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Kommunikationsdesign in der (lokalen) Berichterstattung

50000-euro

Im Zusammenhang mit der Vorstellung des neuen Corporate Designs der Stadt Kassel erscheint es mir sinnvoll, ein paar allgemeine Dinge anzusprechen. Wieder einmal wird deutlich, dass Kommunikationsdesign außerhalb der Kreativbranche zum Teil schwer(st) vermittelbar ist, vor allem die Notwendigkeit für Kommunikationsdesign. Seit vielen Jahren beobachte ich das im Umfeld zumeist lokaler Nachrichtenorgane stets sich auf die gleiche Weise abspielende Prozedere. Auch der Fall Kassel macht hier keine große Ausnahme.

Eine Stadt erhält ein komplett neues Erscheinungsbild. Ein Lokalredakteur nimmt sich der Sache an und berichtet: „Neues Logo der Stadt hat 50.000 Euro gekostet!“ (oder ähnlich). Was schon allein deshalb grober Unfug ist, da das Erscheinungsbild weit mehr umfasst als lediglich ein Logo. Schon allein die Überschrift samt Ausrufezeichen verdeutlicht, dass es dem Verfasser nicht um eine faire geschweige denn fundierte Berichterstattung geht, sondern um Meinungsmache. Der besagte Artikel wird durch eine tendenziell populistisch gefärbte Onlineabstimmung ergänzt, bei der sich schließlich mindestens 80% der Leser gegen das neue Logo aussprechen. In Folge des Artikels entsteht eine feurige, meist unsachlich geführte, weil kaum die eigentliche Gestaltung des Erscheinungsbildes betreffende Diskussion, die letztendlich aber doch den Artikel zum meistgelesenen Beitrag des Tages macht. Ziel erreicht? Wohl kaum.

Stadtlogos emotionalisieren

Ende 2011 schlugen in Oberbayern die Wellen hoch, als die Stadt Burghausen ihr neues Design präsentierte. Das Wochenblatt ließ sich damals zu der Überschrift hinreißen: „99 Prozent hassen das neue Burghausen-Logo“. Der verantwortliche Redakteur war vollkommen überzeugt davon, die gerade einmal etwa 300 Leser, die sich an einer Onlineumfrage beteiligten und mehrheitlich gegen das neue Logo stimmten, seien die notwendige Legitimation dafür, im Namen aller Bürger der Stadt sprechen zu dürfen, so zumindest liest sich die Überschrift. In diesem Fall war weniger das fehlende Fachwissen Grund für eine fruchtlose Berichterstattung samt nachfolgender Diskussion, sondern vielmehr der Hang zur Unsachlichkeit, mit der sich das Wochenblatt des Themas Redesigns näherte.

In einem Kommentar hier im dt bestritt der verantwortliche Redakteur Mike Schmitzer seinerzeit, die Onlineumfrage sei in irgendeiner Weise manipulativ, obwohl die Fragestellung eigentlich keine andere Deutung gestattet, da sie wie folgt formuliert war: „Soll die Stadt Burghausen ein neues Logo in Auftrag geben, das sympathisch wirkt und die Burg als Wahrzeichen miteinbezieht?“ Die Fragestellung impliziert, das jüngst vorgestellte Logo sei unsympathisch, weswegen ein weiteres neues Zeichen entwickelt werden müsse. Ein Rechenfehler, der dem Redakteur zudem unterlief, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf die lokale Berichterstattung in diesem Fall. Tatsächlich votierten 90,6% und nicht 99% im Sinne des Fragestellers. Zu verdanken ist dieses Ergebnis vor allem der zum Teil von Polemik durchzogenen Berichterstattung des Redakteurs.

Kritik, die an der Sache vorbei geht

Auch wenn im Fall Kassel der ursprüngliche Artikel der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) durchaus aufzeigt, dass ein Erscheinungsbild aus weitaus mehr als nur aus einem Logo besteht, wird das neue, rein typographische Logo von der Leserschaft verrissen, zu Unrecht wie ich meine. Wenn Steuergelder im Spiel sind, ist es um die Sachlichkeit oft schlecht bestellt. Dessen sollten sich Redakteure bewusst sein. In einer Rangliste der am dringlichsten benötigten Maßnahmen würden Bürger ein zeitgemäßes Erscheinungsbild ihrer Stadt vermutlich auf den allerletzten Platz manövrieren. Während in anderen Bereichen des Designs etwa im Möbel- und Produktdesign wie auch im automobilen Design die grundsätzliche Notwendigkeit von Design allgemein erkannt, anerkannt und ja sogar geschätzt wird, ist es im Kommunikationsdesign nach wie vor so, dass dieser Disziplin jeglicher Bedarf aberkannt wird. „Überflüssig wie ein Kropf“, heißt es dann gerne in Kommentaren und Artikeln.

HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse behauptet in seinem für die HNA verfassten Kommentar, die einzige zulässige Schreibweise im neuen Stadtlogo Kassels wäre „Kassel, documenta-Stadt“. Kurios: während er das Fehlen des Bindestrichs moniert, wird die Kleinschreibweise von „documenta“ mit keiner Silbe beanstandet. Die Kritik gilt zudem allein dem Logo, das aufgrund dieses scheinbaren Rechtschreib-Fauxpas eine „Torheit“ sei, ohne dass Bezug zum damit in Verbindung stehenden Erscheinungsbild genommen würde. Im Grunde genommen ist dies, als würde man den Inhalt eines Buches auf Grundlage seines Buchdeckels bewerten. Kann man machen, eine wertvolle Rezension sieht allerdings anders aus. Auch der Verweis auf das Regelwerk der Rechtschreibung geht an der Sache vorbei. Genauso gut könnte man kritisieren, die Logos, um nur einige wenige zu nennen, des Robert Koch-Instituts, des Vitra Design Museums oder der Konrad-Adenauer-Stiftung seien allesamt falsch, da hier die Orthografie nicht befolgt würde.

Banalisierung des Kommunikationsdesigns

Nicht, dass ich den Mangel an Fachwissen in Sachen Design/Kommunikationsdesign in Redaktionen beklagte, nichts läge mir ferner. Wer allerdings in dieses Themenfeld vorstößt und (ein) Design in Frage stellt, von dem darf erwartet werden, zumal ein Verlagshaus im Hintergrund steht, dass man sich ernsthaft mit dem Thema befasst, bevor Artikel verfasst werden. Und es darf erwartet werden, dass sich der Autor der Verantwortung bewusst ist, die er in Bezug auf die Meinungsbildung hat. Beides geht der allgemeinen Berichterstattung über Kommunikationsdesign leider meist ab.

Während in Nachrichtenhäusern Themen wie Politik, Wirtschaft, Technik, Sport, Theater oder Literatur nur von den jeweiligen verantwortlichen Redakteuren bespielt werden, laufen Designthemen gerne schon einmal unter Panorama – und hier darf offenbar Jeder schreiben, ungeachtet seines Schwerpunktes. Die Art und Weise der Berichterstattung ist mitverantwortlich für das verhältnismäßig schlechte Image, das Kommunikationsdesign in weiten Teilen der Gesellschaft genießt. Gerade auch ihr ist es zu verdanken, dass es den Werbefuzzi, den Videofritzen und den überbezahlten, unterbeschäftigten Grafiker gibt und kaum jemand im Stande ist zwischen Designer und Werber zu unterscheiden, mal abgesehen von Designern und Werbern.

Nach Jahrzehnten der Oberflächlichkeit auf Seiten der Nachrichtenredaktionen hat sich dieser zum Teil negative Eindruck von Kreativschaffenden eingestellt. Ich stelle mir vor, wie Autoren in hitzigen Diskussionen in Dialog mit der eigenen Leserschaft träten, um zu vermitteln, zu erklären, zu relativieren, um Substanz und Polemik zu sortieren. Moderation innerhalb der durch eigene Artikel angestoßenen Diskussionen findet in großen wie in kleinen Nachrichtenhäusern kaum statt, so zumindest mein Eindruck, was allerdings ein großes Manko darstellt, denn gerade auch der Dialog mit den Lesern/Zuschauern/Hörern zeichnet einen zeitgemäßen Journalismus aus.

Polarisieren statt erklären

Stattdessen wird Öl ins Feuer gegossen, wie etwa im Fall Zwickau, wo im März 2009 die Freie Presse zu einer fragwürdigen Unterschriftenaktion aufrief (dt berichtete: Wieviel Demokratie verkraftet das Design in Zwickau?), in der Hoffnung, damit die Einführung des neuen Stadtlogos zu stoppen. Die Agentur ö_konzept aus Zwickau sah sich seinerzeit massiver Kritik ausgesetzt, ungerechtfertigterweise, denn die Arbeit ist handwerklich sauber und visuell ansprechend. Mit einigen Hundert Unterschriften einen Prozess stoppen zu wollen, der zum Teil viele Monate, im Einzelfall sogar Jahre in Anspruch genommen hat – das ist töricht!

Ein gelungenes Konzept tauscht man nicht aufgrund eines Anflugs von Kritik aus. Hier heißt es auf Seiten der Verantwortlichen kühlen Kopf bewahren. Je besser die Implementierung des Designs gelingt, und hiervon hängt letztlich der Erfolg des gesamten Entwicklungsprozesses ab, um so wahrscheinlicher ist, dass aus anfänglicher Kritik Zuspruch wird.

In knapp 7 Jahren, in denen ich im dt schreibe, sind gerade einmal zwei Fälle dokumentiert, in denen die Einführung eines neuen Logos aufgrund eines Aufbegehrens gestoppt wurde. Gegen das Logo der University of California wehrten sich tausende Universitätsangehörige, gegen das GAP-Logo gar hunderttausende auf Facebook. Solch ein Einlenken respektive Einknicken auf Seiten der Verantwortlichen ist jedoch sehr selten, die Wahrscheinlichkeit, mit solch einer Unterschriftenaktion Erfolg zu haben, ist sehr gering.

Michael Rösch, Vorstand und Managing Director der Designagentur wirDesign, die im Sommer 2011 ein neues Erscheinungsbild für die Stadt Nürnberg entwickelt hat, ist sich sicher: „Corporate Design für öffentliche Einrichtungen ist ein Prozess, der nur dann zum Erfolg führt, wenn die Qualität der Implementierung stimmt. Deshalb ist es unerlässlich, frühzeitig die richtigen Personen zusammenzubringen, um emotionale Barrieren zu vermeiden. Der eigentliche Faktor, der öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden muss, ist der Einsparungseffekt, der durch ein neues Corporate-Design-System erreicht wird.“ Hierzu später noch mehr.

Im Kommunikationsdesign stößt das Duden-Regelwerk an seine Grenzen

Bei der visuellen Kommunikation gelten die in der Rechtschreibung in Bezug auf die Lesbarkeit von Text vorgegeben Regeln in besonderer Weise. Während das Hinzufügen eines Bindestrichs in der Regel die Lesbarkeit eines Wortes innerhalb eines Textes verbessert, wirkt sich ein Bindestrich innerhalb eines Logos, das vor allem in puncto Einfachheit überzeugen muss, eher negativ aus. Schnelle Erfassbarkeit, leichte Reproduzierbarkeit und selbstverständlich auch formalästhetische Aspekte (Form, Ausdruck, Originalität), die allzu oft in derlei vorgetragener Kritik ausgeblendet werden, stehen im Kommunikationsdesign VOR der orthografischen Korrektheit!

Bekanntermaßen sind visuelle Zeichen um so verständlicher, je einfacher sie gestaltetet sind. Denken wir an Piktogramme und Verkehrsschilder, die uns den Weg weisen. Zusätzlicher visueller Ballast wie Verzierungen erschwert die Verständlichkeit ebenso wie zu eng gesetzte Buchstaben. Auch die Typographie verfolgt ähnliche Ziele. In einem über mehrere Jahretausende hinweg andauernden Prozess haben sich stets die Schriftzeichen mit den besten Leseeigenschaften durchgesetzt. In solch einer Evolution, wie sie etwa Adrian Frutiger in seinem Buch: „Der Mensch und seine Zeichen“ aufzeigt, gibt es kein richtig oder falsch, eben nur ein besser bzw. ein weniger gut. Die Formensprache, in der Reduktion die vielleicht wichtigste Erfordernis überhaupt im Design darstellt, ist keinem Rechtschreibregelwerk verpflichtet, sondern zunächst einmal der Form selbst.

Es ist wichtig, das Duden-Regelwerk zu kennen. Im Bedarfsfall ist es jedoch im Kommunikationsdesign unerlässlich, sich über geltende Rechtschreibregeln hinwegzusetzen. Dabei gilt für Kommunikationsdesign das gleiche wie für Rechtschreibregeln: in beiden Fällen ist die Verbesserung der Kommunikation das Ziel! Zweifelsfrei gibt es genügend Beispiele, die diesen theoretischen Ansatz untergraben, wohlgemerkt in beiden Bereichen. Verallgemeinerungen wie: falsche Orthografie = schlechtes Design sind ebenso unangebracht wie die Behauptung, Lokaljournalismus sei durchweg oberflächlich.

Corporate Design als Chance begreifen

Kommunikationsdesign stellt in weiten Teilen unserer Gesellschaft ein rein Kosten verursachendes Übel dar. Die Chancen und die positiven Effekte, die mit einem konsequenten, durchdachten und ansprechendem Corporate Design verknüpft sind, bleiben den Menschen meist, gerade in der lokalen Berichterstattung, verborgen. Ich stelle mir vor, wie ein Redakteur in seiner Recherche herausfände, dass mit Hilfe des neuen Corporate Designs die Ausgaben in der Stadtverwaltung in den vergangenen 10 Jahren um 10–20% gesenkt werden konnten. Initiale Kosten relativieren sich sehr schnell, wenn man das Thema Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Denn natürlich lassen sich Kosten senken, indem Broschüren, Plakate, Briefpapier und viele andere Medien mittels einheitlicher Gestaltung entworfen und gedruckt werden. Wo früher vielleicht 5 oder 6 Werbeagenturen beauftragt worden sind, zahlreiche Meetings geführt werden mussten, braucht zukünftig nach Implementierung eines neuen Designs womöglich nur noch ein Dienstleister aktiv werden. Auch das spart Geld, Zeit obendrein, weil Verantwortlichkeiten eindeutig und Abläufe klar sind.

Oftmals gleicht das Erscheinungsbild einer Stadt vor Beginn eines Redesigns einem bunten Wirrwarr. Dass sich solch ein Flickenteppich-Äußeres schlecht verkaufen lässt, sollte sich auch Nicht-Designern erschließen. Denn natürlich muss auch eine Stadt für sich werben, will sie Investoren und Touristen anlocken, möchte sie in der Gunst der Bürger bestehen.

Fair und fundiert, statt zugespitzt und oberflächlich

Wer Design als ein wichtiges Kriterium für den Kauf eines Autos, eines Smartphones, einer Markenjeans, von Schuhen oder der Wohnzimmereinrichtung nennt, und das tun weitaus mehr Menschen als in der Kreativbranche tätig sind, der dürfte die Bedeutung einer ansprechenden und in sich stimmigen Gestaltung im Bereich des Kommunikationsdesigns, zudem auch die Gestaltung eines Stadtlogos zählt, eigentlich nicht in Abrede stellen, schon gar nicht, wer aufgrund seiner schreibenden Profession in der Verantwortung steht, eine inhaltlich überzeugende, gerne kritische aber doch insgesamt faire Berichterstattung abzuliefern. Der Nachholbedarf auf Seiten der schreibenden Zunft ist diesbezüglich immens, ebenso der Hang zur Meinungsmache, gerade im Umfeld der angesprochenen Medien. Neu ist das nicht, auch keineswegs ein rein deutsches bzw. deutschsprachiges Phänomen, goutieren muss man es deshalb aber noch lange nicht.

Ich stelle mir vor, Nachrichtenredaktionen wiesen in ihren Meldungen über Design auf all diese Chancen hin, zumindest ansatzweise, die Design insbesondere Corporate Design bietet, anstatt re­pe­ti­tiv „Düsseldorf-Logo kostet 160.000 Euro“ zu kolportieren oder „Steuerverschwendung“ auszurufen. Die Motivation auf Seiten der verantwortlichen Autoren, in solch einem Maße zu polarisieren ist ausgeprägter als meine Naivität. So dürfte es beim frommen Wunsch bleiben. Und dennoch. Design scheint immer nur Schuld an allem zu sein. Darüber, wozu es gut ist, ließt man hingegen nur selten etwas, und damit meine ich keine „Unternehmen XY hat XY-Award in Silber gewonnen“-Meldungen, die sich in Selbstbeweihräucherung verlieren. Auch das muss sich ändern.

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115 Kommentare

  1. dass Studenten und Professoren nicht mehr in der Lage sind, Logoideen zu entwickeln und sich in die Typografie flüchten.

    So etwas kann man natürlich leichtfertig behaupten, hält in diesem Fall der Realität allerdings nicht stand. Alle am Prozess involvierten Personen kennen weitere Logoentwürfe, die eine Bildmarke in wappen-ähnlicher Form beinhalten. Genau dieser Fehler, anzunehmen, bei solch einem Gestaltungsprozess würde nur ein einziges Logo entwickelt, unterläuft vielen Redakteuren, weil sie sich leider zu wenig oder gar nicht mit der Thematik beschäftigen.

  2. @ Wolle

    „Oder würdest Du der Bevölkerung auch die Fähigkeit zur intuitiven Ästhetik absprechen?“

    Manchmal: ja.
    Es gibt solche Leute.
    Das sind die, die in Pseudo-Toskana-Bauhausdingern wohnen und Gefriermenüs in die Mikro schieben.

    Kein Witz, meine ich ernst.
    In meiner Verwandtschaft gibt es sie auch. Der schlechte Geschmack wird zum guten Geschmack erhoben, was kannst da noch sagen.

    Eine befreundete Illustratorin, eine wirklich gutmütige Seele, die die Menschen liebt, sagte neulich, sie mache nur noch für Agenturen, nichts mehr für Private. Sie hätten durch die Bank einen schlechten Geschmack und das Arbeiten mit ihnen sei ein Grauen, man könne ihnen noch so viel erklären, es hülfe nichts.
    Diese Dame ist wirklich nicht arrogant, sondern einen sehr liebe geduldige Seele, die gut erklären kann.

  3. @Florian:

    Die Kritik an der Kritik der Laien soll nicht heissen das alles was aus Designer Hand kommt automatisch gut ist und alle anderen keine Ahnung haben – es ist nur nicht hilfreich wenn am kern der Sache vorbei diskutiert wird weil den Laien (z.B. von der Journaille) keine Möglichkeit gegeben wird zu erkennen, worum es überhaupt geht.
    Oft genug steht am Ende ein logo im Mittelpunkt der Aufregung, fast neu wird thematisiert welches Erscheinungsbild es vorher gab, wie die Kommunikationsmittel der Stadt vorher aussahen, welche Ziele die Stadt erreichen wollte und vor allem welche Steine die öffentliche Hand als Auftraggeber den Büros in den Weg gelegt hat (Warum soll es denn den Designern anders gehen als den Flughafenbauern ;-)

    Zudem wird mit großer Beharrlichkeit ignoriert dass es nahezu unmöglich ist eine Stadt in einer Bildmarke zur Zufriedenheit aller zu repräsentieren. Die Stadt Kassel hat sich für die dokumenta und gegen die Gebrüder Grimm entschieden – freilich gefällt das einer Menge Kasseler Bürger nicht, aber wie wäre es anders herum ausgefallen?

    Die Hoffnung, ein Stadt-Logo müsste nur „gut“ genug sein, dann würde es schon jedem einzelnen Bürger gefallen, ist ein Hirngespinst. Das kann so ein Zeichen nicht erfüllen (Und die historischen Stadtwappen erfüllen das nur weil sie schon da waren bevor die heutigen Bürger geboren wurden).

  4. Liebe Vroni,

    ich muss tatsächlich sehr schmunzeln, vielen Dank dafür. Und vielen Dank auch für eine angeregte Diskussion im dt, das hat mir lange gefehlt.

    Hm, vielleicht sollte ich meinen Idealismus tatsächlich ein wenig herunterschrauben. Ich weiß nicht, ich fahre damit bislang sehr gut, auch pekuniär. Nicht nur aus diesem Grund hätte ich etwas dagegen, zum Zyniker zu werden. Bin ich naiv, wenn ich wieder und wieder versuche, den Menschen meine Arbeit nahezubringen, zu erklären – und nicht einmal meine Eltern bis heute verstanden haben, was genau ich da eigentlich mache?! Und wieso diskutieren Menschen differenzierter beim Design ihres Autos als beim Design ihres Stadtlogos?

    Vielleicht ist auch das von mir verwendete Wort „Arroganz“ falsch gewesen und Deine Wahl für „Zynismus“ trifft es viel eher.

    Das wahrhaft Interessante an der Diskussion ist, fällt mir gerade auf, dass sie seit über zweitausend Jahren in derselben Art geführt wird. Ich bin da eher bei Sokrates, Du wohl bei Platon.

  5. Liebe Vroni,

    auf deinen Beitrag #22 antwortend: Du hast mich leider missverstanden. Der Designprozess soll nicht demokratisch sein, das wird weder funktionieren noch zu einem belastbaren Ergebnis führen. „… das Logo mit Leben füllen und mit dem Logo leben ist Aufgabe der Einwohner, Gewerbetreibenden etc.“

    Um dein Beispiel des Motors aufzugreifen: Wenn die Entwickler einen in ihren Augen tollen Motor bauen, der mit Ethanol läuft, umweltfreundlich ist und nur von einem Ingenieur betankt werden darf, ist das mit Sicherheit eine tolle und ausgefeilte Sache. Nur wird der Motor niemandem nutzen, der kein Ingenieur ist und hunderte Kilometer von der nächsten Ethanol-Tanke entfernt wohnt. Der Motor ist also handwerklich perfekt ausgeführt, aber leider komplett am Bedarf vorbei. Und genau das passiert (nicht nur) beim Design eines Stadtlogos auch gern mal.

    Viele Grüße
    bertel

  6. @ Peter
    Wir müssen auf verschiedenen Sternen leben.

    Die Kreativen, mit denen meine unwichtige Wenigkeit Umgang hat – es tut mir leid, nur von solchen mir bekannten reden zu können, über Leute die ich nicht kenne, geht es ja nicht – haben eher ein Zuviel ans Selbstreflektion. Zweiflerisch, grüblerisch, lieber noch mal ganz neu ran, lieber eine ganz neue Idee, alles einstampfen einen Tag kurz vor der Präsentation. So sind wahre Kreative, so kenne ich sie.

    Werden dann empört vom Kundenberater (BWL-driven) zurückgepfiffen, ob sie spinnen, der Kunde würde das Vorliegende schon kaufen …, man verunsichere ihn nur mit neuen Ansätzen, die mitten im Prozess auftauchen.

    Von welchen Wesen sprechen … Sie?

  7. @Ein Gast:
    Aber da haben wir doch schon einen wichtigen Punkt: Die Bevölkerung einer Stadt hat eben KEINEN Bedarf an einem Stadtlogo. So ein Logo wird in allererster Linie von der Stadt (Verwaltung) selbst ver- und angewendet. Und genau hier liegen oft genug die Gründe warum ein Erscheinungsbild am Ende zu dem wurde was es ist. Design sollte ja nie Selbstzweck sein, um es zu beurteilen ist es immer sinnvoll die Aufgabenstellung zu kennen – aber genau das erfüllen die Medien in Bezug auf Stadtlogos nicht.

  8. Achim, dass weiß ja wohl jeder, dass mehrere Entwürfe präsentiert werden. Woher weißt du denn das wappenähnliche präsentiert wurden. Sitzt du im Stadtrat? Die Frage ist doch, wieso ein Logo gewählt wurde, dass nicht in der Lage ist, Einwohner, Touristen oder Investoren zu beeindrucken. Ist es doch generell das Recht und die Aufgabe der regionalen Presse über etwas zu berichten, das auch in meinen Augen schlecht ist. Der Bösewicht ist hier im konkreten Fall nicht die Presse sondern a. Studenten und Professoren und b. Stadtentscheider, die offensichtlich jedes Gespür für den Stellenwert verloren haben. Es ist im konkreten Fall Stadtlogo Kassel kein Populismus, etwas was schlecht ist auch als solches zu bezeichnen. Da braucht man noch nicht einmal Umfragen zu starten.

  9. @ Jürgen:

    Das ist das Totschlagargument: Ein Stadtlogo geht die Bürger der Stadt nix an, weil es ja nur um AUSSENwirkung geht. Das ist eine sehr einseitige und, wie ich finde, überhebliche Ansicht der Marke: Eine Stadt ist nichts weiter als ein großer Konzern, der nicht mit seinen Mitarbeitern, sondern mit seinen Kunden kommunizieren muss.

  10. Lieber Der Gast,
    komplett am Bedarf vorbei, das passiert in der Wirtschaft jeden Tag. Shit happens.
    Ist also keine Ur-Domäne von Designern.
    Bin dagegen, Designer ständig zu loben und zu puschen, aber auch dagegen, ihnen permanent den Elfenbeinturm vorzuwerfen. Das ätzt.

    Immerhin – und jetzt komm ich auf den Punkt – gibt es da noch nette Gremien, die Die Designer beauftragen, briefen und am Schluss deren Werk auch abnehmen, oder nicht. Ohne die geht kein Erscheinungsbild raus und erblickt das Licht der Welt. Hättens es halt nicht abgenommen, wenn es denn so am gefühlten Bedarf vorbei ist, Entschuldigung bitte!

    Was ist mit denen, mit den Marketinggremien? Immer unschuldig? Nie am Bedarf vorbei?
    Aber was solls, der Designer ist der Elfenbeintürmler und damit ist er verdächtig
    Manche Agenturen sollen ja indirekt mit der Vergütung Schmerzensgeld für ihr potenzielles Sündenbockdasein …

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