genau zu sein steht in der Beschreibung sowohl “Sachsen-Anhalt” als auch “Niedersachsen”. Dazu kommt aber noch, dass in den Tags auch “Nationalpark Harz” steht. Dieser befindet zu zu ca. 158 km² in Niedersachsen und 89 km² in Sachsen-Anhalt (Wikipedia). – Und damit sogar überwiegend in Niedersachsen!
      Damit ist an Ihrer Aussage nicht nur falsch, dass es eine solche Landschaft in Niedersachsen schon logisch nicht existieren kann. Dazu kommt auch noch, dass Sie den Harz einfach Sachsen-Anhalt” zuschlagen…
      Nur Ihr Kommentar scheint mir hier ein Böser Faupax zu sein.

      1. Mir scheint als bringen Sie, lieber Zypri, einiges durcheinander. Weder hat Daniela den Harz ausschließlich Sachsen-Anhalt zugesprochen, noch gilt es die Frage zu klären, zu welchem Bundesland nun selbiger gehört.

        Das Ilsetal, in dem besagtes Foto offenbar entstanden ist, so die Beschreibung des Bildes auf Gettyimages, liegt nun einmal in Sachsen-Anhalt.

        An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Motive keine bereits fertige Kampagne darstellen. Klar ist jedoch auch, dass die Staatskanzlei die Motive im Rahmen der Präsentation publiziert, ihnen damit also einen quasi-finalen Status verleiht. Ich bin davon überzeugt, dass die hier offen gelegten „Ungereimtheiten“ in Bezug auf die Motivwahl helfen, einen größeren Schaden abzuwenden. Wenn ein solches Thema Einzug in den Boulevard hält, dann sieht man als Verantwortlicher ziemlich blöd aus, siehe „„Cameron wirbt mit retuschierter deutscher Straße“. Hier kann sich die Niedersächsische Staatskanzlei im Namen von Stephan Weil nur bei den dt-Lesern bedanken.

      2. Hallo Zypri,
        die Ilse, welche dort abgebildet ist, fließt erst ab Wolfenbüttel durch Niedersachsen. Wie Achim bereits schrieb liegt das Ilsetal, welches oben auf dem Bild zu sehen ist in Sachsen-Anhalt. Nur darum ging es mir! Ich habe bereits eine Antwort aus der Pressestelle bekommen und man hat sich für den Hinweis bedankt und auch bemerkt, das das Motiv durch ein anderes ersetzt werden muss, falls man ein solches für eine Kampagne nutzen möchte. Z.B. Eignen sich der Radauwasserfall oder auch der Oberteile hervorragend als Imagemotive im niedersächsischen Harz!

        Das der Harz nicht nur in Sachsen-Anhalt liegt ist mir durchaus bekannt, vielen Dank! Habe ich auch nirgends geschrieben…

  6. Als Designer aus Niedersachsen kann ich nur sagen: super Kommentar!
    Was mich am neuen Claim stört ist die Verbindung zu folgendem Spruch, der mir beim ersten Lesen sofort in den Kopf kam: “Is’ klar!”. Beispiel:

    “Investiere dein Geld doch mal in Agrar-Projekte in Niedersachsen.”
    “Is’ klar.”

  7. Lecker niedersächsischer Korn. Klar. Korn-Orange? Klaro. Die Hamburger Wasserwerke hatten mal: „Das Ziel ist klar.“ (in Verbindung mit irgendeinem Schwimmevent glaube ich). Und: Singt Jan Delay nun die Niedersachsen-Hymne oder Sabrina Setlur? Ich find’s ganz putzig. Niedersachsen? Na, klar! Christian. Klar. Ich geh dann mal Klarinette spielen…

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