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Mercedes Benz kehrt zum minimalistischen Stern zurück

Mercedes Benz Stern / Logo (2025), Quelle: Mercedes Benz
Mercedes Benz Stern / Logo (2025), Quelle: Mercedes Benz

Mercedes Benz hat sein Markenzeichen modifiziert. Seit kurzem nutzt der Stuttgarter Autobauer im Kontext Marken- und Unternehmenskommunikation wieder eine minimalistische, einfarbige Darstellung des Mercedes-Sterns. Geschichte wiederholt sich, auch im Marken- und Kommunikationsdesign.

Bislang von der Öffentlichkeit und den Medien unbemerkt hat Mercedes Benz ein Redesign seines Markenzeichens vollzogen. Eine der ersten Medienanwendungen, in denen der nunmehr wieder einfarbige Mercedes-Stern implementiert wurde und als visueller Absender fungiert, ist der im Februar veröffentlichte Geschäftsbericht 2024, siehe nachfolgende Abbildung der Titelseite.

Mercedes Benz Geschäftsbericht 2024 Titelseite, Quelle: Mercedes Benz
Mercedes Benz Geschäftsbericht 2024 Titelseite, Quelle: Mercedes Benz

Langjährige dt-Leser dürften beim Lesen dieses Beitrags ein Déjà-vu verspüren. Tatsächlich erfolgte vor 18 Jahren bei Mercedes Benz ein ähnlicher Wechsel. Im Herbst 2007 änderte Mercedes das Aussehen des Sterns von einer metallisch-glänzenden Darstellung mit dreidimensionaler Anmutung hin zu einer schlichten, einfarbigen Darstellung (dt berichtete).

Allerdings wurde der schlichte, weiße Stern damals nach nicht einmal drei Jahren wieder gegen eine metallisch-glänzende Darstellung ausgetauscht (dt berichtete ebenfalls), wohl auch weil dem ehemaligen Daimler-Chef Dieter Zetsche diese Art des minimalistischen Designs nicht gefiel, da sie seiner Ansicht nach zu wenig „Qualitätsanmutung“ vermittele.

Nun feiert der schlichte Mercedes-Stern ein Comeback, ein weiteres. Denn bereits in frühen Jahren der Unternehmensgeschichte hatte Mercedes einen schlichten Stern als Marken- und Erkennungszeichen, wie die Evolution des Mercedes-Stern veranschaulicht.

Mercedes Benz Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Mercedes Benz, Bildmontage: dt
Mercedes Benz Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Mercedes Benz, Bildmontage: dt

Im Umfeld von Social Media, etwa auf Facebook, YouTube und Instagram, nutzt Mercedes seit zwei Wochen das neue, schlichte Markenzeichen als Profilbild. Die Einführung des einfarbigen Sterns erfolgt zeitgleich mit der Vorstellung des neuen Mercedes CLA. Im Rahmen der offiziellen Pressemeldung wird die Markteinführung des vollelektrisch angetriebenen CLA als „der Beginn einer neuen Design-Ära bei Mercedes-Benz“ bezeichnet. Künftig werde über das gesamte Portfolio hinweg eine einheitliche Designsprache genutzt.

Auch wenn das Unternehmen auf die Anpassung bislang nicht eingegangen ist, weder in Pressemeldungen noch im Geschäftsbericht oder in anderen Medien, lässt sich die Umstellung des ikonischen Sterns auf eine minimalistische Darstellung dahingehend verstehen, dass die Modifikation Bestandteil der veränderten strategische Ausrichtung ist. Als Unternehmen „schlanker, schneller und stärker“, und auch, da fortan im Stern auf Farbverläufe und Glanzeffekte verzichtet wird, im visuellen Erscheinungsbild schlanker und performanter.

Vor dem Hintergrund der Krise in der deutschen Automobilwirtschaft hat Mercedes-Benz ein Re-Strukturierungs- und Einsparprogramm aufgelegt („Next Level Performance“), um so bis 2027 rund fünf Milliarden Euro einzusparen, auch durch den Abbau von Personal. Eine veränderte Designsprache, so lässt sich auch eine im Februar veröffentliche Pressemeldung lesen, begleitet demnach die angekündigte Transformation des Unternehmens.

„Mercedes-Benz ist eine ikonische Marke. Unsere Verantwortung besteht darin, ihr volles Potenzial zu heben. Wir starten dazu die bisher größte Produkt- und Technologieoffensive unserer Unternehmensgeschichte und ein umfassendes Programm zur Steigerung unserer Leistungsfähigkeit.“ Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG.

Auch zukünftig kommt bei Fahrzeugen weiterhin die Logoversion mit 3D-Anmutung zum Einsatz, so legen es jedenfalls Bilder zum neuen CLA nahe. Eine Ausnahme gilt freilich für illuminierte Anwendungen. Der minimalistische, einfarbige Mercedes-Stern fungiert demnach als visueller Absender innerhalb der Marken- und Unternehmenskommunikation, während bei Produkten (weiterhin) die Version mit 3D-Anmutung verwendet wird.

Der neue Mercedes-Benz CLA mit EQ Technologie: Exterieur: AMG Line Plus, MANUFAKTUR patagonienrot metallic, Quelle: Mercedes Benz
Der neue Mercedes-Benz CLA mit EQ Technologie: Exterieur: AMG Line Plus, MANUFAKTUR patagonienrot metallic, Quelle: Mercedes Benz

„Veränderte Designsprache“ bezieht sich zudem offenkundig sowohl auf Produkte/Fahrzeuge wie auch auf die Präsenz als Marke. Nicht nur am Markenzeichen, auch an der Typo wurde Hand angelegt, in diesem Fall liegt die Überarbeitung allerdings schon einige Jahre zurück. Anstelle der von Kurt Weidemann gezeichneten Corporate-Schriftsippe, über viele Jahre als Hausschrift(en) von Mercedes Benz in Verwendung, sind seit einiger Zeit MB Corpo A und MB Corpo S im Einsatz.

Mercedes Benz ist nicht nur eine Automarke, sondern auch ein Konzern. Zur Mercedes Benz Gruppe gehören die Marken Mercedes-Benz, Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach, Mercedes-Benz Bank, Mercedes-Benz Financial Services und Athlon. Der neue, einfarbige Stern ist Absender sowohl der Marke Mercedes Benz wie auch Absender der Mercedes Benz Gruppe.

Ebenso wie die Umstellung auf eine neue Hausschrift nicht über Nacht geschieht, wird auch die Implementierung des neuen, einfarbigen Mercedes-Sterns über alle Medienanwendungen hinweg, digital wie in Print, Zeit in Anspruch nehmen. Für die Mercedes-Benz Bank wird derzeit noch das glänzende Stern-Logo verwendet.

Wer sich schon einmal gefragt hat, was genau der Stern von Mercedes eigentlich darstellt: Der Mercedes-Stern symbolisiert die Vision von Firmengründer Gottlieb Daimler, Motoren für drei zentrale Bereiche der Mobilität einzusetzen: zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die drei Zacken des Sterns repräsentieren diese Ausrichtung.

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Mediengalerie

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 37 Kommentare

  1. Ich habe auch “unschlüssig” gewählt.

    In der digitalen Kommunikation, aber auch auf Papier, sieht der einfarbige Stern bestimmt besser aus. Insbesondere wenn der Farbdruck nicht allzu perfekt ist, erscheint so ein glänzender Stern gern unscharf und rauschend. Von daher ist es eine gute Idee und weiterentwicklung.

    Am und auf dem Auto hoffe ich, dass Mercedes bei einer metallischen Variante bleibt.

    Audi hat diesbezüglich gerade ein Riesen-Problem. Die haben ihre metallischen Ringe sowohl auf den Autos als auch auf den Lenkrädern gegen eine schlichte Version getauscht- und erhalten ein beinahe einhelliges Feedback, dass es nun superbillig und überhaupt nicht mehr wertig wirkt.

    Ich denke, der schlichte Mercedesstern auf dem “Grill” oder dem Lenkrad würde ähnliche Reaktionen hervorrufen.

  2. Übrigens haben wir bei Edenspiekermann die neue Mercedes-Schrift gemacht, vor einigenJahren. Christoph Koeberlin hat gezeichnet, ich habe recherchiert (die alte Corporate war zB sehr nah an der Berthold Walbaum), skizziert und präsentiert und Toshiya Izumo hat die Kanji Version gezeichnet. Ja: Mercedes hat eine eigene Schrift für China und Japan, nicht eine generische Type aus einer Schriftfabrik in Hongkong. Leider hat MB das seinerzeit nicht erwähnt und wir dürfen auf der Website nichts zeigen.

    1. Ihr Arbeit in Ehren, aber wir sollten die Kirche etwas im Dorf lassen.
      Es ist ein Update, keine neue Mercedes-Schrift. Sie wurde formal an Stellen überarbeitet, Schriftschnitte für Klein- und Screendarstellungen geschaffen – nachwievor führt dies zu Kontroversen. (Stichwort kein Variabler Font, immer höhere Screenauflösungen vs. zu viele Schriftschnitte = kompliziert in der Anwendung.)
      Kurt Weidemann ist der Schöpfer und dafür maßgeblich verantwortlich, dass Mercedes-Benz im Besitz einer identitätsstiftenden und weltweit erkennbaren Hausschrift ist.
      Bei allem Respekt für ihr Lebenswerk, dieser Kommentar ist überflüssig und hätte ich in dieser Form von einem Neuling in der Branche eher verstanden.

      1. Mich irritiert der Tonfall in Deinem Kommentar, lieber Marc. Respekt kann ich, ungeachtet Deiner Bekundung, aus Deinen Zeilen nicht herauslesen, eine Wertschätzung für Kurt Weidemann und dessen Schriften hingegen schon.

        Die „MB Corpo“-Schriften sind nun einmal die von Mercedes seit einigen Jahren verwendeten vergleichsweise jungen, neuen Schriften. Wie sonst sollten diese bezeichnet werden? Es handelt sich dabei – offenkundig – um eine Weiterentwicklung der bestehenden Corporate-Schriftsippe. Hinsichtlich ihrer Schriftlinien (H-Linie, x-Höhe, u.a.) unterscheiden sich MB Corpo Title und Corporate A beispielsweise sehr deutlich; auch die Linienführung bei den An- und Abstrichen ist eine andere, gleiches gilt für die Form der Serifen. Im direkten Vergleich ist die neue Schrift, bei grundsätzlich ähnlichem Charakter, sichtlich schlanker als die bisherige Schrift. Auch in dieser Hinsicht, eben da ausreichend viele unterschiedliche Merkmale benannt werden können, ist „neue Schrift“ eine treffende Bezeichnung. Oder wie viele unterschiedliche Merkmale muss eine Schrift aufweisen, bevor sie als neu bezeichnet werden kann/darf?

        Zwei Sätze noch zur Bemerkung „überflüssig“. Wenn Unternehmen ein Redesign nicht öffentlich kommunizieren, so wie in diesem Fall Mercedes, bleibt in der Regel auf der Strecke, welche Agentur oder welche Designer/Gestalter für die Kreation verantwortlich zeichnen. Oftmals verpflichten Unternehmen die von ihnen beauftragten Agenturen/Designer dazu, ihre Arbeit nicht öffentlich zu machen. Eine Unsitte, wie ich finde. Sofern sich Namen recherchieren lassen, liste ich diese in Beiträgen auf. Auch in diesem Fall war die Suche ergebnislos. Und deshalb freue ich mich immer, wenn Leser, in diesem Fall Erik, die für die Kreation verantwortlichen Personen benennen können. Schon deshalb ist sein Kommentar eine Bereicherung.

        1. Lieber Achim,
          ich stimme Dir absolut zu, dass eine Verpflichtung der Nicht-Veröffentlichung ein Unsitte ist.
          Dies dann aber über eine Kommentarfunktion doch öffentlich zu machen … geschenkt. Ich gebe jedoch zu, dass überflüssig nicht ganz das richtige Wort war.
          Auf zwei Punkte möchte ich jedoch hinweisen. Die überarbeitete Schrift ist bereits seit knapp 5 Jahren im Einsatz, hat dementsprechend nicht direkt mit dem neuen 2D-Stern-Erscheinungsbild zu tun. Das Bild, des von Dir verlinkten direkten Vergleiches »CorporateA – MB Corpo Title« ist nicht korrekt, da es sich bei der »CorporateA« um den »normalen« Schnitt und bei der »MB Corpo Title« um den Condensed Schnitt handelt; zudem wird mit unterschiedlichen Schriftgrößen verglichen.

          1. Da die MB Corpo Title die Corporate A als Headline-Schrift offensichtlich abgelöst hat, so jedenfalls stellt sich mir dies als externer Beobachter dar, ist eine Gegenüberstellung legitim, sinnvoll und natürlich auch korrekt, denn die Gegenüberstellung entspricht der Rezeption aus Konsumentensicht. Es werden hier ja nicht etwa Headline-Schrift und Copy-Schrift gegenübergestellt, sondern jene Schriften, in denen Headlines früher gesetzt wurden und heute gesetzt werden. Die Schriftgrößen sind unterschiedlich, das ist richtig. Ich habe gleiche Laufweiten gewählt, da so die schmalere Konstruktion der Lettern der MB Corpo Title gut zur Geltung kommt. Auch in dieser Hinsicht entspricht die Darstellung der Gegenüberstellung der tatsächlichen Anwendung. Doch es ist klar, dass eine solche Montage nur einen ersten Eindruck vermitteln kann – sie soll die Umstellung nachvollziehbarer machen, und nicht die Konstruktionsprinzipien erklären. Zumal das Thema des Beitrags der Stern ist.
            Falsch ist hingegen meine Aussage, und da korrigiere ich mich, die Schriftlinien seien unterschiedlich.

  3. Ich weiß noch, wie ich damals 2007 zu Claus Koch in Düsseldorf stieß und so beeindruckt war von dem Konzept und der “flat” Version des Logos, die man dort geschaffen hatte. Dann wurde es politisch und man kehrte mit neuer Markenagentur zur “Opel” Variante des Sterns zurück. Geschmäcker sind halt verschieden, Strategie hin oder her.

  4. Wie das Markenzeichen in der Beleuchtung zitiert wird, finde ich schrecklich. Da wird was auf Krampf rein gebastelt was formalästhetisch überhaupt nicht zum Rest passt. Vielleicht sollte man erstmal hier anfangen, wenn man über Hochwertigkeit nachdenkt.

  5. 20 Jahre später, 18 Jahre Umweg – und plötzlich ist die Vision von Claus Koch™ wieder gut genug. Damals entwickelt, dann verworfen – und jetzt wieder da. Design braucht manchmal Zeit. Oder einfach die richtigen Entscheider.

  6. Ist halt vorhersehbar.
    Ich finde immer komisch: mit vielen Worten wird bei solchen Änderung ein großes Konzept als Begründung angeführt. Aber ganz zufällig ist es halt komplett im allgemeinen Designtrend bei CD, alle Designs werden nach der selben Stanze überarbeitet. Aber ist natürlich trotzdem ein ganz einmaliges und kreatives Konzept. So wie beim nächsten Trend, usw.

    Letztlich ist CD nicht die Welt. Was Selbstzerstörung wäre das wäre die reale Formsprache in der realen Welt aufzugeben. Da hat der Stern bekanntlich nicht einen 3D “Effekt” sondern ist ein reales Designobjekt. Eines der weltweit ikonischsten überhaupt. Würde ein Designer vorschlagen darauf zu verzichten und eine Führung dem zustimmen dann würde ich als Aktionär gegen die Wertvernichtung rebellieren. Autokäufer überall auf der Welt wollen bewusst ein Auto mit dem großen silbernen Stern. In den letzten Jahren hatte Mercedes den meisten Erfolg mit sportlichen Modellen die den Stern sogar in Übergröße vorne zwischen den Scheinwerfern hatten. Am Ende des Tages ist das Unternehmen dazu da Autos zu verkaufen und Geld zu verdienen. Der Stern ist das vielleicht wichtigste Detail für die markenbewussten Kunden. Denn andere Hersteller bauen auch gute Autos, können aber nur deutlich niedrigere Preis am Markt durchsetzen als für “einen Mercedes”.

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