Limerick positioniert sich als (europäische) Marke

Limerick Logo, Quelle: Limerick.ie

In Limerick, im Südwesten der Republik Irland gelegen, wurde gestern die neue Markenpositionierung der Stadt enthüllt. Begleitet wird die Umstellung auf ein neues Branding von einer internationalen Marketingkampagne, mit der die Verantwortlichen die kulturellen Verbindungen zu Europa betonen möchten.

Um der Stadt zu einem einheitlichen visuellen Profil zu verhelfen, habe man im Rahmen eines mehrmonatigen Prozesses zuvor die unterschiedlichsten Interessengruppen und Branchenvertreter befragt und Treffen mit sogenannten Fokusgruppen organisiert, darunter auch Studenten der Limerick School of Art & Design. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Limerick ein über alle Bereiche hinweg durchgängiges Branding erhält. Für die Stadt, die in dem letzten Jahrzehnt ein enormen wirtschaftlichen Sprung gemacht habe, sei dies ein Meilenstein, wie Bürgermeister Michael Sheahan erklärt. Ziel der Maßnahme ist es, die Attraktivität der Stadt zu steigern, um so Investitionen in Industrie, Tourismus und Bildung zu fördern und mehr Menschen dazu zu bewegen, in Limerick zu arbeiten und zu leben.

Auszug der Pressemeldung

Limerick today declared a bold ambition for growth with the unveiling of a first ever brand positioning and international marketing campaign. ‘Limerick: Atlantic Edge, European Embrace’ was unveiled today, becoming the first major branding of the city and county to promote it nationally and globally as a destination for inward industry investment, tourism, education and for people to live and work in.
“A huge amount of work has gone into getting us here today but today is really just the start. We’ve captured the essence of Limerick and we now take that story to wherever we believe there are opportunities for Limerick. Today is a reflection of the new ambition that Limerick has. The brand reflects the confidence of a transformed Limerick. A city that welcomes all, that has grit, determination and resilience in abundance and one that is at the world’s most dynamic crossroads, where Europe and the Atlantic meets”, said Limerick City and County Council Head of Marketing & Communications Laura Ryan.

Limerick Logo – vorher und nachher

Limerick Logo – vorher und nachher

Bislang kamen als Absender der Stadt unterschiedliche Schriftzüge zum Einsatz, zuletzt eine in der Schriftart Museo gesetzte Wortmarke. Das bisherige Erscheinungsbild der Stadt war weder konsistent, noch einprägsam. Auch das neue Markenzeichen der Stadt ist eine reine Wortmarke. Bei dem nunmehr rein in schmalen Großbuchstaben gesetzten Schriftzug (FS Industrie) ist ein blau-grünes Bild eingebettet, das die steinerne Struktur eines der Wahrzeichen der Stadt abbildet, dem sogenannten Treaty Stone. Siehe hierzu auch die Darstellung samt Erklärung. Eingefasst wird die Wortmarke oben und unten von der Tagline „Atlantic Edge, European Embrace“.

Unterstützt wurde die Stadtverwaltung bei der Entwicklung der Marke und der Branding-Strategie von der Agentur M&C Saatchi. Zahlreiche lokale Unternehmen seien am kreativen Prozess beteiligt worden, wie es in der offiziellen Pressemeldung heißt. Für die Entwicklung der Marke und der Markenpositionierung wurde ein Budget in Höhe von 70.000 Euro bereitgestellt (Quelle).

Kommentar

Eine Stadtmarke, die auch ein starkes politisches Signal aussendet. Während Großbritannien heute nun also, dreieinhalb Jahre nach dem historischen Referendum, die europäische Union verlassen wird, unterstreichen die Verantwortlichen auf Seiten Limericks die Verbindung der Stadt zu Europa. Die Iren, allen voran Premierminister Varadkar, sind bekennende Europäer. Sie wissen um die Bedeutung und den Wert des EU-Staatenverbunds.

Mit Blick auf das Brand-Manual (PDF) und den im Web bereitgestellten umfangreichen Informationen wird deutlich, dass es hier bei weitem nicht nur darum ging, der Stadt eine frische Optik und ein neues Logo zu verschaffen. Erstmals wurde ein Selbstverständnis formuliert, wichtige Ziele definiert und gemeinsam ein Plan erarbeitet, mit dem Stadt und Region vorangetrieben werden sollen. Die bisherige Außendarstellung Limericks war eher schwach. Mir vermittelt sich der Eindruck, dass hier tatsächlich erstmals Alle gemeinsam am gleichen Strang ziehen. Und das ist, unabhängig von der Qualität der Gestaltung, für die Stadt eine gute Nachricht.

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10 Kommentare zu “Limerick positioniert sich als (europäische) Marke

  1. Insgesamt eine tolle und überzeugende Arbeit. Vor allem das Aufgreifen der Form des K als gestalterisches Element passt sehr gut. Auch die Farbwahl ist klasse. Durch die einfacheren Versionen ist das Logo trotz der Steintextur flexibel einsetzbar. Einzig die obere Kontur auf der Wortmarke finde ich etwas problematisch, da diese in kleineren Größen verschwindet bzw. nur noch zu erahnen ist.

  2. Meine erste Assoziation war…

    T H E   R O C K     V I N   D I E S E L

    in

    L I M E R I C K

    atlantic edge – european embrace

    … aufgrund der wuchtigen Schriftart. Spaß beiseite, gefällt mir wirklich gut. :D

  3. Das Logo gefällt mir gut. Allerdings teile ich deine Auffassung nicht, dass es ein politisches Signal ist. Immerhin gibt es immer noch einen großen Unterschied zwischen EU und Europa, und Großbritannien bleibt auch morgen noch Teil Europas. Leider ist in der öffentlichen Meinung und auch in der Presse mittlerweile EU und Europa deckungsgleich.

    • Ein Logo, das „European Embrace“ als Tagline führt, darf man schon als Statement pro Europa werten, in diesen Tagen mehr denn je. Davon abgesehen bedeutet Standort-Marketing / Place Branding IMMER auch Politik zu betreiben.

      • Wie gesagt, pro Europa ja, aber ich bin immer dafür EU und Europa von einander zu unterscheiden. Die Europäische Union ist nicht deckungsgleich mit dem Kontinent Europa. Wenn es danach geht, wäre auch weder Norwegen noch die Schweiz Europa. Und Embrace (deutsch begrüßen), habe ich geographisch verstanden. Immerhin ist Irland der erste Fleck Europäischer Boden, wenn man von Übersee kommt und Limerick mit seiner Lage am Fjord/Fluss… Insofern passt der Spruch, auch ohne eine politische Dimension hineinzuinterpretieren. Ich interpretiere das Logo so, dass man sich als Eingangstor zum Kontinent Europas positionieren möchte und der ist eben nicht die EU.

  4. Um mal zum Thema „designtagebuch“ zurückzukommen: Das Signet LK ist ein schönes Zeichen. Auch für die, die das Video der Entstehung nicht kennen, ist es merkfähig..

  5. Die Grundidee gefällt mir ebenso, wie die Farbgebung, freilich teile ich die Mark Hs Einschätzung hinsichtlich der Probleme bei kleinen Wiedergabegrößen; bereits auf der Website sieht man, dass die Lesbarkeit des inhaltlich bedeutsamen pro-Europa-Statements rasch zu leiden beginnt.

    Auch die einfarbige Wiedergabe mit „Steinstruktur“ wie das strukturierte „K“ als „Vereinfachung“ bzw. zusätzliches gestalterisches Element, finde ich recht gut gelungen. Mutig, aber vollkommen angemessen, scheint mir, dass anstelle des nahliegenden „L“ das „K“ vom Wortende für diese Zwecke gewählt wurde. Das passt IMHO auch lautsprachlich sehr gut, denn ob „englisches“ K oder gälisches „CH“ am Wortende, beides hinterlässt in der gesprochenen Sprache einen deutlichen Eindruck im Ohr der/des Hörenden, fast prägnanter als das L oder M.

    Ein bißchen schöner wär’s noch gewesen, wenn man die Ober- und Unterzeile etwas an den von ihnen umschlossenen LIMERICK-Versalien ausgerichtet hätte, d.h. wenn das „E“ von „EDGE“ mit dem „M“ in Limerick abgeschlossen und das „E“ von „EMBRACE“ linksbündig mit dem „R“ ausgerichtet gewesen wäre.

  6. ich habe diese Struktur nicht als Stein erkannt. Meine erste Assoziation war Plastikfolie, die auf Wasser schwimmt. die sehr geringe Spationierung und die dünne Linie oben mögen mir nicht so recht gefallen.

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