Neues Corporate Design für Ville de Fribourg
Ville de Fribourg hat ein neues Corporate Design. Wie die städtische Verwaltung mitteilt, sei eine Neugestaltung erforderlich gewesen, da die vor zwanzig Jahren eingeführte visuelle Identität der Stadt Freiburg nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen entspreche. Das neue Design/Logo trage der gelebten Zweisprachigkeit in der Stadt Rechnung und spiegele deren Werte nun wider.
Fribourg (deutsch: Freiburg im Üechtland, kurz: Freiburg i.Ü.) ist der Hauptort des gleichnamigen Schweizer Kantons, welcher offiziell zweisprachig ist, Deutsch und Französisch. Die im Jahr 1157 gegründete Stadt zeichnet sich heute unter anderem durch eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas aus. Als Brückenstadt an der Kulturgrenze bildet Fribourg mit seiner traditionsreichen Universität ein bedeutendes Bildungs- und Wirtschaftszentrum in der Westschweiz.
Zum Hintergrund: Rechtlich ist Französisch in Fribourg nach wie vor die einzige Amtssprache. Die Behörden der Kantonshauptstadt verfolgen, auch auf Grundlage der im Kantonsgesetz verankerten Zweisprachigkeit, einen „pragmatischen“ Ansatz und möchten diese stärken. Da viele Dokumente, Schreiben und Schilder auch ins Deutsche übersetzt werden, werde die deutsche Sprache, laut Gemeinderat und Stadtammann Thierry Steiert, praktisch wie eine Amtssprache wahrgenommen (Quelle). Im Kanton Fribourg sind 69% der Einwohnerinnen und Einwohner französischsprachig und 25% deutschsprachig (Volkszählung 2020, Quelle fr.ch), während in der Stadt Fribourg/Freiburg i.Ü ein Fünftel der Stadtbevölkerung Deutsch als Hauptsprache angibt.
Erstmals seit zwanzig Jahren wurde das Corporate Design umfassend überarbeitet und so für die Stadt eine neue visuelle Identität geschaffen, bei der auch die Zweisprachigkeit Berücksichtigung findet. Diese war eine der Zielvorgaben für das neue Design.
Auszug der Pressemeldung
Die neue visuelle Identität der Stadt Freiburg ist zeitgemäss, elegant, praktisch und zweisprachig. Sie vereint die Verschiedenheiten und symbolisiert die Geschichte und die Eigenarten, die die DNA der Zähringerstadt und ihre Brückenfunktion zwischen den Kulturen ausmachen. Das neue Design – Logo, Monogramm, Typographien und Farben – ersetzt die bisherige, rund zwanzig Jahre alte visuelle Identität. Es wird schrittweise und pragmatisch umgesetzt, mit dem Ziel der Nachhaltigkeit.
Das Logo ist die universelle Signatur auf allen Kanälen. Es dient als visuelles Kürzel, das die Stadt identifiziert und ihre Vision symbolisiert. Auf das alte Logo, bei dem das Stadtwappen, eine den Fluss Saane darstellende vereinfachte Wellengrafik sowie der Schriftzug „Ville de Fribourg“ in überlappender Weise hellblau darstellt sind, folgt ein Zeichen mit gänzlich anderer Beschaffenheit und unterschiedlichem visuellen Ausdruck.
Der Stadtname, zweizeilig in Silben in Versalien gesetzt, erlaubt aufgrund der grafisch verfremdeten Buchstaben sowohl eine deutsche als auch eine französische Lesart. Während das „E“ in der oberen Zeile um 90 Grad gegen den Uhrzeiger gedreht ist, wodurch es wie Zinnen eines Gebäudes/Gemäuers wirkt, ist das in vertikaler Achse bündig darunter platzierte „O“ nach oben hin abgeschnitten und geöffnet. Kombiniert und durch einen Punkt ergänzt bilden diese Zeichen ein Monogramm, eine Bildmarke, die auch solitär als Absender der Stadtverwaltung eingesetzt werden kann, etwa als Profilbild auf Social Media.
Die Idee für diese Symbolik sei vom Stadtwappen inspiriert. Die Bildmarke vereine das „O“ von Fribourg und das „E“ von Freiburg. Es symbolisiert Brücken (Verbindung), Mauern (Stabilität) sowie Offenheit und Empfang, wie der „Grafikcharta“ (PDF) zum visuellen Erscheinungsbild der Stadt zu entnehmen ist. Statt auf Hellblau setzt die Stadt fortan auf ein Ultramarinblau als Primärfarbe.
Ende des vergangenen Jahres hatte die Stadt Fribourg/Freiburg einen Gestaltungswettbewerb lanciert. Von den 50 Agenturen und freischaffenden Grafikerinnen und Grafikern, die an diesem Wettbewerb teilgenommen hatten, wurden von einer Jury fünf für die zweite Runde ausgewählt. Jede dieser fünf Agenturen hatte für die Teilnahme am Wettbewerb und die Ausarbeitung des Entwurfs einen Betrag von 2.000 Franken erhalten. Durchsetzen konnte sich schließlich der Vorschlag und das Konzept, das von der Freiburger Agentur Volontiers in Zusammenarbeit mit FF studio und dem Centre d’intégration socioprofessionnel (CIS) entwickelt wurde.
Kommentar
Ein herausragendes Design – konzeptionell, formal-ästhetisch wie auch handwerklich sehr stark. Zweisprachigkeit/Mehrsprachigkeit, so oft im Kontext Corporate Design eher eine Erschwernis, ist in diesem Fall der Schlüssel – hier öffnet sie die Tür zu einer überzeugenden kreativen Idee.
Aufbau und Design sprengen den üblichen Rahmen. Weder ist das Logo eine klassische/konventionelle Wortbildmarke, noch eine modernisierte Neuinterpretation des städtischen Wappens, noch ist es ein reines Typologo. Die Buchstaben sind in diesem Logo nicht bloße Schriftzeichen, die ein Wort bilden, den Stadtnamen. Spielerisch phrasiert, gekippt und angeschnitten, und in senkrechter Achse untereinander angeordnet, fixiert die Gestaltung ein zur Stadtmarke passendes Story-Telling. Eine Geschichte, die verstanden werden kann, ohne dass Lesefähigkeiten erforderlich wären – denn die Symbolik ist universal.
Zudem ein Zeichen, das eine klare politische Botschaft sendet. Während vielerorts, in Zeiten von Protektionismus und Isolationismus, „Wir gegen Die“-Narrative propagiert werden und einen Keil in Gesellschaften treiben, setzt man in Fribourg/Freiburg auf ein Zeichen, das Verbindung als Kernwert impliziert, das miteinander, statt gegeneinander kommuniziert. Die im Corporate Design systemisch innewohnende integrative Kraft, Gesellschaft (mit) zu gestalten – hier tritt sie überaus deutlich hervor.
Très bien fait!
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Mein erster Gedanke war: wollte man hier unbedingt mit der Brechstange eine Verbindung oder eher einen Kompromiss hinbekommen? So richtig flüssig liest sich das Logo ja schließlich nicht. (Ich weiß schon, ist auch nicht Aufgabe eines Logos, aber schaden kann es ja andererseits auch nicht.) Aber ja, Achim, als Zeichen des Miteinanders (statt Gegeneinanders), als Zeichen von Zugehörigkeit (statt Ausgrenzung), als Zeichen von Weltoffenheit, Neugier und Aufgeschlossenheit: ganz, ganz stark!
In die gleiche Richtung strahlt für mich auch die Sprachauswahl auf der Website der Gemeinde: dort stehen neben Deutsch und Französisch noch gleich acht weitere Sprachen zur Auswahl. Nicht mit einer Übersetzung für die gesamte Website (das würde die Möglichkeiten sicher sprengen), aber immerhin mit einer Willkommensnachricht und den wichtigsten Informationen für Neubürger. Und wir sprechen hier nicht über Berlin, sondern über eine mittelgroße Gemeinde mit laut Wikipedia mal eben nur 40.000 Einwohnern. Hut ab! Muss einer toller Ort zum Wohnen sein…
Ich kann mich Achims Kommentar nur anschliessen. In meinen Augen ist das neue Erscheinungsbild sehr gelungen – war auch schon länger überfällig.
Für die Herausforderung der Zweisprachigkeit wurde ein spannender Ansatz gefunden und grafisch auf erfrischend unkonventionelle Weise gelöst. Zudem gefällt mir, dass das Monogramm visuelle Parallelen zum Stadtwappen aufweist.
Im Vergleich zu den Auftritten des Kantons und von Tourismus Fribourg geht die Stadt für mich damit als klare Siegerin hervor.
Wirklich eine tolle Umsetzung – und es wird auch Zeit, dass die ganzen Logos mit den stilisierten Flüssen verschwinden!
In der zweizeiligen Variante finde ich das Logo sehr charmant und gut gelöst. Im Icon aber les ich tatsächlich immer “CE”.
Durch den Punkt unter/neben dem »E« kann es ja eigentlich gar kein E sein. Daher ist es für mich einfach nur ein Zeichen mit Deutungsspielraum. Es könnte ein Kopf mit Krone sein, ein Gebäude mit Vorgarten, eine Brücke, …
Für mich gehört dieses Erscheinungsbild zu einem der besten hier gezeigten dieses Jahr. Sehr schön, gute Arbeit!
Einfach groß in jeder Hinsicht!
Für mich eine der besten hier im Blog vorgestellten Designleistungen des Jahres 2025.
Dass man erkannt hat, dass sich die zwei Buchstaben, die sich zwischen dem deutschen und französischen Namen der Stadt unterscheiden (nämlich das „E“ von „Freiburg“ und das „O“ von „Fribourg“) mit etwas Kreativität aus dem Stadtwappen herausarbeiten lassen, und dass man dadurch letzteres in den Schriftzug integrieren kann – Hut ab. Spontan kam mir die Tourismusmarke von Vancouver in den Sinn, die für mich ein ähnliches gestalterisches Niveau hat.
Unabhängig davon: Danke für all deine Beiträge im vergangenen Jahr, Achim, und einen guten Start für das Blog und dich ins neue Jahr!
Réalisé de manière très intelligente ou créative! Cinq étoiles!