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Logo-Facelift bei IGBCE

IG BCE Logo
IG BCE Logo, Quelle: IG BCE

IG BCE Logo

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), 1997 gegründet, hat ihr Logo modifiziert. Offiziell vorgestellt wurde das Logo im Rahmen des Gewerkschaftskongresses der IG BCE Ende Oktober. Die für die Wortmarke zu diesem Zeitpunkt verwendete Schriftart wurde nachträglich jedoch noch einmal geändert.

Unter dem Motto „Mit.Mut.Machen.“ fand im Oktober in Hannover der Gewerkschaftskongress der IG BCE statt. Mit dem Titel „Perspektiven 2030+“ wurde ein Strategiepapier verabschiedet, das gewerkschaftliche Lösungsansätze und Leitideen enthält, mit dem sich die IG BCE für „Herausforderungen des Jahrzehnts der industriellen Transformation“ gerüstet sieht. Vor diesem Hintergrund hat die Gewerkschaft beschlossen, ihren Namen sowie ihr Logo zu ändern. Zukünftig werde man auf eine ausgeschriebene Form des Namens verzichten, da in der Bezeichnung Bergbau, Chemie, Energie etliche zur Gewerkschaft gehörenden Branchen nicht erwähnt würden. „Die IGBCE ist mehr als Bergbau, Chemie, Energie“, so Kommunikationschef Lars Ruzic. „Mit der Reduzierung auf das Kürzel tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die IGBCE eine Multi-Branchen-Gewerkschaft ist“. Mit dem neuen Outfit stärke die IGBCE ihren öffentlichen Auftritt und verbessere die Wahrnehmung.

IG BCE Logo – vorher und nachher
IG BCE Logo – vorher und nachher, Bildquelle: IG BCE, Bildmontage: dt

Zentrales Motiv der IGBCE bleibt weiterhin die im Logo dargestellte vereinfachte mennschliche Figur – hierbei handelt es sich, so die Intention, um einen Fahnenträger. Das neue Logo der IG BCE sei dynamischer und moderner als das bisherige, so die Gewerkschaft in einem Infoschreiben. Die Ecken wurden abgerundet. Die Buchstaben IG, bisher in gestürzter Form abgebildet, wurden aufgerichtet und stehen nun ohne Leerzeichen vor dem BCE-Kürzel. Statt in der Schrift Vectora Pro ist die Wortmarke fortan in der The Sans gesetzt, die von der Gewerkschaft schon länger als Hausschrift verwendet wird. Im Rahmen von Kampagnen und Werbemitteln setzt man seit geraumer Zeit zusätzlich auf die Schablonenschrift Overspray.

Die IGBCE habe sich auf einen „soften Umstieg“ auf das neue Erscheinungsbild und die neue Schreibweise entschieden. Materialien würden seit dem 1. November nach und nach mit dem neuen Logo versehen. Auf der Website der Gewerkschaft sowie im Umfeld von Social Media kommt das modifizierte Logo bereits zum Einsatz.

Kommentar

Ich halte wenig davon, ein Logo von Hause aus mit der Stilistik eines abgerundeten App-Symbols auszustatten. Denn hierbei werden Identitäts- und Funktionsmerkmale unnötig miteinander verwoben. Das Logo verliert auf diese Weise zudem an Originalität und Einprägsamkeit. Hierzu einige Gedanken und Einschätzungen:

Dass auf einem mobilen Endgerät, etwa unter iOS oder Android, beide genannten Merkmale in Form eines App-Symbols eine Verbindung eingehen, nämlich immer dann, wenn die App zu einer Marke gehört (und nicht bloß ein reines Tool wie „Einstellungen“ darstellt), ist klar. Es besteht jedoch kein Anlass, die über die abgerundete Korpusform kommunizierte Information ( -> digitale Anwendung) in ein Logo zu übernehmen. Es sei denn, bei der Marke handelt es sich um einen Software- oder Gaming-Anbieter. Auf dem Endgerät sorgt eine so vereinheitliche Korpusform dafür, dass wir eine App als solche erkennen. Die abgerundete Form erleichtert auf diese Weise in der Bedienung, eben da die Form über Betriebssysteme hinweg vereinheitlicht ist und als Konvention betrachtet werden kann, den Zugang (siehe Apple Human Interface Guidelines / Google Play Icon Design Specifications). Vor diesem Hintergrund ein abgerundetes Quadrat zum festen Bestandteil der Logoarchitektur zu erklären, sorgt hingegen für Verwirrung und schadet tendenziell eher der Marke. Denn die von User-Interface-Konventionen abgeleitete Korpusform wirkt sich nachteilig auf das Attribut Einzigartigkeit aus.

Ursprünglich, so belegen es die im Rahmen des Gerkschaftskongress im Oktober von der IGBCE verwendeten Medien, war der Schriftzug im neuen Logo in der Schablonenschrift Overspray gesetzt. In der nun finalen Fassung ist der Schriftzug in der The Sans gesetzt. Womöglich haben sich die Entscheidungsträger auf den allerletzten Metern noch umentschieden. Ich kann nachvollziehen, dass man im Logo doch lieber auf den Freefont Overspray verzichten will. Als Marken-Asstet speziell für Kampagnen kann sie womöglich dazu beitragen, dass Aktionen möglichst aufmerksamkeitsstark platziert und Forderungen lautstark kommuniziert werden, eben da ihre Schablonen-hafte Stilistik Aktions- und Handlungsbbereitschaft vermittelt. Als Type für eine Wortmarke im Logo erscheint die Overspray hingegen eher ungeeignet.

Die eigene Hausschrift The Sans nun auch im Logo einzusetzen, könnte man als konsequent bezeichnen. Allerdings handelt es sich bei der The Sans um eine Grundschrift/Brotschrift, die ihre Stärken vor allem in der Darstellung längerer Texte entfaltet. Als Schrift für eine Wortmarke ist die The Sans, meiner Einschätzung nach, nur bedingt geeignet. Es sei denn man möchte, dass die Marke nicht auffällt. Denn der The Sans fehlen schlichtweg die „Ecken und Kanten“, die eine gute Wortmarke auszeichnen und dieser zur Einzigartigkeit verhelfen. Nichts am neuen „IGBCE“-Schriftzug ist einzigartig. Deshalb transportiert der neue Schriftzug, ohne Bildmarke, auch keine/kaum Identität. Mit der von Adrian Frutiger entworfenen Vectora Pro (1990) im bisherigen Logo mit dem gekippten „IG“ war das anders. Im Zuge der Überarbeitung büßt das neue Logo an Originalität und Einprägsamkeit ein – das Gegenteil dessen, was mit einem Redesign eigentlich erreicht werden sollte.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Eine Form weichzuspülen ist keine positive Veränderung. Runde Ecken sind das Gegenteil von genau positioniert. Vergessen wir alle lieber nicht einzigartig zu bleiben. Die guten Idee des alten Logos kommen lauwarm daher. Wahrscheinlich waren die Kämpfer dieser Gewerkschaft nicht im Team.

  2. Ich gebe Dir vollkommen Recht, Achim, ein Logo auf eine Touchscreen-Logik zu verkürzen, ergibt keinen Sinn und sorgt eher, wie auch Alto schreibt, für angenehm weichgespülte Beliebigkeit — das Gegenteil dessen, wofür eine Gewerkschaft steht (stehen sollte?). Die Stencil-Schrift vermag das auch nicht rauszureißen, die ›Banner‹ kommen wie Schaltflächen daher, wo sie eher die Anmutung von Demo-Transparenten haben sollten. Eine Gewerkschaft, vor der man keine Angst haben muss, scheint es. Mir fiel allerdings noch etwas auf, das im Artikel unerwähnt bleibt, meiner Meinung nach sich aber aufdrängt: Durch die negative Anwendung auf Kasten erscheint es mir eher wie ein Tourismus-Logo — Berge mit auf-/untergehender Sonne. Das Logo eines Wanderweges durch den Schwarzwald vielleicht?!

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