Kritik an red dot design award und an Peter Zec

Die red dot design awards werden von jährlich wechselnden, vielköpfigen Jurys vergeben und nicht von Peter Zec selbst. Der Vorwurf, Awards seien quasi per Überweisung bei Zec zu erwerben, ist leicht zu widerlegen. Der Ball hierfür liegt allerdings bei der red dot GmbH & Co. KG und nicht bei mir. Offen gesagt erscheinen die Anschuldigungen und die Art und Weise, wie sie vorgebracht werden, etwas dick aufgetragen, um nicht zu sagen recht plump. Gut gebrüllt, Löwe, könnte man vielleicht wohlwollend sagen. Die Website ist ganz nett. Wer allerdings gute Argumente hat, braucht nicht zu brüllen.

Wie sieht es mit einem weiteren Kritikpunkt aus, dem der fehlenden Nachvollziehbarkeit? Meiner Ansicht nach eine Kritik, die nicht von der Hand zu weisen ist, denn nicht immer steht ein red dot award tatsächlich für gutes Design. Das muss man so sagen. Tatsächlich habe ich mich schon des öfteren gefragt, was die Jury veranlasst haben mochte, den ein oder anderen Preis zu vergeben. Ich denke da etwa an den vieldiskutierten Beitrag Flughafen Frankfurt Hahn CD – nachgefasst. Nicht selten überkamen mich beim Sichten der Preisträger-Galerie Zweifel, wie gerechtfertigt ein Preis ist. Auch das ein Grund, weshalb ich mit immer weniger Interesse red-dot-Wettbewerbe verfolge. Unternehmens- und Pressemeldungen, in denen mir ungefragt mitgeteilt wird, Firma X oder Marke Y hätten eine red dot erhalten, stapeln sich in meinem Postfach.

2011 erhielt das Design der Szenebar Hoch 3 einen Preis, der deshalb zweifelhaft erscheint, da das Hoch3-Logo wie eine Dublette des seit 2009 in Verwendung befindlichen Stadtlogos von Hildesheim anmutet. Vor allem jedoch ist es die schiere Masse an Preisträgern, die zur Folge hat, dass ein mit dem Award ausgezeichneten Entwurf mittlerweile kaum Strahlkraft aufweist, vor allem keine, die über die Designbranche hinaus reichte.

Ich wollte es genauer wissen und habe mir im Hinblick auf den Vorwurf „der inszenierten Flut von Preisen“ einmal die Zahlen und Fakten aus den vergangenen Jahren angeschaut. Hier das Ergebnis: Etwa jede fünfte eingereichte Arbeit erhielt 2011 eine Auszeichnung im Bereich product design, in der Sparte communication design ist es etwa jede zehnte Arbeit, die einen red dot erhielt. Mit dem Qualitätsmerkmal „best of the best“ werden jährlich zusätzlich etwa 1 bis 2 Prozent der Arbeiten bedacht. Angesichts solch einer Award-Schwemme von bis zu 830 red dots pro Jahr und pro Sparte darf die Frage erlaubt sein, ob der Award tatsächlich als Qualitätssiegel fungieren kann.

Zwar werden in den letzten Jahren, trotz wachsender Anzahl an Einreichungen, prozentual weniger Arbeiten ausgezeichnet – zumindest gilt dies für die Sparte product design –, das Verhältnis von Einreichungen zu Preisträgern erscheint jedoch immer noch sehr hoch. Warum gibt es so viele Preisträger? Hinter dem red dot award steht ein Unternehmen, das (natürlich) wirtschaftlich denkt und handelt. Mehr Einreichungen bedeutet mehr Umsatz und mehr Gewinn. Ein Designpreis als Geschäftsmodell. Es gibt gute Gründe, solch ein Modell in Frage zu stellen, insbesondere wenn es um Werte wie Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit geht. Die Juroren sind die entscheidende Instanz, die für beides sorgen sollen.

Auch beim iF Design Award, der von der iF International Forum Design GmbH durchgeführt wird, verhält es sich nicht anders. Numerisch wie auch prozentual bringt das iF Forum sogar noch mehr Preisträger hervor. 2011 wurden in der Sparte „product design“ von 2.756 Einreichungen 993 Arbeiten ausgezeichnet. Jede dritte Einreichung erhielt also einen Preis. In diesem Jahr wurden in der Sparte „communication design“ von 1.054 Einreichungen 275 mit einer Auszeichnung bedacht, was einem Anteil von 26% entspricht. Dass es sich hierbei immer und ausschließlich um herausragendes Design handelt, ist schon aufgrund der hohen Anzahl an Preisträgern vor allem Branchenfremden schwer zu vermitteln, denn klar ist: je mehr Arbeiten „herausragen“, desto weniger stechen sie tatsächlich aus der Masse heraus.

Zum Vergleich: Beim Bayerischen Staatspreis nahmen 2010 insgesamt 311 Nachwuchsdesigner teil, 8 von ihnen wurden mit einem Preis bedacht. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 2,6 %. Zwei weitere Beispiele, die jeweils nur am Rande Design betreffen: Bei den Webby Awards, die jährlich von der „International Academy of the Digital Arts and Sciences“ vergeben werden, wurden in diesem Jahr in insgesamt 70 Kategorien knapp 10.000 Projekte eingereicht. Jeweils 2 Preise wurden pro Kategorie vergeben (Jury + Publikum), was einem Anteil von 1,5% entspricht. Beim diesjährigen World Press Photo haben 5.247 Fotografen insgesamt 101.254 Fotos eingereicht. Nur 56 Teilnehmer wurden ausgezeichnet, was einem Anteil von gerade einmal 1% entspricht (Verhältnis Anzahl teilnehmender Fotografen zu Preisträgern). Das jährlich zum „World Press Photo of the Year“ gekürte Foto erreicht eine mediale Aufmerksamkeit, die nicht nur dem jeweiligen Fotografen zu weltweitem Ruhm und Ehre verhilft, sondern die darüber hinaus positiv auf die gesamte Fotojournalisten-Gilde abstrahlt. Ein vergleichbares Interesse der Medien und eine ähnliche Wirkung sucht man selbst bei namhaften Designpreisen vergeblich.

Es gibt genügend Wettbewerbe, deren Preisträger sich tatsächlich und eindrücklich aus der Masse hervorheben. Genau darin liegt der Wert eines Preises. Er deutet auf eine sprichwörtlich herausragende Qualität, zumindest sollte ein Preis dazu imstande sein. Ansonsten braucht es ihn nicht. Ein unverhältnismäßig hoher Anteil an Preisträgern mindert nicht nur den Stellenwert jeder einzelnen Auszeichnung, er gefährdet zugleich das Ansehen des Preises als solchen. Ein Leitspruch, der gerade von vielen Kreativen beherzigt wird, sollte meiner Meinung nach vor allem auch für Designwettbewerbe und ihre Preisträger gelten. Weniger ist mehr.

Ergänzend zwei Diagramme, die das Verhältnis von Einreichungen zu Preisträgern beim red dot award aufzeigen:

73 Kommentare zu “Kritik an red dot design award und an Peter Zec

  1. Die Website dieser anonymen Designer ist voll von anhaltslosen Unterstellungen. Die sprachliche Form, wie die Blogeinträge verfasst wurden gleicht der einer Boulevardzeitung. Gegen Kritik ist ja nichts einzuwenden, aber dann bitte auch sachlich.
    Mit diesem eher radikalen Auftritt tun sie sich selbst keinen Gefallen.

  2. So. Jetzt hab ich ein bischen mehr Zeit und kann erklären warum das Video imho nicht offtopic ist. Das der Stil der “Kritiker” sich selbst diskreditiert haben andere hier schon zur Genüge erörtert. Dennoch stehen wir hier vor einem (nicht gerade neuem) gesellschaftlich relevanten Problem.
    In Amerika gibts für solche Zeitgenossen einen eigenen Terminus.
    Und dieser wird in meinem Link/ Video/ Vorschlag kurz und prägnant geklärt.
    In Mitteleuropa ist das wahrscheinlich als “Viel Feind – Viel Ehr” bekannt.
    Wenn dazu noch missionarischer Eifer (der Feinde) addiert wird, haben wir eben diese moderne Form: Hater.
    Und ja, offtopic ist, dass Katt Williams der witzigste Stand-Up-Comedian der Welt ist.
    Kann ich nur empfehlen, die Thematik der Hater wir in einigen seiner Programme in einer Vielfalt von Jesus bis zum Kumpel von nebenan erläutert.
    Jetzt dürfte ich die wichtigsten Keywords eingebaut haben.
    ;)

  3. tjoa, vorwürfe ohne beweise sind immer n armutszeugnis.

    ich hab nen red-dot und ich bin da durchaus stolz drauf. warum auch nicht. ist doch schön zu sehen wenn auch andere das zeug das man so macht gut finden. gelegentlich tut etwas bestätigung durchaus auch mal gut. :D
    wir sind eine kleine spezialisiert agentur mit wenig mitarbeitern, kleiner reputation und so. dennoch haben wir dort eingereicht und erfolg gehabt. und außer den gebühren haben wir nichts “extra” bezahlt. wäre auch noch schöner, denn ja, es ist schon teuer genug. und wenn man gewonnen hat wirds noch etwas teurer. ist das schlimm? ja vielleicht, aber erstens machen es alle anderen auch so (IF, GDC, ADC usw.), es ist also nicht so, das nur der red-dot so funktioniert und zweitens reduziert das die menge der einreichungen was durchaus hilfreich sein dürfte. :D

    schön wäre hier eine sinnigere diskussion über das thema nutzen von awards an sich. grundsätzlich ist das nämlich eine immense selbstbeweihräucherung – und die ist meiner meinung nach beim ADC zum beispiel wesentlich schlimmer. beim red-dot kann wenigstens nur zeug eingereicht werden das es tatsächlich auch gibt oder das so umgesetzt wurde. (wobei sicherlich auch hier eine dunkelziffer existiert) aber ein preis der darauf beruht das agenturpraktis goldideen knüppeln die dann mal eben schnell irgendwo angeschlagen werden, damit man die einreichungskriterien erfüllt sind wesentlich ärmer. und da muss ich sagen, lieber nen roten punkt als nen nagel. fühlt sich für mich unter pest
    und cholera als die bessere wahl an. :)

    und ja, auch ich frage mich manchmal warum dies oder jenes n preis bekommen hat. aber mal ehrlich, wo geht einem das nicht so? wenn ich das ADC jahrbuch durchschaue oder andere awardbücher frage ich mich auch häufig wer da mit wem geschlafen hat damit das gewinnen konnte. aber thats life. design ist zu einem gewissen grad auch geschmack und somit subjektiv. daher freut es mich auch das die jury des red dot relativ groß ist und ständig wechselt.

    es ist wie mit der mappenberatung an der uni. in einem jahr wird man quasi ausgelacht, kommt man im nächsten jahr mit dem selben kram finden die leute es geil. das ist menschlich, hat was mit trends und empfindungen zu tun. wer es anders möchte soll in die statistik, mathematik oder was anderes klar belegbares gehen. der ist im design irgendwie falsch.

    btw: ich finde in der tat das die produkte von fun factory ein sehr gutes produktdesign haben. insbesondere zu dem schund der in dem bereich sonst so angeboten wird. warum darf nicht auch n sexspielzeug nen designpreis bekommen? meinetwegen darfs auch nen industriedesignpreis fürs nächste hekler&koch geben. geiles design ist geiles design. unabhängig von moral, verwendung oder ethischen ansichten – finde ich jedenfalls.

  4. Ich hatte zunächst spontan den Blog auf sämtlichen SoMe-Kanälen gepostet, doch dann wieder rausgenommen, weil ich einen Bog ohne Impressum nicht ernst nehmen kann. Das A und O im Netz ist Offenheit und Seriosität. Das sehe ich hier nicht.

    Was den “reddot design award” an geht, so kann ich nur bestätigen, dass es hier m.E. nicht wesentlich anders läuft, als bei vielen anderen Awards. Wir selbst nehmen hin und wieder sporadisch an diesen Wettbewerben teil und haben hier und da auch schon mal was gewonnen, wie z.B. auch beim reddot. Ausser die üblichen Teilnahmegebühren haben wir nie etwas zusätzlich gezahlt oder mit penetranten Teilnahmen geglänzt.

  5. Da ich bereits in einigen Jahren als Jurorin beim red dot communication design mitwirken durfte, verfolge die Diskussion natürlich auch mit Interesse und möchte nur einige Punkte klarstellen:

    1. Die Jury wird bei seriösen Wettbewerben immer offen gelegt. So auch beim red dot – diese wechselt übrigens hier von Jahr zu Jahr und Jurymitglieder dürfen natürlich keine eigenen Arbeiten einreichen bzw. werden disqualifiziert. Jeder hat also durchaus die Möglichkeit, sich direkt bei den Jurymitgliedern über das Prozedere zu informieren – kurze Mail genügt wohl.
    2. Auch beim red dot gibt es Gold, Silber und Bronze (diese Auszeichnungen heißen hier Grand Prix, best of the best und red dot). Der Grand Prix wird nur einmal pro Kategorie vergeben – ich sehe hier also keine “Preisschwemme”.
    3. Natürlich werden die Ergebnisse immer kontrovers diskutiert werden – auch ich bin nicht immer mit der Oscar-Vergabe einverstanden … Allerdings werden von außen oft nur ein, zwei Abbildungen des Projekts wahrgenommen – steckt nicht oft viel mehr dahinter?
    4. Zum Designkommando: Anonyme Kritik kann schlicht nicht ernst genommen werden – stecken dahinter wirklich “Kommunikations”-designer? In diesem Fall sollte es seine Haltung und Definition von Kommunikation einmal überdenken …
    5. Und last, but not least juriere ich immer nach bestem Wissen und Gewissen (und unentgeltlich) – schließlich steht ja auch der eigene Name letztlich “unter den Ergebnissen”. Ich habe eine Einflußnahme eines Professoren (wie zuvor erwähnt) auch noch nicht erlebt und frage mich, wie das bei diesem Juryablauf gehen soll (es braucht schließlich mehr als eine Jurorenstimme für eine Auszeichnung). Nach wie vor empfinde ich es – gerade vom selbsternannten Designkommando – ziemlich respektlos, ohne eine einzige Rückfrage solche Unterstellungen zu verbreiten.

  6. Allerdings werden von außen oft nur ein, zwei Abbildungen des Projekts wahrgenommen – steckt nicht oft viel mehr dahinter?

    Zunächst einmal herzlichen Dank für Ihren Kommentar. In der Tat steckt da mehr dahinter. Hier sprechen Sie einen wichtigen und, wie ich meine, wunden Punkt an. Eben weil das so ist, weil im Rahmen einer Auszeichnung nur einige wenige Fotos des jeweiligen Preisträgers zu sehen sind, die nur ansatzweise Einblick in ein Gesamtkonzept gestatten, wäre es umso wichtiger, die mit einem Preis bedachten Arbeiten entsprechend textlich zu begleiten. „Kommentare der Jury“ finden sich, wenn überhaupt, nur zu den mit dem Grand Prix ausgezeichneten Arbeiten und hier auch nur jeweils der aktuellen Preisträger. Von den allermeisten Arbeiten fehlt eine für Alle einsehbare Begründung seitens der Jury. Allerdings ist diese ganz essentiell, um die Entscheidungen der Jury nachvollziehen zu können. Die offensichtliche Flut an Preisträgern in Kombination mit einem ebenso offenkundigen Mangel an Transparenz sind keine guten Begleiter eines Preises.

    Wer auf der Website von red dot versucht, detaillierte Informationen bezüglich vergangener Preisträger ausfindig zu machen, wird scheitern. Links zu Jurybegründungen resultieren nicht selten in einer Fehlerseite.
    Mal ein Beispiel: Das 2010 mit dem red dot ausgezeichnete Corporate Design für den Flughafen Frankfurt Hahn findet sich als Pressemeldung zwar auf der Website des Flughafens, auf der Website von red dot sucht man nach dem Projekt vergebens. Flughafen und Agentur können sich über viele Jahre mit der Auszeichnung schmücken, warum und was eigentlich ausgezeichnet wurde, darüber gibt es keine Informationen.
    Noch ein Beispiel: Von der 2011 ausgezeichneten Arbeit für HOCH III, einer Bar in Hamburg, gibt es zwar die obligatorischen Hochglanzabbildungen, eine Begründung der Jury, was an dieser Arbeit auszeichnungswürdig gewesen ist, fehlt jedoch. Dabei würde es mich wirklich interessieren, was konkret an dem Design, in dessen Zentrum eine Logodublette steht, ausgezeichnet ist bzw. sein soll. Die Stadt Hildesheim nutzt schon länger, und schon länger als die Bar, eine nahezu identische Logomarke als Stadtlogo. Natürlich kann auch einer Jury so ein Lapsus mal durchrutschen. Statt allerdings eine Null-Information zu propagieren, täte der Veranstalter gut daran, Stellung zu derlei Vorfällen zu nehmen.

    Eine mit einem red dot ausgezeichnete Arbeit hat gut Chancen im gleichen Jahr einen if design award einzuheimsen. Und natürlich erhielt die HOCH3-Logodublette auch vom if einen Preis. Von einer Art Automatismus zu sprechen, wäre eine bösartige Unterstellung, allerdings konnte ich in den vergangen Jahren durchaus eine Art wiederkehrendes Muster ausmachen, gerade zwischen diesen beiden Veranstaltern. Die nachfolgende Erklärung unterstützt diesen Eindruck.

    Anfang des Jahres hatte ich auf Anfrage bei der zuständigen Jury beim if award eine Art nachträgliche Begründung von einem Vertreter der Jury erhalten, die ich hier einmal veröffentlichen möchte:

    Das “Ausgezeichnete” an dem Hoch 3 Corporate Design das konsequente Spiel mit 3 Ebenen: Café, Bar, Club; 3 Etagen; 333 nummerierte Member Keys sowie das positiv/negativ Spiel zwischen H und III und nicht zuletzt die Produktion der einzelnen CD-Medien. Das alles hat mit dem Hildesheimer Corporate Design nichts zu tun.

    Das haben übrigens andere Jurys genauso gesehen. Der Hoch 3 Auftritt erhielt bisher folgende Designauszeichnungen: ADC Auszeichnung 2011, Red Dot Award Winner 2011, Corporate Design Preis Auszeichnung 2011, Deutscher Designer Club Auszeichnung 2011 und jetzt iF Communication Design Gold Ward Winner 2012.

    Wir denken zusammenfassend, dass das Konzept die Auszeichnung verdient hat. Sicherlich ist die Vergabe solcher Preise auch immer mit ein wenig Subjektivität behaftet aber das liegt in der Natur der Sache.

    Ich bin der Meinung, dass Erklärungen wie diese (die im ersten Abschnitt) unbedingt öffentlich aufbereitet gehören. Jede Auszeichnung sollte mit solch einer Begründung seitens der Jury ausgestattet und auch noch Jahre später auffindbar sein. Gerne darf diese durchaus auch noch ausführlicher sein.

    Ein Anfang wäre es, wenn man die fehlerhaften„Kommentare der Jury“-Links auf den hier vorgehaltenen Unterseiten reparierte. Wünschenswert wäre es, wenn Gewinnerlisten nicht nur leichter als bislang zugänglich wären, sondern, dass diese darüber hinaus die angesprochenen Jurybegründungen enthielten. Und meinetwegen dürfen es gerne ein paar Hundert red dot Auszeichnungen weniger im Jahr sein, sodass auch wirklich die Chance besteht, mit einer kreativen Leistung aus der Masse hervorzustechen. Derzeit ist dies nämlich nicht möglich.

  7. Aber gerne – für sachliche Diskussionen bin ich immer zu haben ;-)
    Das mit der Begründung mag durchaus sein – darauf hat ja die Jury keinen Einfluß. Allerdings ist es ehrlich gesagt nicht unerheblich Arbeit, gewissenhaft die vielen Einsendungen zu prüfen. Wenn ich dann noch zu jedem ausgezeichneter Arbeit eine fachliche Abhandlung schreiben sollte, dann würde ich mich keiner Jury mehr zur Verfügung stellen – wie schon geschrieben, es ist ja quasi ein “Ehrenamt”.
    Und es stimmt, das eine Arbeit meist mehrere Auszeichnungen bekommt. Das spricht doch aber nur für die Qualität der Arbeit, da verschiedene Jurys unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis kamen. Und über Qualität läßt sich nunmal selten streiten. Die Veranstalter stehen meist im Wettbewerb zueinander – eine “Absprache” ist daher eher abwegig.
    Was die Anzahl der Auszeichnungen angeht: Würden Sie bei einem Wettbewerb mitmachen, bei dem die Chance 1:6000 steht, eine Auszeichnung zu erhalten? Eine gewisse Einreicherzahl ist jedoch erforderlich, um einen Wettbewerb zu finanzieren …
    Hinzu kommt: Die eingereichten Arbeiten haben meist schon ein sehr hohes Niveau (denn ein Designer weiß meist genau, ob er gerade einen Bread&Butter-Job vor sich liegen hat oder einen, der aus der Masse heraussticht und damit “einsendewürdig” ist) – dies und alleine dies muß sich meiner Meinung nach in Wettbewerbsergebnissen widerspiegeln. Ich war aber durchaus schon bei Wettbewerben, die beispielsweise gar keinen ersten Preis vergaben. Das ist für den Ausschreiber nicht schön, zeigt aber, wie genau eine wirklich Fachjury hinsieht.
    Und dann gibt es Wettbewerbe, deren Niveau generell nicht so hoch ist – was also tun? Gar niemanden küren? Ich sehe das dann eher wie bei einem sportlichen Wettkampf: Wenn zehn Läufer antreten und der Schnellste schafft die 100 Meter erst nach 20 Minuten ist er trotzdem “Erster” – ich kann ja nur vergleichen, was auf dem Tisch liegt und nicht mit dem, was ich sonst so kenne …
    Wie gesagt, ich bin mit keinem Wettbewerb wirtschaftlich oder persönlich “verbandelt”, möchte aber nur einmal aufzeigen, daß Jurys die Preise keinesfalls auswürfeln, sondern viel Zeit aufwenden und sich ernsthaft den Einreichungen widmen. Ich für meine Person nehme jedenfalls solche Termine sehr ernst. Wie die Veranstalter letztlich kommunizieren, ist natürlich deren Sache und vielleicht gibt es hier noch Verbesserungspotential.

  8. Die Aufschneiderei, Peter Zec wäre ein Klischee aus Mafia-Filmen oder im Theater vorgeführten “Kiezgrößen”, dient nur der PR. Warum zugeben, dass man sich nur vor Verleumdungsklagen schützen will, wenn man mit der Anonymität auch dick auftragen kann? Eine kleine Gruppe, die ihre tatsächliche Größe hinter einem Spiegelkabinett avantgardistischer Ansprüche verstecken muss, wehrt sich gegen den “Ausverkauf” industriellen(!) Designs und gibt zudem noch durch ihre Philosophie der “reinen Lehre” vom Design, die sie wie eine Doktrin leben und durch Agitation verteidigen, die eigentliche Oberflächlichkeit ihrer kleinen kritischen Bewegung preis.

    Und wie alle Avantgardisten fürchten sie, dass ihnen durch eine andere Avantgarde der Rang abgelaufen wird – als ob der dumme Kunde nicht selbst einschätzen könnte, ob ein Produkt einen Award wirklich verdient, ob erst ein Award gutes Design als gutes Design erkennbar macht, so als ob man als Avantgarde den Geführten erklären muss, welchen Geschmack sie zu pflegen haben. Design ist doch und irgendwie auch nicht eine Frage des Geschmacks – industrielles Design richtet sich vor allem anderen ganz wesentlich nach der Funktion des Produkts. Gegeben, dass alle Designer im gleichen hohen Maß etwas von ihrer Arbeit verstehen – und deshalb auch Preise wie den red dot gewinnen – verbindet sich Design symbiotisch mit der Produktfunktion und trifft eine Aussage über die Zweckmäßigkeit des Produkts.

    Wenn man die Welt vor einer Schwemme an red dots retten will, geht man in das Award-Kuratorium, in die Jury oder wer auch immer über die Vergabe bestimmt, und ändert die Vergabekriterien. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass es bei industriellem Design überhaupt möglich ist, kritischer an Design heranzugehen. Wie bei allen industriellen Verfahren ist auch beim Design gegeben, dass sich durch den Wettbewerb eine Schule herausbildet, sodass ein Verfahren allgemein wird. Wenn immer mehr ihre Produkte nach so einem Prozess qualitativ hochwertig gestalten, dann wird es für einen Industrie-Design-Preis auch immer mehr Nominierungen geben, sodass nicht nur der Geschmack des Zeitgeists, sondern auch der Zweck von Design höchster Güte massenfähig geworden ist.

    Diese eklektische Gruppe der Kritiker will allerdings weder eine breite Marktfähigkeit guter Produktgestaltung noch den Sieg der Relevanz von Design in der Industrie akzeptieren und beharrt auf die kritische Auslese durch eine Prämierung im Wettbewerb, statt die Prämierung einer praktizierten Philosophie, die sich immer weiter durchsetzt.

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