Kommunikationsdesign in der (lokalen) Berichterstattung

50000-euro

Im Zusammenhang mit der Vorstellung des neuen Corporate Designs der Stadt Kassel erscheint es mir sinnvoll, ein paar allgemeine Dinge anzusprechen. Wieder einmal wird deutlich, dass Kommunikationsdesign außerhalb der Kreativbranche zum Teil schwer(st) vermittelbar ist, vor allem die Notwendigkeit für Kommunikationsdesign. Seit vielen Jahren beobachte ich das im Umfeld zumeist lokaler Nachrichtenorgane stets sich auf die gleiche Weise abspielende Prozedere. Auch der Fall Kassel macht hier keine große Ausnahme.

Eine Stadt erhält ein komplett neues Erscheinungsbild. Ein Lokalredakteur nimmt sich der Sache an und berichtet: „Neues Logo der Stadt hat 50.000 Euro gekostet!“ (oder ähnlich). Was schon allein deshalb grober Unfug ist, da das Erscheinungsbild weit mehr umfasst als lediglich ein Logo. Schon allein die Überschrift samt Ausrufezeichen verdeutlicht, dass es dem Verfasser nicht um eine faire geschweige denn fundierte Berichterstattung geht, sondern um Meinungsmache. Der besagte Artikel wird durch eine tendenziell populistisch gefärbte Onlineabstimmung ergänzt, bei der sich schließlich mindestens 80% der Leser gegen das neue Logo aussprechen. In Folge des Artikels entsteht eine feurige, meist unsachlich geführte, weil kaum die eigentliche Gestaltung des Erscheinungsbildes betreffende Diskussion, die letztendlich aber doch den Artikel zum meistgelesenen Beitrag des Tages macht. Ziel erreicht? Wohl kaum.

Stadtlogos emotionalisieren

Ende 2011 schlugen in Oberbayern die Wellen hoch, als die Stadt Burghausen ihr neues Design präsentierte. Das Wochenblatt ließ sich damals zu der Überschrift hinreißen: „99 Prozent hassen das neue Burghausen-Logo“. Der verantwortliche Redakteur war vollkommen überzeugt davon, die gerade einmal etwa 300 Leser, die sich an einer Onlineumfrage beteiligten und mehrheitlich gegen das neue Logo stimmten, seien die notwendige Legitimation dafür, im Namen aller Bürger der Stadt sprechen zu dürfen, so zumindest liest sich die Überschrift. In diesem Fall war weniger das fehlende Fachwissen Grund für eine fruchtlose Berichterstattung samt nachfolgender Diskussion, sondern vielmehr der Hang zur Unsachlichkeit, mit der sich das Wochenblatt des Themas Redesigns näherte.

In einem Kommentar hier im dt bestritt der verantwortliche Redakteur Mike Schmitzer seinerzeit, die Onlineumfrage sei in irgendeiner Weise manipulativ, obwohl die Fragestellung eigentlich keine andere Deutung gestattet, da sie wie folgt formuliert war: „Soll die Stadt Burghausen ein neues Logo in Auftrag geben, das sympathisch wirkt und die Burg als Wahrzeichen miteinbezieht?“ Die Fragestellung impliziert, das jüngst vorgestellte Logo sei unsympathisch, weswegen ein weiteres neues Zeichen entwickelt werden müsse. Ein Rechenfehler, der dem Redakteur zudem unterlief, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf die lokale Berichterstattung in diesem Fall. Tatsächlich votierten 90,6% und nicht 99% im Sinne des Fragestellers. Zu verdanken ist dieses Ergebnis vor allem der zum Teil von Polemik durchzogenen Berichterstattung des Redakteurs.

Kritik, die an der Sache vorbei geht

Auch wenn im Fall Kassel der ursprüngliche Artikel der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) durchaus aufzeigt, dass ein Erscheinungsbild aus weitaus mehr als nur aus einem Logo besteht, wird das neue, rein typographische Logo von der Leserschaft verrissen, zu Unrecht wie ich meine. Wenn Steuergelder im Spiel sind, ist es um die Sachlichkeit oft schlecht bestellt. Dessen sollten sich Redakteure bewusst sein. In einer Rangliste der am dringlichsten benötigten Maßnahmen würden Bürger ein zeitgemäßes Erscheinungsbild ihrer Stadt vermutlich auf den allerletzten Platz manövrieren. Während in anderen Bereichen des Designs etwa im Möbel- und Produktdesign wie auch im automobilen Design die grundsätzliche Notwendigkeit von Design allgemein erkannt, anerkannt und ja sogar geschätzt wird, ist es im Kommunikationsdesign nach wie vor so, dass dieser Disziplin jeglicher Bedarf aberkannt wird. „Überflüssig wie ein Kropf“, heißt es dann gerne in Kommentaren und Artikeln.

HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse behauptet in seinem für die HNA verfassten Kommentar, die einzige zulässige Schreibweise im neuen Stadtlogo Kassels wäre „Kassel, documenta-Stadt“. Kurios: während er das Fehlen des Bindestrichs moniert, wird die Kleinschreibweise von „documenta“ mit keiner Silbe beanstandet. Die Kritik gilt zudem allein dem Logo, das aufgrund dieses scheinbaren Rechtschreib-Fauxpas eine „Torheit“ sei, ohne dass Bezug zum damit in Verbindung stehenden Erscheinungsbild genommen würde. Im Grunde genommen ist dies, als würde man den Inhalt eines Buches auf Grundlage seines Buchdeckels bewerten. Kann man machen, eine wertvolle Rezension sieht allerdings anders aus. Auch der Verweis auf das Regelwerk der Rechtschreibung geht an der Sache vorbei. Genauso gut könnte man kritisieren, die Logos, um nur einige wenige zu nennen, des Robert Koch-Instituts, des Vitra Design Museums oder der Konrad-Adenauer-Stiftung seien allesamt falsch, da hier die Orthografie nicht befolgt würde.

Banalisierung des Kommunikationsdesigns

Nicht, dass ich den Mangel an Fachwissen in Sachen Design/Kommunikationsdesign in Redaktionen beklagte, nichts läge mir ferner. Wer allerdings in dieses Themenfeld vorstößt und (ein) Design in Frage stellt, von dem darf erwartet werden, zumal ein Verlagshaus im Hintergrund steht, dass man sich ernsthaft mit dem Thema befasst, bevor Artikel verfasst werden. Und es darf erwartet werden, dass sich der Autor der Verantwortung bewusst ist, die er in Bezug auf die Meinungsbildung hat. Beides geht der allgemeinen Berichterstattung über Kommunikationsdesign leider meist ab.

Während in Nachrichtenhäusern Themen wie Politik, Wirtschaft, Technik, Sport, Theater oder Literatur nur von den jeweiligen verantwortlichen Redakteuren bespielt werden, laufen Designthemen gerne schon einmal unter Panorama – und hier darf offenbar Jeder schreiben, ungeachtet seines Schwerpunktes. Die Art und Weise der Berichterstattung ist mitverantwortlich für das verhältnismäßig schlechte Image, das Kommunikationsdesign in weiten Teilen der Gesellschaft genießt. Gerade auch ihr ist es zu verdanken, dass es den Werbefuzzi, den Videofritzen und den überbezahlten, unterbeschäftigten Grafiker gibt und kaum jemand im Stande ist zwischen Designer und Werber zu unterscheiden, mal abgesehen von Designern und Werbern.

Nach Jahrzehnten der Oberflächlichkeit auf Seiten der Nachrichtenredaktionen hat sich dieser zum Teil negative Eindruck von Kreativschaffenden eingestellt. Ich stelle mir vor, wie Autoren in hitzigen Diskussionen in Dialog mit der eigenen Leserschaft träten, um zu vermitteln, zu erklären, zu relativieren, um Substanz und Polemik zu sortieren. Moderation innerhalb der durch eigene Artikel angestoßenen Diskussionen findet in großen wie in kleinen Nachrichtenhäusern kaum statt, so zumindest mein Eindruck, was allerdings ein großes Manko darstellt, denn gerade auch der Dialog mit den Lesern/Zuschauern/Hörern zeichnet einen zeitgemäßen Journalismus aus.

Polarisieren statt erklären

Stattdessen wird Öl ins Feuer gegossen, wie etwa im Fall Zwickau, wo im März 2009 die Freie Presse zu einer fragwürdigen Unterschriftenaktion aufrief (dt berichtete: Wieviel Demokratie verkraftet das Design in Zwickau?), in der Hoffnung, damit die Einführung des neuen Stadtlogos zu stoppen. Die Agentur ö_konzept aus Zwickau sah sich seinerzeit massiver Kritik ausgesetzt, ungerechtfertigterweise, denn die Arbeit ist handwerklich sauber und visuell ansprechend. Mit einigen Hundert Unterschriften einen Prozess stoppen zu wollen, der zum Teil viele Monate, im Einzelfall sogar Jahre in Anspruch genommen hat – das ist töricht!

Ein gelungenes Konzept tauscht man nicht aufgrund eines Anflugs von Kritik aus. Hier heißt es auf Seiten der Verantwortlichen kühlen Kopf bewahren. Je besser die Implementierung des Designs gelingt, und hiervon hängt letztlich der Erfolg des gesamten Entwicklungsprozesses ab, um so wahrscheinlicher ist, dass aus anfänglicher Kritik Zuspruch wird.

In knapp 7 Jahren, in denen ich im dt schreibe, sind gerade einmal zwei Fälle dokumentiert, in denen die Einführung eines neuen Logos aufgrund eines Aufbegehrens gestoppt wurde. Gegen das Logo der University of California wehrten sich tausende Universitätsangehörige, gegen das GAP-Logo gar hunderttausende auf Facebook. Solch ein Einlenken respektive Einknicken auf Seiten der Verantwortlichen ist jedoch sehr selten, die Wahrscheinlichkeit, mit solch einer Unterschriftenaktion Erfolg zu haben, ist sehr gering.

Michael Rösch, Vorstand und Managing Director der Designagentur wirDesign, die im Sommer 2011 ein neues Erscheinungsbild für die Stadt Nürnberg entwickelt hat, ist sich sicher: „Corporate Design für öffentliche Einrichtungen ist ein Prozess, der nur dann zum Erfolg führt, wenn die Qualität der Implementierung stimmt. Deshalb ist es unerlässlich, frühzeitig die richtigen Personen zusammenzubringen, um emotionale Barrieren zu vermeiden. Der eigentliche Faktor, der öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden muss, ist der Einsparungseffekt, der durch ein neues Corporate-Design-System erreicht wird.“ Hierzu später noch mehr.

Im Kommunikationsdesign stößt das Duden-Regelwerk an seine Grenzen

Bei der visuellen Kommunikation gelten die in der Rechtschreibung in Bezug auf die Lesbarkeit von Text vorgegeben Regeln in besonderer Weise. Während das Hinzufügen eines Bindestrichs in der Regel die Lesbarkeit eines Wortes innerhalb eines Textes verbessert, wirkt sich ein Bindestrich innerhalb eines Logos, das vor allem in puncto Einfachheit überzeugen muss, eher negativ aus. Schnelle Erfassbarkeit, leichte Reproduzierbarkeit und selbstverständlich auch formalästhetische Aspekte (Form, Ausdruck, Originalität), die allzu oft in derlei vorgetragener Kritik ausgeblendet werden, stehen im Kommunikationsdesign VOR der orthografischen Korrektheit!

Bekanntermaßen sind visuelle Zeichen um so verständlicher, je einfacher sie gestaltetet sind. Denken wir an Piktogramme und Verkehrsschilder, die uns den Weg weisen. Zusätzlicher visueller Ballast wie Verzierungen erschwert die Verständlichkeit ebenso wie zu eng gesetzte Buchstaben. Auch die Typographie verfolgt ähnliche Ziele. In einem über mehrere Jahretausende hinweg andauernden Prozess haben sich stets die Schriftzeichen mit den besten Leseeigenschaften durchgesetzt. In solch einer Evolution, wie sie etwa Adrian Frutiger in seinem Buch: „Der Mensch und seine Zeichen“ aufzeigt, gibt es kein richtig oder falsch, eben nur ein besser bzw. ein weniger gut. Die Formensprache, in der Reduktion die vielleicht wichtigste Erfordernis überhaupt im Design darstellt, ist keinem Rechtschreibregelwerk verpflichtet, sondern zunächst einmal der Form selbst.

Es ist wichtig, das Duden-Regelwerk zu kennen. Im Bedarfsfall ist es jedoch im Kommunikationsdesign unerlässlich, sich über geltende Rechtschreibregeln hinwegzusetzen. Dabei gilt für Kommunikationsdesign das gleiche wie für Rechtschreibregeln: in beiden Fällen ist die Verbesserung der Kommunikation das Ziel! Zweifelsfrei gibt es genügend Beispiele, die diesen theoretischen Ansatz untergraben, wohlgemerkt in beiden Bereichen. Verallgemeinerungen wie: falsche Orthografie = schlechtes Design sind ebenso unangebracht wie die Behauptung, Lokaljournalismus sei durchweg oberflächlich.

Corporate Design als Chance begreifen

Kommunikationsdesign stellt in weiten Teilen unserer Gesellschaft ein rein Kosten verursachendes Übel dar. Die Chancen und die positiven Effekte, die mit einem konsequenten, durchdachten und ansprechendem Corporate Design verknüpft sind, bleiben den Menschen meist, gerade in der lokalen Berichterstattung, verborgen. Ich stelle mir vor, wie ein Redakteur in seiner Recherche herausfände, dass mit Hilfe des neuen Corporate Designs die Ausgaben in der Stadtverwaltung in den vergangenen 10 Jahren um 10–20% gesenkt werden konnten. Initiale Kosten relativieren sich sehr schnell, wenn man das Thema Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Denn natürlich lassen sich Kosten senken, indem Broschüren, Plakate, Briefpapier und viele andere Medien mittels einheitlicher Gestaltung entworfen und gedruckt werden. Wo früher vielleicht 5 oder 6 Werbeagenturen beauftragt worden sind, zahlreiche Meetings geführt werden mussten, braucht zukünftig nach Implementierung eines neuen Designs womöglich nur noch ein Dienstleister aktiv werden. Auch das spart Geld, Zeit obendrein, weil Verantwortlichkeiten eindeutig und Abläufe klar sind.

Oftmals gleicht das Erscheinungsbild einer Stadt vor Beginn eines Redesigns einem bunten Wirrwarr. Dass sich solch ein Flickenteppich-Äußeres schlecht verkaufen lässt, sollte sich auch Nicht-Designern erschließen. Denn natürlich muss auch eine Stadt für sich werben, will sie Investoren und Touristen anlocken, möchte sie in der Gunst der Bürger bestehen.

Fair und fundiert, statt zugespitzt und oberflächlich

Wer Design als ein wichtiges Kriterium für den Kauf eines Autos, eines Smartphones, einer Markenjeans, von Schuhen oder der Wohnzimmereinrichtung nennt, und das tun weitaus mehr Menschen als in der Kreativbranche tätig sind, der dürfte die Bedeutung einer ansprechenden und in sich stimmigen Gestaltung im Bereich des Kommunikationsdesigns, zudem auch die Gestaltung eines Stadtlogos zählt, eigentlich nicht in Abrede stellen, schon gar nicht, wer aufgrund seiner schreibenden Profession in der Verantwortung steht, eine inhaltlich überzeugende, gerne kritische aber doch insgesamt faire Berichterstattung abzuliefern. Der Nachholbedarf auf Seiten der schreibenden Zunft ist diesbezüglich immens, ebenso der Hang zur Meinungsmache, gerade im Umfeld der angesprochenen Medien. Neu ist das nicht, auch keineswegs ein rein deutsches bzw. deutschsprachiges Phänomen, goutieren muss man es deshalb aber noch lange nicht.

Ich stelle mir vor, Nachrichtenredaktionen wiesen in ihren Meldungen über Design auf all diese Chancen hin, zumindest ansatzweise, die Design insbesondere Corporate Design bietet, anstatt re­pe­ti­tiv „Düsseldorf-Logo kostet 160.000 Euro“ zu kolportieren oder „Steuerverschwendung“ auszurufen. Die Motivation auf Seiten der verantwortlichen Autoren, in solch einem Maße zu polarisieren ist ausgeprägter als meine Naivität. So dürfte es beim frommen Wunsch bleiben. Und dennoch. Design scheint immer nur Schuld an allem zu sein. Darüber, wozu es gut ist, ließt man hingegen nur selten etwas, und damit meine ich keine „Unternehmen XY hat XY-Award in Silber gewonnen“-Meldungen, die sich in Selbstbeweihräucherung verlieren. Auch das muss sich ändern.

110 Kommentare zu “Kommunikationsdesign in der (lokalen) Berichterstattung

  1. Vielen Dank für diesen Artikel! Das immer wiederkehrende Problem der sehr oberflächlichen Berichterstattung (insbesondere der lokalen Medien) zu diesem Thema wird sehr gut und reflektiert auf den Punkt gebracht.

  2. Der Artikel bringt viele Dinge auf den Punkt. Die Wertlosigkeit von Online-Umfragen und meist auch von Leser-Kommentaren ist aber kein Phänomen, das auf dieses Thema beschränkt ist.

    Nicht ganz unterschreiben kann ich jedoch die Ausführungen zum Thema Rechtschreibung. Ich weiß, dass es für viele nicht nachvollziehbar ist, aber es gibt nun einmal Leute wie mich, denen Abweichungen dieser Art dominierend ins Auge springen und so die ganze Arbeit herunterziehen. Dies betrifft falsche Apostrophe, Anführungen, Komposita mit Leerzeichen und schlicht auch Rechtschreibfehler.

    Der Punkt ist, dass diese Abweichungen in der Regel schlicht unnötig sind und sich die Frage stellt, ob – wenn denn tatsächlich eine Intentition vorliegt – diese tatsächlich den hohen Preis wert ist, auch als Fehler und damit schlimmstenfalls als Dilettantismus wahrgenommen zu werden. Dies kann man in der Regel verneinen: „documenta“ klein zu schreiben ist eine rein typografische Angelegenheit und kann nicht mit einem verbreiteten Fehler verwechselt werden. Der fehlende Bindestrich hingegen schon – zumal er ja auch keinerlei gestalterische Punkte bringt. Der Vergleich hinkt also etwas.

    Ich weiß, mit dem letzten Hinweis bin ich im „design tagebuch“ offensichtlich falsch, aber Gestalter sollten doch auch das Phänomen berücksichtigen, dass es nicht wenige Leute gibt, die Fehler als solche wahrnehmen – und damit als Mangel. Und sich überlegen, ob der „intendierte Fehler“ tatsächlich gestalterisch so viel bringt, dass dieser Effekt ignoriert werden darf.

  3. Hallo Achim,

    danke für diesen Artikel!
    Während man sich vermutlich kaum wundern muss warum die Journaille in Zeiten des Verlagssterbens und prekärer Journalisten-Honorare nur wenig fachliche Qualität zu bestimmten Themen liefern kann, weist die äusserst ungenügende Darstellung von Design-Arbeit in der Öffentlichkeit doch auf ein größeres Problem hin.
    Meiner Meinung nach ist die künstlerisch-ästhetische Bildung in unserer Gesellschaft deutlich ausbaufähig.
    Eine Diskussion um Design dreht sich in der Breite, in den meisten Fällen, um Automobile, mit etwas Abstand findet noch die Gestaltung von Unterhaltungselektronik etwas Beachtung. Darüberhinaus wird Gestaltung schlicht hingenommen, weder kommentiert, noch kritisiert. (Beispiel: Das SZ Magazin bespricht in seiner jährlichen Designausgabe nahezu ausschließlich Nippes-Produkte – Grafik scheint, trotz des durchaus hohen Anspruches des Hefts, nicht als interessante “Design-Disziplin” durchzugehen, nicht einmal ausnahmsweise).

    Im Gespräch mit Laien habe ich immer wieder den Eindruck einer großen Unsicherheit in Bezug auf die Beurteilung von Grafik oder Design. Man muss manchen Leute wahrlich zwingen ihre Eindrücke zu schildern, es fehlt, neben dem beschreibenden Wortschatz, auch am Selbstbewusstsein eine eigene Meinung zu vertreten. Ich persönlich meine das diese subjektiv empfundene Unsicherheit zuweilen in eine solide Abwehrhaltung gegenüber diesen Fragen mündet – “Unsinn, Nutzlos, Unnötig” sind häufige gebrachte Totschlagargumente um sich der Frage der Beurteilung zu entziehen.

    Ich bin mir nicht sicher ob das technik-orientierte Deustchland eine gesteigerte Sensibilität für die ästhetisch-künstlerischen Aspekte unseres Alltags jemals erreichen kann. Meiner Meinung nach ist schon die Rolle der Kunsterziehung in Schulen zu klein bzw. zu fehlgeleitet.
    Darüberhinaus reflektieren wir unsere allzeit-dominante Medienwelt zu wenig: Meines Wissens nach, gibt es im deutschen TV nur eine einzige (!) Sendung die sich kritisch mit Medien, speziell TV, auseinandersetzt (“Zapp” im NDR). Angesichts der großen Motivation der Menschen, sich ständig über ihren Medienkonsum auszutauschen (“gestern Tatort gesehen?”) sollten man doch meinen dass die Beschäftigung mit sich selbst, mehr Raum in den Medien einnehmen könnte.

  4. Das ist halt das alte Problem mit Leuten, die nichts davon verstehen. Gerade bei IT’lern seh ich auch oft, dass die nur die technische Umsetzung sehen. Nach dem Motto “lol, 50.000€ für nen Namen in Schriftart XY? Das kann ich auch in 10s in Paint machen”. Von der Arbeit dahinter wissen die gar nichts und wollen es oft auch gar nicht.

  5. Ein lesenswerter Artikel.
    Man kann nicht erwarten dass Redakteure oder Leser wissen welche Überlegungen und Arbeit z.B. in einem neuen Stadtlogo stecken, man sollte aber erwarten können dass jemand der einen Artikel schreibt sich über die Hintergründe und Entstehung informiert. Gleichzeitig ist besonders bei Logogestaltung von öffentlichen Auftraggebern (da ist der Steuerzahler empfindlicher) wichtig dass die Entstehung, Notwendigkeit des Redesigns kommuniziert wird. Es geht um Kommunikationsdesign, da sollte am Ende nicht nur ein stummes Logo stehen sondern es sollte das ganze Vermittelt werden. Das passiert in vielen Fällen erst nach der Welle der Entrüstung.

  6. Danke Achim für Deinen Artikel, danke Jürgen für Deinen Kommentar!

    Es ist für die Entwicklung der allgemeinen Akzeptanz enorm wichtig, die Bedeutung und die Relevanz von Kommunikationsdesign immer wieder sachlich und schlüssig zu erklären – Eure Beiträge leisten dazu wertvolle Hilfe.

    Statt uns immer wieder (natürlich allzu menschlich!) von 2,50-€-Logoklitschen-Verteidigern zu fruchtlosen Grabenkämpfen provozieren zu lassen, sollten wir Kommunikationsdesigner uns besser auf das konzentrieren, was unseren Beruf ausmacht: Kommunikation. Erklären, warum eine gute Gestaltung wichtig ist und was sie zu beeinflussen vermag. Die Zusammenhänge sichtbar machen zwischen guter Gestaltung und Akzeptanz/Bekanntheit/Wiedererkennung/Funktionalität einer Marke, eines Produktes oder auch einer Dienstleistung. Und neben der reinen Aufklärungsarbeit müssen wir die in Achims Artikel geschilderte Kritik zum Ansporn nehmen, konzeptionell so sauber und nachvollziehbar wie möglich zu arbeiten um geschmäcklerischen Diskussionen sachlich und perfekt vorbereitet begegnen zu können.

    Wichtig ist, gerade so kritisch beobachtete Projekte wie die Entwicklung von Erscheinungsbildern für Gemeinden/Städte/Bundesländer o. ä. sauber zu erklären und die interessierte/kritische/skeptische Öffentlichkeit auf diese Weise zu informieren und bestenfalls auch zu überzeugen, dass die geleistete Arbeit auf fundierter konzeptioneller Grundlage basiert und in ihrer Komplexität und dem geleisteten Umfang ihre monetäre Vergütung (mehr als) wert ist. Ich glaube, dass noch zu häufig unterschätzt wird, wie wichtig eine begleitenden Öffentlichkeitsarbeit ist, die interessierten Betrachtern die theoretische Basis eines solchen Projektes erklärt. Leider viel zu oft werden der Öffentlichkeit solche Projekte von fachfremden Menschen (Verwaltungsangestellten, Lokalreportern, etc.) präsentiert, die mehr schlecht als angemessen auf Nachfragen reagieren können und die das Projekt vielleicht auch gar nicht in vollem Umfang kennen. Auch dies, die umfassende Vorbereitung der Kommunikatoren, der Distributoren und auch der Anwender neuer Corporate Designs (und anderer Bestandteile der Corporate Identity), muss von uns im Vorfeld der Markeneinführung bedacht, vorbeitet und verbreitet werden.

    Auch in diesem Sinne noch einmal herzlichen Dank, Achim und Jürgen!

    Edit: Tippfehler

  7. Ich meine, das ist kein Phänomen, das speziell die Kommunikation von Gestaltungslösungen betrifft, sondern ist viel allgemeiner ein Qualitäts/Interessen-Problem …

    Praktisch bei jedem Thema, bei dem man sich selbst auskennt, erkennt man die schlechte Qualität der Berichterstattung (wobei es dabei nicht darum geht, dass der eigene ach so wichtige Fachbereich nicht in Inhalt und Umfang entsprechend “gewürdigt” wird, es geht schlicht um handwerkliche Mängel oder Ignoranz).

    Die Weise wie und der Zweck warum Online- und zunehmend auch Zeitungsartikel in Regionalmedien geschrieben werden, ist ja leider selten Berichterstattung in diesem Sinne, sondern Generierung von attraktivem “Content”, der dann die Werbekunden davon überzeugen soll, dass da eine lebhafte Leser-Gemeinschaft auf ihre Angebote wartet.

    Für ernsthaften Journalismus gibt es in diesem Bereich zu viele Anbieter (mit Geschäftsmodell-bedingtem Interessenskonflikt), zu wenig relevante Themen und Ereignisse – und eine zu kurze Aufmerksamkeitsspanne der Journalisten und Leser.
    Das Resultat sind dann eben Füll- und Skandal-Artikel mit Symbolbildchen und Meinungsmache, die die Leser bei Laune halten sollen – nicht dass die noch weg gehen. Aus Geschäftssicht (im Sinne von “Lokal-Vermarkter” statt “Lokal-Medium”) ist das ja nachvollziehbar – es bleibt hat das Sachthema dabei auf der Strecke.

    (In unserer Region kommt dann noch dazu, dass der Platzhirsch seinen Markt mit Aufkäufen, Me-Too-Produkten und politisch-wirtschaftlichen Kooperationen extrem aggressiv verteidigt, und somit auch gleich noch alle Alternativen, die es vielleicht besser machen wollten, im Keim erstickt … somit haben wir keine Lokalpresse, sondern nur ein Marketing-Unternehmen mit dem Vertriebskanal “Zeitung”)

  8. Hallo Achim, herzlichen Dank für Deinen Artikel!

    Ich glaube, dass „die Leute“, welche sich instinktiv zu einer negativen Aussage zu dem Logo hinreißen lassen einfach kein Vokabular besitzen, um ihre Gefühle in adequate Worte zu fassen. Wie bei allen Diskussionen gilt: nur wenn ich Vokabeln und ein Hintergrundwissen besitze, kann ich mich sachlich austauschen, bin ich in der Lage das Thema zu durchdringen, zu reflektieren und im Diskurs zu einer eigenen fundierten Meinung zu kommen. Das soll nun keine Entschuldigung für die harschen Kritikführer sein – im Gegenteil. Und die Journalisten, die solche Texte veröffentlichen sind schlicht unprofessionell, Kostendruck hin oder her.

    Ich würde mir wünschen, dass solche Beiträge wie Deiner, nicht nur in Designerkreisen gelesen werden, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Liebe Zeitungen, wie wäre es mit einer Rubrik Besprechung zeitgenössischer Designarbeiten!?

  9. Ich muss leider sagen, dass die Diskussion und auch die hohe Zustimmung in den Kommentaren letztlich nur die Sicht von außen wiedergibt und ich sie im konkreten Fall auch für falsch halte. Es führt auch nicht weiter, einem Großteil der Bevölkerung (hier der Kasseler) schlicht die Beurteilungsfähigkeit abzusprechen. Letztlich möchte man sich als Einwohner auch mit seinem Stadtlogo identifizieren. Das gelingt mir mit dem neuen Kassel-Logo nicht. Bereits die Heraldiker des Mittelalters hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das Typische einer Stadt im Wappen abzubilden. So war das auch in Kassel. Im neuen Logo spielt weder die Tradition noch die Vision für die Stadt Kassel eine Rolle. Wo sind denn Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen den Städten, wenn eine rein typografische Lösung gewählt wird. Im Artikel stand: Denn natürlich muss auch eine Stadt für sich werben, will sie Investoren und Touristen anlocken, möchte sie in der Gunst der Bürger bestehen. Wie soll das denn mit diesem Logo gelingen: http://www.hna.de/nachrichten/stadt-kassel/kassel/stadt-kassel-neues-logo-jubilaeum-2679396.html

  10. Sehr lesenswerter Beitrag, Achim.
    War überfällig. Mich bedrücken solche Berichterstattungen auch, denn sie ziehen das Fach auch in anderen Bereichen als dem von Stadterscheinungsbildern und Stadtmarketing herunter. Es macht das ganze Fach schlecht. Statt Kompetenz-Transfer findet ein anderer Transfer statt: der Bedeutungslosigkeits-Transfer.

    Nur:
    Stadt-Erscheinungsbilder sind etwas anders. Sie haben halt einen starken politischen Bezug.

    Und bei Politik und Geldausgeben darf geholzt werden, sagt sich die Journaille. (Auch ein Grund, sich nicht in die Politik zu begeben, wenn man nicht gerade ein Gemüt wie ein Holzstock hat …, die sich in Demission von der Politik befindliche Frau Weisband kann sicher etwas darüber erzählen. Zumindest liest sie laut eines Interviews keine Leserkommentare unter auf sie bezogene Artikel mehr.)

    Man wird die Journaille leider nicht ändern.

    Man wird das Netz nicht ändern. Man schreibt gern oberflächlich (wer von den Nicht-Fach-Journalisten hat Ahnung vom Design. Helfen Workshops für Journalisten was?) man hetzt gerne, das gibbet Traffic. Man erlebt als Leser auch, dass selbst Fachjournalisten, ich nenne jetzt mal den Finanzbereich, zu schlampiger Recherche, launigen hohlen Headlines und zu Wirtschafts-Hofberichterstattung im Besonderen neigen.

    Wer es erkennt:
    Bei Artikeln zum Thema Design in “normalen” Blättern, die nicht PAGE oder Architectural Digest sind, erkennt man als Fachbetroffener fehlende Informationen bei oberflächlichen und hechelnden Artikeln recht rasch, keine große Kunst. Und ärgert sich.

    Woanders aber eher nicht. Es fällt einem nur auf, wenn der Tonfall arg hetzend ist, oder: Tata! wenn man zufällig vom Thema Ahnung hat. (Auch ein Designer kann durchaus über andere Themen als Design zufällig mal Bescheid wissen :-) Ist mir schon ein paarmal passiert, dass ich dann sporadisch merke wie dünn und schlecht recherchiert auch über andere Themen geschrieben wird. Ein Problem der ganzen Journaille, der Qualitätszeitungen? Aber ja.

    Aber kann man das Leservolk, was Design betrifft, ändern?

    Gebe Herrn Gawron unbedingt Recht, der hier eben sagte:

    Meiner Meinung nach ist die künstlerisch-ästhetische Bildung in unserer Gesellschaft deutlich ausbaufähig.

    Zu diesem Statement könnte ich jetzt einen umfangreichen Ausflug in unsere (Un-) oder Nicht-Kultur der ästhetischen Bildung starten, die in der Schule misslich losgeht und in der Universität kläglich endet. Wird zu sehr offtopic.

    Werde das Gefühl nicht los (ist nur ein Gefühl, nichts Ernstes), dass in Nachbarstaaten, wie zum Beispiel den Niederlanden, auch im breiten Volk mehr Design, Kommunikationsverständnis und Ästhetik-Sinn verankert ist als bei uns. Wir sind halt die Autobauernation. Ich merke das jeden Tag in meinem eigenen bescheidenen Office. Wenn’s arg kommt, drohe ich dann innerlich mit Auswandern. :-) Ob’s was hülfet?

  11. Man wird die Journaille zwar nicht ändern, aber man kann sie nutzen.

    Ist nur eine Idee:
    Was das Produktdesign regelmäßig macht: Artikel in SPon oder anderswelche “Normalo”-Blätter, die von allen gelesen werden, über ihre Arbeit lancieren, das kann man auch über Corporate Design machen. Nennt sich öffentliche Kommunikation, bösartigere Zungen nennen das Public Relations.

    Sehe ich aber nirgends. Nicht in Normalo-Blättern

    Es liegt also auch – ein wenig – an der sehr sehr schlechten und unsystematischen Eigendarstellung des Corporate Designs in der “normalen” Öffentlichkeit.

    Was sich dann wie ein Hurrikan rächt, wenn wieder mal ein Stadterscheinungsbild verrissen wird. Lieber tummeln sich die meisten Corporateler in ihrer Kuschelblase, der Filterbubble, als da sind ihre eigenen Leib- und Magen-Fachblätter und ihre Award-Tournees. Sie sind zwar aufgeschreckt und tödlich beleidigt, wenn ein übel duftendes Pressewindchen gegen sie weht, aber nach dem Ende des echten oder des Pseudo-Hurrikans haben sie es meist wieder vergessen. :-)

    Nix für ungut. Bin auch nur ein kleiner Gestalter, der sich tierisch freut, wenn er mal Auftraggeberseits mehr machen darf als das übliche Blingbling samt Eye Candy. Das übliche Blingbling samt Bürokratiekram und Forderungsmanagement absorbiert ein kleines Office wie mich tatsächlich oft so, dass man für Dinge wie “Öffentlichkeitsarbeit” oder gar “Vorträge” keinerlei Sinn hat. Das wird in halblustige Bemerkungen erstickt wie “Wohl noch Pommes dazu? Majo? Wie hättmers denn gern?”
    Auf Deutsch: keine Kraft zu so etwas auch noch.
    Und über unsere Verbände hab ich mich schon genug geäußert. In meinen Augen versagen sie ebenfalls völlig.

  12. bravoks
    am 11. Januar 2013 um 10:29 Uhr
    “documenta ist ein Markenname und kann deshalb so geschrieben werden…”

    Wenn schon Markenname, dann doch so “dOCUMENTA”.

  13. Zu dem Kommentar 4 von Nicola:

    (…) und kann nicht mit einem verbreiteten Fehler verwechselt werden. Der fehlende Bindestrich hingegen schon – zumal er ja auch keinerlei gestalterische Punkte bringt. Der Vergleich hinkt also etwas.

    Wenn hier die Reduktion Konzept ist, sind fehlende Bindestriche eben doch ein entscheidendes gestalterisches Mittel. Auch zieht mehr Farbe/ ein dunklerer Grauwert das Auge stärker zum Claim, der aber sicherlich erst als zweites wahrgenommen werden soll.

    Noch dazu passiert noch etwas durch die Trennung: Man kann es (sinngemäß) lesen:

    Dokumenta-Stadt

    oder

    dokumenta
    stadt

    da steckt in meinen Augen einfach mehr drin als in einem “korrekten” “Dokumenta-Stadt”

    Darüber hinaus wird niemand (!) glauben, dass ein Schreibfehler Ursprung des ganzen gewesen sein könnte. Ich halte es darum für etwas kleinkariert auf Rechtschreibung zu pochen, wenn es eigentlich um Lyrik geht. Sprache und Schrift ist eben sehr viel mehr als nur “alles richtig machen”.
    Diese Art der Gestaltung erschließt sich nun vor allem etwas feinsinnigerem Publikum; wobei ich womöglich auch das eine oder andere zu kritisieren hätte.

  14. Erst einmal Hochachtung und Bewunderung für Deine fundierte und ausführliche Auslassung, Achim. Vielen Dank dafür.

    Dennoch bin ich ein wenig zwiegespalten: Es liest sich nicht nur aus Deinem Text, sondern auch aus vielen Kommentaren hier und unter anderen Artikeln heraus, dass, würde der Pöbel über einen entsprechenden Wortschatz oder eine entsprechende Bildung verfügen, anders zu diesem oder jenem Logo stehen. Das offenbart eine gewisse, man möge es mir verzeihen, Arroganz gegenüber den Unstudierten, denen für die Beurteilung einer solchen Arbeit nichts anderes zur Verfügung steht als ihr ganz ureigenes subjektives Geschmacksempfinden.

    Selbst unter Studierten ist das Urteil seltenst einhellig: Mancher wird das neue Kassel-CD als gut empfinden, mancher (wie ich) wird es eher als, vielleicht nicht schlecht, aber dennoch ungeeignet empfinden.

    Dass einseitiger, interessengelenkter (und in Zeiten klammer Verlagskassen auch unfundierter) Journalismus nicht sein darf, sollte jedem klar sein. Dennoch bin ich für einen Journalismus, der sich kontrollierend und nachfragend der Dinge nähert. Und da nicht nur die Verlags-, sondern auch die Stadtkassen klamm sind, empfinde ich die Frage nach Sinn und Zweck einer 70.000-, 100.000-, oder 1.000.000-Euro-Investition in ein neues Corporate Design als legitim. Wobei, wie gesagt, eine der möglichen Antworten auch immer sein muss: “Ja, es ist die Investition wert.” Wie Du ganz richtig schreibst, wird diese Antwortmöglichkeit leider im Vornherein bereits ausgeschlossen. Offensichtlich scheint inzwischen jegliche Ausgabe unnütz.

    In der Beurteilung von Leserumfragen und Leserkommentaren gebe ich Dir absolut recht: Wenn 300 Bürger 99% sein sollen, stimmt im Journalistenhirn irgendwas nicht. Aber auch hier: Gegenstimmen sollte man trotz eventueller Minderheit nicht unter den Tisch fallen lassen, sondern trotzdem ernst nehmen und ihnen mit guten Argumenten begegnen. Und sich auch selbst öffnen, denn vielleicht sind gerade diese 300 Bürger, die sich zu Wort melden, ja diejenigen, die über den entsprechenden Wortschatz und/oder die entsprechende Bildung verfügen.

    Desweiteren bin ich absolut bei Nicola: Auf korrekte Rechtschreibung und Orthografie zu verzichten mag zwar manchmal besser aussehen, dass der Verzicht aber zu besserer Lesbarkeit / besserem Verständnis führt, halte ich jedoch für ein Gerücht. Wenn seit vielen Jahren “documenta-Stadt” geschrieben steht, wird ein “documenta Stadt” wohl eher als störend bis falsch empfunden werden. Auch wenn’s besser aussieht.

  15. Schade, dass der Artikel genau so subjektiv und emotional ist wie die darin kritisierten Zeitungsartikel.

    Mit einigen Hundert Unterschriften einen Prozess stoppen zu wollen, der zum Teil viele Monate, im Einzelfall sogar Jahre in Anspruch genommen hat – das ist töricht! Was bitte hat denn die Prozessdauer mit dem Ergebnis zu tun? Wenn nach Jahren Mist rauskommt, darf der Mist nun mal gestoppt werden.

    Die Agentur ö_konzept aus Zwickau sah sich seinerzeit massiver Kritik ausgesetzt, ungerechtfertigterweise, denn die Arbeit ist handwerklich sauber und visuell ansprechend.
    Handwerklich sauber mag sie sein. Wenn sie für alle visuell ansprechend wäre, hätte es dann so viel Gegenwind gegeben? Eher nicht. Wer legt fest, ob sie visuell ansprechend ist? Der Autor?

    Bei der ganzen Diskussion wird wieder einmal nicht bedacht, dass weder die Agentur noch ein paar wenige Entscheider und Gestalter mit dem Logo leben und das Logo mit Leben füllen müssen, auch wenn es in den Augen dieser Weniger noch so gelungen ist. Vielmehr ist das Aufgabe der Einwohner, der Gewerbetreibenden, der im Tourismus Tätigen. Wenn sie nicht hinter dem Logo stehen können oder wollen, hat es nun mal sein Ziel verfehlt.

  16. „In knapp 7 Jahren, in denen ich im dt schreibe, sind gerade einmal zwei Fälle dokumentiert, in denen die Einführung eines neuen Logos aufgrund eines Aufbegehrens gestoppt wurde.“

    Wurde das Logo der Grünen nicht auch nochmal neu gemacht, nachdem sich die Basis beschwert hat?

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