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Neues Corporate Design für Münchner Verkehrsverbund (MVV)

Münchner VerkehrsVerbund Logo, Quelle: Münchner Verkehrsgesellschaft
Münchner VerkehrsVerbund Logo, Quelle: Münchner Verkehrsgesellschaft

Der Münchner Verkehrsverbund (MVV) stellt sich visuell neu auf. Die Gestaltung von Fahrgastinformationsaushängen, Plänen und Fahrzeugen wurde harmonisiert, und die generelle Optik einschließlich des Logos aktualisiert.

Mit einem verbesserten Informationsdesign und einem aufgefrischten visuellen Erscheinungsbild möchte der Münchner Verkehrsverbund (MVV) die Außenwahrnehmung des Verbundes stärken und die Sichtbarkeit der Verbundpartner verbessern. Künftig müssten Fahrgäste sich nicht mehr mit unterschiedlichen Umsetzungen der Abfahrtszeiten auseinandersetzen, da diese nun auf einer einheitlichen Gestaltung basierten.

Dank des neuen Designs werde für Fahrgäste deutlicher zu erkennen sein, welche Verkehrsunternehmen und Verbundpartner zum MVV gehörten. Das visuelle Konzept sei zudem auf die individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Fahrgäste im Großraum München zugeschnitten. Gemessen an zurückgelegten Personenkilometern ist der MVV hinter den Verbünden VBB, RMV und HVV der viertgrößte Verkehrsverbund in Deutschland.

„Das Jubiläumsjahr ist für uns der perfekte Anlass, mit dem neuen MVV-Auftritt an die Öffentlichkeit zu gehen“, so MVV-Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch. „Wir haben lange an unserem Relaunch gefeilt, die Fahrgäste über Marktforschungen beteiligt und die Ideen auch mit unseren Partnern immer weiter ausgearbeitet. […] Im Zentrum des Relaunches stand und steht der Fahrgast. Mehr Einheitlichkeit, klarere Formen und Farben sowie bessere Leitlinien lassen erkennen: Wo MVV draufsteht, ist auch MVV drin.“

MVV Bus – vorher und nachher, Bildquelle: Münchner Verkehrsgesellschaft, Bildmontage: dt
MVV Bus – vorher und nachher, Bildquelle: Münchner Verkehrsgesellschaft, Bildmontage: dt

Bis alle 800 dem Verbund angeschlossenen Busse im neuen Design unterwegs sind, werde es noch etwas dauern, wie es seitens des MVV heißt. Ähnliches gelte auch für die Haltestellen der RegionalBusse, die ebenfalls im Sinne der Nachhaltigkeit erst nach und nach ausgetauscht werden sollen. Dank kräftigeren Farben und einem stärkeren Kontrast werde die Sicht- und Lesbarkeit verbessert.

Erstmals seit mehr als 25 Jahren erhält der MVV auch ein neues Logo. Im Zuge der Umstellung auf das neue Corporate Design verabschiedet sich der Münchner Verkehrsverbund vom Kürzel „MVV“. Auf Bussen und Bahnen wird zukünftig stattdessen der ausgeschriebene Name als Absender verwendet. Dem Schriftzug vorgestellt ist eine kreisrunde Bildmarke, die in den Farben Dunkelblau und Grün gehalten ist. Wie der MVV im Rahmen der Pressemeldung erklärt, wird in der Form der Bildmarke das Selbstverständnis des MVV visualisiert: „Der Fahrgast und sein individuelles Mobilitätsbedürfnis stehen im Mittelpunkt“.

Der Relaunch entstand in Zusammenarbeit mit N+P Informationssysteme (Meerane). Die Umsetzung von Medien erfolgt, wie dem dt auf Anfrage seitens des MVV mitgeteilt wurde, sowohl inhouse wie auch durch Rahmenvertragsagenturen.

Kommentar

Die Umstellung auf eine einheitliche Gestaltung ist in diesem Fall, da es sich bei der Entität um einen Verkehrsverbund handelt, nicht eben eine Kleinigkeit. Ein gutes Beispiel anhand dessen deutlich wird, wie komplex ein solches Projekt ist und wo überall Corporate Design eigentlich „drin steckt“. Mit einem Logoaustausch und dem Wechsel auf neues Briefpapier ist es bei weitem nicht getan. Fahrzeuge, Arbeitskleidung, Fahrpläne, Informationsaushänge, Infotafeln, Tickets/Cards, Schilder, Prospekte, Werbeanzeigen, Webauftritt, Apps, Social-Media-Kanäle und vieles mehr gilt es auszutauschen. Nach und nach, versteht sich. Bis alle Anwendungen auf das neue Design umgestellt sind, können selbst mehrere Jahre vergehen.

Wie das später einmal alles ausschauen soll, veranschaulichen die exklusiv hier im dt gezeigten Anwendungsbeispiele, darunter auch eine Vorher-Nachher-Ansicht einer Bus-Abfahrtszeiten-Übersicht (in 16 Jahren Design Tagebuch tatsächlich die erste ihrer Art!).

Ein ambitioniertes Projekt und eine unbedingt lobenswerte Maßnahme. In der konkreten Ausarbeitung der Medien sehe ich allerdings Verbesserungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die Qualität des Informationsdesigns. Die aktuelle Gestaltung der Abfahrtzeiten ist in mehreren zentralen Aspekten überzeugender, da zugänglicher, als der neue Entwurf: 1. Der Kontrast von Schrift zu Hintergrund (Stunden/Minuten) ist in der bisherigen Darstellung deutlich höher. Aktuell beträgt das Kontrastverhältnis 13.91:1 (schwarz auf hellblau). Im neuen Entwurf liegt dieser bei nur noch 8.56:1 (schwarz auf grau). Im Web gilt nach der WCAG 2.1 als Untergrenze das Kontrastverhältnis von 4,5:1. Weitere Informationen zum Thema Farben/Kontrast finden sich unter anderem auf leserlich.info.

2. Dank akzentuieren Farbeinsatz (grün) ist in der aktuellen Fassung zudem der Standpunkt des Fahrgastes (Indikation) besser ablesbar. 3. Und auch die Darstellung von Haltestellenbezeichnungen ist für Betrachter, da weniger stark geneigt, zugänglicher und somit besser gestaltet. Im betreffenden Kontext – Informationsdesign – ist die Frage, wie zugänglich ein Design ist, und ob die dargestellten Informationen leicht und schnell erfasst und verstanden werden, das alles entscheidende Kriterium. Ob eine Übersicht als schön und gefällig angesehen wird, ist weniger entscheidend. Aber selbstverständlich darf eine solche Fahrtzeitenübersicht auch optisch gefallen. Optisch überzeugender, wobei dieser Eindruck subjektiv ist, ist die aktuelle/bisherige Gestaltung.

Defizite sollten im Sinne einer leichteren Erfassbarkeit ausgemerzt werden, zumal der MVV in seiner Pressemeldung selbst auf die Thematik Lesbarkeit / Menschen mit Sehschwächen eingeht, allerdings in erster Linie im Zusammenhang mit der Darstellung des Logos, wo jedoch Lesbarkeit ein zu vernachlässigendes Kriterium ist, da hier andere Aspekte viel entscheidender sind, etwa Merkfähigkeit, Reproduzierbarkeit und Prägnanz.

Die Überarbeitung des Logos würde ich weniger kritisch bewerten. Das bisherige MVV-Signet verträgt gewiss ein Update. Allerdings frage ich mich, ob es so klug ist, das Kürzel „MVV“ aufzulösen und durch den ausgeschriebenen Namen zu ersetzen. Ist „MVV“ innerhalb der Bevölkerung denn nicht ein gelebter und oft genutzter Begriff? Das Logo wird auf diese Weise unnötig in die Breite gezogen. Wenn Logos heutzutage überarbeitet werden, dann vor allem auch deshalb, um ihre Einsatzmöglichkeiten in der täglichen Anwendung zu verbessern, Stichwort Flexibilität. Deshalb werden in der Regel sperrige rechteckige Formen aufgelöst und durch kompaktere Versionen abgelöst. Um so auch als Absender in Social-Media-Kanälen fungieren zu können. Der MVV geht mit der Logoüberarbeitung in die entgegengesetzte Richtung. Will man die Menschen in der Region bei diesem Großprojekt mitnehmen, sollte dies zu denken geben, wie ich meine.

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Dieser Beitrag hat 13 Kommentare

  1. Zum Informationsdesign:

    Ohne den dahinter liegenden Prozess zu kennen, würde ich annehmen wollen, dass dem Corporate Design zumindest im Informationsdesign eine Änderung der Inhalte oder Struktur vorausgegangen ist (neues, einfacheres Tarifmodell?). Ganz konservativ betrachtet, ist/sollte das Corporate Design (hier bzgl. Informationsdesign) der Ausdruck dieser inhaltlichen Veränderung sein.

    Inwieweit das gezeigte Beispiel des Fahrplans repräsentativ ist, weiß ich nicht. Wenn es das aber ist, dann erscheint mir das lediglich à la „alte Designdatei genommen, Farben/Fonts getauscht, noch ein paar aktuelle Notwendigkeiten reingequetscht (Taxonomie, Symbole), fertig“. Da ist viel Luft nach oben.

    Unabhängig von der Qualität oder der Optik (finde ich nebenbei sehr ansprechend) fehlt mir das „was hat sich geändert“. Ein neues CD, nur weil man „moderner“ erscheinen will?

    PS: was will der „mittlere Ring“ uns sagen? Baustelle am Petuelring? Was will der äußere Ring uns sagen? Der Autobahnring ist doch mittlerweile geschlossen :-)

    PPS: „Wo MVV draufsteht, ist auch MVV drin.“ MVV steht da nicht mehr.

  2. Auch wenn es die Präsentationsseite des MVV mit keinem Wort erwähnt: Es wird hier nicht bloß das Kürzel durch den ausgeschriebenen Namen ersetzt, vielmehr wird ein neuer ausgeschriebener Name eingeführt:

    MVV stand bislang für “Münchner Verkehrs- und Tarifverbund”, nicht für “Münchner VerkehrsVerbund”. Der Versuchung, dabei gleich noch eine hippe Binnenversalie einzuführen, konnte man anscheinend auch nicht widerstehen. Furchtbar.

    1. Btw. hat das einheitliche Corporate Design des MVV vor Ort ohnehin bei Weitem nicht die Bedeutung, die es haben könnte:

      Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die im Stadtgebiet München U-Bahn, Tram und die Busse betreibt, und neben der DB (S-Bahn) das mit Abstand größte Verkehrsunternehmen im MVV ist, nutzt seit ihrer Gründung 2001/2002 sehr offensiv ein eigenständiges Corporate Design. Dieses umfasst nicht nur die Farbgebung der Fahrzeuge und die Gestaltung der Haltestellenschilder, sogar die Fahrkartenautomaten und die Aushangfahrpläne sind eigenständig gestaltet. Als das eingeführt wurde, dachten viele Münchner, es gäbe den MVV gar nicht mehr, er sei durch die MVG ersetzt worden.

      Das Corporate Design des MVV tritt eigentlich nur in Zusammenhang mit den Regionalbussen und damit eher untergeordnet auf.

  3. Mein erster Eindruck vom Logo: Warum zementiert man ein Zonen-Denken in Verkehrsverbünden direkt in seinem Logo (genauer gesagt der Bildmarke)?
    Die Ringe symbolisieren nach meinem Eindruck die verschiedenen Zonen des ÖPNV um München herum, wobei dann der Punk dem “Zentrum” entspricht. Gleichbedeutend ist das für mich mit einer komplizierten Tarifstruktur und höheren Kosten, desto weiter man sich vom Zentrum entfernt bewegen will.
    Unklar ist mir, warum man die Gefahr, dass ein Logo (während wir mit dem 9 €-Ticket über günstigen ÖPNV reden, um möglichst viele Leute zum Auto “weg zu bekommen) als Dokumentation einer überteuerten und veralteten Tarifstuktur angesehen wird, eingeht. Wenn ein Logo das Unternehmen repräsentiert, steht dieses für einen inhaltlich veralteten Verkehsverbund, der seine Preisstruktur und sein Angebot an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeientwickelt.
    Ich habe keine Ahnung, ob es die von mir unterstellte Preisstrukutr im MVV so gibt, weil ich nicht aus München oder Umgebung komme. Man mag das auch als Überinterpretation abtun. Meine erste Assoziation ist es dennoch.
    Ich komme übrigens aus NRW, wo der VRR mit seiner bereits im Logo dokumentierten Wabenstruktur im Übrigen auch nicht besser ist. Besser finde ich das das “Ücon” aus Hannover als Verbindung zwischen zwei Punkten…

    1. Ja. Die Preisstruktur des MVV München mit den Zonen ist gelinde gesagt komplex. Weiß nicht, wie oft ich aus Versehen schon “Schwarz” gefahren bin, obwohl ich die Zoneneinteilung immer versuchte genau zu studieren, wenn ich in äußere Zonen musste. Immer Furcht, ob ich entweder dem falschen Ticket für die äußeren Zonen (da gibt es so XL-Varianten und verschieden Tagestickets) oder einer nicht korrekten Stempelung auf der Streifenkarte unterwegs bin.

      Dabei bin ich überzeuger Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs. Wie überfordert muss erst jemand sein, der vom Auto auf die Öffentliche umsteigen will. Dieses Zonengewürge, das sind Hürden, diese Unsicherheit, ob man nun doch Schwarz gefahren ist. Man möchte nicht hartgesottenen Kontrolleuren in die Hände fallen, die einem entweder nachweisen, dass man ein unlustiger Depp ist oder Vorsatz hatte oder gar ein XL-Depp mit Vorsatz war. Das geht niedrigschwelliger, einfacher und unparanoider (= ohne Verdachtskultur) lieber MVV. Ein Preis und fertig.

  4. Ich finde das Design ziemlich uninspiriert und mit der Farbwahl und der Binnenmajuskel fühle ich mich an die 2000er erinnert. Klar, es reicht aus für eine öffentliche Einrichtung, aber in irgendeiner Form spannend oder bemerkenswert ist es halt nicht. Und es verstrahlt in meinen Augen keinerlei großstädtisches Flair, könnten genau so gut die Verkehrsbetriebe Buxtehude sein. Einfach mal einen Blick nach Berlin zur BVG werfen, wie man auch so etwas dröges wie den ÖPNV modern, aufregend und vor allem passend zur Stadt präsentieren kann.

  5. Die neue Gestaltung des Bus ist eigentlich in Ordnung.

    ABER mir erscheint die alte Farbwahl, Gestaltung der Fahrplanmedien und Busse weiterhin frischer. Weiß-Blau ist soo typisch für Bayern und München und das Hellgrün war für mich die Assoziation/Verbindung mit Region/Umland. (Zumal das weiß-blau ähnlich dem alten MVG Design war) und beide für den ÖPNV standen.

    Die neue Gestaltung ist anders. Aber besser?

    Ob man jetzt eine Abkürzung oder einen Vollnamen verwendet. Was ist besser? Zumal ich in München oft gehört habe: Ich fahre mit dem MVV.

  6. “Wie der MVV im Rahmen der Pressemeldung erklärt, wird in der Form der Bildmarke das Selbstverständnis des MVV visualisiert: „Der Fahrgast und sein individuelles Mobilitätsbedürfnis stehen im Mittelpunkt“.

    Die Form der Bildmarke symbolisert für mich keinen Fahrgast, der im Mittelpunkt ist. Das ist in meinen Augen Präsentations-Lyrik, um den Punkt und die Ringe drumherum hinzuinterpretieren, damit es “gekauft” wird von der Zielgruppe 1 (= immer das Gremium).
    Diese Bildmarke symbolisiert entweder einen “Ein”-Schalter.
    Oder möglicherweise die Zonen (wie ein Mitforist anmerkte).

  7. Leider eine vertane Chance: Der Regionalbus verkehrt (zumindest in den Beispielen) im Sauberen 20-Minuten-Takt, es gibf kaum Ausnahmen und nur wenige Fahrten unterscheiden die Werktage vom Wochenende. Weshalb nicht die Abfahrtsminuten mit der Perlschnur kombinieren, in einer auch aus ein wenig Entfernung gut lesbaren Schruftgröße? Die DIN-A4-Kästen verhindern freilich ein überlanges Format. Aber darf uns das aufhalten?

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