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„Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ – ein weiteres Herkunftszeichen geht an den Start

Herkunftskennzeichen Deutschland, Quelle: ZKHL
Herkunftskennzeichen Deutschland, Quelle: ZKHL

Ein neues Herkunftszeichen für in Deutschland erzeugte und produzierte Agrarprodukte und Lebensmittel soll für mehr Klarheit und Transparenz im Lebensmittelhandel sorgen und Konsumenten Orientierung beim Einkauf geben. So wünscht es sich jedenfalls die Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), die das Herkunftszeichen dieser Tage vorgestellt hat.

Die ZKHL wurde im März 2022 gegründet. Der Verein, hervorgegangen aus einer Initiative des Bundesverbandes der Deutschen Lebensmittelindustrie (BVL) und des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Handel und Landwirtschaft zu fördern. Zusammengeschlossen haben sich in dem Verein zahlreiche Verbände und Gesellschaften aus der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft (DLG, DBV, DRV, HDE, u.a.). Die Arbeit des Vereins ist vorrangig auf die Produktgruppen Fleisch, Milch, Eier und Geflügel sowie Obst, Gemüse und Kartoffeln ausgerichtet.

Mitte November hat die ZKHL ein nationales Herkunftszeichen vorgestellt, mit dem Verbraucher zukünftig Erzeugnisse der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft auf den ersten Blick im Lebensmitteleinzelhandel erkennen können sollen, so das Ziel. Im Rahmen einer Presseveranstaltung wurde in Berlin das in Nationalfarben gehaltene Herkunftszeichen mit Siegel-ähnlicher Optik vorgestellt.

Auszug der Pressemeldung

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 23 Kommentare

  1. Hi, ein Landwirt im Studium hier.

    Das Siegel an sich halte ich für einfallslos und handwerklich wenig anspruchsvoll. Da muss ich allen Vorrednern recht geben. Eine Suche nach dem Keyword “Farm Logo” wirft bei Google genau dieses Motiv “Traktor und Feld im Kreis” aus. Ein Ausdruck von Qualität entsteht so leider überhaupt nicht.

    Was mich aber immer wieder überrascht, ist das allgemein vorhandene Misstrauen gegenüber der deutschen Landwirtschaft, dass sich auch hier wieder in den Kommentaren und in der Kommentierung des Autors selbst zeigt. Die mitunter drastische Darstellung der Bauern als Umweltzerstörer und Tierquäler ist ein lange Zeit (manchmal mehr, manchmal weniger berechtigt) geprägtes Zerrbild. Dabei haben die EU und insbesondere Deutschland im internationalen Vergleich sehr hohe Standards in der Lebensmittelerzeugung (man erinnere sich an die Diskussionen um den Import von Chlorhühnern aus den USA im Zusammenhang mit dem TTIP-Handelsabkommen oder die Kontroversen um deutlich niedrigere Umweltschutzstandards der südamerikanischen Landwirtschaft bei der Verhandlung des EU-Mercosur-Abkommens). Düngung und Pflanzenschutz müssen akribisch dokumentiert werden und sind nur noch in sehr engen gesetzlichen Rahmen möglich. Glyphosat ist eines der am besten erforschten Pestizide weltweit.

    Was die Tierhaltung angeht, kann ich die weit verbreitete Kritik durchaus nachvollziehen. Jahrelang wurden die Tiere immer mehr dem Haltungssystem angepasst, als andersherum. Da gibt es aber ein Umdenken innerhalb der Branche.
    Was mir bei all diesen Diskussionen immer wieder zu kurz kommt, ist die Rolle, die der allmächtige Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland hat. Vier große Konzerne (Edeka, Aldi Nord & Süd, Schwarz Gruppe mit Lidl & Kaufland, Rewe) bilden ein Oligopol, welches den Erzeugern die Bedingungen und den Preis diktiert. Gleiches gilt auch gegenüber Verarbeitern wie Molkereien, die sich nach dem Preisdiktat der vier Großen zu richten haben. Einziges Ziel dieser Preisvorgaben ist, dass die einzelne Kette dann Grundnahrungsmittel, besonders Fleisch, am günstigsten in der Werbung auspreisen kann. Damit ist eine ruinöse Preisspirale entstanden, die am Ende auf dem Rücken der Erzeuger ausgetragen wird und natürlich auch die sinkende Wertschätzung gegenüber diesen eigentlich wertvollen Lebensmitteln bestärkt.
    https://www.topagrar.com/markt/news/lebensmitteleinzelhandel-betreibt-gefuehlt-ein-monopol-13395828.html
    Gleiches gilt übrigens auch für den Handel mit Erzeugnissen wie Weizen oder Mais. Beides wird an internationalen Börsen gehandelt und der Einfluss der Erzeuger auf den Preis, den sie am Ende erhalten, ist im Prinzip nicht vorhanden. Das unterscheidet die Landwirtschaft ganz grundlegend von anderen Wirtschaftszweigen, die in der Preisgestaltung für ihre Produkte doch sehr viel freier sind.

    Nun aber zurück zum eigentlichen Thema des Blogs. Mir fiel jetzt kürzlich in der Werbung auf, dass die Grüne Woche in Berlin das Logo und gesamte CI im Jahr 2023 erneuert hat. Das vorherige Logo war ursprünglich von 1935, mit einer Anpassung im Jahr 2006. Vielleicht wäre diese Entwicklung ja ein passendes Thema für einen neuen Artikel?
    https://www.gruenewoche.de/internationale-gruene-woche/downloads-alle-sprachen/fuer-aussteller/marketing_logos/kommunikationskit.pdf
    https://de.linkedin.com/posts/messe-berlin-gmbh_alles-gl%C3%A4nzt-so-sch%C3%B6n-gr%C3%BCn-neuer-markenauftritt-activity-7059499166028185600-gln9

  2. @ Anton:

    Zu “Vier große Konzerne (Edeka, Aldi Nord & Süd, Schwarz Gruppe mit Lidl & Kaufland, Rewe) bilden ein Oligopol, welches den Erzeugern die Bedingungen und den Preis diktiert. ” erlaube ich mir ein “Fragezeichen”:
    Wenn die Erzeuger im großen Umfang dabei “mitmachen” ist es kein “diktieren” des Preises durch die Genannten, sondern ein “akzeptieren” der Landwirte. Wo waren denn hier in Deutschland in den letzten Jahrzehnten vergleichbare Traktor-Demonstrationen gegen die angeführten Oligopolisten? Ich kenne Bauern und Bäuerinnen, die schon in den 1970ern selbst in den großen Lebensmittelmärkten eingekauft haben, obwohl es noch Tante-Emma-Läden in den Dörfern gab (Stichwort: “Geiz ist geil”).

    Übrigens: ich kenne Land- und Forstwirtschaft bestens aus eigener Mitarbeit in meiner Kindheit und Jugend, bis heute versuche ich “Selbstkritik” zu fördern. Deshalb kann ich über den Missbrauch von Pestiziden, Düngemitteln und Monokulturen “ein Lied singen”…und von der “Hörigkeit” der Bauern gegenüber den Landwirtschaftsministern und – ämtern. Jede Sau, die von dort aus über das Land getrieben wurde, ist (wegen der Subventionen?) gerne in einer Wachstumsideologie der meist konservativen Kräfte im Land umgesetzt worden. Wenn die eine Sau dann “tot” war, wurde auf ein anderes Pferd gesetzt…(also wie in der freien und unsubventionierten Marktwirtschaft halt auch)…

    Ich wünsche viel Erfolg noch beim Studium und beim Umsetzen besserer Ideen als bisher und freue mich über jede bereits schon jetzt erreichte Verbesserung. Das Logo der Oligopolisten habe ich hier bereits kommentiert.

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