Heidenheim goes Modern UI

Die Stadt Heidenheim hat vor wenigen Tagen ihr neues Stadtportal live gestellt. Angesichts des Interfaces fühlt man sich als Besucher spontan an Microsoft erinnert, die vor einigen Monaten all ihre Applikationen auf „Modern UI“ umgestellt haben. Ganz wie Microsoft versprechen sich die Projektverantwortlichen in Heidenheim offenbar von dem neuen Design, Desktop-Nutzer und Mobilanwender gleichermaßen ideal abzuholen. Und ebenso wie Microsoft scheitert auch Heidenheim daran.
Mittlerweile sollte sich herum gesprochen haben, das Modern UI, wie Microsofts Designsprache heißt, zwar ein ambitioniertes und gerade aus Designsicht überaus spannendes Konzept darstellt, in der Praxis allerdings neben vielen Chancen auch einige Pferdefüße beinhaltet. Die Vorstellung, mit dem auf Kacheln basierenden Interface fühlten sich sowohl Nutzer von Mobilgeräten wie Desktop-Anwender gleichermaßen angesprochen, scheint sich nicht bewahrheitet zu haben. Zu sehr ist die fröhlich-bunte, touch-freundliche Kacheloptik auf Mobilnutzer ausgerichtet, zu wenig entspricht sie dem Bedürfnis eines Desktop-Anwenders.
Konkret zeigen sich die Schwächen der Heidenheim’schen Modern-UI-Lösung unter anderem am folgenden Screenshot (Android/Galaxy SII) des Bereichs Bürgerservice.
Die Kacheln, die in dieser Ansicht rein dekorativen Charakter besitzen, also in Bezug auf die Nutzerführung nutzlos sind, was nebenbei gesagt ein elementarer Unterschied zur echten Modern-UI-Umgebung darstellt, belegen rund zwei Drittel der Bildschirmfläche. Noch einmal: Zwei Drittel der gesamten Oberfläche sind damit nutzlos. Der einzige, auf dieser Seite befindliche relevante Inhalt befindet sich in einer winzigen Link-Box („Bürgerservice“) links unten. Besser wäre es, die vier hier aufgeführten Links zusätzlich im mittleren Bereich in Form von Teasern vorzuhalten, um auf diese Weise einen möglichst komfortablen Zugang zu ermöglichen. Stattdessen wird im Content-Bereich ein ebenfalls nutzloser Fülltext untergebracht.
Darüber hinaus beinhalte das neue Stadtportal weitere Schwächen:
1. Der Webauftritt ist nicht barrierearm, schon gar nicht barrierefrei. Alle Kacheln, auch die, in denen sich nur Text befindet, sind als Grafiken angelegt, wodurch der Zugriff mittels Tastatur eingeschränkt ist. Die geringen Kontrastverhältnisse von Text zu Hintergrund (z.B. weiß auf gelb) erschweren die Lesbarkeit, gerade auch auf Mobilgeräten! Auch die Verwendung des Schwarztons beeinträchtigt die Lesbarkeit, die besser wäre, wenn statt des reinen Schwarz ein dunkles Anthrazit gewählt worden wäre, um davor weißen Text zu platzieren.
2. Die Hauptnavigation ist zu behäbig, das animierte Erscheinen der Unterpunkte ist eine leider sehr weit verbreitete Unsitte. In dieser Form schränkt die Hauptnavigation die Nutzfähigkeit des Auftritts ein beziehungsweise erschwert sie den Zugriff zum Informationsangebot. Besonders störend ist die Animation der rechtsseitig angedockten Symbolleiste.
3. Die erste Hierarchieebene innerhalb der Hauptnavigation ist nicht verlinkt. Das damit einhergehende Fehlen von Übersichtsseiten innerhalb des Webauftritts ist Ausdruck der Defizite auf Seiten der Konzeption. Zweckdienlicher wäre anstelle einer effektvollen Hauptnavigation die Implementierung von Übersichtsseiten, so wie es gerade auch auf Stadtportalen üblich ist.
4. Auf Unterseiten ist das Stadtlogo nicht verlinkt, es fehlt also die Möglichkeit, zurück zur Startseite zu gelangen.
5. Auf der Nachrichtenseite sind weder Teaser-Überschriften noch Teaser-Bilder verlinkt – ein großes Defizit in Bezug auf die Nutzerführung.
Auf facebook.com/stadt.heidenheim bescheinigen einige Nutzer dem Webauftritt eine „jüngere, modernere“ Optik. Fraglos ist das so. Aber auch die Schwächen in Sachen Technik/Nutzerführung bleiben dort nicht unentdeckt. Über die Farbe-Bilder-Emotionen-Ebene kommt das Stadtportal leider nicht hinaus.
- Pressemeldung: Farbe, Bilder, Emotionen | heidenheim.de







Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es sich bei der aktuellen Diskussion zu Windows 8 um ein Missverständnis handelt. Es ist ja keineswegs so, als ob MordernUI die “klassische” Umgebung ersetzen sollte. Das lässt sich auch konzeptionell nicht erkennen. Vielmehr handelt es sich um eine neue Startumgebung (das ehemalige Startmenü), das im Vollbildmodus läuft und um einen Vollbild-Applauncher ergänzt wurde. Für konsumtive Nutzung ist das hinreichend (Web, Mail, Spiele, etc.). Als Arbeitsumgebung dient bei Windows 8 aber weiterhin die klassische Desktopumgebung. Microsoft hat hier nicht versagt, ModernUI zum Arbeiten zu optimieren. Vielmehr war ModernUI niemals dafür gedacht. Ich arbeite jetzt schon länger mit Windows 8 und die dahinterstehende Idee hat sich bei mir verinnerlicht: Ich arbeite auf dem Desktop und nutze ModernUI als Startmenü. Insofern finde ich die Umsetzung wirklich gelungen.
“Wer im Netz vorwiegend mit Smartphone oder Tablet unterwegs ist, wird sich sofort zu Hause fühlen. Die Navigation besteht nämlich aus quadratischen Kacheln und ist so übersichtlich wie nie zuvor.” (https://www.heidenheim.de/,Lde/Farbe_+Bilder_+Emotionen.html)
Das hört sich für mich an, als hätte ein Laie wiedergegeben, was ihm ein vermeintlicher Experte erzählt hat.
Mal abgesehen von der etwas unverständlichen URL und der fehlenden Information, wo ich mich gerade auf der Seite befinde (links sehe ich einen Button “News >”, der aber gar kein Button ist, da nicht verlinkt, in der Navigation, die so übersichtlich ist wie nie zuvor finde ich keinen Punkt “News” – nur in einer Kachel auf der Startseite habe ich es zufällig gesehen, dort heißt es “Nachrichten”), kann ich absolut keine Optimierung für Smartphones erkennen. Mit meinem Android werde ich zwar auf https://mobil.heidenheim.de weitergeleitet, die sieht aber genauso aus wie die Desktop Website und wird vom Browser entsprechend winzig angezeigt.