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Neues Herkunftszeichen „Made in France“

Made in France Logo
Made in France Logo, Quelle: France Industrie

Made in France Logo

Frankreich bekommt ein neugestaltetes Herkunftszeichen. Entstanden ist das neue „Made in France“-Logo unter der Ägide des Arbeitgeberverbands „France Industrie“, welcher 2018 aus dem Zusammenschluss der bis dahin bestehenden Organisationen (Cercle de l’industrie, GFI) hervorgegangen ist.

Wie France Industrie letzte Woche im Rahmen der Vorstellung des neugestalteten Herkunftszeichens erklärt, reagiere man mit dem Redesign des Logos auf das wachsende Interesses seitens der Verbraucher an Produkten aus heimischer Produktion. Das neue Logo solle dazu beitragen entsprechende Produkter besser zu identifizieren. Ziel sei es, dass mit dem neuen Zeichen so viele französische Waren wie möglich kenntlich gemacht würden.

Der Kauf von auf diese Weise kenntlich gemachten heimisch produzierten Waren trage dazu bei, so France Industrie weiter, dass die Reindustrialisierung französischer Gebiete beschleunigt, lokale Arbeitsplätze erhalten und die Ziele der Verringerung des CO2-Fußabdrucks Frankreichs schneller erreicht würden. Die Verwendung des Logos erfolgt auf freiwilliger Basis. Unter franceindustrie.org können alle Hersteller, Vermarkter und Händler das Logo und die hierfür geltenden Gestaltungsregeln herunterladen.

Made in France Logo – vorher und nachher
Made in France Logo – vorher und nachher, Bildquelle: France Industrie, Bildmontage: dt

Sollte die Pressestelle bei France Industrie auf meine Anfrage antworten, werde ich noch die Info nachreichen, welche Agentur für das Design verantwortlich zeichnet. Im Gestaltungshandbuch zum Logo wird der in Paris lebende Designer Jean-Marc Vaudey namentlich aufgeführt. In einem Beitrag auf studioab.fr wird Vaudey als verantwortlicher Gestalter genannt.

Kommentar

In Großbritannien wurde das Herkunfszeichen „Made in Britain“ zuletzt 2014 erneuert. Seitdem ist viel passiert. Das in den letzten Jahren veränderte Bewusstsein der Menschen für die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit hat die Nachfrage an regional hergestellten Produkten enorm angekurbelt. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich befördert. Dass sich in Deutschland und in vielen anderen Ländern eine veränderte Konsumkultur etabliert hat, zeigen Initiativen wie #supportyourlocal, mit denen zum Kauf bei lokalen Anbietern und den Liebliengsläden vor Ort aufgerufen wurde und wird. In den USA soll das Unterstützungsprogramm für die heimische Industrie „Buy American“ ausgeweitet werden, erklärte US-Präsident Joe Biden im Sommer. Gewiss zwei völlig verschiedene Ansätze, aber das Ziel ist das gleiche.

Auch das französische Herkunfszeichen, das nun eine deutlich Revitalisierung erfahren hat, zielt darauf ab heimische Betriebe zu fördern. Das als Wortbildmarke angelegte Logo ist auf maximale Reproduktionsfähigkeit und Flexibilität hin ausgericht, was für ein im Sinne eines Herkunfszeichens verwendetes Logo auch wichtig ist. Das neue, in den Farben der französischen Trikolore gehaltene Zeichen ist deutlich prägnanter als sein Vorgänger, jedoch auch konventioneller. Seit dem letzten Redesign verwendet auch GoogleMaps eine solche an eine Stecknadel angelehnte Bildmetapher als App-Symbol. Abgesehen von den Farben verfügt das „Made in France“-Zeichen über keine weiteren Gestaltungsmerkmale, von denen man sagen könnte, es transportierte eine französische Note. Die im Logo verwendete Type namens „Viga“, ein Google-Font, wurde 2011 vom mexikanischen Typedesigner Oscar Yañez gezeichnet. Chance vertan, muss man sagen. Wie smart wäre es doch gewesen, wenn die Auftraggeber bei der Entwicklung des Zeichens konsequent französische Designer und Schriftgestalter konsultiert hätten. Die Botschaft wäre, unabhängig von der Gestaltung, ungleich überzeugender.

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9 Kommentare

  1. Von der Ausdruckskraft her nicht schlecht. Erinnert irgendwie an eine Kokarde.

    Im Vergleich zum vorherigen Logo weniger Lebensmittel-orientiert. (Das alte Logo hätte sich ausgezeichnet auf einer weichen Camembert-Packung gemacht.)

    Also. „Schöner“ ist das alte. „Besser“ ist das Neue, da weniger Produktsparten-orientiert.

    Zur Semantik des Schriftzugs – wenn ich Franzose wäre würde ich „Made in France“ empört ablehnen. Frabriqué, nʼest ce pas?

    1. „Im Vergleich zum vorherigen Logo weniger Lebensmittel-orientiert. (Das alte Logo hätte sich ausgezeichnet auf einer weichen Camembert-Packung gemacht.)“

      Eben in diesem Punkt ist das neue Logo tatsächlich stärker. Das alte Logo hat sehr viel französisches Flair. Aber leider schon zu viel. Es würde auf keinem Produkt ernsthaft auffallen. Auch nicht auf der Champagnerflasche. Hier würde man es vielmehr als Gestaltungselement wahrnehmen. Die neue Variante setzt sich deutlich hiervon ab. Fällt auf. Hat gerade im Lebensmittelbereich eine hohe Wiedererkennbarkeit, weil es so auffallend wenig französisches Flair versprüht und sehr technisch daherkommt.

      Ich glaube für die Aufmerksamkeit des Verbrauchers ist es eine Verbesserung. Das in der Gestaltung noch viel Luft nach oben ist, ist aber auch offensichtlich.

  2. Zur Semantik des Schriftzugs – wenn ich Franzose wäre würde ich „Made in France“ empört ablehnen. Frabriqué, nʼest ce pas?

    Es wäre schon hilfreich und zielführender, wie auch bereits von einem anderen dt-Leser in einer anderen Diskussion angemerkt, wenn Sie ERST den Beitrag lesen und sich das enthaltene Bildmaterial anschauen würden, bevor Sie kommentieren. Denn Ihre Frage wird im Beitrag beantwortet.

    Ich lade Sie hiermit sehr herzlich ein, dt-Mitglied zu werden. So können Sie alle Beiträge sofort nach ihrer Veröffentlichung lesen.

  3. Erinnert mich an die Aufnäher an den Mützen der Jakobiner. Zusammen mit dem Google-Maps-Logo drückt es Made in France ganz gut aus, finde ich.
    Die Schrift ist gut, wer fragt da nach der Herkunft? Die Mützen mit Make America great again drauf wurden auch aus China importiert.

    1. Die Schrift ist gut, wer fragt da nach der Herkunft?

      Rhetorische Frage: glaubst Du denn nicht, es hätte sich nicht auch eine ebenso gute Schrift finden lassen, die von einem französischen Typedesigner entworfen wurde? Auf diese Weise wäre die im Herkunftszeichen verbundene Absicht, heimische Betriebe zu fördern, (noch stärker) im Entstehungsprozess der neuen Marke zum tragen gekommen, was der Marke in ihrer Kommunikation mehr Substanz, Authentizität und Glaubwürdigkeit verliehen hätte. Diese Art überzeugenden Story-Tellings bis ins Detail gehört für mich zu einer starken Marken einfach dazu.

      Abgesehen davon sind Herkunft, Entstehungsprozesse, Lieferketten, etc. noch nie so hinterfragt worden wie aktuell. Die Menschen interessieren sich dafür, woher Produkte stammen, wer sie herstellt, ob dafür faire Löhne bezahlt und Umweltauflagen eingehalten werden.

      1. Ich habe meine eigene Aussage mit dem Trumpf-Vergleich kontaktiert.

        Ich bin hin- und hergerissen. Mir gefällt die Schrift und in ihrer Andersartigkeit passt sie zu meinem Bild der Franzosen. Google-Schrift und Mexikanischer Schöpfer passt weniger gut. Wobei das eher B-Note ist, auf die du zurecht hingewiesen hast.

  4. Abgesehen von den Farben verfügt das „Made in France“-Zeichen über keine weiteren Gestaltungsmerkmale, von denen man sagen könnte, es transportierte eine französische Note.

    Das mag aus der Perspektive von außen stimmen, für die französische Bevölkerung enthält die Bildmarke aber noch ein wesentliches, sehr „französisches“ Merkmal: die sogenannte „Cocarde tricolore“ – ein Emblem aus drei konzentrischen Kreisen in den Nationalfarben. Dieses Emblem kennzeichnet zum Beispiel offizielle Fahrzeuge hoher Amtsträger oder auch die Schärpe der Miss France.
    Die Bildmarke ist mE also das zum „Google Pin“ verlängerte, höchste Wertzeichen, das Frankreich zu bieten hat. Das Merkmal geht in den schwarzen/weißen/einfarbigen Logo-Varianten logischerweise einigermaßen verloren.

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