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Neues Sitzmuster der BVG bewegt Berlin

BVG „Muster der Vielfalt“, Quelle: BVG

Das neue Sitzmuster der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zieht derzeit die Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem in der lokalen Presse wird das aus menschlichen Figuren gebildete Muster thematisiert und diskutiert. Die BVG knüpft die Einführung des Designs an eine Kampagne und macht so Werbung in eigener Sache.

Wenn in der breiten Öffentlichkeit über Kommunikationsdesign gesprochen wird, sind es meist Logos von Marken, Unternehmen oder Vereinen, die im Mittelpunkt stehen. Diesmal jedoch ist es das grafische Muster, mit dem die BVG zukünftig ihre Sitze und Bänke ausstatten möchte, über das in den Medien diskutiert und in Social Media debattiert wird. Ein Ziel des Verkehrsbetriebes dürfte damit bereits erreicht sein: das „Muster der Vielfalt“, wie die BVG das grafische Gestaltungskonzept nennt, steht im Fokus der Öffentlichkeit.

In Folge eines Rechtsstreits gab die BVG die Nutzungsrechte an dem in den letzten Jahren zum Kult-Design avancierten „Urban Jungle“-Muster auf. Umgangssprachlich wird das Stoffmotiv auch als „Würmchen-Muster“ bezeichnet. Dessen Designer, Herbert Lindinger, forderte im Rahmen der rechtlichen Auseinandersetzung gar die Vernichtung aller Sitze mit dem betreffenden Muster.

BVG Sitzmuster
BVG Sitzmuster, Quelle: BVG

Das „Muster der Vielfalt“ verfügt, ähnlich wie das Vorgängermotiv, über eine Art Camouflage-Pattern. Gebildet wird das in den Farben „Rostrot“, Hellblau, Gelb, Beige und Schwarz gehaltene Muster aus den Silhouetten menschlicher Figuren. Zu erkennen sind etwa ein Vater mit seinem Kind, ein homosexuelles Paar, Rollstuhlfahrer*innen, ein Frau, die Yoga macht und auch ein*e Rentner*in mit Hund. Insgesamt sollen es 80 unterschiedliche Silhouetten sein, die in dem Muster eingebettet sind. Entstanden ist das Musterdesign in Zusammenarbeit mit der Agentur Jung von Matt / SAGA.

Begleitet wird die Einführung des neuen Designs von einer Kampagne, mit der die Berliner Verkehrsbetriebe zudem ein politisches Statement setzt. Für die BVG verkörpere das neue Sitzmuster ein Symbol der Vielfalt: „Die BVG ist ein Abbild von Berlins Vielfalt. Und genau diese Vielfalt bilden wir jetzt auch auf unserem Sitzmuster ab. Denn es besteht aus verschiedenen Silhouetten von echten Menschen. Genauer gesagt: aus Silhouetten von euch!“, wie es in der offiziellen Pressemeldung heißt.

Bis alle U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und Fähren mit dem neuen Sitzmuster ausgestattet sein werden, wird es noch einige Jahre dauern. „Wir reißen jetzt keine Sitze heraus“, so Torsten Mareck, Bereichsleiter Omnibus bei der BVG. Die vom britischen Hersteller Alexander Dennis angelieferten Doppeldeckerbusse sollen die ersten Fahrzeuge sein, die mit dem „Muster der Vielfalt“ ausgestattet werden.

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Dieser Beitrag hat 35 Kommentare

  1. Es erinnert in der Tat ziemlich an das Memphis-Design aus den 80ern. Aber das ist so lange her, dass es eben Retro und damit auch schon wieder Kult ist. Die Botschaft ist für ein Verkehrsunternehmen klug und eindeutig und doch nicht penetrant belehrend gewählt, gleichzeitig ist das Muster vandalismus- und verschmutzungsresistent. Alles in allem ganz schön clever.

  2. Die Idee mit den Männchen (darf man das noch so nennen?) als Muster ist ganz gut, aber ich finde die Farbwahl sehr gewagt. Selbst für mich als jemand, der vielem aus den 90ern nachweint… Wahrscheinlich ist es tatsächlich klug, in den Öffis die Bezüge unempfindlich gegen Erbrochenes und sonstige Substanzen zu designen. Aber Spaß bei Seite! Mir gefallen die „Flausch“-Bezüge deutlich besser, als die glatten (Leder-Struktur-) Oberflächen, diese sehen nach einem hässlichen Wachstischtuch aus.

  3. Ich bin wirklich enttäuscht, dass nun auch das DT auf den Trend der vermeintlich gendergerechten Sprache aufgesprungen ist. Wie kam es denn zu dieser Entscheidung? Gerade, nachdem das Thema hier ja schon mehrmals recht kontrovers diskutiert und auch einiges an Gegenargumenten geliefert wurde.

    1. „Wie kam es denn zu dieser Entscheidung? Gerade, nachdem das Thema hier ja schon mehrmals recht kontrovers diskutiert und auch einiges an Gegenargumenten geliefert wurde.“
      Nur, weil bei kontroversen Diskussionen einiges an Gegenargumenten ins Feld geführt wurde, müssen diese ja nicht besser sein als die Argumente oder Achims Ansichten, die dafür sorgen, dass hier gegendert wird. Dadurch wird niemandem etwas weggenommen, jeder hat genügend Luft zum Atmen…

      Zur Gestaltung: Das gefällt. Den meisten Fahrgästen wird des egal sein, einige werden gar nicht großartig die Silhouetten wahrnehmen und andere werden anfangs versuchen, alle Details zu erkennen. Das Spannungsverhältnis zwischen Bilddarstellung und vandalismusdämpfender Farborgie finde ich interessant und die Sitze insgesamt freundlicher als die bisherigen Lösungen.

    2. Was Daniel sagt! Ich (als Person, die das auch betrifft) bin dankbar, dass Achim diese Entscheidung getroffen hat. Wie kannst du als (und das unterstelle ich jetzt, bitte korrigiere mich) nicht betroffene Person „enttäuscht“ sein? Sprache ist mächtig und entwickelt sich… zum Glück!

      1. Wie du sagst, Sprache entwickelt sich und wird nicht entschieden. Gendersprache ist ein surreales Konstrukt, welches nur abseits des realen Lebens stattfindet und dort wird es auch bleiben. Die Chance, dass das zur Sprache wird, liegt in etwa bei 0%.

    3. Ich bin wirklich enttäuscht von dir, weil du darüber enttäuscht bist, drei Sternchen in Achims Beitrag gefunden zu haben. :(

    4. Lieber Eric,

      zunächst einmal ist es so, dass die Textstelle mit den Sternchen, auf die Du dich beziehst, von mir der BVG-Pressemeldung entnommen worden ist. Anders als bei von Personen getroffenen Aussagen, die von mir immer klar als Zitat kenntlich gemacht werden, wähle ich bei derlei rein beschreibenden Inhalten, ob ich diese a) ebenfalls als Zitat kenntlich mache oder b) ob ich sie ohne eine solche Kenntlichmachung in den Beitrag einbinde. In diesem Fall habe ich mich für letzteres entschieden. Denn weder hielt ich es für erforderlich die Sternchen zu entfernen, noch sah ich die Notwendigkeit die Passage in Anführungszeichen zu setzen, um so deutlich zu machen, dass die Formulierung nicht von mir stammt, sondern von der BVG. Denn im betreffenden Kontext und in diesem Fall erscheint mir die Verwendung von Gender-Sternchen als angemessen und passend. Es ist dies eine situative Entscheidung, keine grundsätzliche. Eine generelle redaktionelle Handhabe oder auch meine persönliche sprachliche Vorliebe lassen sich hieraus nicht ableiten. Deshalb ist Deine Annahme, lieber Eric, falsch, wie sich leicht anhand der bereits veröffentlichten Beiträge erkennen lässt. Auch zukünftig wird es in dieser Hinsicht keine „Entscheidung“ geben, weder in die eine noch in die andere Richtung geben.

      Davon abgesehen: auch wenn sich womöglich viele Menschen eine eindeutige Linie diesbezüglich wünschen würden, glaube ich nicht an eine „Entweder-oder-Lösung“. Ich persönlich finde: wer Vielfalt in der Gestaltung und auch sonst in der Kultur, in den Künsten und im Leben schätzt, sollte auch Vielfalt in der Sprache anerkennen (und aushalten). Das fällt auch mir zugegebenermaßen nicht immer leicht. Ähnlich wie viele andere Menschen empfinde ich eine Sprache, in der fortwährend Paarformen verwendet werden als störend, da diese auch meiner Auffassung nach in der Regel zu sehr vom eigentlichen Thema ablenken, wie ich beispielsweise im Rahmen der Buchrezension zu „Design ist mehr als schnell mal schön“ deutlich zum Ausdruck gebracht hatte. In diesem Fall jedoch, da die Botschaft von einer städtischen Einrichtung ausgeht, kann ich nicht erkennen, dass besagte drei Sternchen vom Thema ablenken würden, zumal deren Verwendung im Kontext städtischer Verwaltungen und Verkehrsbetrieben hierzulande nun einmal seit geraumer Zeit üblich ist und somit als erwartbar angesehen werden kann.

      Ich möchte daran erinnern, dass im Rahmen der im dt durchgeführten Umfrage „Gendersensible Sprache in Fachmedien (Kontext Design)“ sich eine Mehrheit wie folgt ausgesprochen hatte: Für zwei von drei weiblichen und trans* an der Umfrage Teilnehmenden (je 68,5 %) ist gendersensible Sprache in Fachmedien relativ bis äußerst wichtig, auch mehr als die Hälfte der männlichen (55,7 %) Teilnehmenden ist dieser Ansicht.

      Die Frage pro oder contra gendersensible Sprache hat in den letzten Jahren, wie sich auch in den Medien zeigt, zu einer konfrontativen Lagerbildung geführt. Auf beiden Seiten sind eine Vielzahl von Fehlannahmen, Zuschreibungen und Trugschlüssen zu beobachten (wer gendert, ist links; wer nicht gendert, ist gegen Gleichstellung; etc.). Das passiert immer, wenn nicht mit, sondern über einander gesprochen wird. Ich glaube tatsächlich, dass auf der einen wie der anderen Seite gute Argumente vorhanden sind. Ein Hauptproblem ist meines Erachtens, dass oftmals zu wenig differenziert wird. Ich wünsche mir als Autor wie auch als Designer schlichtweg größtmögliche Kreativität(!) und Freiheit im Umgang mit Sprache, der visuellen, der gesprochenen und der geschriebenen.

      1. Sachlich, reflektiert, respektierend.
        So sollte ein Diskurs ungeachtet der eigenen Meinung gestaltet werden…

        Ein großes Danke.

    5. Ernstgemeinte Frage, Eric: Was genau wird dir als Mann eigentlich weggenommen, wenn Sprache auch noch andere Geschlechter einschließt? Du bist doch trotzdem weiter angesprochen. Beim Gendern werden halt nur noch mehr Personen angesprochen. Dir nimmt niemand etwas weg. Aber andere Menschen gewinnen etwas dazu. Warum sollte man(n) dagegen sein?

      1. Dir nimmt niemand etwas weg

        Das ist eine der Aussagen, die man auf Seiten von Befürwortern gerne und oft hört. Dabei wird allerdings übersehen, dass für Gegner von Gender-Sternchen und anderen Schreibweisen eben jene eine Hürde und ein Hindernis darstellen. „Weggenommen“ wird ihnen also der gewohnte Lesefluss. Viele der in „Gendersprache“ verwendeten Sonderzeichen wie das Asterisk, die Klammer, der Schrägstrich oder der Unterstrich, stellen im Kontext Leichter Sprache wie auch im Rahmen der sogenannten A1-A2-basierten Sprache (GER) einen Stolperstein dar. Insofern ist fehlender Lesefluss meiner Meinung nach ein leicht nachvollziehbares und berechtigtes Gegenargument. Das Lernen der Sprache wird durch Sonderzeichen erschwert. Eine nach wie vor fehlende Grundlage in Bezug auf die Rechtschreibung ist ein weiteres Gegenargument.

        Der Mehrwert und Gewinn einer gendersensiblen Sprache kann ja nur darin liegen, dass im Alltag tatsächliche und echte Gleichberechtigung gefördert und erreicht wird. Dass dieses Ziel auch in der Sprache erkennbar sein sollte / sein muss, halte ich für selbstverständlich. Gendersensible Sprache ist jedoch kein Selbstzweck. Wenn den Worten keine Taten folgen, wäre nichts gewonnen. Das Sichtbarmachen von Menschen mit non-binärem Geschlecht geht auch ohne Gendersternchen. Um Mädchen in den Schulen aufzuzeigen, dass sie auch Automechaniker, Astronaut, Bürgermeister oder Programmierer werden können, und umgekehrt, um Jungen aufzuzeigen, dass sie auch Kosmetiker, Blumenverkäufer oder Erzieher werden können, braucht es keine Unterteilung nach Geschlechtern in Schüler und Schülerin, sondern (unter anderem) ein entsprechend ausgebildetes Personal an Schulen, das ihnen diese Perspektiven auf anschauliche Weise vermittelt. Die Debatte um Sprache, so notwendig sie ist, lenkt leider oftmals vom eigentlichen Thema und den tatsächlichen Herausforderungen ab, wie ich finde. Und die Herausforderungen in diesem Zusammenhang lauten: Chancengleichheit herstellen und tradierte Rollenmuster aufbrechen.

        Die Entscheidung, ob man auf dem Weg zur Chancengleichheit nun ein Gendersternchen oder eine andere Schreibweise verwendet, möchte ich jedem Menschen selbst überlassen. Für mich ist gendersensible Sprache eine Brückentechnologie, oder eine Art Krücke/Stütze: sieht ungelenk aus, aber solange man sich weiter fortbewegt … . Ich persönlich entscheide weiterhin von Fall zu Fall und nutze (seit je her) neutrale Ausdrücke wie „Kreativschaffende“ und „Designinteressierte“, setze zuweilen ein Gendersternchen, gelegentlich, sofern der Kontext passt, auch ein Trema (ï), oder verwende eben auch das generische Maskulinum. Paarformen wie „Designer und Designerinnen“ verwende ich, anders als es bei den beiden Bundesverbänden BDG und AGD mittlerweile üblich ist, aus vielerlei Gründen nicht. 1. sie betonen das binäre Geschlechtersystem. 2. sie lenken – in meiner Wahrnehmung – zu stark vom Thema ab und setzen einen Fokus auf das Geschlechtliche, was jedoch im jeweiligen Kontext fast nie von Bedeutung ist. 3. sie sind redundant; denn wer Design studiert (hat), weiß, dass dort Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern eingeschrieben sind. 4. sie stören auch nach meiner Auffassung den Lesefluss.

        Zu unserem Beruf gehört es, bewusst und sensibel mit Sprache umzugehen. Die Diskussionen rund um gendersensible Sprache helfen mir dabei, Gelerntes und Angewandtes immer wieder neu zu hinterfragen. Ich empfinde das als sehr bereichernd.

      2. Nicht nur mir als Mann, sondern auch Menschen anderen Geschlechts wird eine verständliche und sprechbare Sprache genommen. Das betrifft in ganz besonderem Maße etwa Leseanfänger, Menschen mit Migrationshintergrund oder Legasthenie, und damit ist gerade das propagierte Ziel einer inklusiven Sprache längst nicht in dem Maße garantiert, wie dies behauptet wird. Denn eklatant ist doch, dass geschriebene und gesprochene Sprache beim Gendern oft auseinanderfallen (Probiere doch ein*e jede*r Andersdenkende*r, Sätze wie diesen seinen*ihren Mitbürger*innen klar und verständlich vorzulesen.). Schon die Grundannahme der Frage, dass das generische Maskulinum Menschen anderen Geschlechts nicht einschließt, stimmt ja nicht. Sie stimmt definitiv nicht in Bezug auf die vom Sender beabsichtigte Botschaft, was genauso zu akzeptieren ist wie die Absicht, mit einem *, : oder _ nonbinäre Menschen zu adressieren. Die Annahme stimmt aber auch insgesamt nicht, denn das generische Maskulinum war zumindest bis vor nicht allzu langer Zeit sprachlicher Konsens und hat auch so funktioniert. Und auch heute noch funktioniert das gleiche Konstrukt unabhängig vom Geschlecht bei Wörtern wie „Gast“, „Mensch“, „Person“, „Waise“ oder „Koryphäe“. Dieser Konsens wird zurzeit von einer akademischen Blase aufgekündigt und im Sinne einer selbst erfüllenden Prophezeiung erleben wir nun, dass es zunehmend als unhöflich gilt, nicht zu gendern, obwohl es hierfür bisher noch nicht einmal einen durchgängig plausiblen, konsensfähigen und funktionierenden Vorschlag gibt. Das ist vermutlich auch der Grund, weswegen viele – mich selbst eingenommen – so gereizt auf das Genderthema reagieren. Es wird einem ja unterschwellig oder direkt signalisiert, dass man in seinem sprachlichen Ausdruck diskriminierend agiert, obwohl man dies weder beabsichtigt, obwohl das eigene Umfeld und wohl auch die klare deutschsprachige Mehrheit dies bisher überhaupt nicht so empfindet und obwohl es noch nicht einmal eine grammatikalisch konsequent anwendbare Alternative gibt.
        Die neuen Berliner Polster finde ich trotzdem klasse!

      3. Achim, ich stimme dir da absolut zu. Leider hört für viele die Gleichberechtigung mit der Sprache auf. Dabei ist noch so viel Anderes im Argen. Und natürlich sind Asteriske, Schrägstriche usw. nicht optimal. Aber so lange es keinen anderen Vorschlag gibt, ist das für mich die einzige Möglichkeit, wie ich respektvoll mit meinen Mitmenschen reden kann. Ich persönlich möchte nämlich nicht einfach nur Menschen „mit meinen“.

        Positiv an der ganzen Diskussion ist in der Tat, dass sich einige Menschen hinterfragen und darüber nachdenken, ob ihre Sprache diskriminiert und wie man das ändern kann. Eigentlich ist es sogar der Diskussion zu verdanken, dass z.B. Frauen in der Gesellschaft sichtbarer werden. Und das ist schon mal ein guter Anfang.

      4. Zunächst mal schließt die deutsche Sprache ja schon immer alle Geschlechter mit ein. Das grammatikalische Geschlecht hat nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun.

        Da du nach persönlichen Beweggründen fragst und wir hier beim Design Tagebuch sind, mal ein ganz banaler: ich finde Gendersternchen bzw. -doppelpunkte unästhetisch. Bestes Beispiel sind iOS und macOS, die ja seit einiger Zeit ebenfalls auf Doppelpunkte setzen. Dass da nun überall Wörter wie „Benutzer:innen“ oder „Freund:innen“ stehen, wirkt in meinen Augen sperriger und weniger elegant.

    6. @Cano030 Aber wer um Gottes Willen, entscheidet es denn? Du bist doch völlig frei NICHT zu gendern – wirklich niemand schreibt dir vor das zu tun. Aber ebenso musst du akzeptieren, wenn andere Menschen, Medien, Absender.. sich dazu entscheiden es zu tun. Damit Sprache sich entwicklen kann, muss natürlich irgendwer, irgendwo mal „entscheiden“, dass es jetzt diese oder jene Option gibt – dann kann jede*r selbst entscheiden, ob das sinnvoll ist und ob das in den eigenen Sprachgebrauch übergehen soll. Das ist die Freiheit einer*s jeden. Viele haben sich dazu entschieden, das anzunehmen und zu verwenden – wie du bei einer schon so weiten Verbreitung, von einem „surrealen Konstrukt“ reden kannst, dass sich nie durchsetzen werde, halte ich für komplett überheblich. In meinem Umfeld wird ganz natürlich auch im Alltag gegendert, ohne dass das Thema ist – dabei bin ich mir meiner Bubble bewusst! Du allerdings scheinst deine Bubble als gemeingültige Realität aller Menschen anzunehmen.

      1. Sprache kann sich organisch nur aus der Alltagssprache heraus entwickeln. Das ist hier nicht der Fall. Ich glaube dir auch nicht, dass in deiner Bubble wirklich so konsequent gegendert wird, wie du es hier in deinem Text handhabst. Wie würden „jede*r“ und „einer*s“ denn überhaupt ausgesprochen werden? Spätestens da krankt das Konzept doch schon wieder.

      2. @Eric Von „konsequent“ war auch keine Rede – das würde ja Perfektion voraussetzen, die weder ich, noch die Menschen um mich herum besitzen ;) Und klar: Gesprochen ergeben sich Schwierigkeiten, die geschrieben leichter zu umgehen sind. Ich persönlich greife bei z.B. „jede*r“ gesprochen oft auf die (nicht perfekte) Paar-form „jede und jeder“ zurück oder betone das Wort „jede*r“ anders, mit einer kleinen Pause. Es gibt aber auch andere Konzepte wie z.B. „jede*r“ gesprochen durch „jedes“ zu ersetzen oder versuchen diese Wörter zu vermeiden und z.B. durch „alle“ zu ersetzten. Gibt viele Möglichkeiten :)

    7. Mir ist das auch schon aufgefallen. Ich finde es schrecklich zu lesen. Die Intention dahinter befürworte ich, aber die Ausführung in Wort und Bild: no-go.

  4. Super Botschaft, schmutzresistent und fügt sich gut in den gelben Kontext von Bus und Bahn ein, top. Mehr müssen Sitzbezüge nicht können und eine Design-Meisterleistung müssen sie auch nicht sein. Wer dagegen was zu sagen hat, will einfach nur andere Gestalter*innen runtermachen.

    1. Welchen Einfluss hat denn das Design auf die Schmutzresistenz? Der einzige Einfluss darauf hat ja wohl eher das Material, zu dem gar keine Aussage getroffen wird.

      Ich finde es einfach hässlich, und es verleitet mich im Zweifelsfall stehen zu bleiben, weil man Kaugummireste und andere Verschmutzungen eben erst beim fünften Blick erkennt. Schmutz nicht zu erkennen, hat nichts mit Schmutzresistenz zu tun.

      Und wer dagegen etwas zu sagen hat, will halt manchmal einfach nur dagegen etwas sagen. Gestalter innen und außen können dabei sogar so unwichtig sein, dass man diese weder runter- noch hochmachen möchte.

      1. Graffiti-Zeichen bekommen erst dann Bedeutung, wenn sie im Fokus der Aufmerksamkeit stehen (Sackmann, 2006, „Graffiti zwischen Kunst und Ärgernis“). Sprayer erhoffen sich, dass ihre Zeichen von möglichst vielen Leuten gesehen werden. Camouflage-Muster stellen keinen geeigneten Untergrund dar, um Tags die intendierte Aufmerksamkeit zu verschaffen – sie gehen einfach unter. Verkehrsbetriebe sehen Graffiti als Schmutz und Beschädigung an. Deshalb scheint mir die Aussage, das Design sorge für eine (gewisse) Schmutzresistenz, nachvollziehbar und treffend.

        Zum Material: je nach Fahrzeug kommen offensichtlich unterschiedliche Materialien zum Einsatz. Während die von Julius Betschka auf Twitter geteilten Fotos (siehe oben) vom Doppeldeckerbus eine Velour-Beschaffenheit der Sitzoberfläche erkennen lassen, ist das Material auf den von der BVG veröffentlichten Fotos glatt und wirkt Vinyl-ähnlich.

  5. Über die Ästhetik will ich mich mal nicht auslassen, das Muster muss sich eben gegenüber Dreck und Grafitti behaupten, das ist keine leichte Aufgabe.

    Es würde mich aber sehr interessieren, ob die Neukreation dieses Musters die BVG weniger kostet als eine Einigung bzgl. Der Nutzungsrechte mit dem Designer des alten Musters.
    Freilich ohne zu wissen, welche Summen da zur Verhandlung standen, fände ich es prekär, wenn sich Jung von Matt hier mit einem günstigen Angebot so einen Auftrag sichert (vermutlich auf dessen öffentlichkeitswirksame Natur spekulierend).

    Vielleicht verdächtige ich die Agentur zu Unrecht, aber es wäre leider nicht das erste Mal, bei dem Agenturen beim Urheberrecht und der darin beschriebenen „angemessenen Vergütung“ beide Augen zudrücken um sich auf Kosten eines Wettbewerbs, der nicht originär der ihre ist, zu profilieren.

    1. ob die Neukreation dieses Musters die BVG weniger kostet als eine Einigung bzgl. Der Nutzungsrechte mit dem Designer des alten Musters.

      Das ist, soweit ich das nach den mir vorliegenden Infos beurteilen kann, nicht der Punkt und nicht das Thema. Die Fronten der beiden Parteien scheinen verhärtet. Eine Einigung in Bezug auf Lizenzkosten ist wohl nach jahrelangem Rechtsstreit kaum mehr möglich. Eine sehr gute Zusammenfassung der problematischen „Beziehung“ zwischen der BVG und dem Designer Herbert Lindinger bietet der folgende Beitrag: „Wenn da nicht ́mal der Wurm drin ist – Ein Stück Berlin verabschiedet sich“

      Mit der Beauftragung von JvM kann sich die BVG nicht etwa der Zahlung von Schadenersatz entziehen. Die Höhe der Schadensersatzsumme ist derzeit noch Gegenstand der Verhandlungen. Deshalb stellt sich auch nicht die Frage, was nun günstiger für die BVG wäre.

      Aus meiner Sicht ist das Verhalten beider Parteien in einigen Punkten kritikwürdig. Die Argumentation der BVG, das Würmchen-Muster sei „schlichtweg zu hässlich, weshalb keine Nutzungsgebühr geltend gemacht werden könnten“, finde ich ziemlich schlimm, muss ich sagen, wenn diese Auffassung tatsächlich so von den für die BVG verhandelnden Anwälten vertreten wurde. Zumal die BVG mit allerlei mit dem Muster ausgestatteten Merchandise-Artikeln wohl obendrein Geld verdient hat. Urheberrechte gilt es anzuerkennen. Punkt.
      Dass der Designer Lindinger wiederum, offenbar seit Beginn des Rechtsstreites, zusätzlich zum Schadenersatz verlangt, die mit dem Würmchen-Muster ausgestatteten Sitze müssten sofort vernichtet werden, finde ich ebenfalls höchst fragwürdig. Die Verschrottung von in der Regel intakten Sitzen zu fordern – ich weiß gar nicht, wie ich das in Worte fassen soll. Das macht mich tatsächlich ein wenig sprachlos und ratlos, wie man als Designer im Jahr 2022 auf eine derart fixe Idee kommen kann.

      Wenn dem wirklich so sein sollte, dass der Designer das Ziel verfolgt, das von ihm gestaltete Muster „Urban Jungle“ schlichtweg aus dem öffentlichen Raum zu tilgen, dann liegt auf der Hand, dass eine Einigung mit der BVG hinsichtlich der Weiterverwendung kaum möglich ist.

      Mein Eindruck ist, dass sich Designer und BVG schon vor längerer Zeit verrannt haben. Die Forderung auf Schadenersatz ist nach meiner Laienauffassung vollkommen nachvollziehbar und in Ordnung. Eine außergerichtliche Einigung wäre für beide Seiten wohl sinnvoller gewesen.

      Ein Stück weit dient die Image-Kampagne der BVG rund um das neue Muster wohl auch dazu, um von dem für sie misslichen Rechtsstreit abzulenken.

      1. Danke, Achim, für den Link – eine interessante Geschichte.
        Ich würde die Forderung, bestehendes „herauszureissen“ nicht so hoch hängen, das klingt mir eher nach einem taktischen Manöver um Druck aufzubauen. Eine „einstweilige Verfügung“ über die Unterlassung der Nutzung, bis diese geklärt/vergütet ist, ist das schärfste (und einzige) Schwert, dass ein Urheber hat. Die Argumentation der BVG überrascht micht nicht, selbstverständlich wird von deren Seite alles versucht um die Ansprüche zu negieren.
        Die formulierung „Schadensersatz“ ist meines Wissens aber nicht richtig: ein „Schaden“ entsteht dem Urheber ja nicht, dieser hat lediglich Anspruch auf eine Nachvergütung der erfolgten Nutzung und ist daher auf Auskunft über diese angewiesen. Und da haben die Nutzer einen gewaltigen Hebel, in dem sie diese Auskünfte einfach aussitzen (jost vacano (das boot) musste alleine 5 jahre lang nur für die durchsetzung der auskunftspflicht streiten), Forderungen wie die seitens des Musterdesigners werden so verständlicher – es wird auf zeit gespielt, und die scheint Herr Lindinger nicht zu haben.

        Nichtsdestotrotz: gerade während so eines laufenden verfahrens, wo über den tatsächlichen Wert der Nutzung so eines Kultmusters verhandelt wird, dürfte für die BVG kein günstiger zeitpunkt sein, die Nutzung eines neuen Musters auszuhandeln – bleibt offen, wie sich JungvonMatt hier verhalten hat. Da wär ich ja sehr gern Mäuschen gewesen…

      2. Die formulierung „Schadensersatz“ ist meines Wissens aber nicht richtig: ein „Schaden“ entsteht dem Urheber ja nicht, dieser hat lediglich Anspruch auf eine Nachvergütung der erfolgten Nutzung

        Eine Urheberrechtsverletzung, und eine solche hatte das Landgericht Hamburg durch die BVG festgestellt, stellt einen Schaden dar. Schadensersatz ist im Urheberrecht fest verankert. In § 97 Abs. 2 UrhG wird der Anspruch auf Schadensersatz wie folgt erklärt: „Wer die Handlung vorsätzlich oder fahrlässig vornimmt, ist dem Verletzten zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“ Insofern ist die Formulierung schon korrekt.

        Und ja … bei den Verhandlungsitzungen wäre ich auch gerne dabei gewesen.

      3. Danke für die Richtigstellung. Wobei es ja trotzdem semantisch schwierig bleibt, weil eine nicht geleistete Zahlung und ein Schaden ja schon zwei unterschiedliche Dinge sind. Ich hatte das wohl im Ärger falsch erinnert: Auch hier wird letztlich nur um das ausgebliebene Nutzungshonorar gestritten, für den mutmaßlichen Rechtsmißbrauch muss die BVG keiner Strafe oder ähnliches befürchten, die größte Fallhöhe für sie ist die Bezahlung der Honorare für die tatsächlich erfolgte Nutzung und ggfs. die Kosten des Verfahrens.
        Das fühlt sich aus Urhebersicht ein bisschen „schief“ an…

  6. Die Idee der Figuren finde ich sehr gelungen. Sie passt unglaublich gut zu Berlin und dem, was diese Stadt ausmacht.
    Auch zeigt sich mal wieder, dass die BVG wie wenig andere Verkehrsunternehmen versteht, wie Identitätsstiftend der ÖPNV für eine Stadt sein kann.
    Die Farbwahl finde ich jedoch ebenfalls gewagt. Die hellen Farben könnten, wenn sie sich abnutzen, schnell “ranzig” aussehen.
    Das alte “Wurmmuster” hatte mit seinen dunklen Tönen ja fast “Tarnfarben”-Assoziationen. Für mich passte das irgendwie besser zu Berlin. Etwas “rauer”. Aber das mag auch meine männliche Sicht sein.

  7. Ich finde das Muster gut, schön farbenfroh, ein interessantes Suchspiel für Kids und perfekt um Flecken zu verstecken. Ich bin mir allerdings unsicher, wie ich das herausstechende Priestergewand finden soll. Das ist, soweit ich das erkennen kann, die einzige Darstellung einer Berufsbekleidung, die auf einen spezifisischen Beruf schließen lässt und damit ein Alleinstellungsmerkmal. Ob gerade beim Thema Vielfalt die Kirche besonders erwähnt werden muss – ich weiß ja nicht.

  8. Eines ist anders gegenüber allen bisherigen mustern: Dank der silhouetten gibt es nun ein eindeutiges „oben und unten“, das nicht mal die Brandenburger Tore an den fenstern haben. Also muss genau darauf geachtet werden, es in der richtigen orientierung aufzuziehen.

    Das viele gelb und rostrot erinnert mich dagegen an senf- und ketchupflecken. Nicht wirklich etwas, auf das ich mich gern setze. Die idee ist gut, die farbwelt hätte ich etwas frischer gestaltet, vielleicht noch mit einer grünen komponente.

  9. Wenn da nur ein homosexuelles Paar drauf ist muss man sich bei JvM ja fast schon bedanken dass sie die sich so für die Grundwerte der christlichen Zivilisation einsetzen.

    Um das wirklich als bunt und und divers gelten zu lassen, fehlen sicher noch ein paar Dutzend Geschlechter und andere kulturelle Bereicherungen.

    Auftrag erfüllt. Mit divers den Deal geholt und dann Tradition abgeliefert, auf JvM ist einfach verlass.

    TlDR Muster geht klar, Gott vergib

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