Kreuz, Schild und Heilige Lanze statt Pfund-Zeichen – neues Logo für UK Independence Party (UKIP)
Auch wenn die EU-skeptische, rechtspopulistische UK Independence Party, kurz UKIP, laut Umfragen in Großbritannien faktisch keine Rolle mehr spielt – derzeit liegt sei bei unter 1 % –, soll an dieser Stelle der kürzlich vorgenommene Logowechsel dokumentiert werden. Das Pfund-Zeichen wird hierbei durch eine Kreuzsymbolik abgelöst, welche nicht nur in Großbritannien starke Assoziationen mit Deutschland weckt.
Seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs im Januar 2020 hat die UKIP, die „Brexit-Partei“, einen enormen Bedeutungsverlust erfahren. Ihr zentrales politisches Thema, der Austritt aus der EU, ging verloren. Eine Neuausrichtung unter dem rechtsextremen Parteichef Nick Tenconi hin zu einem „christlichen Nationalismus“ hat zu keinem messbaren Aufschwung in allgemeinen Wahlumfragen geführt.
Die Wählerschaft, die früher UKIP unterstützte, ist fast vollständig zu Reform UK (unter Nigel Farage) abgewandert. Reform UK liegt in aktuellen Umfragen (Februar 2026) bei etwa 29 % bis 31 % und konkurriert mit Labour und den Conservatives um die Position als stärkste Kraft.

Vor kurzem hat die UKIP ihr Logo geändert. Seit Ende Januar nutzt die Partei im Umfeld von Social Media als visuellen Absender anstelle des britischen Pfund-Zeichens ein Kreuz. Auf Instagram, Facebook & Co sowie in britischen Medien wird seitdem über die visuelle Nähe zum Eisernen Kreuz diskutiert. Das Eiserne Kreuz ist eng mit der deutschen Geschichte verbunden. Bis heute bildet diese spezifische Kreuzform die Basis für das Logo der Bundeswehr. In Artikeln auf The Independent und The Guardian wird auf die Ähnlichkeit der Symbolik eingegangen und die Verbindung zum „Nazi Regime“ hervorgehoben. Gezielt wird hierbei in Titeln das Wort „Nazi“ verwendet.
UKIP, zuletzt immer weiter nach rechts außen gerückt, erhofft sich von der Umstellung auf ein neues Logo offenbar eine gewisse mediale Aufmerksamkeit. Darin unterscheidet sich die Partei, die mehrfach durch islamfeindliche und rassistische Äußerungen in Erscheinung getreten ist, nicht von anderen Parteien (oder Unternehmen und Marken).
Ihr radikaler Parteichef Nick Tenconi weist die Medienberichte, in denen dem UKIP-Logo eine Nähe zu „Nazi-Symbolik“ unterstellt wird, zurück. In Interviews erklärt der Parteichef, das neue Logo solle „die Verteidigung des Christentums und traditioneller britischer Werte gegen die sogenannte ‘woke Ideologie’ betonen“. Tenconi nennt als Bezugspunkt zwei Kreuze: das Tatzenkreuz und das Victoria-Kreuz. Letzteres dient als höchste Kriegsauszeichnung der Streitkräfte des Vereinigten Königreichs.
Ursprung und geschichtliche Einordnung: Tatzenkreuz, Eisernes Kreuz
Der Ursprung dieser Kreuzform, für die vier fächerförmig auslaufende, gebogene Arme charakteristisch sind, reicht bis in die Spätantike (300–600 n.Chr.) zurück. Die Form verweist auf das Bolnissikreuz, ein frühchristliches Kreuz, das eines der wichtigsten Nationalsymbole Georgiens ist. Das Bolnissikreuz ist das zentrale Element der Ornamentik der Bolnissi‑Sioni‑Kirche, einer dreischiffigen Basilika, die sie zwischen 478 und 493 errichtet wurde. Sammelbegriff für diese Art der Kreuzform ist Tatzenkreuz.
Der Deutsche Orden (13. Jahrhundert) übernahm das Tatzenkreuz in Schwarz auf weißem Grund. König Friedrich II. verlieh dem Deutschen Orden das Recht, das schwarze Kreuz zu führen. Diese spezifische Form (schwarzes Tatzenkreuz) bildete später die Grundlage für das preußische Eiserne Kreuz (gestiftet 1813). Das Eiserne Kreuz symbolisierte ursprünglich die preußischen Reformen, Freiheitsliebe und Gleichheit. Im Laufe der Geschichte wandelte sich seine Bedeutung: 1870 avancierte es zum gesamtdeutschen Ehrenzeichen, während es im Ersten Weltkrieg massenhaft verliehen wurde. Trotz Verwendung durch die Nationalsozialisten und der Überlagerung seiner Werte während des Zweiten Weltkriegs knüpfte die Bundeswehr 1956 an die ursprüngliche Tradition an.

Heute dient das Kreuz als offizielles Hoheitszeichen der Bundeswehr. In diesem Video wird die historische Herkunft des Symbols vom Deutschen Orden bis hin zur heutigen Verwendung in der Bundeswehr erläutert. Seit 1996 ist das vom Hamburger Designer Peter Schmidt entworfene Logo fester Bestandteil in der öffentlichkeitswirksamen Außendarstellung der Streitkräfte.
Ebenso wie das Eiserne Kreuz ist auch das in Großbritannien verwendete Victoria-Kreuz ein Ehrenzeichen. Ein Ehrenzeichen mit einem christlichen Ursprung, dem Bolnissikreuz.
Medienberichte und Aussagen auf Social Media, in denen das UKIP-Logo einzig und ausschließlich mit Nazi-Deutschland in Verbindung gestellt werden, greifen demnach viel zu kurz.
UKIP: Radikalität, die sich auch im Visuellen ausdrückt
Bei der im UKIP-Logo abgebildeten Lanze handelt es sich um eine sogenannte Heilige Lanze – der Legende nach einer mit dem Blut Jesus Christus getränkten Lanze. In der Kombination aus Tatzenkreuz mit Lanze und Schild ändern sich Aussage und Ausdruck des Zeichens: betont werden nun Abwehr und Wehrhaftigkeit. Während Logos in Schildform oftmals als Absender von Versicherungen, Polizei, Staaten, u.a. dienen, um Schutz, Sicherheit und Verlässlichkeit zu kommunizieren, betont die diagonal von links nach rechts dargestellte, aufrecht stehende Lanze einen kämpferischen, kriegerischen Ausdruck.
Im Hinblick auf christliche Werte (Nächstenliebe, Schutz von Schwachen, etc.), wie sie heutzutage innerhalb von Gesellschaften gelebt werden, stellt eine solche Gewalt-Metaphorik einen fundamentalen Widerspruch dar. Religion wird in diesem Fall als Identitätsmarker missbraucht, um eine „Wir-gegen-Die“-Mentalität zu festigen. Christliche Botschaften und Zeichen werden auf diese Weise instrumentalisiert. Das Kreuz dient hier weniger (bis gar nicht) als Zeichen des Glaubens, sondern fungiert in erster Linie als Marker, der einen kulturellen Schutzwall gegen äußere Einflüsse (vermeintliche „Islamisierung“ u.a.) beschreibt, und diesen nach außen signalisieren soll.
Während die Widersprüchlichkeit im UKIP-Logo relativ leicht zu erkennen ist – die wahren Absichten und Ziele der Partei liegen gewissermaßen aufgefächert und ausgebreitet auf dem Tisch –, ist das auf Gefälligkeit und Konformität hin ausgerichtete visuelle Erscheinungsbild der rechtspopulistischen Partei Reform UK von Nigel Farage in Bezug auf die Bewertung aus semiotischer Sicht anspruchsvoller.
Ein an eine Schaltfläche (Button) erinnernder, nach rechts weisender Pfeil im Kreis artikuliert Klickreiz, triggert Zustimmung, vermittelt Bewegung, Aufbruch. Ein unscheinbares Parteilogo, das, im Gegensatz zum UKIP-Logo, nirgends aneckt, keine militaristischen Assoziationen befördert und auch keine Negativschlagzeilen produziert. Mit einem blau-türkisen Farbschema (-> Vertrauen, Verlässlichkeit) bewegt sich Reform UK zudem im üblichen Spektrum konservativer Parteien (siehe Politische Farbenlehre). Ein Erscheinungsbild, das die aktuelle vergleichsweise große Zustimmung in Umfragen gewiss nicht erklärt, so aber doch, da es auf einer gelernten Zeichensprache basiert und nicht erklärungsbedürftig ist, unterstützend wirken kann.
Rechtspopulistische Parteien und Akteure wie Reform UK, AfD oder Fidesz zeichnen sich durch eine hohe Agilität bei der Erschließung neuer Plattformen aus. Ihre Kommunikation ist oftmals zielgerichtet, passgenau und entspricht zunehmend einem professionellen Auftreten. Neu gegründete Parteien wie die Refom UK verfügen nicht selten schon zum Zeitpunkt ihrer Gründung über ein Corporate Design samt Styleguide. Ihr zum Teil bis ins Detail durchdeklinierte visuelle Erscheinungsbild trägt entscheidend dazu bei, dass sie mit ihrem Angebot, ungeachtet der Radikalität ihrer politischen Forderungen, und trotz systematischer Negierung von wissenschaftlichem Konsens (Umwelt, Klima, Gesundheit, u.a.), in Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Ungarn von gut einem Drittel der Bevölkerung als attraktiv angesehen bzw. zumindest so wahrgenommen werden.
Mediengalerie
- UKIP Logo – The New Right, Quelle: UKIP, Facebook
- UKIP Logo, Quelle: UKIP, Facebook
- UKIP Logo – vorher und nachher, Bildquelle: UKIP, Bildmontage: dt
- Tatzenkreuz, Quelle: Wikipedia
- Bolnisikreuz, Quelle: Wikipedia











Noch etwas zur Einordnung:
DIe UKIP war ja die Partei, angeführt von Nigel Farage, die mit am stärksten den Brexit forderte und forcierte. Nach dem Ergebnis des Brexit-Referendums (und der Annahme dessen durchs Britische Parlament), also dem Erreichen des Ziels der “Unabhängigkeit” UKs von der EU, trat Farage zurück und stieg aus der Partei aus.
In der Folge (2018) gründete er aber eine neue Partei, die sich zur Aufgabe machte – bzw. macht – das aus der EU ausgetretene UK in seiner entsprechenden politischen Ausrichtung zu festigen: zunächst einen Hard Brexit zu erreichen und anschließend entsprechende Reformen anzustreben, umzusetzen. Diese Partei ging zunächst als “Brexit Party” ans Rennen, bevor sie in 2021 ihren heutigen Namen “Reform UK” (kurz: Reform) erhielt.
Da das Kreuz bei der UKIP im Verhältnis zu seiner Größe doch recht breit ist (also die einzelnen Balken), wirkt der farbliche Bereich der Balken glatt als Hintergrundfarbe und lässt im Vordergrund eher die weißen ‘Flächen’ als Hauptmerkmal erscheinen, die so glatt wie Blütenblätter wirken.
Ähnliche irritierende/verwirrende Illusion wie bei Alter und Junger Frau, Hase/Kaninchen und Ente, Gesichter und Vase, usw.
Gut, dass es nicht nur mir so ging.
Oder auch Rotorblätter! Wie bei BMW vielleicht, oder Mercedes. Oder wie Windräder – denke da besonders an diese kleinen Spielzeug-Windräder (aus Plastik).
Das sind ja doch recht positive Assoziationen. Für mich stehen zwar auch die weißen Flächen im Vordergrund. Allerdings sehe ich vier Bomben, die ins Zentrum eines Ziels abgeworfen werden.
Ich musste auch 5x hinschauen bevor ich das Kreuz als im Vordergrund stehendes Element wahrgenommen habe. Besonders in Verbindung mit dem Parteiname wirkt das Lila eher als Hintergrund. Neben der benannten “Balkenbreite” sorgen Schild und Lanze zusätzlich für diese Irritation.
… mir scheint hier die Heilige Lanze, als Spehr des Schicksals die älteste Insignie deutscher Kaiser, das deutlich absurdere, der Hofburg beraubte (Macht-)Symbol zu sein.
Mich hat das nun alte UKIP-Logo übrigens auch immer an das Plattenlabel Parlophone erinnert! Auch ein interessantes mit spannender Geschichte und Querverknüpfungen.