Menschlichkeit aus dem Prompt? Warum sich bei der noch jungen Marke BarmeniaGothaer die Frage der Glaubwürdigkeit stellt
Nach der Fusion von Barmenia und Gothaer präsentiert das Versicherungsunternehmen BarmeniaGothaer seine erste große Imagekampagne. In der DNA der noch jungen Marke ist „menschlich“ als zentraler Kernwert verankert. Die visuelle Welt der Kampagne besteht in weiten Teilen aus KI-generierten Inhalten. Wie bei derzeit keiner anderen Marke ist die Diskrepanz zwischen Markenversprechen und den im Rahmen der visuellen Umsetzung gewählten Mitteln so offensichtlich. Ein Kommentar. Und ein Appell für mehr Wahrhaftigkeit im Design.
Bereits zum Markteintritt im Oktober 2024 hatte BarmeniaGothaer auf der eigenen Website plakativ KI-generierte Inhalte eingesetzt. Anstelle von Menschen waren auf großformatigen Bildern Replikanten zu sehen (dt berichtete). Als KI-generiert gekennzeichnet waren die Bilder nicht.
Auch in der kürzlich aufgelegten Kampagne „Dein Leben ist voller Veränderungen“ setzt das Versicherungsunternehmen auf KI-generiertes Bild-/Videomaterial. Anders als noch beim ersten Mal wird nun innerhalb der Unternehmenskommunikation auf den Einsatz von KI hingewiesen. Gemäß Pressetext handelt es sich dabei um „ein hybrides Verfahren aus realem Fotoshooting und KI‑Einsatz“.
In dem 20-sekündigen Clip (Link auf YouTube) werden in Stop-Motion-ähnlicher Stilistik verschiedene Lebensabschnitte eines männlichen Protagonisten gezeigt. Mittels KI-generiertem Alterungseffekt entsteht dabei eine Illusion biografischer Kontinuität – diese soll beim Betrachter Vertrauen in die Marke stiften. Das damit verbundene Versprechen: Wir begleiten dich durch dein Leben.
Die Filmproduktion erfolgte, wie der offiziellen Pressemeldung zu entnehmen ist, durch Goodhouse Films unter Regisseur Joffrey Jans, die Fotoproduktion durch Robert Eikelpoth. Die Agentur Serviceplan München ist für Konzept und Umsetzung verantwortlich. Serviceplan München zeichnet auch für den im Herbst 2024 eingeführten Markenauftritt von BarmeniaGothaer verantwortlich.
„Menschlich – Partner ohne Wenn und Aber“ ist eine von drei Kernbotschaften von BarmeniaGothaer. Innerhalb der Herleitung des Markenlogos wird „menschlich – Der Mensch im Mittelpunkt“ als wichtiger inhaltlicher Referenzpunkt ausgewiesen. KI, genauer gesagt die Art, wie sie genutzt wird, steht damit im direkten Widerspruch zu dem vom Unternehmen artikulierten Versprechen. Menschlichkeit und künstliche Simulation – größer können Gegensätze kaum sein.
Es ist etwas anderes, ob KI dafür genutzt wird, Grafiken, Illustrationen oder Komposita zu erstellen, um so eine möglichst große Anzahl an Varianten bzw. um zusätzliche Ideen zu erhalten, oder ob mithilfe von KI zum Zwecke gezielter Wahrnehmungslenkung und Emotionalisierung Versprechen formuliert werden, die ein ganz bestimmtes Marken-Image erzeugen sollen. Ein Image, das womöglich nicht den Tatsachen entspricht. Allgemein gesprochen.
Bei Slogans wie „…verleiht Flügel“ und Werbebotschaften von Waschmittelherstellern wie „…riiiesige Strahlkraft“ oder „unübertroffen sauber und frisch“ weiß man als Konsument/Verbraucher/Kunde/Zielgruppe, dass sie metaphorisch gemeint beziehungsweise nur bedingt faktenbasiert sind. Wir wissen mittlerweile, dass die Aussage eine starke Übertreibung, eine Überhöhung der Realität darstellt.
„Weil du wichtig bist.“, der Marken-Claim von BarmeniaGothaer, ist hingegen arglistig, da man als Individuum direkt angesprochen wird und das Gefühl vermittelt bekommt, ernst genommen zu werden. Umso ernüchternder ist es dann, zu sehen, wie wenig diesem Eindruck in anderen Ebenen des kommunikativen Handelns entsprochen wird. Replikanten, die in die nicht vorhandene Kamera grinsend Menschsein und Menschlichkeit vortäuschen, prägen das Markengesicht von BarmeniaGothaer von Beginn an.
Ein Unternehmen, das Fairness und Verantwortungsbewusstsein beansprucht, Arbeiter auf Plantagen jedoch unzureichend bezahlt und diese ausbeutet, handelt in der gleichen Weise unmoralisch wie ein Unternehmen, das sich als menschlich bezeichnet, im kommunikativen Handeln jedoch in erster Linie synthetisch erzeugte Mittel nutzt. Wer, wie beispielsweise auch Starbucks, Menschlichkeit im Leitbild verankert hat und „grenzenlose Möglichkeiten der menschlichen Verbindung“ fördern möchte, muss auch konsequent danach handeln, an der Bedientheke, dem Empfang und der Kunden-Hotline ebenso wie in internen Meetings und Workshops mit Agenturen.
Auch wenn, so die Erklärung seitens BarmeniaGothaer, ein reales Fotoshooting der KI-Videoerstellung vorausgegangen ist, so ist das Produkt ein Ergebnis synthetischer Bilderzeugung. Ohne Bildsynthese wäre der Clip und die Storyline zwar auch bei entsprechend hohem Aufwand insbesondere im Bereich Maskenbild realisierbar, doch erst KI ermöglicht eine Umsetzung, die auch wirtschaftlich tragfähig ist.
„Ressourcenschonend“ nennt dies die Abteilung Strategie und Kundenmarketing der BarmeniaGothaer, offenkundig übersehend, dass für den Betrieb und das Training von KI-Modellen enorme Energiemengen verbraucht werden. Ein Aspekt, der in diesem Zusammenhang oftmals übersehen wird. Weltweit könnten KI-Systeme bis 2030 über 80 TWh/Jahr verbrauchen, vergleichbar mit dem gesamten Strombedarf der Niederlande (Quelle: Enviam Gruppe).
Energiehungrige generative KI als eine ressourcenschonende Lösung darzustellen ist Augenwischerei. Zwar wird eine konventionelle Methode (Filmtechnik, Crew, Set) aufgrund vor allem von Transport- und Materialkosten in aller Regel ressourcenintensiver als eine KI-Produktion sein. Würden für einen Spot hunderte Iterationen (Prompts) benötigt, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen, könnte der kumulierte Energieverbrauch der KI jedoch den eines kleinen, effizienten Drehs erreichen. Wenn zudem ein Markenbild aufgrund fehlender bzw. zu geringer Differenzierungsqualität nicht trägt und mittelfristig erneuert wird, bringt auch ein kurzfristig herbeigeführter Einsparungseffekt nichts. Auch hier gilt die Maxime: Wer billig kauft, kauft zweimal.
Manipulation, nachträgliche Bildretusche und die geschönte Inszenierung gibt es in der Werbung seit Jahrzehnten. Wer die Ansicht vertritt, wir müssten uns halt eben auch an neue Formen der Inszenierung und Manipulation gewöhnen, übersieht womöglich die mit KI-Technologien verbundenen bei weitem größeren Gefahren. An Desinformation, automatisierte Betrugsmaschinen, Machtkonzentration, Abbau von Arbeitsplätzen, Datenschutzrisiken, Urheberrechtsverletzungen, Identitätsmissbrauch und Deepfakes, um nur einige zu nennen, möchte ich mich nicht gewöhnen.
Was technisch machbar bzw. finanziell umsetzbar und was ethisch geboten ist, ist nicht erst seit ChatGPT, Claude und GoogleGemini ein Grundsatzthema. Als Gesellschaft stehen wir noch ganz am Anfang des Lernprozesses, was den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Technologien betrifft. Und für die Kreativbranche stellt sich diese Herausforderung in besonderem Maße. Was heißt verantwortungsvoll?

Wenn Menschlichkeit nach außen (im Übrigen auch nach innen) vermittelt werden soll, kann das Fundament des Markendesigns nicht synthetisch sein. Hier besteht ein performativer Widerspruch. Die Bedingungen schließen sich gegeneinander aus. So wie sich Nähe, Vertrauen und persönliche Beratung vor Ort nicht glaubwürdig als Leistungs- und Markenversprechen vertreten lassen, wenn im Kundenkontakt in erster Linie – oder ausschließlich – auf Online-KI-Assistenten gesetzt wird.
Was ein Unternehmen in der Werbung verspricht, muss es auch halten. Irreführende Werbeaussagen, unvollständige Preisangaben oder fehlende Transparenz können rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Grundlage hierfür ist das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG).
Auch die visuelle Umsetzung von Werbung und Markenkommunikation muss sich, wie ich meine, an jenem Anspruch messen lassen, den sie in Textform und im Leitbild formuliert. Doch im Fall BarmeniaGothaer untergraben die gewählten kommunikativen Mittel den selbstdefinierten Anspruch. Damit die Selbstbezeichnung „menschlich“ Geltung beanspruchen kann, bedarf es eines entsprechenden kommunikativen Handelns. Und dieses Handeln muss und sollte, da Marke ein ganzheitliches Konzept darstellt und nicht nur Design und Ästhetik umfasst, über alle Ebenen, Bereiche und Disziplinen hinweg konsistent sein.
Vor dem Hintergrund einer Verschiebung von Content zu Kontext ist entscheidend, und dieser Aspekt wird zukünftig aller Voraussicht nach eine noch größere Rolle spielen, WIE ein Produkt entsteht. Faktoren wie Produktionsbedingungen, Einhaltung sozialer und ökologischer Standards, Nachhaltigkeit und Lieferkette sind nicht nur für Produkte wie Lebensmittel und Kleidung bedeutsam, sie gelten auch für Leistungen, die im Rahmen von Corporate Design, Branding und Marketing entwickelt werden.
Konsumenten interessieren sich heutzutage stärker dafür, wie und unter welchen Rahmenbedingungen eine Sache entstanden ist. Was die große Beliebtheit von Workflow-Videos auf TikTok, Instagram und YouTube erklären mag. Menschen beschäftigen sich intensiv mit dem hinter einem Werk stehenden Schaffensprozess. Eine Entwicklung, die Hoffnung macht, wie der Motion Designer Vincent Schwenk im Interview im Grafikmagazin reflektiert. Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe 02/2026: Design und KI.
Im Kontext der digitalen Transformation, geprägt von KI, Social Media, ständiger Inszenierung und idealisierter Darstellung, sehnen sich viele Menschen nach Authentizität und Wahrhaftigkeit als Gegenpol zu manipulierbaren Inhalten. Dieses Interesse an Echtheit und Schaffensprozessen, an von Hand angefertigten Produkten gilt es für sich zu nutzen. Menschen lieben Geschichten. Doch wenn ein Mitarbeiter einen halben Tag lang mit bescheidenem Erfolg an einem einzelnen Bild herumprompt, entsteht in dieser Hinsicht rein gar nichts, kein interessanter Content, keine Geschichte, nichts Positives, das auf das Konto einer Marke einzahlen könnte.
Zurück zum Thema Transparenz. Unternehmen und Agenturen, die sich der damit verbundenen Verantwortung nicht bzw. noch nicht ausreichend stellen, werden im Umgang mit KI-Technologien womöglich schon bald die Konsequenzen spüren, auch da der regulatorische Druck von gesetzgebender Seite wächst. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter bestimmter KI-Systeme zu Transparenz gegenüber Nutzern, wenn synthetische Inhalte reale Personen oder Situationen imitieren. Der betreffende Auszug aus dem EU AI Act (in Kraft seit 2024, schrittweise anwendbar ab 2025/2026) lautet:
Neben den technischen Lösungen, die von den Anbietern von KI-Systemen eingesetzt werden, sollten Betreiber, die ein KI-System zum Erzeugen oder Manipulieren von Bild-, Audio- oder Videoinhalte verwenden, die wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen merklich ähneln und einer Person fälschlicherweise echt oder wahr erscheinen würden (Deepfakes), auch klar und deutlich offenlegen, dass die Inhalte künstlich erzeugt oder manipuliert wurden, indem sie die Ausgaben von KI entsprechend kennzeichnen und auf ihren künstlichen Ursprung hinweisen.
Als KI-generiert gekennzeichnet ist der BarmeniaGothaer-Spot weder auf YouTube (+6 Mio. Aufrufe) noch im Live-Stream im TV. Auf Instagram ist die betreffende Story hingegen mit dem Hinweis „teils KI-Inhalt“ gekennzeichnet. Innerhalb der Unternehmenskommunikation (B2B, Corporate, Presse) wird auf den KI-Einsatz ebenfalls hingewiesen, so auch auf Linkedin. Entscheidend ist jedoch, dass die Kennzeichnung unmittelbar im Zuge der Perzeption des Videos zu erfolgen hat, in jeder einzelnen Ausspielung. Es reicht nicht, innerhalb der Unternehmenskommunikation darauf einzugehen.
Von den vorwiegend negativen Kommentaren, die KI-Videos und -Bilder im Umfeld von Social Media oftmals nach sich ziehen, könnte zudem ein selbstregulierender Effekt ausgehen, wobei hierbei gleichermaßen externe und interne Kräfte und Dynamiken wirken. Es bedarf nicht erst eines Shitstorms, wie im Fall des peinlich-desaströsen Coca-Cola’s-AI-Christmas-Werbe-Trucks (2025), um einen Lerneffekt anzuregen. Auch ein Beitrag in einem Fachmedium wie diesem kann sensibilisierend wirken und den Diskurs weiter vorantreiben.
Um abschließend noch auf die Qualität und Bildästhetik des „Dein Leben ist voller Veränderungen“-Clips einzugehen. Meines Erachtens entspricht die gezeigte Bildsprache, trotz realer Vorlage, einem für KI typischen generischen, sterilen Look. Obendrein ist die Story stark klischeebehaftet, was freilich viele Werbespots gemein haben. Im Bemühen um Political Correctness und Vermittlung von Technologie-Zugewandtheit / Innovationsoffenheit bleiben ein eigener Stil, Unverwechselbarkeit und die Wärme echter Fotografie auf der Strecke.
Nebenbei gesagt könnte das BarmeniaGothaer-Markenlogo („Sparkle“, siehe Abb. oben) auch gut als visueller Markenabsender eines KI-Modells dienen. Mittlerweile fungiert die Sparkle-Symbolik als universelles Erkennungszeichen für KI-Funktionalität. Mit einer in dieser Weise konnotierten und besetzten Symbolik Schutz, Absicherung, Nähe, gar menschliche Fürsorge als Marke vermitteln zu wollen, ist mit zunehmender Bedeutung von KI maximal herausfordernd, wenn nicht aussichtslos.
Resümee
Die Bildästhetik des Clips ist letztlich nebensächlich, ebenso meine persönlichen Ansichten hierzu. Es geht um die Frage, zu welchen Zwecken KI eingesetzt werden kann, darf und sollte. Grundfragen wie diese gehören insbesondere in der Kreativbranche ausdiskutiert. Diese gilt es zu verhandeln. Wo ist die Baseline, wo die Grenze.
Dass ein großes Unternehmen KI zum Bestandteil der Kreation erklärt, ist für sich genommen keine Meldung. Künstliche Intelligenz ist im Arbeitsalltag von Millionen Menschen angekommen und wird somit auch innerhalb kreativer Schaffensprozesse ganz selbstverständlich eingesetzt.
Wenn hingegen ein Versicherungsunternehmen mit 8 Millionen Kunden menschliche Expertise, persönliche Beratung und professionellen Rat in allen Lebensphasen verspricht, allerdings innerhalb der Kommunikation synthetisch erzeugte Lebensbilder zeigt und KI-Produktion/-Kreation zum Standard erklärt, ist dies nicht pikant, es stellt ein ethisches Problem dar und betrifft eben jene Grundfragen. Wenn infolgedessen die Wertschätzung menschlicher Arbeit sinkt und schöpferische Kreativtätigkeiten wegrationalisiert werden, dann sollte dies innerhalb der Branche als Signal verstanden werden.
Quellen
- Pressemitteilung: Beratung und Expertise im Mittelpunkt: BarmeniaGothaer startet Image Werbekampagnen für Privatkund*innen und KMU
- YouTube – Kampagnenspot „Dein Leben ist voller Veränderungen”
- Enviam Gruppe – Stromverbrauch KI
- EUR-Lex – EU AI Act (Verordnung 2024/1689)
- Instagram – BarmeniaGothaer Story
- LinkedIn – BarmeniaGothaer Kampagnenpost
- The Drum – Coca-Cola AI Christmas Ad
- Grafikmagazin
Interne Verlinkungen
- BarmeniaGothaer – nach Fusion mit neuem Markenauftritt
- Ist die Open-Source-Kampagne der Berliner Zeitung ethisch vertretbar?
- Logoabsender von KI-Modellen / Sparkle-Symbolik
Mediengalerie
- Barmenia Gothaer – Dein Leben ist voller Veränderung, Quelle: barmeniagothaer.de
- BarmeniaGothaer Imagekampagne „Das Leben ist voller Verönderungen“, Quelle: BarmeniaGothaer, YouTube
- BarmeniaGothaer Imagekampagne „Das Leben ist voller Verönderungen“, Quelle: BarmeniaGothaer, YouTube
- BarmeniaGothaer Imagekampagne „Das Leben ist voller Verönderungen“, Quelle: BarmeniaGothaer, YouTube
- BarmeniaGothaer Imagekampagne „Das Leben ist voller Verönderungen“, Quelle: BarmeniaGothaer, YouTube
- Barmenia Gothaer – Dein Leben ist voller Veränderung, Quelle: barmeniagothaer.de
- Sparkle Logos und Icons 1. Reihe von links nach rechts: Claude, GoogleGemini, Sourcegraph 2. Reihe: Chatgpt (Promotion-Icon), Sparkle-Emoji, Meta AI Business Assistant

















Zum Sparkle, besonders der Herleitung des “menschlichen” Aspekts, wollte ich – wie schon im Ursprungsbeitrag kommentiert — nochmal erwähnen, dass mich das extrem an das Logo der Targo-Bank erinnert (wenngleich die Targo-Versicherung, die so ja gar nicht mehr heißt/exisitiert, es nicht in der Form genutzt hat).
Logo Targo-Bank:
*Targo-Versicherung (ehem.):
Ich finde die »Verkörperung« der Markenwerte im Logo so typisch Werbeagentur. Niemand wird diese drei Formen im endgültigen Logo wieder erkennen. Vielleicht noch den komplett abgedroschenen zukunftsweisenden Pfeil, auch wenn dieser ja eher in die Mitte des Logos zeigt und nicht darüber hinaus.
Das ist in der Tat ein interessanter Gedanke, dass ein KI-Einsatz in Wirklichkeit gar nicht günstiger ist, wenn man den Energiebedarf mitbedenkt. Erinnert mich an die oft herausgekramte Formel, dass mehr Arbeitszeit mehr Arbeitsleistung bedeutet, was aber dann doch in vielen Berufsfeldern nachweislich nicht gilt.
Diese Formeln werden leider zu reaktionär eingesetzt.
Ich sehe da noch miese Spielchen auf uns zukommen: Wie klein kann man das Kleingedruckte “KI-generiert” denn drucken; wie kurz kann man die Einblendung halten; wieweit kann man noch sagen “naa, wir waren da schon draußen für, wir haben da NICHT NUR KI verwendet!”?
Leider muss ich sagen, dass ich die Kritik an einer Marke, die KI-Inhalte zu Werbezwecken verwendet, ähnlich auch bei Marken anwenden muss, die ausufernd Stock-Material verwenden – Kennzeichnung hin oder her.
Viele Websites sind extrem zugekleistert mit unspezifisch und völlig übertrieben glücklich gehaltenen Fotos, die nur stören statt hilfreich oder dekorativ zu sein. Ich brauch’ einfach keine schreiend jubelnden Menschen auf einem Berg, wenn ich mich über Privathaftpflichtversicherungen informieren will. Und ernstgenommen fühle ich mich da als potenzieller Kunde auch nicht. Da macht es für meine innere Ablehung auch keinen Unterschied mehr, ob “iStock” oder “KI-generiert” drunter steht.
Auf jeden Fall ein sehr schöner Beitrag hier im dt!
Da pflichte ich dir bei. Die gloreichen Zeiten echter Auftragsarbeiten von Foto- und Videografen für eine Werbekampagne sind doch gefühlt längst vorbei bzw. nur noch sehr selten. Seit etlichen Jahren werden Websites, Broschüren und Werbeanzeigen/-spots –ja sogar News und Stories– mit random Stock-Bildern drangsaliert.
Da bin ich geneigt zu behaupten, das KI-generiertes Material ein positiven Aspekt haben kann, wenn es clever erstellt ist und auch ein echter Bezug zur Werbebotschaft hergestellt wird.
Hier gilt natürlich auch das Mantra, dass KI ein Werkzeug für Profis sein sollte bzw. nur in den Händen jener auch fernünfitge Ergebnisse produziert werden können.
Wenn die Idee und das Konzept der Kampagne schon nicht stimmt und dilettantische Promts durch die KI gejagt werden, wird man wohl noch fürchterliche Ergebnisse erhalten als “nur” unpassende Stock-Fotos.
Vielen Dank, Achim, für die umfangreiche Analyse!
Wenn Du von Manipulation, nachträglicher Bildretusche und geschönter Inszenierung schreibst, die es seit Jahrzehnten in der Werbung gebe, zeigt dies, dass wir die Fotografie lange selbstverständlich als das vorherrschende Medium betrachtet haben.
Blicken wir weiter zurück, stoßen wir auf das Zeitalter der Lithografie mit Henri de Toulouse-Lautrec als dem wohl bekanntesten Künstler und Werbegrafiker, der sich dieser Technik bediente. Ein wesentlicher Unterschied von dessen Plakaten gegenüber fotografisch produzierter Werbung liegt darin, dass der handwerkliche Charakter deutlich erkennbar ist. Auch bei den lithografischen Motiven, die realistischer und weniger stilisiert erscheinen, ist dies der Fall. Doch schaffen diese oftmals eine Atmosphäre, die uns in eine reale Welt eintauchen lässt, die tatsächlich nicht existiert, da sie von einem Grafiker erdacht wurde. Zeitgemäß ausgedrückt ist sie also ein Fake.
Hier sehe ich eine Parallele zu KI-generierten Bildern. Deren Unterscheidungsmerkmal gegenüber der historischen Werbung ist folglich nicht die Vorspiegelung vermeintlich echten Lebens, sondern die fehlende Ehrlichkeit dabei. Mein Fazit ist daher, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz dann akzeptabel ist, wenn sie sich explizit zu erkennen gibt.
ver-rückt – wie bereits die ‘Sparkle’
Bildmarke mit weniger Sein als
Legende im Schein.
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eine Selbstverpflichtung des GWA
und der Berufsverbände zum nach-
haltigen Einsatz von KI (zgl. unter
realen Beschäftigungsgarantien)
wäre sicher mehr als wünschens-
wert – statt LLM-Disneyland+ und
Hyper-Realitäten per Flatrate.
Ich kann Achims Ansatz schon verstehen. Wenn eine Marke „Der Mensch im Mittelpunkt“ sagt und dann mit KI-generierten Bildern arbeitet, wirkt das auf den ersten Blick bigott. Gerade bei einer Versicherung, die Vertrauen, Nähe und persönliche Begleitung verspricht, liegt die Frage nach Glaubwürdigkeit natürlich nahe. Aber genau da beginnt für mich die eigentliche Diskussion:
Warum setzen wir eigentlich voraus, dass „echte“ Fotografie automatisch wahrhaftiger ist?
Werbung zeigt seit jeher keine Realität, sondern inszenierte diese. Menschen werden gecastet, gestylt, beleuchtet, retuschiert und in Situationen gebracht, die mit ihrem tatsächlichen Leben oft wenig zu tun haben.
Ob ein echter Mensch so lange arrangiert wird, bis er zur gewünschten Botschaft passt, oder ob ein synthetisch erweitertes Bild diese Rolle übernimmt, ist für mich zunächst kein grundsätzlicher Unterschied in der Glaubwürdigkeit. Entscheidend ist eher, ob die Marke ihre Aussage im tatsächlichen Handeln einlöst und nicht, ob das Bildmaterial vollständig biologisch entstanden ist.
Auch „Der Mensch im Mittelpunkt“ wird durch KI-Bilder nicht automatisch widerlegt. Bei einer Versicherung kann damit sehr wohl gemeint sein, dass Leistungen, Beratung, Schadenregulierung oder Kundenerfahrung auf den Menschen ausgerichtet sind. Dass die Werbebilder teilweise synthetisch entstehen, sagt darüber erst einmal wenig aus. Am Ende ist es auch nur ein Claim.
Die Debatte wirkt an manchen Stellen wie ein Reflex einer Branche, die spürt, dass sich ihr Werkzeugkasten verändert. Natürlich braucht es weiterhin Konzept, Bildgefühl, Dramaturgie, Haltung und Qualitätskontrolle. Ein gutes KI-Bild fällt nicht einfach vom Himmel, nur weil jemand „menschlich, emotional, authentisch“ als Promt schreibt.
Vielleicht verliert klassische Fotografie in manchen Bereichen tatsächlich ihren Status als naheliegende Standardlösung. Trotzdem wird es weiter Situationen geben, in denen echte Fotografie, echte Menschen und echte Orte die bessere Wahl sind. Nur ist das dann eine gestalterische Entscheidung – keine moralische Grundsatzfrage.
Bei der Klimabilanz wird mir oft zu selektiv argumentiert. Natürlich verbraucht KI Energie, und das sollte man nicht kleinreden. Aber wer den weltweiten Stromverbrauch von KI-Infrastruktur gegen ein einzelnes lokales Shooting hält, vergleicht Äpfel mit Birnen. Ein fairer Vergleich müsste konkrete Produktionswege gegenüberstellen: KI-Motiv gegen reales Shooting und das jeweils inklusive Iterationen, Reisen, Teams, Technik, Locations, Licht, Retusche und Postproduktion. Sonst wirkt das weniger wie Klimasorge als wie ein Argument, das gerade gut zur eigenen Position passt.
Was mir in der KI-Bild-Debatte fehlt, ist ein bisschen Verhältnismäßigkeit. Niemand verlangt bei klassischer Werbefotografie den Hinweis: „Diese Szene ist gestellt, diese Person gecastet, dieses Lächeln angewiesen, diese Haut retuschiert.“ Bei KI hingegen soll plötzlich permanent kenntlich gemacht werden, dass etwas nicht „echt“ sei. Dabei war Werbung doch nochnie echt.
Im Text wird keineswegs der weltweite Stromverbrauch von KI-Infrastruktur „gegen ein einzelnes lokales Shooting gestellt“, wie Du schreibst Gary.
Ich danke Dir für Deinen Kommentar.
Vielmehr wird im Text auf die pauschale Aussage, Bildgenerierung mittels KI sei ressourcenschonend näher eingegangen. Nur weil das Energieaufkommen der Nutzung von KI in Zusammenhang und in ein Verhältnis gebracht werden, stellt dies noch kein Vergleich dar. Ohne Wertung meinerseits schreibe ich lediglich, dass eine Produktion nach klassischer Machart in aller Regel ressourcenintensiver ist als eine KI-Produktion.
Ich rege in dem Text zudem nicht explizit an, möglichst energiearme und umweltschonende Lösungswege zu verfolgen. Ein solches Vorgehen darf man heutzutage schon voraussetzen, denke ich. Deshalb ist die unterstellte Klimasorge ein Fehlschluss.
Selbst für den unrealistischen Fall, dass KI-Bildgenerierung keinerlei Energieressourcen beansprucht, so bliebe dennoch, da sich der Text mit der Frage auseinandersetzt, inwieweit sich Menschlichkeit durch Synthese adäquat abbilden lässt, das Problem bestehen. Denn mein Hauptargument ist nicht, im Rahmen der Kreation (von Markendesigns) möglichst wenig Energie zu verbrauchen –natürlich darf und sollte dieser Aspekt generell mitgedacht werden –, sondern bei der Kreation verantwortungsvoll mit KI umzugehen.
Wenn Du schreibst, „Werbung war doch noch nie echt“, dann sei folgendes hierzu erwähnt:
Bilder auf Verpackungen von Lebensmitteln müssen den tatsächlichen Inhalt realistisch widerspiegeln. Auch hier gelten gesetzliche Bestimmungen, im konkreten Fall wird dies über die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) geregelt. Verpackungen dürfen Verbraucher nicht täuschen. Wenn auf der Packung Dinge zu sehen sind, die nicht enthalten sind (z. B. Basilikumblätter auf einer Tiefkühlpizza), braucht es in Deutschland den Hinweis „Serviervorschlag“.
Dass in der Werbung niemand verlangen würde, unechte Inhalte zu kennzeichnen, während dies „plötzlich“ bei KI-Inhalten gefordert werde, entspricht also nicht den Tatsachen. Eben weil unrealistische Werbeaussagen in anderen Kontexten bereits seit langem sanktioniert werden, geschieht dies nun auch mit KI-generierten Inhalten. Nach langjährigem, zähem Ringen in Brüssel.
Ein wesentlicher Punkt scheint mir zudem übersehen zu werden: Innerhalb der Werbung wird Realität seit jeher stark stilisiert und überzeichnet, siehe Werbung versus Realität. Das wissen wir. Anhand von Merkmalen wie der Farbe (lila Milka-Kuh), dem generellen Äußeren wie auch anhand des Themas, der Geschichte und der Marke selbst erkennen wir, dass das Gezeigte nicht echt ist. Bei Sportwetten- und Kryptohandel-Anbietern ist der Anteil an CGI- und nun auch KI-generierten Inhalten auch für Laien leicht zu erkennen. So wie beispielsweise beim aktuellen Werbespot von Indeed klar ist – übrigens ebenfalls von Serviceplan kreiert –, dass die gezeigte Szene nicht real ist und mit der Burgerstürmung eine metaphorische Ebene gemeint ist. Anhand all dieser Merkmale und Faktoren ist für uns ersichtlich, dass das Gezeigte fiktiv sein muss respektive unecht/unwahr ist.
Im konkreten Fall jedoch wird über die Inszenierung der Eindruck von Realität und Wahrheit vermittelt. Eine „Vorspiegelung vermeintlich echten Lebens“, wie es Stefan weiter oben schreibt. Es entsteht ein Trugbild. „Fake“ lautet deshalb auch in der Kommentarspalte zum BarmeniaGothaer-Clip auf YouTube das Urteil.
Danke für Deine ausführliche Antwort, Achim.
Den Punkt zur Klimabilanz nehme ich an: Meine Formulierung, der weltweite Stromverbrauch von KI-Infrastruktur werde gegen ein einzelnes lokales Shooting gestellt, war überspitzt. Ich habe Deine Kritik an der implizierten Aussage von BarmeniaGothar „KI = ressourcenschonend“ mit dem genannten Vergleichswert zu stark vermengt. Das war nicht so sauber formuliert.
Beim Punkt „Werbung war noch nie echt“ glaube ich allerdings, dass wir etwas aneinander vorbeireden. Ich meinte damit nicht, dass Werbung beliebig täuschen darf. Mir ging es um die Inszenierungsebene klassischer Werbebilder: Menschen auf Plakaten, in Spots oder Kampagnen sind gecastet, gestylt, angeleuchtet, angeleitet, retuschiert und in ideale Situationen gesetzt. Die lächelnde Person mit Coladose ist kein dokumentarischer Ausschnitt aus dem echten Leben.
Der Vergleich mit Lebensmittelverpackungen ist aus meiner Sicht daher nur bedingt passend. Dort geht es um konkrete Produkteigenschaften und mögliche Verbrauchertäuschung: Ist etwas enthalten oder nicht? Wird ein Bestandteil suggeriert, den es am Ende nicht gibt? Bei einer Imagekampagne mit Menschenbildern ist die Frage anders gelagert. Dort geht es eher darum, ob eine Stimmung, Haltung oder Markenbotschaft glaubwürdig inszeniert wird.
Genau deshalb würde ich den Bruch nicht allein an KI festmachen. Auch fotografische Werbung kann eine vermeintlich echte Lebenssituation vorspiegeln. Der Unterschied liegt für mich weniger darin, ob ein Bild fotografiert oder generativ erzeugt wurde, sondern darin, ob es eine konkrete Realität oder Leistung behauptet, die so nicht existiert.
Im konkreten Fall sehe ich nicht, dass BarmeniaGothaer etwas grundsätzlich Unrealistisches oder Unmögliches inszeniert hätte. Würden KI-Bilder Situationen zeigen, die faktisch nicht möglich sind, Leistungen überhöhen oder eine Realität behaupten die so nicht existieren kann, würde ich die Kritik deutlich stärker teilen.
Für mich entsteht Glaubwürdigkeit daher weniger durch das verwendete Medium als durch Stimmigkeit: Passen Marke, Botschaft, Bildsprache, Produkt und tatsächliches Handeln zusammen? KI ist für mich nicht per se unglaubwürdig aber muss zur Aussage passen.
Aber genau das macht ja den Reiz verschiedener Sichtweisen und einem Austausch aus :-) .
Der Verweis auf die Lebensmittelverpackungen – im übrigen ist dies ebenfalls kein Vergleich im engeren Sinne – dient dazu die in Deinem Argument implizierte Relativierung – bei klassischer Werbefotografie bedürfe es schließlich auch keiner Kennzeichnung, wozu also eine bei KI-Inhalten? – zu entkräften. Natürlich sind Kontext und Ausgangssituation hier verschieden.
Nehmen wir die Formel „Glaubwürdigkeit entsteht durch Stimmigkeit“. Wir vertreten beide offenbar die Auffassung, dass „Glaubwürdigkeit“ an eine Bedingung geknüpft ist. So wie jede Eigenschaft einer entsprechenden Bestätigung bedarf. Ein Mensch, der für sich Glaubwürdigkeit beansprucht, jedoch nachgewiesenermaßen oft Lügen verbreitet hat, wird Schwierigkeiten haben, als glaubwürdig angesehen zu werden. Das Handeln ist der entscheidende Faktor für die Validierung von Glaubwürdigkeit. Ohne eine konsequente Umsetzung der eigenen Prinzipien in die Praxis bliebe Glaubwürdigkeit eine rein rhetorische Behauptung ohne Fundament.
Und so kann „Menschlichkeit“ auch nur dann Geltung erlangen, wenn dieser Bedingung durch Handeln entsprochen wird. Es geht nicht allein darum, ob Mitarbeiter von BarmeniaGothaer im direkten Kundenkontakt nach menschlichen Maßstäben handeln. Ich würde unterstellen, dass sie dies tun. Ich selbst bin langjähriger Kunde der Barmenia Versicherung. Handeln schließt, und hier sehe ich den Unterschied in unseren Positionen, jede Form kommunikativen Handelns mit ein. Somit selbstverständlich auch die Markenkommunikation. Die Markenkommunikation von BarmeniaGothaer war von Anfang an unstimmig in dieser Hinsicht, inkonsistent.
KI-generierte Bilder, auch Bilder, die via CGI-Technik erstellt werden, zeigen fortwährend Situationen, die faktisch nicht möglich sind. Dies ist doch gar nicht der springende Punkt!
Wie bereits geschrieben sind wir oftmals in der Lage zu erkennen, dass das Gezeigte nicht faktenbasiert ist und nicht die Realität abbildet. In vielen Anwendungsfällen und Kontexten, z.B. Si-Fi-Filmen- und Serien, gilt das Prinzip der Offensichtlichkeit.
Doch im konkreten Fall sind die Merkmale nicht offensichtlich. Im Clip ist keine fantastisch wirkende Szenerie dargestellt. Der Clip suggeriert Realität auf Grundlage von synthetischen Bildern. Dargestellt sind keine Menschen, sondern synthetisch erzeugte Abbilder von Menschen: Replikanten.
Dass eine solche Bildaussage ein ethisches Problem darstellt, ist auch dem Deutschen Presserat bewusst. Würden die im BarmeniaGothaer-Clip darstellten Abbilder von Menschen im journalistischen Kontext verwendet werden, müssten diese (nach meinem Verständnis) gemäß Pressekodex als computergeneriert gekennzeichnet werden. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff Symbolbild verwendet.
Verantwortungsvoll handelnde Verlage und Redaktionen kennzeichnen Bilder und Videos dementsprechend.
Bevor jetzt wieder behauptet wird, ich würde Äpfel mit Birnen vergleichen, sei gesagt: selbstverständlich ist Werbung etwas anderes als journalistische Berichterstattung. Auch dieser Verweis dient dazu, aufzuzeigen, dass gesellschaftlich akzeptierte Normen seit langem bestehen, dass diese auch angewandt werden, wenn es darum geht, computergenerierte Bilder als solche kenntlich zu machen.
Im Kontext Architektur sind Begriffe wie „Visualisierung“,„3D-Animation“ oder „Computergeneriertes Bild“ seit jeher gebräuchlich.
In einem Werbespot eines Waschmaschinenherstellers (Dream, P5) ist, wie ich gestern zufällig bemerkt habe, bei einer Animation der Hinweis „Simulation einer Handwäsche“ enthalten.
Die AOK versieht großformatige Bilder lobenswerterweise mit Quellenangaben (siehe Screenshot).
Es geht um Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
Verantwortungsvoll handelnde Unternehmen machen den Ursprung kenntlich, und sie machen Computereinsatz transparent, wenn bei einem Bild oder einem Video der Eindruck entstehen kann, es zeige die Realität. Auch der „Dein Leben ist voller Veränderungen“-Clip simuliert lediglich Realität. Der Umstand, dass das Gezeigte nah an der Lebenswelt vieler Menschen liegt, ändert daran nichts. Eben darin besteht das ethische Problem.
Ich möchte mich bei Dir, lieber Gary, für den konstruktiven Austausch bedanken.
Ich möchte dir insofern widersprechen, als dass (jedenfalls in der Werbebranche) der Unterschied zwischen künstlicher Modell-Fotografie und künstlich erstellter KI Inhalte zum Ergebnis hin nicht allzu groß ist. In beiden Fällen kommt eine künstlicher, übertrieben hübsch und perfekt dargestellte Bildwelt heraus, auch wenn Rezept, Aufwand und – wie du richtig sagst – auch die Qualität stark anders sein können.
Ob das zu sehende Modell in dem Youtube Video nun ein KI-erdachter Mensch oder ein professionelles Fotomodell ist macht für mich keinen Unterschied; in beiden Fällen ist es eben nicht das, was es augenscheinlich sein soll: Ein zufriedener Versicherungskunde. Und das wissen wir eigentlich auch seit 50 Jahren.
Stimmt soweit, das betrifft auch “echte” Auftragsarbeit vs. Stockfotos. Sieht man hier in den Kommentaren ja wieder. Da werden Stockfotos abfällig und als etwas minderwertiges bezeichnet und “echte” Auftragsarbeit ist dagegen viel besser. Dabei wird beides professionell erstellt und gezielt inszeniert. Der Unterschied ist nur, dass die “echte” Auftragsarbeit nur 1x verwendet wird und nicht bei verschiedenen Firmen zu sehen ist. Das Ergebnis ist aber in der Regel das gleiche. Otto Normal würde genauso wie bei KI-Fotos ja auch gar nicht wissen ob neben Barmenia auch noch irgendne Mittelstands Industriefirma das gleiche Bild auf der Website zeigt, um zufriedene Kunden, Menschlichkeit und Nähe zu demonstrieren.
Zumal ja mittlerweile in den Socials eh schon alles als KI abgestempelt wird, auch wenn es in Wirklichkeit noch konventionell erstellt wurde.
Es gibt mehr Unterschiede zwischen “echter Auftragsarbeit” und Stockfotos/KI.
Es bleibt ein Gefühl, wie viel die Firma bereit ist, in den Kunden und in das Produkt für den Kunden zu investieren. Wer schon beim “Neue finden” nicht bereit ist, viele Ressourcen einzuplanen, wird auch beim “Neue binden” nicht viel investieren.
Die Art der Aufmachung von Werbung und Außenwirkung gibt wieder, wie das Verständnis der Marke in Bezug auf den Kunden ist. Sind es “nur Idioten, die man billig verführen und abspeisen kann” oder sind es “wertgeschätzte, kluge und hinterfragende Personen, denen man was bieten muss”.
Jeder KI-Callcenter-Agent, den man ans Telefon kriegt, sagt einem doch: “Geb’ uns dein Geld, aber geh uns nicht auf die Nerven!” Auch, wenn er noch so schwülstig redet. Ein echter Mensch im Call erzeugt direkt eine andere Atmosphäre.
Der Output mag ähnlich sein*, doch die Wege dorthin sind grundverschieden!
Eben darin liegt die Krux. Denn insbesondere als Nicht-Designer/Laie ist man vielleicht geneigt zu sagen: für für mich schaut das gleich aus. Doch: Substanz und Beschaffenheit verlieren dadurch an Bedeutung.
Eine Keramik, die in einem aufwendigen Prozess von Hand als Unikat hergestellt wird, mag sich rein äußerlich kaum von einer Keramik unterscheiden, die das Ergebnis maschineller Serienproduktion ist. Doch der Unterschied ist immanent und er ist immens.
Auf welche Art und Weise – WIE – das Ergebnis erreicht wird, ist ebenso bedeutend wie das Ergebnis selbst, mindestens. In vielen Fällen ist der Weg bedeutsamer. Ein Umstand, der in unserer Sprache in der Redensart „Der Weg ist das Ziel“ zum Ausdruck kommt. Im Kontext Marke und Design ist nach meinem Verständnis beides wichtig, das Ergebnis und der Weg dorthin.
* Tatsächlich unterscheidet sich der Output auch in diesem Fall deutlich von der Qualität konventionell hergestellter Filme. Zumindest sind die Unterschiede für Fachleute zu erkennen.
Genau dieser Umstand hat mich zu meiner These gebracht. Ich bin davon Überzeugt, dass der “Weg” den Großteil der Endkunden nicht interessiert. Zumal es sich ja nichtmal direkt auf das Produkt auswirkt. Aber selbst dann bestellen die Leute China-Schrott auf Temu und kaufen Fastfashion bei H&M. Solange das Produkt aussieht wie das hochwertige Apple Kabel oder die begehrte Gucci Handtasche passt das.
Viele Menschen interessieren sich sehr wohl dafür, wie ein Produkt hergestellt wird. Allerdings befinden sich sehr viele Menschen gar nicht in einer Position, die es ihnen gestatten würde, zwischen einem
a) hochwertigen, handgearbeiteten Produkt, hergestellt nach ethischen, ökologischen und sozialen Standards/Prinzipien
und einem
b) minderwertigen Produkt, hergestellt unter Zeitdruck in Massenfertigung, ohne dass dabei die in a genannten Standards/Prinzipien berücksichtigt worden sind
frei zu entscheiden.
Es ist weniger eine Frage von Interesse, als vielmehr die des finanziellen Spielraums. Vor die Wahl gestellt, bei angenommenen gleichen Preis, greifen Konsumenten zu Produkt a, auch deshalb, da der Kauf einen moralischen Mehrwert bietet; in der Forschung wird dieser moralische Mehrwert im Konsumkontext als „Warm Glow“-Effekt* bezeichnet.
Anhand der Massentierhaltung lässt sich gut ablesen, wie ich meine, wie sich die Entkoppelung von Produkt und Herstellung in den letzten Jahren umgekehrt hat. Produkt und Herstellung werden zunehmend als zusammengehörig wahrgenommen. Der Rückgang von Fleischkonsum bei gleichzeitigem Rekordumsatz (2025) von Bio-Lebensmitteln ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich viele respektive immer mehr Menschen gezielt damit auseinandersetzen, wie etwas produziert ist.
* James Andreoni, „Giving with Impure Altruism: Applications to Charity and Ricardian Equivalence“ (1989)
Spannend. Wünschenswert wäre dieser Trend.
Handgemachte Keramik wird aber auch anders verkauft/vermarktet. Eine Firma, die was von persönlich und menschlich erzählt, wenn dann nur Maschinenmassenware produziert wird, würde genauso unglaubwürdig angesehen wie die KI-Menschlichkeit hier.
Ein Thema, das auch mich umtreibt, da ich als Kreativdirektor bei einer Versicherung arbeite. WIr haben keine großen Budgets und keine endlosen Ressourcen, dennoch vertrete ich hier die Meinung, dass wir KI nicht für Personenbilder einsetzen werden. Zur Darstellung von Schadenfällen oder ähnlichem bin ich dem Einsatz gegenüber offen, sobald es aber um Personen und Emotionen geht, um Nahbarkeit und Zugänglichkeit, müssen echte Menschen dies auch darstellen.
In der Versicherungswelt geht der Umgang mit KI scheinbar weit auseinander. Die Schleswiger Versicherung hat seit kurzem ein eigenes Instagram-Profil, das sie mit einem KI-Model bestückt – ein sehr klischeehaftes Model), während die Haftpflichtkasse so weit geht, dass sie (eigener Aussage nach) für ihre Shooting nur eigene Mitarbeitende einsetzt.
Gerade im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen geht es um Vertrauen, Empathie, Menschlichkeit und Nahbarkeit. In meinen Augen bewirkt der Einsatz von KI – wie in diesem Fall bei der BarmeniaGothaer – das Gegenteil.
Vielen Dank für diese kritische und gewissenhafte Analyse Achim!