Nachdem der Zusammenschluss der beiden Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof Ende letzten Jahres vollzogen wurde, beginnt wenige Monate später die Einführung einer Dachmarke, unter der beide Warenhäuser vereint werden.
Seit Anfang der Woche ist bundesweit in den Filialen von Karstadt und Galeria Kaufhof ein neues Logo zu sehen. Auf Transparenten, in Schaufenstern und auf Plakaten wird die neue Dachmarke „Galeria Karstadt Kaufhof“ großflächig in Szene gesetzt. Auch in den digitalen Medien und auf galeria.de tritt die neue Marke erstmals in Erscheinung: „WIR SIND ZUSAMMEN DEINS – Karstadt und Kaufhof werden GALERIA“ heißt es dort, was ein wenig nach dem Claim klingt, den die ARD seit Mitte letzten Jahres verwendet („Wir sind deins“).
Die Farbgebung der neuen Dachmarke basiert auf den jeweiligen Erscheinungsbildern der beiden Warenhäuser. Während die Hausfarbe von Galeria Kaufhof Grün ist, präsentiert sich Karstadt traditionell in Blau. Und so wird das neue GALERIA-Logo in Schaufenstern






Es ist eben keine Dachmarke bzw. nicht nur eine solche für die Holding sondern seit Montag auch der offizielle Markenname aller Filialen. Und das ist abgesehen von der lächerlichen Idee beide Marken so plump zusammenzurühren auch für die Kunden ein “Verscheißern” mit Ansage (v.a. an Orten mit Doppelstandorten). Und man gibt völlig ohne Not 2 Traditionsmarken auf. Dass Kaufhof als geschluckte Firma unter die Räder kommt, klar. Aber dass auch noch Karstadt (seit 1881!) seinen Namen quasi aufgibt verstehe ich überhaupt nicht.
Die Assoziation mit der Einkaufstüte finde ich ziemlich unpassend, gerade in Anbetracht der aktuellen Plastiktütendiskussion. Das suggeriert mir zu viel Konsum- und Wegwerfgesellschaft.
Auf der anderen Seite sehe ich jetzt nur noch zwei Arme die ein Smartphone halten…
In meinen Augen ist das der klassische Henkel einer Papiertüte.
Vielleicht täusche ich mich, mehr als Glaskugelleserei ist das ja bislang nicht. Ich denke man will momentan die Zugehörigkeit beider Häuser zur Dachmarke Galeria stärken. Galeria ist nun die starke Marke, so wie es früher auch Galeria Kaufhof und Galeria Horten (und darüber hinaus nochmal Galeria Inno in Belgien) gab. Galeria wird die starke Marke unter der sich die Traditionshäuser in Deutschland, Belgien und den Niederlanden vereinigen (die dortigen Geschöfte von Hudsons Bay fließen ja auch in den Bestand mit ein). Das Konzept wird in allen Häusern – je nach Lage, weiteren Standorten, etc. – das gleiche sein. Ob ich zu Galeria Karstadt oder Galeria Kaufhof gehe, spielt dann eine geringere Rolle – immer gehe ich zu Galeria. Als Ziel dieser Kampagne sehe ich also eher das Schaffen der starken Dachmarke, ich kann mir nicht vorstellen, dass man die traditionsreichen Namen aufgibt, die sich über lange Zeit nicht nur (irgendwie) gehalten haben, sondern auch eingeprägte Namen bei vielen Menschen sind (den Wert darf man nicht unterschätzen). Möglicherweise wird das in 10 oder 20 Jahren mal Realität, auch das ist nur Glaskugelleserei.
Nun zum Logo selbst. Ich finde die Farben harmonieren (vermutlich durch das breite Spektrum der Grüntöne bei Kaufhof die zur Auswahl standen) sehr gut miteinander. Die Dachmarke gewinnt insbesondere durch das G und das R an Prägnanz. In meinen Augen hat man auch bei der Verwendung der Schlaufe beide bisherigen Logos aufgegriffen: den Halbbogen von Galeria Kaufhof und die insbesondere in den Schaufenstern und Prospekten verwendete blaue Tüte Karstadts (komischerweise wirkte diese immer durch ihre eckige Form, nicht nur in Schaufenstern, wie eine Papiertragetasche, während unter den Tresen ausnahmslos welche aus Plastik hervorgezogen wurden). Ich finde es interessant, dass das bisher hier nicht weiter berücksichtigt wurde, halte es aber gerade deswegen für eine äußerst gelungene Lösung.
Was mich aber wirklich stört (außer die bereits thematisierten Kündigungen) ist schlicht der Zeitpunkt. Es gibt für den Augenblick eine große Dachmarke – aber die Häuser sind grundverschieden. Außer die Dachmarke selbst und ein paar Aktionsangebote, habe ich schlicht als Kunde überhaupt keinen Vorteil von der Aktion. Weder sind die Kundenkarten kompatibel (oder man hätte unter eine den Schlussstrich gezogen), noch kann ich meine Wäre in beiden Häusern zurückgeben und auch Bestellungen nehme ich auf unterschiedlichen Webseiten in das jeweilige Warenhaus vor. Ich frage mich die ganze Zeit: warum heute, was bringt es mir? Vielleicht brauchen einige Umstellungen Zeit und alles auf einmal ist sicher schwierig, aber auch nur eine Sache schon umzusetzen, hätte das Gefühl bei mir als Kunden verstärkt nun in der Galeria einzukaufen. Riesige Werbebanner und Schaufensterbeklebungen konnten ja auch über Nacht deutschlandweit in allen Filialen angebracht werden. Der Zeitpunkt erschließt sich mir wirklich gar nicht. Rewe hat das mit seinem Big Bang 2006 übrigens deutlich geschmeidiger hinbekommen.
Woran es Karstadt und Kaufhof aber wirklich mangelt ist ausreichend und gut geschultes Personal (je nach Outfit werde ich dort häufig ganz unterschiedlich behandelt, ich erwarte aber als Kunde immer eine gute Beratung) und in vielen Höusern ein ansprechendes Landendesign. Eine Kette die bis heute in Familienbesitz ist, ein ansprechendes Ladendesign besitzt (selbst die Supermärkte in den Untergeschossen laden zum Kauf ein), gute und funktionierende Eigenmarken aufgebaut und zuvorkommend beratende Mitarbeiter hat ist das spanische El Corte Inglés. Umsätze und Gewinne steigen nahezu regelmäßig – trotz Onlinehandel.
Danke für die Hinweise mit dem Galeria Bogen und der Karstadt-Tüte (die ich gar nicht auf dem Schirm hatte) – so gesehen, ist das Logo-Bild-Element dann doch etwas schlauer als vermutet. :-D
Ich war sehr überrascht, das Logo am Montagabend im Schaufenster zu entdecken (wohlbemerkt bei einem Galeria Kaufhof Sport&CO, also der Laden mit diesem vällig überladenen Logo). Der erste Gedanke war natürlich DER Touristik mit dem Koffer-Henkel, was mir nicht besser oder schlechter gefällt, als das Galeria, aber besser funktioniert, da kompakter.
Der Ansatz mit der Einkaufstüte ist nett und durchaus logisch, optisch sauber, aber auch nicht mehr. Und ganz ehrlich, wenn es um Shoppen alleine geht, dann ist doch heute für viele der bequemere Weg, online den Warenkorb zu füllen und sich die Auswahl nachhause schicken zu lassen. Es muss um mehr gehen, darunter sehe ich Beratung, Alternativen und Service. Der Schriftzug ist noch nicht vollends ausgereift, ne Kante ins G und in die Punze des Rs zu schneiden sehe ich als Ansatz für eine individuelle Gestaltung an, mir fehlt aber Stringenz im Rest des Logos. Der Name “Galeria Karstadt Kaufhof” ist einfach ein Sammelsurium der alten Namen, für den Alltagssprachgebrauch, wie auch für eine Dachmarke einfach zu lang und zu sperrig. Das Galeria gestärkt wird und die anderen Namen eher wegfallen könnten, würde ich ebenso vermuten. Wenngleich ich den Namen “Galeria” super 90er finde und einfach gekünstelt, während Kaufhof, Karstadt, Horten und CO noch heute im Sprachgebrauch sind, habe ich noch nie gehört, dass jemand zu Galeria geht … Ich hätte es durchaus logisch und konsequent gefunden, dass man sich komplett neu erfindet. Zumindest als Dachmarke, denn so bleibt das Gefühl, dass sich eigentlich nicht groß etwas ändert.
Und das muss es wohl, denn an vielen Standorten sind Karstadt und Kaufhof direkte Nachbarn, das kann sich auf Dauer nicht lohnen. Oder wie würde man dem Konsumenten erklären wollen, dass Galeria links in Punkt A besser ist als Galeria rechts.
Der Name Galeria geht für mich auch nur sehr schwer mit den Häusern zusammen, dises sind, wie etwa am Münchner Marienplatz, richtig große Brocken die einen förmlcih erschlagen. Ich sehe es als dringende Notwendigkeit, dass man die Häuser attraktiver gestaltetn, denn sie sind außen oft wenig einladend, wenngleich mir klar ist, dass es in vielen Fällen kaum möglich ist, daran etwas zu ändern.
Ich sehe zwei Punkte als große Chance für Galeria. Erstens muss der Service in den Vordergrund stehen, denn wenn ich eine Marke günstig kaufen möchte, tue ich das online, da habe ich vor Ort doch meist eine viel begrenztere Auswahl. Unter Service verstehe ich gute Beratung in Sachen Mode, Änderungsservice in house, Lieferservice und natürlich ein weiterer Ausbau der click&collect-Services – es wäre ratsam online und vor Ort mehr zu verknüpfen und Vorteile zu schaffen. Zweitens denke ich, dass mehr regionale Individualität gut täte, die Häuser müssen autark werden und an die jeweiligen Standorte angepasst werden. Ein Haus in Nürnberg hat vermutlich andere Bedürfnisee als in Potsdam, zudem ein ganz anderes Umfeld. Das regionale kann man dann euch gerne in den Namen packen – ähnlich wie die “Arcaden”-Shoppingcenter oder jüngst auch alle Penny-Filialen, z.B. “Galeria Alexanderplatz”. Es macht zudem auch wenig Sinn, wenn Galerie z.B. eine Esprit-Abteilung hat und in der Fußgängerzone ist drei Häuser weiter ein Esprit-Mega-Store der im Zweifel immer die größere Auswahl genau dieser Marke hat. Galeria müsste einfach alternative Marken haben und sein Profil schärfen, von allem ein bisschen, das zieht heute nicht mehr.
Von allem ein bisschen, so sehe ich auch das Logo. Es ist nicht schlecht, aber es hat für mich zu wenig Profil um als starke Marke die Zukunft erfolgreich unterstützen zu können. Ich wünsche es dem Konzern aber sehr, denn abgesehen, dass in den Häusern wahnsinnig viele Menschen arbeiten, fände ich es auch schade, wenn die Innenstädte mit noch mehr und vor allem so großen Leerständen zu kämpfen hätten. Denn mal kurz durch den Kaufhof zu laufen und ein paar Schreibwaren zu holen oder mal gucken, was es an neuen Besonderheiten im Karstadt “Gorumet-Bereich” gibt, sind durchaus Dinge, die mir Freude bereiten.
Alles Dienstleistungen, die vor Ort durchaus schon seit geraumer Zeit angeboten werden. Free WiFi, Umtauschservice (von online bestellter Ware), Altgeräteentsorgung, Einpackservice, Geburtstagskiste (!), etc. Es ist wie so oft: nicht immer wird dieser Service optimal kommuniziert. Vermutlich wissen viele „Hardcore“-Onlinebesteller gar nicht, dass vor Ort gekaufte Kleidung zum Teil kostenlos auf die individuelle Größe angepasst wird (abhängig von der Höhe des Umsatzes). Der Hinweis dazu findet sich in den Umkleidekabinen, nicht jedoch online oder in Prospekten.
Das ist in der Tat so und lässt in Bezug auf die Arbeitsplätze nichts gutes vermuten. Auch von Saturn und Mediamarkt, deren Filialen in der Regel weiter auseinander liegen, hört man nichts gutes.
Ich bekenne mich, obwohl ich vieles online bestelle, als Stammkunde sowohl von Karstadt wie auch Galeria Kaufhof. Es gibt Dinge, die will und muss ich einfach in der Hand halten, bevor ich sie kaufe. Klamotten für mich und die Kinder, Geschirr und Besteck, Schuhe, Textilwaren, u.v.m.. Ich möchte diese Möglichkeit, auch die des haptischen Erlebnisses, nicht missen, weshalb ich mich oft bewusst für den Kauf vor Ort entscheide. Und dann steige ich aufs Rad und fahre in die Stadt, nicht in ein Einkaufscenter, sondern zu eben jenen Warenhäusern. Dort hole ich Tennisbälle ab, die ich online bestellt habe, kann die passende Jeans auswählen, anziehen und kaufen, statt mehrmals Retouren auf den Weg bringen zu müssen und ich finde an nur einem Ort eine große Auswahl an Produkten. Alles Vorteile, die ich sehr zu schätzen weiß.
So, jetzt habe ich glaube ich genug PR in Sachen Revitalisierung des stationären Handels betrieben ;-)
Gut gesehen ilkam! In der Tat kann man in der Bildmarke anstelle eines Griffs auch zwei Arme erkennen kann, die ein Smartphone halten. Eine Art Kippfigur. Einmal erkannt, dominiert diese Deutungsvariante sogar, zumindest in meiner Wahrnehmung. Und so bekommt der olle Tragegriffe doch noch eine zeitgemäße Note.
Den Einkaufstütengriff als Bildelement zu wählen wirkt auf mich anachronistisch und symptomatisch für den Niedergang des Warenhauses. Mit einem Symbol des Konsums von gestern in die Zukunft zu gehen – dafür habe ich kein Verständnis.
Ich glaube, zu verstehen was du meinst. Aber am Ende gehen die Menschen ohne Tasche / Tüte in den Laden und kommen mit Tüte raus. Es ist kein Warenhaus wie Amazon o. ä. Deswegen finde ich die Aussage “Symbol des Konsums von gestern” nicht angebracht.
Mir gefällt es.
Dafür braucht es kein Verständnis, denn die Symbolik ist doch absolut passend und einleuchtend. Kaufe ich im Internet ein, packe ich meine Sachen dort auch in einen Einkaufswagen ohne mich darüber zu mokieren dass das möglicherweise anachronistisch ist.
Das Logo gefällt mir auf Anhieb, die Typo ist richtig klasse und mit ihren eckigen Innenräumen sehr gut gewählt. Der Henkel (das kann genauso gut ein Jutebeutel sein!) ist perfekt und spannend umgesetzt.
Ein wirklich gutes Logo, über das ich mich freue.
Info
Benkos Signa Holding hält 50,01 Prozent
Zusammenschluss: Kaufhof und Karstadt sind im November 2018 fusioniert worden.
Eigentümer: Das Unternehnen gehört zu 50,01 Prozent der Signa Holding und zu 49,99 Prozent dem kanadischen Handelskonzern HBC.
Quelle: RP-Online
Danke, aber das steht alles so auch hier im Artikel.
Das Logo stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von Scholz & Friends.
Hat man schon geantwortet?
Nein noch nicht. Sonst hätte ich die Info bereits nachgereicht.
Und das zitiert man so auf RP-Online zum Logo:
“Dagegen fällt das Urteil von Gerrit Heinemann, Handelsprofesor an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, harsch aus: „Das ist kein Neuanfang. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, einen neuen Namen zu suchen, der einen frischen Auftritt hat und mit dem man jüngere Kundenkreise erschließt.“ Stattdessen setze Galeria Karstadt Kaufhof nur auf die alten Warenhaus-Kunden. „Das ist keine Handelsoffensive, sondern es zielt alles auf die Verwertung der Immobilien“, glaubt Heinemann.”
Positiveres gibt es auch, alles nachzulesen auf: https://rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/aus-karstadt-und-kaufhof-wird-galeria-karstadt-kaufhof-neues-logo_aid-37681327
Interessant auch die Kommentare dort.