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Mein wunderbares Ich – Alltag in Second Life

Second Life

Erschreckend und gleichzeitig faszinierend, wie fernab der realen Welt einige Menschen sich selbst begreifen. In der kürzlich ausgestrahlten Reportage von Susanne Jäger wurden viele meiner Vermutungen und Befürchtungen bestätigt. Second Life – die inszenierte Flucht aus dem Alltag.

Der Rummel um Second Life erschien mir schon immer befremdlich und nicht nachvollziehbar. Die Faszination der grobpixeligen Welt der Avatare bleibt mir weiterhin verborgen. Erst recht nachdem ich die Reportage gesehen habe. Vor 6 Monaten, als der Hype am größten war, habe ich mich einmal angemeldet und mir einen “skin” verpasst. Vermutlich ging es Vielen wie mir. Nach 30 Minuten war meine Neugierde gestillt.

Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund Geld in ein Projekt zu investieren, dass sich nicht mehr lange aufrecht erhalten kann. Second Life könnte schon bald in der gleichen Schmuddelecke stecken, wie die “Ruf mich an”-TV-Spots zu nächtlicher Stunde. Das Image ist jedenfalls jetzt schon alles andere als traumhaft. Wer sich als Unternehmen in der künstlich geschaffenen Traumwelt engagiert, in welcher Form auch immer, sollte vielleicht seine Zielgruppe kennen.

Ich denke dies wird der erste und einzige Beitrag zum Thema Second Life von mir sein. Oder weiß jemand einen Grund, warum man mehr dazu schreiben sollte?

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 26 Kommentare

  1. Frank, es gibt eine Menge “Kinderkrankheiten”, die von der technischen Stabilität bis zur fehlenden Unabhängigkeit von Protokollen etc. reichen. Der Vergleich von SL mit dem Internet hinkt daher sicherlich.

    Als reale, grundsätzlich funktionierende Spielwiese zum Lernen, was morgen möglich sein wird, und zum Teil auch heute schon in SL möglich ist, eignet es sich nichtsdestotrotz mehr als andere, völlig geschlossene (kein UGC, keine Skriptsprache…) aktuell verfügbare Metaverses. SL ist insofern mehr wie Compuserve, aber immerhin real und verfügbar.

    Der Hype wie auch der Gegenhype sind halt Hypes, nicht mehr, nicht weniger. Zumindest in dem Punkt scheinen wir einer Meinung zu sein. ;)

  2. Ich gebe Dir insofern recht, als dass SL als “grundsätzlich funktionierende Spielwiese zum Lernen” durchaus seine Berechtigung hat.Das Problem ist nur, wenn Agenturen ihren Kunden das eben nicht genau so verkaufen sondern als absolutes “Must-have” und als Stein der Marketing-Weisen.

    Bzw. Unternehmen von selber glauben, sie müssten jetzt schon aufspringen (wahrscheinlich im Glauben, das letzte Mal zu lange gewartet zu haben, als ihnen gesagt wurde, sich doch auch mal ne Webseite zuzulegen).

  3. Frank, ich denke, dass das ein grundsätzliches Problem ist und nicht nur SL betrifft. Viele Agenturen haben kein substanzielles, vor allem: kein wirklich abgrenzbares Geschäftsmodell. Sie müssen jedem Hype folgen, da sie selbst keine relevanten, aufmerksamkeitsstarken “Ideen”, “Trends”, “News” – oder wie auch immer Du es nennen möchtest – erzeugen. – Und richtig: SL wurde tatsächlich besonders stark ausgeschlachtet. Letztendlich muss aber jedes Unternehmen selbst werten und entscheiden. Fehler gehören dazu und fördern die allgemeine Entwicklung.

  4. Wirklich befremdlich fand ich es allerdings, daß man in dieser Scheinwelt in der es ja vorangig nur um Äußerlichkeit, Sex und Geld geht – häßlich und ohne Geschlechtsorgane, bzw bettelarm hineingeboren wird. Alles was man zum erfolgreichen Leben dort braucht muß man sich dann kaufen – mit Lindendollor oder auch mit echten Dollars. Das ist eigentlich auch der hauptsächliche Spielinhalt und dieser wirkt schon selbsterklärend und gibt einen Einblick in die Absichten der Macher von SL. Second Life? Ein solches Leben und wenn es auch nur das zweite ist, ist es mir persönlich nicht wert, daß ih dort meine Zeit verschwende. Vermutlich war es aber garnicht die Absicht der Spielentwickler eine solche Wirklichkeit entstehen zu lassen. Der User hat sich diese Welt geformt. Möglichkeiten zu einer anderen, besseren Entwicklung gibt es ja dort auch aber sie wirken auf User nicht interessant genug. Das gibt einem doch zu denken. Ist SL ein Spiegel der heutigen Gesellschaft? Als sozio- psychologisches Experiment ist SL schon eher interessant – als Spiel eher nicht. Nicht nur die Grafik ist grausam, der gesamte Kontext ist es auch und ich kann diesen ganzen Hype darum nicht verstehen.

  5. Als ich das erste mal von Second Life hörte, wusste ich nicht so recht! Und das hat sich bis heute nicht geändert. Für mich war es von Anfang an eine Welt in der es darum geht, Kohle zu kassieren und zwar von den ganzen armen Leuten die scheinbar im “First Life” nicht so recht klar kommen. Meine Befürchtungen haben sich defenetiv bestätigt. Ich denke die meisten Nutzer können sich im “richten Leben” nicht so recht entfalten und haben mit SL die Möglichkeit entdeckt ihren Scham abzulegen. Ein gefährliches Spiel wie ich finde und traurig zugleich!
    Um auf meinen Vorredner zu reagieren. Es scheint mir ein Spiegel der heutigen “MTV-wir schaffen Ideale und kommunizieren nur noch auf unterem Niveau-Gesellschaft” zu sein! Viele reden nur noch über das Internet und leben damit, wie ich früher mit “echten” Menschen.

  6. 11 jahre später und die virtuelle welt existiert immer noch, lebendig und mit einer feinen community wie eh und je ;)… wie heisst es so schön? totgesagte leben länger^^

      1. eher das Gegenteil, denn würde LL ansonsten in gut 4000 weitere Regionen investieren wollen? Ich würde viel eher sagen, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität ausschlaggebend ist. Daher lieber weniger, dafür aber diejenigen User, die mit sich in und der virtuellen Welt auch etwas anfangen können. Just ma 2Cents 😌… Gruß von den Totgesagten

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