in eigener Sache: Nutzung von AdBlockern

Faibl Logo

AdBlocker sorgen dafür, dass Werbung auf Websites ausgeblendet wird. Das ist soweit bekannt. Was Viele allerdings nicht wissen, ist, dass dadurch Website-Betreibern Einnahmen entgehen, auch mir, denn tatsächlich nutzt derzeit jeder vierte dt-Leser einen AdBlocker. Ein Viertel aller Leser bekommt erst gar nicht die im dt geschaltete Werbung zu Gesicht. Vor diesem Hintergrund möchte ich gerne insbesondere alle Leser, die einen AdBlocker in ihrem Browser nutzen, für ein Thema sensibilisieren, das nicht nur das dt betrifft, sondern auch viele andere Blogs und Websites, so sie denn ebenso werbefinanziert sind wie das dt.

Viele dt-Leser machen sich vermutlich gar keinen Kopf, wie es dazu kommt, dass in diesem Blog fast täglich Designentwicklungen und -trends vorgestellt werden. Aus Begegnungen mit anderen Designern und anhand von E-Mails weiß ich, dass das dt für viele Kreative zur täglichen Lektüre gehört. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Ich recherchiere nicht nur nach Designthemen, schreibe nicht nur entsprechende Artikel, sondern kümmere mich auch um die gesamte Infrastruktur und Pflege der Website. Ich bin Designer, Autor, Chefredakteur, Texter, Webworker, Projektleiter, Social Media Manager, Systemadministrator, Anzeigenverkäufer und koche auch meinen Kaffee selbst.

Ich empfinde es als Privileg, dass ich all das tun kann und zwar völlig unabhängig. Wenn ich meine Nase in aktuelle Designentwicklungen stecke, um darüber zu schreiben, mich mit Agenturen, Kollegen und Unternehmen austausche, um Bildmaterial und Texte zusammenzutragen oder aber neue wie ältere Bücher wälze, um darin spannende Geschichten aufzuspüren, dann empfinde ich dabei eine tiefe Befriedigung. Es macht einfach unbändig Spaß, sich in dieser Nische, die Kommunikationsdesign nun einmal darstellt, herumzutreiben, auch um dieses Fachthema gerade denen zugänglich zu machen, die mit Corporate Design sonst nichts zu tun haben. Aus einer anfänglichen Liebelei ist schon vor geraumer Zeit ein Projekt erwachsen, das einen Großteil meiner Arbeit ausfüllt. In den letzten 4 Wochen haben über 104.000 Menschen das dt besucht; ein kleiner Rekord.

Soweit ein paar einführende Sätze. Warum ist mir das Thema AdBlocker so wichtig? Würde Jeder einen AdBlocker nutzen, dann gäbe es viele Websites im Netz gar nicht, vermutlich auch nicht das dt. Um es in vier Worte zu kleiden: Keine Werbung, kein dt. Insofern sind die vergleichsweise wenigen Werbeflächen hier im dt – es gibt weder Wallpaper, noch PopUps, noch Layer und auch keine PopUnder! – von umso größerer Bedeutung für die Monetarisierung dieses Blogs. Auf diesen Umstand möchte ich nicht nur im Rahmen dieses Artikels aufmerksam machen, sondern auch mit Hilfe eines Hinweises (siehe Abb. unten), der seit ein paar Stunden hier im Blog erscheint. Jeder, der einen AdBlocker nutzt, sieht diesen Hinweis ab sofort dort, wo sonst die Werbung steht.

Faibl-Hinweis im dt

Dass trotz aktivem AdBlocker dieser Hinweis erscheint, dafür sorgt Faibl. Bereits seit 2012 besteht Faibl.org. Die dazugehörige Firma wurde vor genau einem Jahr gegründet. Seit einer Woche nun geht man das Thema Vermarktung an und so habe ich erst gestern erfahren, dass es Faibl gibt. Weil mir der Ansatz von Faibl viel besser gefällt als alles andere, was bis dato im Zusammenhang mit Monetarisierung von Webinhalten erschien, habe ich mich kurzerhand mit dem dt bei Faibl registriert.

Von Flattr oder Kachingle war ich nie überzeugt, weil es Website-Betreiber tendenziell in die Position eines Bittstellers bringt und Leser dazu nötigt, einen finanziellen Beitrag leisten zu müssen. Beides erscheint mir wenig sinnvoll. Da ich eine Paywall ebenso ablehne wie bezahlte Blogbeiträge, besteht die einzige Möglichkeit darin, mit Hilfe von Werbung Einnahmen zu generieren. Für die Akzeptanz von Werbung hier im dt werbe ich seit je her.

Nachdem ich anfänglich selbst mit einem AdBlocker im Netz unterwegs gewesen bin, habe ich das Add-On bereits vor vielen Jahren entfernt, auch weil ich weiß, wie wichtig es für Blogbetreiber ist, dass mir Werbung angezeigt wird. Nur dann nämlich habe ich als Leser die Chance, auf einen Banner zu klicken, um auf diese Weise das Fortbestehen einer Website, eines Blogs zu sichern. Jeder, der Meinungsvielfalt und die Unabhängigkeit von Medien schätzt, sollte sich dessen bewusst sein. Auch deshalb halte ich sehr viel von Faibl, weil das Prinzip „Fair Trade für AdBlocker“ auf eben diesen Umstand hinweist. Darüber hinaus bietet Faibl die Möglichkeit – gewissermaßen als Vorschlag zur Kompensation für entgangene Werbeeinnahmen –, die Wertschätzung für ein Blog, eine Website dadurch Ausdruck zu verleihen, indem man eine Zahlung leistet. Zwei Lösungsansätze in einem also.

Werbung nervt oftmals, das ist richtig. In vielen Fällen sichert sie jedoch die Unabhängigkeit oder gar die Existenz von Medien. Wenn ich persönlich AdBlocker nicht nutze, dann deshalb, weil ich Websites und Blogs, die ich besuche, wertschätze. Wichtiger als ein vielleicht blinkender, störender Banner ist mir die Website als solche, ist mir die Tatsache, dass ich dort kostenfrei Informationen beziehen kann. Über die Jahre hinweg habe ich gelernt, Werbung nicht nur zu ertragen, sondern sie auch zu akzeptieren. Manchmal empfinde ich Werbung, so sie denn intelligent und witzig gemacht ist, sogar als Bereicherung. Abgesehen davon ist es als Kreativer immer interessant zu sehen, wie andere Kreative Ideen umsetzen.

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn dieser Artikel dazu anregen könnte, den Einsatz von AdBlockern zu hinterfragen. Dann wäre nicht nur mir als Autor des Design Tagebuchs geholfen, sondern auch vielen anderen Mitstreitern und Autoren, die das Netz zu dem machen, was es ist.

In einem kurzen Video stellt sich Faibl selbst vor (streiche „Lisa“ setze „dt“)

Weiterführende Links:

87 Kommentare zu “in eigener Sache: Nutzung von AdBlockern

  1. Mir geht einfach das Gejammer auf den Keks, dass hier so getan wird, als würde ich als Adblock-Nutzer den Blogbetreibern was wegnehmen, als würde ich ihnen Geld vorenthalten, das ihnen eigentlich zusteht. Und das bisher immer so zuverlässig geflossen ist. Dabei ist es doch gar nicht so. Die Schaltung von Werbung ist ein optional möglicher Zusatzverdienst, und nicht Inhalt oder Ziel des Blogs. Der Sinn besteht in meinen Augen eher in Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung, Communitypflege, so Zeugs. Aber kaum ist der/das Blog dann bekannt und frequentiert genug, um tatsächlich signifikante Summen abzuwerfen, ist der Betreiber auf einmal angepisst, wenn er merkt, dass er noch mehr verdienen könnte, wenn es denn nur die asozialen Werbeverweigerer nicht gäbe, die angeblich die Nöte der Betreiber nicht kennen und gar nicht kennen wollen.

    Moment. Ich gebe ja zu, dass es hier nicht der Blogbetreiber selbst ist, der auf diesem Niveau argumentiert.

    Aber mal ehrlich: Wenn ich dem Betreiber Geld zukommen lassen möchte, dann kaufe ich was bei ihm (er wird ja neben der Bloggerei noch was richtiges machen, um seine Brötchen bezahlen zu können) oder spende halt was. Aber ich klicke doch nicht auf irgendwelche Werbung. So ein Quatsch.

  2. Mir geht einfach das Gejammer auf den Keks, dass hier so getan wird, als würde ich als Adblock-Nutzer den Blogbetreibern was wegnehmen, als würde ich ihnen Geld vorenthalten…

    Genauso ist es auch. Adblocker mindern Werbeeinanhmen. Das ist ein Fakt.

    Die Schaltung von Werbung ist ein optional möglicher Zusatzverdienst …

    Nein, es ist für die meisten Blogs/Portale/Nachrichtenseiten DIE zentrale Einnahmequelle für etwas, in das tausende Arbeitsstunden gesteckt werden, wenn es nicht ohnehin beruflich ausgeübt wird und somit sämtliche Lebenshaltungskosten aller Beteiligten abdecken muss.

    Wenn ich dem Betreiber Geld zukommen lassen möchte, dann kaufe ich was bei ihm (er wird ja neben der Bloggerei noch was richtiges machen, um seine Brötchen bezahlen zu können) oder spende halt was.

    Schöne Theorie. Aber eben Theorie. Spenden-Button, Flattr-Button, Merchandise-Shops und so weiter und so fort.
    Wurde alles seit vielen Jahren auf Millionen Seiten durchprobiert. Ein generell tragfähiges Finanzierungsmodell für Seiten wie diese ist es nicht. Wer klickt denn wirklich nach dem Lesen eines dt-Beitrages auf einen PayPal-Button und überweist Geld? Für wie viele Seiten, die du regelmäßig besuchst, hast du das denn schon gemacht?
    Aber so ist es leider oft im Internet: jeder sieht schon ein, dass Leistungen irgendwie vergütet werden müssen. Nur eben nicht gerade jetzt und vor allem nicht von mir. Irgendwo anders wird schon Geld herkommen …

  3. Auch wird auf anderen Blogs nun (standardmäßig) die Analytik zum Beispiel von der VG Wort geblockt, die sicher dafür sorgt, dass der Blogbetreiber Geld bekommt.

    Ganz einfach: die VG Wort wird aus der Liste ausgenommen, schon funktionieren deren Zählpixel.
    Blogbetreiber erhalten sicherlich selten eine Vergütung der VG Wort, weil dafür eine Mindestlänge der Beiträge von 3000 Zeichen nötig ist, was Blogeinträge wohl selten schaffen. Auch ist das Procedere der VG Wort nicht gerade autoren- und seitenbetreiberfreundlich. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ach verdammt, Kommentare gehen ja nur mit Cookies, muss ich die ausnahmsweise zulassen!

  4. Vieles von dem, was ich als Reaktion auf den Kommentar von Floda hätte schreiben wollen, hat mir bereits Ralf H abgenommen. Herzlichen Dank! All Deinen Aussagen kann ich uneingeschränkt zustimmen.

    Wer nicht um den Aufwand weiß, der hinter einem Projekt, einer Arbeit, einer Website, etc. steckt, dem fällt es zuweilen schwer, diese Leistung anzuerkennen. Flodas Kommentar transportiert eine Mentalität, die nicht die meine ist. Weil ich um den Aufwand weiß, sehe ich für mich, wenn ich mich als Leser, als Konsument eines kostenfreien Angebotes im Netz bewege, auch in einer Bringschuld. Der Deal – kostenfrei Infos beziehen, die einen gewissen Wert für einen darstellen (sonst würde man diese nicht konsumieren) –, kann nur aufgehen, wenn beide Seiten die, auch wenn das jetzt arg gestelzt klingen mag, Rahmenbedingungen akzeptieren. Hier im dt ist die Werbung eben eine solche Rahmenbedingung. Die Nutzung eines Adblockers ist eine, zugegebenermaßen elegante Lösung, die Rahmenbedingung auszuhebeln. Mit dem Artikel möchte ich darauf aufmerksam machen.

    Aus einem Halbwissen heraus Regeln formulieren, was ein Blog sein darf und ob und wie viel Geld man damit verdienen darf, kann man machen. Mit der Realität hat das allerdings nichts zu tun. Auch wenn es das Vorstellungsvermögen übersteigen mag – ja, es gibt Menschen (auch in Deutschland), die von ihren Blogeinnahmen leben können und für die das Schreiben der Mittelpunkt ihrer Arbeit darstellt. Wenn jemand schreibt, dass sei doch eigentlich keine Arbeit, das sei nichts „richtiges“ und überhaupt, Blogs seien doch die Klowände im Internet – ja nun gut… im Netz ist genügend Platz für jede Meinung.

    Ich selbst bin von je her und bin es nach wie vor als Designer tätig, das Schreiben, hier und anderswo, ist, insbesondere seitdem ich selbstständig bin (2011), ein maßgeblicher Teil meiner Arbeit. Nicht Jeder wird seine Haltung zum Thema Werbung/Adblocker ändern, nur weil ihm dies nun bewusst wird. Allerdings lese ich aus den Kommentaren auch heraus, dass es richtig und wichtig gewesen ist, diese Diskussion anzustoßen.

  5. Ich benutze tatsächlich nie einen Ad-Blocker. Das hilft mir persönlich beim erkennen einer attraktiven und seriösen Website. Da dort noch diverse andere “Fallen” lauern könnten. Von daher halte ich die Nutzung schon alleine für mich persönlich nicht unbedingt für hilfreich.

    Wenn gleich zu Beginn ein Bildschirm-füllendes Werbemonster erscheint und ich dieses oft nicht einmal wegklicken kann, da das kleine X einfach nicht zu finden ist, hat mich diese Seite zum letzten Mal gesehen. Wenn sich Webseiten-Betreiber damit ihren Ruf verderben wollen – bitte.

    Wenn jemand dagegen dezent Werbung mit einbaut (wie z.B. hier im dt), dann stört mich das dagegen garnicht. Es dient ja (zumeist) dem Überleben einer guten Seite.

  6. Spannend wäre ja jetzt, wie sich die Zahlen nach diesem Blogeintrag ändern. Sprich: hat der Aufruf funktioniert? Konntest du die Leserschaft überzeugen und haben von den 25% der Adblock-Nutzer welche ihr Verhalten geändert?

    Ich habe den Adblocker deaktiviert und war kurz auch ein bisschen überrascht, dass ich den überhaupt am Laufen hatte.

  7. Von Flattr oder Kachingle war ich nie überzeugt, weil es Website-Betreiber tendenziell in die Position eines Bittstellers bringt und Leser dazu nötigt, einen finanziellen Beitrag leisten zu müssen.

    Entschuldige bitte.. und was ist es dann bitte, was du mit dem ausführlichen Plädoyer erreichen willst?

    Nix für ungut, aber wenn von Usern erwartet wird, nicht-relevantem Content (=Werbung, nach der man nicht gefragt hat) Aufmerksamkeit zu schenken, die sie ihm nicht geben möchten, dann stimmt etwas grundlegend im System nicht.

    Ich möchte keine Werbung sehen, und ich möchte auch nicht aus Mitgefühl zu armen Bloggern auf Banner klicken, auf deren Zielseiten ich exakt nichts kaufe. Der Werbende hat keinen Gewinn und ich als User liefere sonst sämtlichen Trackern meine Daten auf dem Tablett.

    Dass du als Blogbetreiber monierst, dass eine ganz einfache Form der Geldgewinnung wegfällt, klingt in Anbetracht dessen etwas naiv.

    Dass du über neue Möglichkeiten nachdenkst, ist legitim, wenn es das ist, wovon du bisher gelebt hast und eine große Verdienstquelle wegfällt. Das ist nicht zynisch gemeint, aber vielleicht ist diese Form der Monetarisierung (Bannerwerbung durch Werbekraken) einfach veraltet weil der User immer einen Schritt weiter ist und immer neue Wege findet, wie er schneller an die gesuchten Informationen gelangt.

    Es gibt durchaus zahlreiche Beispiele in der Open Source Community, in der das Produkt gänzlich kostenlos ist und Experten ihr Wissen durch Schulungen vermarkten, die sehr wohl in Anspruch genommen und gut bezahlt werden. Das kostenlose Bloggen stärkt hierbei den Expertenruf und Bekanntheitsgrad. Nur ein Modell.

    Flattr und dergleichen sind auch legitim. Ist letztenendes alles eine Frage der Ausrichtung. Mir persönlich ist es immer lieber, ich weiß woran ich bin und bin lieber Kunde als Ware.

    Ich finde es gut, dass es eine Welt gibt, in der Menschen Informationen aus Idealismus und reiner Nächstenliebe zur Verfügung stellen. Von denen, die ein Geschäft aus ihrer Informationsbereitstellung machen möchten (das ist auch legitim…), erwarte ich Verständnis, dafür, was der User will. Langfristig geht der nämlich dahin, wo er sich am wohlsten fühlt.

  8. Ich verstehe ja alle finanziellen Argumente “pro” Werbung, aber letzendlich wurde das WWW mal für weltweite Kommunikation und Informationsaustausch “erfunden”, und zwar (ein Glück!) ohne dazugehöriges “Abrechnungssystem”. Wer möchte, nimmt daran teil (und stellt z.B. Inhalte online) oder lässt es eben bleiben. Es wird doch niemand gezwungen Inhalte abzuliefern! Und gerade die Betreiber von Blogs mit “hochwertigem” Content hätten sicher noch andere Möglichkeiten für ein gutes Auskommen zu sorgen. Sich dann aber hinzustellen nach dem Motto “ich verbringe täglich Stunden damit, was mir wichtig ist / Spaß macht und möchte jetzt gefälligst davon leben können” ist doch seltsam (nicht nur aufs dt bezogen).

    Ich habe großen Respekt vor der Arbeit und Expertise die hier drinsteckt, und ich würde sicher auch was dafür bezahlen (oder für ein Buch das hierüber beworben wird, einen Wandkalender etc, ein Fördertopf “Freunde des guten Designs” ;-) etc…..), aber lasse mich ungerne über über die Mitleidsschiene “zwingen” Augen und Hirn mit Werbung zu belästigen, die ich nicht sehen will.

    Es gibt schon viel zu viel Werbung auf der Welt, und es ist eher krass dass einem das meiste davon kaum noch auffällt (Zeitung, Radio, TV, Kino, Kiosk, E-Mail Spam, Billboards, Bus+Bahn, Bahnhof, Kneipe, Bierdeckel….), erinnert sei nur an die Schätzung mit 2.500-10.000 Werbebotschaften pro Person PRO TAG!!! http://media.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=anz-media-mum-032008-titel

    Sao Paulo begann vor Jahren damit zumindest den ganzen visuellen Müll zu entfernen, und dies ist imo auch die Richtung die in der Zukunft verhindern wird, dass die Menschheit aufmerksamkeits-technisch komplett gaga wird ;-)
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/sao-paulo-haengt-plakate-ab-werbepause-1.225638
    http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/werbefreies-so-paulo-rueckkehr-der-nacht/5341932.html
    https://www.youtube.com/watch?v=WNmPUiurvCE

    Insofern wäre ein gemeinsames Brainstorming der “Community” nach alternativen Konzepten “ich brauche etwas Geld um etwas gutes zu tun dass mir auch Spaß macht” sicher hilfreicher als wenn jeder einzeln jetzt um Ausnahmeregelungen im Adblocker bettelt (das im Falle von ABP eben auch sehr problematisch zu sehen ist, siehe:
    https://netzpolitik.org/2013/adblock-plus-ein-produkt-der-werbeindustrie/ )

  9. Dass das Internet mal zum freien Meinungsaustausch gedacht war, tangiert die Sache doch überhaupt nicht. Das will ja gar niemand unterbinden. Die Folgerung daraus, dass man es für nichts anderes nutzen DARF finde ich allerdings befremdlich. Demnach müssten wir nun sämtliche kommerziellen Angebote (also welche, die zumindest ihre Kosten decken lassen) aus dem Netz entfernen. Ob das Internet dann noch ein schöner Ort wäre wie es manche Utopisten verkünden, wage ich zu bezweifeln.

    @Mona: Die Idee mit den alternativen Geschäftsmodellen (die vor allem oft aus Richtung der Urheberrechts-Angreifer kommen) finde ich genauso absurd. Wenn ich einen Blog, einen Informationsdienst etc. betreibe, dann ist das meine Dienstleistung – ich will doch gar keine Schulungen geben, da ich a) vielleicht gar nicht die geeigneten Fähigkeiten dazu habe und b) habe ich ja schon eine zeitraubende Beschäftigung. Der Vorschlag, man solle sich, wenn man kreativ arbeitet, dies for free machen und sich einen Nebenjob suchen, um über die Runden zu kommen (das ist jetzt in Bezug auf deinen Beitrag sehr überspitzt, kommt aus genannten Ecke aber häufig) ist meiner Meinung nach einfach nur noch frech.

    Als jemand, der Inhalte schafft, mache ich meinen Lesern etc. ein Angebot: Ich biete dir Information, Unterhaltung, Rat etc. (und somit: meine Arbeitszeit) und du bietest mir im Gegenzug einen Teil deiner Aufmerksamkeit (also: Werbeeinnahmen). Mir muss dieses Angebot als Konsument nicht gefallen, ich muss es auch gar nicht annehmen. Dann kann ich aber auch nicht die Leistung beziehen und die Gegenleistung verweigern, sondern mir einen Anbieter suchen, der mir ein besseres Angebot macht.

  10. @Orange:
    Ich sehe es genau umgekehrt:
    Leuten einzureden, sie müssten Werbung gegen ihren Willen konsumieren, empfinde ich als frech.

    Ich bin da eher bei Tims Argumentation zum freien Web, das der Ursprung all dessen ist, worüber wir uns jetzt austauschen.

    THE WEB IS FOR EVERYONE
    (Tim Berners-Lee)

    Es ist in seiner Grundidee frei und noch nichtmal demokratisch sondern völlig anarchisch.

    Dass du Urheberrechts-„Angreifer“ und Open-Source in einen Topf wirfst, unterstreicht leider nicht dein Argument gegen neue Möglichkeiten, die man sich ganz offenbar suchen muss, wenn die Werbeeinnahmen als einzige (oder Haupt-) Einnahmequelle schwinden.

    Und doch: Werbung tangiert den freien Meinungsaustausch und vor allem die Meinungsmache.

    Wenn ein großer Discounter mal paar Monate keine millionenschweren Anzeigen mehr in der Tageszeitung platziert, weil diese über katastrophale Arbeitsbedingungen berichtet, dann hat das sehr schnell Einfluss auf den redaktionellen Inhalt.

    Wenn z.B. ein Blogger von Firmen mit Produkten versorgt wird, um ausgiebig über deren Qualität zu bloggen, dann ist das Werbung erster Güte, die mir zwar als persönliche Einschätzung präsentiert werden kann, aber mit unabhängiger Meinungsäußerung muss das überhaupt garnichts zu tun haben. Ich soll als User dann glauben, also meinen Verstand auf der Startseite abgeben.

    Wenn in großen Verlosungen Software verteilt wird, fällt es vielleicht auch schwerer mal zu schreiben, wie abhängig und gefügig z.B. Adobe seine User durch seine Politik gemacht hat.

    Löblich, dass der Blogbetreiber hier betont, dass er nicht jede penetrante Bannerwerbung schaltet und auch mal auf 2000€ verzichtet. Muss man so glauben und Applaus, wenn’s stimmt. Ich kann als User aber nicht jeden Betreiber auf seine moralische Integrität prüfen und möchte vor allem meine eigene behalten. Ich kann zum Beispiel einfach Werbung prinzipiell ablehnen. Gerade weil sie überall präsent ist.

    Dann kann ich aber auch nicht die Leistung beziehen und die Gegenleistung verweigern, sondern mir einen Anbieter suchen, der mir ein besseres Angebot macht.

    Und genau das mache ich dann auch, wenn ich mich als User bedrängt fühle.
    In erster Linie bin ich nicht „Leistungsbezieher“ sondern Leser. Das bin ich auch, wenn ein Schüler seinen Weltschmerz bloggt. Ob ich vom Absender nachträglich zur Ware gemacht werde oder nicht (und das bin ich in dem Moment, wenn Information über mein Klickverhalten verkauft wird), dagegen kann ich mich wehren.

    Jeder ist frei, soviel ins Netz zu stellen, wie es ihm wichtig ist und wie er es sich zeitlich leisten kann.

  11. Vielen Dank für die aufklärende Diskussion (den für mich interessantesten Inhalt den ich bisher auf dt konsumiert habe). Ich hab zwar keinen AdBlocker, klicke aber auch so nicht auf Werbung. Da ich durch mein Konsumieren ohne Gegenleistung (Klick auf Werbung) dem Blog anscheinend schade, sehe ich nur zwei Alternativen:

    1. Ich erbringe eine Gegenleistung. Tut mir leid, aber davon bin ich sehr weit entfernt. Bisher waren alle Artikel eher ein zur Kenntnis nehmen als dass sie mir in irgendeiner Form geholfen oder mich entertained haben. Ich bin aber auch kein Designer (für andere Besucher sind die Artikel sicherlich wertvoller). Meine Hoffnung war nur dass vielleicht doch mal was dabei ist oder ich jemandem die Seite empfehlen kann.

    2. Ich komm einfach nicht wieder.

    In Zeiten tausender Likes, Kommentare und Followern habe ich das Gefühl, dass viele Blogger den Wert ihrer Inhalte auch einfach überschätzen (tut mir leid, dass ich das jetzt so formulieren muss). Die Enttäuschung ist dann meist groß wenn sich irgendwann rausstellt, dass die Leute zwar noch ein Like gegeben haben aber echtes Geld dann doch zu viel ist. Und das Geschäftsmodell Dinge aus Mitleid am Leben zu erhalten ist auch keine langfristige Perspektive. Dann doch lieber Butter bei die Fische und Inhalte nur noch gegen Geld. Das sollte doch ziemlich gut sortieren zwischen denen die es ernst meinen und denen, die wie ich nur so sporadisch mal vorbeikommen.

  12. @Nils
    Werbung wird nicht nur nach Klicks eingekauft und bezahlt, sondern auch nach Impressions (es reicht also, dass du sie siehst). Ob das im dt der Fall ist und wieviel das abwirft, kann ich dir natürlich nicht sagen.

    Immer wieder ein Blog lesen, nur um Artikel “zur Kenntnis zu nehmen”? Glaub ich nicht.

    Inhalte nur noch gegen Geld ist zwar ein vertretbares Modell, aber eines, dass Nutzer ausschließt, die bereit sind, den Deal “Inhalt gegen AdImpressions” einzugehen. Ich bin zwar bereit, für manche Inhalte direkt zu zahlen. Für ALLE Seiten, die ich so besuche, kann ich das allerdings keinesfalls tun.

  13. Naja, ich find Werbung herrlich uninspiriert und weigere mich, diese ansehen zu müssen. Grad du als Kommunikationsmensch solltest bessere Ideen haben. Warum nicht unter jedem Beitrag ein Donate-Button à la TAZ? Wenn ich einen Beitrag richtig gut geschrieben finde, dann bin ich auch bereit, dafür etwas zu bezahlen. Oder alle drei Monate mal einen Spendenaufruf. Das ist persönlicher, echter und freundlicher wie das aufzwingen wollen von Werbung.

  14. Wer, wie Bastian, die Möglichkeit vermisst, einen Beitrag freiwillig zu spenden, dem erlaubt Faibl genau dies! Ein separater Button, der immer etwas von Klingelbeutel hat, weshalb ich ihn ablehne, ist nicht erforderlich. Darüber hinaus bietet ein solches, rein auf Spenden beruhendes Modell, wie bereits einige andere Kommentierer hier angemerkt haben, keine tragfähige Lösung.

    Wer mag, kann also seine Wertschätzung gegenüber dem dt gerne via der in Faibl verankerten Möglichkeit zur Vergütung Ausdruck verleihen. Bislang hat diese Möglichkeit übrigens noch keiner genutzt.

  15. Wirklich erstaunlich, wie manche (immer noch) denken. Ich dachte die “Alles-Im-Internet-Ist-Kostenlos”-Mentalität ist langsam aus den Köpfen der meisten Leute raus.

    Mona: Falls du es noch nicht gemerkt hast, dein Klickverhalten bzw. deine Daten werden überall gesammelt und verkauft. Daran ändert auch ein Adblocker nichts, der kleinen Webseiten die Einnahmen kürzt. Oder nutzt du kein Facebook, Twitter, Whatsapp, Instagram, hast ein iOS / Windows / Android Smartphone, einen GMX, GMail oder Outlook Account? Die paar Werbecookies bringen dich auch nicht um – im Gegenteil, es hilft Blogbetreibern dabei, Ihre Kosten zu decken oder vielleicht ihr Einkommen etwas aufzustocken. Das ganze Internet ist kommerziell, so läuft das heutzutage – deal with it.

    Oder anders gefragt: Welchen Beitrag leistest du denn als Gegenzug für die Leute, die ihre Inhalte mit dir teilen und dir Informationen bereitstellen? Oder ist das für dich selbstverständlich? Klar, man kann es auch einfach sein lassen. Konsumieren wir alle nur noch – mal sehen, was übrig bleibt.

    Übrigens – gerade gestern bin ich durch einen Werbebanner (nicht hier im DT) auf ein Produkt einer kleinen Firma aufmerksam geworden, dass ich so wahrscheinlich gar nicht gefunden hätte und mir sehr gut gefallen hat. Bestellt habe ich dort auch schon. Werbung ist nicht immer Teufelswerk.

  16. Und was bei den Anti-Adblocker-Artikeln immer wieder so gerne verschwiegen wird: Werbung ist eine potenzielle Sicherleitslücke für ein System. Ganz aktuell siehe hier: http://www.golem.de/news/security-werbung-auf-youtube-liefert-malware-aus-1402-104834.html

    Daher filtere ich rücksichtslos Werbung jedweder Art raus. Wenn Webseitenbetreiber dadurch am Ende des Monats eben weniger Einnahmen haben, dann ist das eben so. Die Sicherheit meines Systems geht vor.

  17. @Mona:
    Dem Erfinder des Internets in den Mund zu legen, eine »freies Web« ist ein »werbefreies Web« ist schon etwas gewagt. Die Freiheit, die er meint, bezieht sich doch wohl eher auf die Zugänglichkeit von Information, die es vor dem Internet nicht gab. Das Gros der gedruckten Medien musste gekauft werden oder die Texte waren schlicht nur in lokalen Bibliotheken verfügbar, die für Milliarden Menschen gar nicht erreichbar waren. Heute reicht ein Smartphone. Und dt und vergleichbare Seiten sind dabei ausdrücklich die Unterstützer dieses »freien Web«, weil sie Inhalte weltweit kostenlos anbieten – Internetanschluss genügt.

    Einen »Werbezwang« gibt es dabei übrigens nicht, weil es ja auch keinen Webseitenbesuchszwang gibt. Wie schon mehrfach von anderen hier gesagt: Webseiten sind ein Angebot. »Biete Information gegen Aufmerksamkeit«. As simple as that. In der kostenlosen Variante zum Beispiel vom privaten Radio auch seit Jahrzehnten etabliert. Da beschwert sich ja auch niemand, dass man einem Werbezwang ausgesetzt ist und verlangt von allen Stationen (werbe-)freies Radio für alle. Würde man es verlangen, würden die Stationen dicht machen.

    Jeder ist frei, soviel ins Netz zu stellen, wie es ihm wichtig ist und wie er es sich zeitlich leisten kann.

    Ja. Und spätestens wenn er dafür täglich mehrere Stunden Zeit investiert, ist er auch frei für diese Leistung eine Gegenleistung zu verlangen. Werbung ist in diesem Zusammenhang ein etablierter Deal in sämtlichen klassischen und neuen Medien (und darüber hinaus). Wenn die Nutzer diesen Deal einseitig aufkündigen und in signifikanter Zahl auf Werbeblocker setzen, wird das Ergebnis sein: a) Die Webseiten können nicht mehr betrieben werden. b) Sie werden nur noch gegen direkte Bezahlung verfügbar sein.
    Ist das wirklich im Sinne der »Leser«?

  18. > Die Freiheit, die er meint, bezieht sich doch wohl eher auf die Zugänglichkeit von Information, die es vor dem Internet nicht gab. Das Gros der gedruckten Medien musste gekauft werden

    Und inwiefern unterscheidet sich das jetzt von der Unfreiheit, zukünftig auch im Netz alles kaufen zu sollen?

    > Heute reicht ein Smartphone.

    Das erstmal hunderte Ocken kostet. Dazu ein Vertrag, der zig Euro monatlich zusätzlich berappen lässt. Tut doch bitte nicht immer alle, als wäre das Netz umsonst.

    > Da beschwert sich ja auch niemand, dass man einem Werbezwang ausgesetzt ist

    Also ich höre da permanent, dass Leute die Werbung stört. Und in diesem Sinne nutze ich auch alle Möglichkeiten im Netz, hier nicht auch noch 20% meiner Tageskonzentration an Störinformation zu verlieren. Es ist heute schwer genug, im Medienstrom mitzuhalten. Da brauche ich weder Gezappel, noch Getöne, noch Information, die meinen Intellekt beleidigt oder gar unter Vorspielung falscher Tatsachen daher kommt.

    Im Übrigen scheint mir hier wieder unter den Tisch zu fallen, dass die lukrative Werbung i.d.R. immer mit einem Klickzwang verbunden ist. Für das reine Angucken/Zeigen fällt die Monetarisierung doch eher niedrig aus. Und was ist eigentlich mit Argumenten wie: Werbung kann Schadsoftware verbreiten, Kostenfallen eröffnen, nicht jugendfreie Inhalte anzeigen – gerade die spendabelsten Werber sind doch in der Regel auch die fragwürdigsten. Ich finds auch beleidigend, wie hier das Trackingverhalten der Advertising-Anbieter mit dem Argument „andere sind auch schlimm“ vom Tisch gefegt wird. So eine Argumentation ist unterste Schublade. Es sind immer nur „die paar Werbecookies“ hier und da. Und am Ende steht das Scoring-Profil. Reichlich blauäugig.

    > Bittsteller

    Also ganz ehrlich – lieber Klingelbeutel als Keule aufm Kopp. Anders kann man manche Werbebanner nicht bezeichnen.

    > Wer nicht um den Aufwand weiß, der hinter einem Projekt, einer Arbeit, einer Website, etc. steckt, dem fällt es zuweilen schwer, diese Leistung anzuerkennen.

    Jeder Mensch leistet irgendwas. Die meisten werden dafür bezahlt, nicht wenige unter dem was ihnen zusteht. Wer selbständig arbeitet oder freiwillig offen verfügbar Sachen publiziert, hat halt Pech, wenn sein Finanzierungsmodell nicht aufgeht. Es ist für diejenigen klar tragisch, dass unsere heutige Gesellschaft keine generelle Finanzierung für Kulturwerte bereitstellt (oder nur an bestimmte Institutionen ausschüttet), daran ist aber nicht der kleine Besucher mit dem AdBlocker schuld. So manch ein Kulturschaffender mit seinem Urheberanspruch und seinem KSK-Anrecht sollte sich mal wieder vor Augen führen, was andere Menschen in der gleichen Zeit an körperlicher Arbeit leisten. Und wenn alles so schlimm ist, darf auch gerne mal das Schweinesystem „freier Markt“ hinterfragt werden. Offenkundig ist der Bedarf ja nicht da, wenn niemand bereit ist, bestimmte Kulturgüter zu finanzieren.

  19. Offenkundig ist der Bedarf ja nicht da, wenn niemand bereit ist, bestimmte Kulturgüter zu finanzieren.

    Das ist ein Denkfehler. Der Umstand, dass offenbar relativ viele Menschen nicht bereit sind, in welcher Form auch immer, für Kulturgüter oder Informationsdienste zu zahlen, sagt rein gar nichts über den tatsächlichen Bedarf aus. Der Bedarf – das zeigen ja auch die Beiträge derer, die Werbeblocker einsetzen und dennoch dieses und andere Angebote konsumieren, ist offenkundig vorhanden, sonst würde es diese Diskussion hier gar nicht geben.

    Erst wenn der Sauerstoff im Raum knapp wird, merkt man, wie groß der Bedarf ist ;-)

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