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Gender Design – zwischen Wahlfreiheit und Manipulation

Gender Design
Gender Design

Ich gehöre nicht zu denen, die Gender-Marketing ablehnen, schon gar nicht kategorisch. Offen gestanden ist mir die von Genderideologinnen/Genderideologen beförderte Debatte zum Teil unverständlich bis befremdlich. Denn eine Gestaltung, die das eigene Geschlecht und damit die eigene Identität bestätigt, ist für sehr viele Menschen, ob jung ob alt, ob männlich ob weiblich, ob hell- oder dunkelhäutig von großer Bedeutung, nicht nur, da sie ein zentrales Auswahlkriterium darstellt. Persönliche Gedanken und Einschätzungen zum Thema Gender im Design.

Ich bin Pragmatiker. Ein Nassrasierer darf meines Erachtens gerne schwarz, grafisch und eckig ausschauen, so er denn für Männer gedacht ist oder eine fließende, runde Formgebung haben und farbig sein, wenn Frauen angesprochen werden sollen. Je nach persönlicher Präferenz. Auch vor dem Hintergrund des Themas Transsexualität, das derzeit in der Politik rege debattiert wird, besteht meines Erachtens kein Grund dafür, alle Produkte, Angebote und Dienstleistungen mit geschlechtsneutraler Gestaltung auszustatten. Denn, und das ist auch gut so: wir sind nicht alle gleich.

In den letzten Jahren gab es im Bereich Gender Design / Gender-Marketing viel Bewegung. Auch dank hitziger Diskussionen im Umfeld von Social Media erfuhr diese Teildisziplin von Design zunehmend Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit. Ein hochgradig polarisierendes Thema, das strikt zwischen Befürwortende und Ablehnende unterteilt, was die Empfänglichkeit für die jeweiligen Argumente natürlich erschwert. Wenn zudem die Diskussion über Gender Design hierzulande zumeist von kinderlosen Frauen und Männern bestimmt wird, genau das ist nämlich mein Eindruck, dann ist das Bild doch recht unvollständig. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einige Aspekte ansprechen, denen in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht bislang zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

Im Kommunikationsdesign werden seit Jahrzehnten Gestaltungsprinzipien angewandt, die sich an farb- und wahrnehmungspsychologischen Erkenntnissen orientieren. Wenn eine Marke beispielsweise Sportlichkeit und Angriffslust widerspiegeln soll, kommen Diagonalen, Linien und starke Kontraste zum Einsatz (BVB.de). Eine Marke, die Zuverlässigkeit und Sicherheit ausstrahlen soll, verfügt sehr oft über ein Erscheinungsbild, in dem, der Farbpsychologie folgend, Blau eine zentrale Rolle spielt (Allianz). Eine Bäckerei wird in aller Regel mit warmen, erdigen Farbtönen wie braun, gelb und orange beworben, da diese treffend die hergestellten Waren beschreiben. Farben und Formen, und damit auch rosa und florale Muster, dienen der Orientierung. Und sie dienen gleichzeitig dazu, die Wahrnehmung der Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken.

Ich kaufe, was ich bin … oder was ich sein möchte

Wer pauschal klischeehafte Gestaltung im Kontext Geschlechterdifferenzierung kritisiert, übersieht dabei womöglich, dass eine gänzlich klischeefreie Gestaltung im Marketing utopisch ist. Früher, als Verpackungen noch weitestgehend schmucklos waren (Beispiel) und es weniger um Corporate Design und um die emotionale Ansprache an den Kunden als vielmehr um die Darstellung der reinen Information ging, gab es noch klischeearme Gestaltung. Heutzutage ist Marketing fast immer ein Abklatsch der Wirklichkeit, eine Überhöhung, eine Inszenierung, ausgerichtet vor allem darauf, die Wahrnehmung der Menschen in eine vom Absender/Unternehmen gewünschten Richtung zu lenken. Lenkung ist eine Manipulationstechnik, und diese findet über alle Marketing-Bereiche hinweg statt.

So finden wir Bierkästen in Holzoptik, Milchtüten und Käseverpackungen, die Bergwiesenidylle verbreiten, grüngetünchte Erscheinungsbilder von Unternehmen, die Nachhaltigkeit und Ökologiebewusstsein suggerieren sollen – überall werden zum Zwecke der Image-Bildung bestimmte visuelle Codes verwendet, die die Realität nachahmen oder diese vorgaukeln. Nicht selten wird dabei nicht nur die Grenze zum guten Geschmack überschritten, sondern auch die zwischen erlaubter Übertreibung und Lüge, siehe „Greenwashing – zeitgemäß schönfärben“. Auf Konsumentenseite ist es wichtig, diesen Schein der Dinge als solchen zu erkennen und nicht ungeprüft als vollendete Tatsache hinzunehmen.

Jede Rezeption einer Werbeanzeige geht mit dem Versuch der Manipulation einher. Marketer, wer will es ihnen verdenken, sprechen vorzugsweise von der Verführung. Es ist nicht die Industrie, die uns Produkte aufzwingt, nein wir Konsumenten sind es, die sich nur allzu gerne von allerlei Werbeversprechen verführen lassen. Dabei wählen wir Objekte nach Eigenschaften, die wir für uns selbst in Anspruch nehmen. Wer sich beispielsweise für einen Rasierer entscheidet, der optisch Ähnlichkeiten mit einem Formel-1-Rennfahrzeug hat, versichert sich mit dem Kauf, dass er/sie ein ähnlich dynamischer Typ ist. Die Logik dahinter lautet: Ich kaufe, was ich bin. Oder was ich sein möchte. Design spielt dabei eine entscheidende Rolle, sei es im Automobildesign, im Kommunikationsdesign, im Verpackungs- und Produktdesign, im Industriedesign oder im Modedesign. Genau das ist der Grund, weshalb Produkte und Services, die auf das jeweilige Geschlecht ausgerichtet sind, wirtschaftlich so erfolgreich sind.

Bedürfnisorientiert statt pinkisiert

Wo viel Geld verdient wird, bleibt der Verstand gerne schon einmal auf der Strecke. Die „Pinkisierung“ von Spielwaren, Bekleidung, Lebensmitteln und elektronischen Geräten wurde von der Industrie in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter forciert. Dies hat zum Teil groteske Produkte wie etwa Bratwürste für Männer und Bratwürste für Frauen zum Vorschein gebracht. Auch deshalb ist es richtig und wichtig, darauf hinzuweisen, dass Gender-Marketing stereotype Rollenbilder befördert. Allerdings ist noch längst nicht alles, was wir im Gender-Marketing sehen, per se schlecht oder gar sexistisch.

Wie das Marktforschungsinstitut Iconkids & Youth in einer Untersuchung festgestellt hat, fühlen sich seit Einführung der Produktreihe „LEGO Friends“ auch Mädchen von dem Kreativspielzeug angesprochen. Produkte von LEGO gelten als traditionelles „Jungsspielzeug“. Neben erwartbaren Küche-und-Haushalt-Sets werden seit ein paar Jahren auch Spielsachen in Themenwelten wie Outdoor-, Werkstatt und Autowaschanlagen angeboten. Wenn Mädchen sich dann doch lieber mit dem Reiterhof beschäftigen, liegt dies ganz bestimmt nicht allein an der Industrie.

Bosch Ixo – Mann / Frau, Quelle: Bosch
Bosch Ixo – Mann / Frau, Quelle: Bosch

Die Hersteller sind sich der Sensibilität des Themas Gendering mittlerweile bewusst. Bei der Firma Bosch hat man erkannt, dass weibliche Nutzer andere Bedürfnisse haben als männliche, erstere legen etwa mehr Wert auf Ästhetik. Statt spezielle Frauenprodukte zu entwerfen, die schon deshalb von vielen Frauen abgelehnt werden, hat Bosch vor 15 Jahren den auf Gelegenheitsheimwerker ausgerichteten Akkuschrauber „Ixo“ auf den Markt gebracht. Der im bekannten Bosch-Branding gestaltete handliche Elektroschrauber wird zu 50 % von Frauen gekauft und ist nach Unternehmensangaben das meistverkaufte Elektrowerkzeug der Welt. Beim Fitness-Angebot Gymondo wurde kürzlich der Markenauftritt visuell auf die vorrangig weibliche Kundschaft ausgerichtet (dt berichtete), ohne dass dabei auf plumpe Stilmittel aus der „Rosa-Plüsch-Box“ zurückgegriffen worden wäre. Und es gibt weitere gute Beispiele für Gender-Marketing.

Während viele Jahre oftmals stumpfsinnig nach dem Leitsatz „Shrink it and pink it“ verfahren wurde, womit die Verkleinerung/Verschlankung und Rosaeinfärbung von Verpackungen gemeint ist, setzen heutzutage immer mehr Unternehmen auf weniger abgedroschene Gestaltung, um Frauen anzusprechen und auf die Bedürfnisse der vorrangig weiblichen Zielgruppe einzugehen. Innerhalb der Wissenschaft ist strittig, was zuerst da ist: Das unterschiedliche Bedürfnis der Geschlechter oder die gesellschaftliche Zuweisung unterschiedlicher Objekte, Interessen und Rollen. Klar sei aber, so Prof. Dr. Ulrich Kern, von der FH Südwestfalen, dass eine frühzeitige Festlegung auf Rollen und Normen für jedes Geschlecht auch zu den angenommenen „natürlichen“ Vorlieben führe: Mädchen spielen gern mit Puppen, Jungs mögen alles, was Räder hat.

Trotz alledem müssen Frauen für ein und dasselbe Produkte oftmals mehr zahlen als Männer, eine Form der Diskriminierung, für die es im Marketing die Bezeichnung „Gender-Pricing“ gibt. Begründet wird dieser Preisaufschlag von Seiten der Hersteller damit, dass Frauen dazu bereit seien, in vielen Bereichen (Pflegeprodukte, Kleidung u.a. mehr Geld auszugeben. Verbraucherzentralen bemühen sich darum, auf diese Form der „Pink-Tax“ aufmerksam zu machen. Ich bin optimistisch, dass sich diese Ungleichbehandlung mit fortschreitender Sensibilisierung aufseiten Marken-und Produktverantwortlichen auflösen wird.

Wir brauchen als Individuum den Unterschied

Wer mit den eigenen Kindern schon einmal shoppen war, kennt die Situation. Bestimmte Designs werden kaum wahrgenommen, andere Styles und Muster hingegen erzeugen starkes Interesse. Selbst wenn man Kindern keine Farbpräferenz vorgibt, neigen Jungs und Mädchen dazu, so jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die sich auch mit meiner persönlichen Erfahrung deckt, sich ihrem Umfeld anzupassen und Farben auszuwählen, mit denen sie in der jeweils für sie wichtigen sozialen Gruppe Anerkennung und Selbstbestätigung erfahren, eine für das Menschwerden unerlässliche Notwendigkeit. „Unser Gegenüber zeigt uns, dass wir existieren“, so Neurophilosophin Kristina Musholt, die seit Jahren erforscht, wie der Mensch seine Identität stiftet. „Wir lernen, dass wir ein Ich sind, etwas, das sich von den anderen unterscheidet und bewusst abgrenzt. Die Begegnung verschafft uns Identität, immer mehr im Laufe des Lebens. Nur über den Vergleich mit meinen Gegenübern kann ich mir eine Identität verschaffen”, sagt Musholt. Auch deshalb sind Unterscheidungsmerkmale essenziell. Jungs mögen blau nicht lieber, weil es dafür einen biologischen Grund gäbe. Mit blauen, schwarzen, grauen Pullovern und Hosen verringert sich bei ihnen die Chance, der Bekleidung wegen ausgegrenzt zu werden. Ebenso verhält es sich bei Mädchen mit rosa Kleidung. Die Farbwahl dient also auch dem Selbstschutz.

Eine gewisse biologische Veranlagung für die Vorliebe für bestimmtes Spielzeug scheint es allerdings zu geben, wie die US-Psychologin Catherine Leveroni von der Chicago Medical School in einer Studie nachgewiesen hat. „Männliche Babys fühlen sich eher zu mechanischen Bewegungen hingezogen, Mädchen hingegen sind von Gesichtern fasziniert“, so Leveroni. Verantwortlich dafür könnten sogenannte Androgene sein. Im Alter von circa zweieinhalb Jahren beginnt ein Kind, sich den Normen entsprechend zu verhalten. Dies sei der Zeitpunkt, an dem der Einfluss der Eltern und Erwachsenen zunähme und die Prägung in stereotypische Rollen beginne.

Junge Mädchen im Größenvergleich. Foto: newafrica / Shutterstock
Junge Mädchen im Größenvergleich. Foto von newafrica / Shutterstock

Wenn im Tchibo-Shop Bekleidung mal wieder streng nach Jungs (blau, petrol, schwarz) und Mädchen (rosa, aprikose, mint) getrennt wird, ja mei, dann schaue ich mich als Konsument, so mir diese Auswahl zu limitiert und eindimensional erscheint, eben woanders um. Es ist nicht so, dass es gar keine Alternativen gäbe. Es sagt zudem etwas über ein Unternehmen bzw. über eine Marke aus, wenn in derart tradierten Kategorien und Schemata gedacht wird. Das wiederum erleichtert mir als Konsument die Entscheidung für oder gegen eine Marke. Auch deshalb ist es gut, dass es blaue und rosa Welten gibt, und solche, in denen

Eine Gestaltung, die potenziell erst mal alle gleichermaßen anspricht, gibt es nicht!

Ob die stumpfe und gestalterisch einfallslos Einteilung in eine rosa und eine blaue Welt dazu führt, dass „Mädchen schon früh weniger Anerkennung erfahren“, wie etwa Uta Brandes, Professorin für Gender-Design in einem Interview in der FAZ behauptet, dazu mag ich mir auch aus Mangel an soziologischem Fachwissen kein abschließendes Urteil erlauben. Eine Vaterschaft oder Mutterschaft macht einen freilich nicht zur Instanz in Sachen Psychologie, Pädagogik oder Soziologie. Allerdings sind jahrzehntealte Studien mit US-amerikanischen Kindern, wie sie etwa vom gemeinnützigen Verein klische*esc e.V. als Beleg für die Schädlichkeit von Gender-Marketing ins Feld geführt werden, nicht wirklich ein Ersatz für Schulfeste, Klassenausflüge, Kindergeburtstagsfeiern, Übernachtungsparties, Flohmarktbesuche und Shopping-Touren in Kaufhäusern und Supermärkten. Es sind eben jene in meinem Alltag erlebten Erfahrungen – ich selbst bin Vater von zwei Söhnen (13 und 10), die im Wechselmodell betreut werden -, die mich wohl zu einer deutlich pragmatischeren und gelasseneren Einstellung in Sachen Gender Design geführt haben. Eine Gestaltung, die potenziell erst mal alle gleichermaßen anspricht, gibt es nicht! Geschlechtsneutrale Gestaltung hingegen schon. Aber wozu soll es gut sein, diese zur Norm zu erklären? Wenn Design, und das ist für mich als Gestalter die zentrale Bedingung, auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet ist, dann muss die Formgebung jeweils passende/adäquate und kreative Lösungen bieten.

Geschlechtsspezifische Gestaltungsmerkmale prinzipiell zu verteufeln, um stattdessen, quasi in Form einer Umerziehungsmaßnahme geschlechtsneutrale Gestaltung zu propagieren, bringt wenig. Moralisch auferlegte Erziehungsmaßnahmen erzeugen Widerstand und sind daher eher kontraproduktiv. Das haben das auf die Ulmer Hochschule zurückreichende Konzept der „Guten Form“ wie auch das geradezu zwanghafte Normierungsbestreben vieler Bauhäusler gezeigt. Die Menschen lassen sich nun einmal ungern gängeln, welche Form sie für „gut“ und schön zu erachten haben.

Die unterschiedliche Technik- bzw. Technologieaffinität von Mädchen und Jungen bzw. Männern und Frauen, ihre Vorlieben, ihr Kommunikationsverhalten wurden in diversen Studien erforscht. Selbst für die Wissenschaft ist es schwierig zu begründen, ob es sich hierbei um eine „natürliche“ Neigung oder bloß um eine Zuschreibung handelt, letztere ist das Ergebnis der Sozialisation.

Kopf einschalten, Dinge hinterfragen, Trittpfade meiden

Mir scheint Aufklärung und Bewusstmachung in Sachen Gender Design und Gender-Marketing ein sinnvoller Weg. Und Differenzierung! Deshalb gehören diese Themen auch zwingend in jeder Grundschule in den Kunst-, besser noch in den Sachunterricht. Ob man Jungs und Mädchen nun einen Gefallen erweist, wenn man sie, wie in einigen geschlechtsneutralen Vorschulen in Schweden praktiziert, mit dem neuerfundenen Personalpronomen „hen“ anredet, was sowohl „er“ als auch „sie“ bedeutet, wird heftig diskutiert und kritisiert, auch in Schweden. Das eigene Geschlecht per Sprachdiktion zu tilgen, halte ich jedenfalls für den falschen Weg. Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts lassen sich nicht dadurch beseitigen, indem wir die Unterschiede zwischen den Geschlechtern kaschieren. Geschlechtsneutrale Puppen sind zudem ebenso ein Manipulations- und Steuerungsinstrument wie geschlechtsspezifische Puppen. Abgesehen davon sind die schwedischen „Hen“-Puppen aus ästhetischer Sicht, zweifelsfrei ein wichtiges Kriterium für Design, eine Zumutung, womit kunstpädagogische Grundintentionen wie die Ermöglichung bildnerisch-ästhetischer und visueller Kompetenzen infrage gestellt werden.

Wenn Geschlechterstereotypen reproduziert werden, sei es in der Werbung, im Marketing oder auch sonst im Alltag, dann sollten wir dieser Bilder und Botschaften hinterfragen und mit unseren eigenen Wertevorstellungen abgleichen. Allzu oft werden im Gender-Marketing überholte Rollenbilder abgebildet, die der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern schaden. Konformistische Einheitsprodukte sind meiner Meinung nach jedoch der falsche Ansatz, weil sie die Wahlfreiheit stark begrenzen. Auch Kreativpreise wie dem im letzten Jahr gestifteten Gerety Award, bei dem ausschließlich Frauen in der Jury sitzen, braucht es keine. Dadurch wird der Graben zwischen den Geschlechtern nur tiefer. Erstrebenswerter scheint mir Unterschiede, sei es in Bezug auf das Geschlecht, das Alter, die Herkunft, den Charakter oder individuelle Stärken und Schwächen, wie wir sie in einer vielschichtigen, diversen Gesellschaft finden, zu erkennen und diese wertschätzen zu lernen. Das ist leichter gesagt denn getan. Kluges und kreatives Design kann hierbei einen Beitrag leisten. Es wäre schon viel erreicht, wenn Markenverantwortliche und Gestalter an Hochschulen auch die dafür erforderliche Sensibilität vermittelt bekämen. Allen voran braucht es Offenheit im Denken, bei jedem von uns.

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 68 Kommentare

  1. Puh! Das ist eine komplexe Diskussion. Design/Marketing/Kunden/Eltern/Frauen/Männer/andere Geschlechter/unterschiedliche sexuelle Orientierungen/Kinderlose/Kinder uvm

    Was ich nicht verstehe – warum sollen Frauen eine Minderheit sein?

    Dennoch bin ich froh, dass Vergewaltigung in der Ehe mittlerweile als Straftat gilt und es das Frauenwahlrecht gibt. Ich halte den Begriff Frauenparkplatz für falsch. Nicht jede Frau hat Angst oder ist betroffen. Ich halte aber das Bestehen von Angstparkplätzen für sehr wichtig. Es muss aber ein besserer allgemeinerer Begriff her. Für alle die sich für betroffen halten. Leider bekommt man aber tatsächlich manchmal doch noch den Eindruck bestimmte SUV Fahrer parken einfach aus falschverstandener Coolness auf so einem Parkplatz. Aber es ist nicht die Mehrheit. Wie wäre es generell für besser ausgeleuchtete Tiefgaragen und dortige, auch aktiv besetzte, Videoüberwachung zu sorgen?

    Leider halte ich Deutschland nicht für das fortschrittlichste Land der Welt. In vielen Lebens- und Arbeitsbereichen. Aber wir arbeiten daran.

    Pro-Tipp an alle Menschen: das tun was man für richtig hält, selbstbewusst sein und sich von niemandem schaden oder komplett verunsichern lassen. Andere Meinungen tolerieren.

    Ich hatte als Kind Lego und Barbie. Und mein Bruder ebenfalls.

    Lego Technik oder Fisher Price galten damals eher als etwas für Jungs.

    Das Problem scheinen mir eher reaktionäre Eltern zu sein, nicht die Werbung. Und schon gar nicht die Kinder. Die können nix für ihre Eltern.

    Unisex will ich auch nicht. Je mehr Vielfalt um so besser.

  2. @ Eric
    Ich habe noch immer den Verdacht, dass hier ein grundlegendes Missverständnis dessen vorliegt, was Gender Studies tatsächlich behaupten. Wie oben angedeutet, bin ich kein Experte in diesen Dingen. Wenn man wie ich an einem universitären Forschungskolleg arbeitet und dort Veranstaltungen besucht, kommt man aber nicht umhin, sich gelegentlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Wenn ich mein angehäuftes Halbwissen und alles, was sich sonst dazu gelesen und gehört habe, zusammennehme, fällt es mir schwer, dies in Einklang mit Deinen Äußerungen zu bringen.

    Nach meinem Verständnis geht es in den Gender Studies keineswegs um eine Relativierung von Gender, sondern um eine kritische Hinterfragung unserer Begriffe von Gender. Dazu gehört z.B. die Erkenntnis, dass unsere geschlechtliche Identität nicht allein von unserer Biologie abhängt, sondern eine komplexe Gemengelage aus biologischen Anlagen, kulturellen Prägungen, gesellschaftlichen Zuschreibungen usw. ist. Diese Perspektive ist historisch betrachtet emanzipatorisch, d.h. sie zielte darauf, traditionelle, als unterdrückerisch empfundene gesellschaftliche Positionen zu kritisieren und marginalisierte gesellschaftliche Gruppen überhaupt erst sichtbar zu machen. Grundlage war die Überwindung der bis dahin dominierenden Sichtweise einer ausschließlichen (heterosexuellen) Zweigeschlechtlichkeit des Menschen. Nach meinem Eindruck hat sich die Stoßrichtung der Gender Studies in dieser Hinsicht bis heute nicht geändert: Es geht nicht um die Auslöschung der (geschlechtlichen) Unterschiede der Menschen, sondern um die angemessene Sichtbarmachung und Beschreibung.

    Am ehesten kann ich Deine Ausführungen mit der aus Amerika stammenden Queer-Theorie in Verbindung bringen, die tatsächlich eine radikale Position in Bezug auf die Konstruiertheit geschlechtlicher Identität vertritt. Aber erstens ist dies nur eine Strömung innerhalb der Gender Studies (und nach meinem Eindruck keineswegs die logische Konsequenz aller Genderansätze), und zweitens geht es auch hier nicht wirklich um eine Relativierung von Homosexualität, die man auch nur ansatzweise in die Nähe etwa der Schwulenverfolgung durch die Nazis rücken könnte. Es geht eher um eine nochmals radikalisierte Infragestellung geschlechtlicher Identitäten, die nun nicht nur die traditionelle heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit einbezieht, sondern auch das schwule Selbstverständnis.

    Dein Beitrag, Eric, lässt mich wirklich ein wenig ratlos zurück. Vielleicht kannst Du ein paar Autoren oder konkrete Äußerungen zitieren, damit wir besser verstehen, auf welche Strömungen der Gender Studies Du Dich beziehst.

    1. Nun, ich habe meine Haltung aus durchaus lautstarken Diskussionen mit einer Dozentin für Gender Studies an einer angesehenen süddeutschen Universität gewonnen, soviel möchte ich hier sagen. Wie du richtig sagst ist “Gender Studies” kein fixer Begriff und das, was du als Queer-Theorie bezeichnest, scheint, wie das oft so ist, aus den USA zu uns rüber zu schwappen und in der Tat zu radikalisieren, ein schöner Begriff, den ich hier auch passend finde.

      Das bringt mich auch wieder zu meinem Eingangspost zurück, Eigenzitat “Ein Punkt wird aus meiner Sicht gerne hierzulande oft vorausgesetzt: wer disruptiv die herrschenden Verhältnisse kritisiert hat a) automatisch immer recht mit seiner Analyse und b) sowieso recht mit seinen Reformvorschlägen.”, das scheint jetzt auch für das “Überschwappen” der radikalen Queer-Theorie in die “Gender Studies” zu gelten. Muss nicht überall so sein, ist aber definitiv eben auch mithin der Fall.

      Und ja, nach der historischen Erfahrung ist man – wie ich denke absolut nachvollziehbar – als Schwuler äußerst empfindlich gegenüber “jetzt erkläre ich den Schwulen die Welt und warum ihr seid wie ihr seid” von Nichtschwulen und auch gegenüber jeglicher Radikalität gegenüber Schwulen. Es ist neben all der Verfolgung auch nicht lange her, dass insbesondere männliche Homosexualität als psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, inklusive ICD Codierung und Kassenabrechnung von Psychotherapie gegen Homosexualität. Es wurde eben auch immer wissenschaftlich versucht “uns” zu marginalisieren.

      Die Sache ist doch ganz einfach. Du hast es doch angerissen. “Dazu gehört z.B. die Erkenntnis, dass unsere geschlechtliche Identität nicht allein von unserer Biologie abhängt, sondern eine komplexe Gemengelage aus biologischen Anlagen, kulturellen Prägungen, gesellschaftlichen Zuschreibungen usw. ist.”, das ist eine Binse und dazu braucht niemand extra “Studies”. Und überdies soll einfach jeder so leben können, wie er gestrickt ist und wie es ihn erfüllt, ohne andere in deren erfülltem Leben zu tangieren und vice versa. Ganz einfache Sache. Das und nur das ist emanzipatorisch. Und wenn sich alle daran gegenseitig hielten lebten wir in Utopia.

      Diese Radikalität, in die “Gender” abdriftet, siehe oben, ist aber wieder der Versuch fremden Menschen die Welt zu erklären und Dinge vorzugeben und überzustülpen.

      Inzwischen hat es diese radikale Strömung sogar schon in die Mainstreampresse geschafft, beispielsweise dieser Artikel (der das dankenswerterweise kritisch darstellt):

      https://www.welt.de/kultur/plus188950113/Eure-Heimat-ist-unser-Albtraum-Der-Schwulenhass-der-Progressiven.html

      Und diese Leute agitieren u. a. mit dem Begriff “Homonationalismus” gegen Schwule, ein Begriff der es immerhin schon auf über 10.000 Google-Suchergebnisse bringt. Und angesichts der historischen Erfahrung mit Verfolgung kann ich hier nur sagen, wehret den Anfängen. Ich kenne Schwule deren Existenz als junge Männer vom § 175 zerstört wurde, ich kenne Schwule die fast ihren gesamten Freundeskreis an AIDS verloren haben – und die Gesellschaft stand daneben und feixte höhnisch, der “Schwulenkrebs” sei die gerechte Strafe Gottes. Das ist alles nicht lange her, die 80er sind nicht lange her. Und es endet nie, es endet verdammt nochmal nie, aus irgend einer Ecke geht es immer weiter, der Hass, es endet einfach nie.

      1. Ich habe aber schon den Eindruck du urteilst über Frauen. Das kannst du als Mann nicht. Sorry. Und Frauen haben selbstverständlich noch sehr viele Nachteile. Wie wäre es mit Parität in allen Lebensbereichen, gleiches Gehalt für gleiche Arbeit statt Blumen am Weltfrauentag? Frauen verstehen weibliche Bedürfnisse besser und Männer männliche. Daher muss Parität geschaffen werden. Die Hälfte der Bevölkerung ist keine Randgruppe. Und Bundeswehranzeigen in pinkfarbenem Camouflage sind nun mal lächerlich. Da wird man noch mit der Signalfarbe zur Zielscheibe. Der “Schuss” ging daneben. Bei pinkfarbenen Rasierern ist das etwas anderes. Ich glaube auch außerdem nicht dass nicht-heterosexuelle in Wirklichkeit in der Minderheit sind. Ich halte es auch für keinen Trend wenn sich immer mehr jüngere zumindest als bisexuell einstufen. Es wurde und wird einfach gesellschaftlich sehr unterdrückt und traurigerweise bekämpft. Wehret den Anfängen, da hast du völlig Recht. Aber eine nicht-hetero Frau wird zunächst vor allem als Frau wahrgenommen und deswegen manchmal benachteiligt. Die einzigen, so scheint es mir, die nie diskriminiert werden, sind heterosexuelle, weiße, christliche oder atheistische Männer. Nur erkennen sie manchmal ihren vorhandenen Vorteil nicht oder tun so als wäre es nicht der Fall. Es ist aber so.

      2. @Pina
        Danke für das unfreiwillige Beispiel dafür, wovor ich mich fürchte. Du marginalisierst mich als Schwulen. Nach dem Motto “…und jetzt regen wir endlich wieder (nur) über Frauen”, mit dem ich deinen Einwurf zusammenfassen würde. Ich habe schlicht nicht über Frauen gesprochen. Und ja, Frauen stellen per se keine Minderheit dar. Lesben, Transfrauen, u. ä., ja. Aber die weiße, heterosexuelle atheistische oder christliche “Bettina” ist hierzulande doch genauso mit dem weißen, heterosexuellen atheistischen oder christlichen “Thomas” auf Augenhöhe. Es geht um Nuancen. Wer es hierzulande umgekehrt schwerer hat als “Bettina” ist “Ali”, Muslim, wenn “Ali” jetzt auch noch homosexuell ist (soll es geben, in der Tat!) hat er auch in der eigenen “Community” kaum noch rückhalt, bekommt mitunter von der eigenen Familie die Hölle heiss gemacht. Diese und viele andere Erfahrungen von Minderheiten werden komplett marginalisiert, wenn man, wie du das hier machst, das Thema versucht sofort zum Feminismus zurück zu steuern. Feminismus macht damit genau das mit den Minderheiten, was Feminismus immer den bösen alten weißen Männern selbst vorwirft. Nämlich unterbuttern und sich selbst in den Vordergrund setzen.

        Und ich bleibe dabei, wer nicht als geoutteter LGBT Jugendlicher durch Pubertät und Spießroutenlauf des Lebens gehen musste, der hat einfach keine Vorstellung davon, wie es ist in dieser Gesellschaft als Mensch mit einer geschlechtlichen Minderheitenidentität zu leben. Ich persönlich hätte an zahllosen Punkten gerne, liebend gerne, mit Frauen in meiner Pubertät getauscht und habe, wie viele andere LGBT Jugendliche, auch über Suizid nachgedacht, wie ich hier einmal frank und frei einräumen kann – und viele machen diese Gedanken wahr, niemand ist so suizidgefährdet wie LGBT, aber das nur am Rande. Wegen des seltsamen Pressecodex wird hierzulande über dieses Thema nicht berichtet. Ich habe meine Ausbildungsstelle verloren, wurde rausgemobbt, nachdem man dort erfahren hat, dass ich schwul bin. Das war nicht 1962, sondern im letzten Jahrzehnt. Nach einer abgebrochenen Lehre blieb mir nur noch das Studium, um irgend einen beruflich nutzbaren Abschluss zu erhalten. Ich habe es wahrlich versucht, woanders meine Ausbildung fortzuführen. Als ich dann ehrlich darauf zu sprechen kam, wieso ich beim alten Ausbildungsbetrieb aufhören musste, wurde es immer ganz still und das Gespräch schnell höflich beendet, kurz darauf die Absage. So als hätte ich etwas falsch gemacht, dass ich nach monatelangem Mobbing in Tränen aufgelöst irgendwann einfach raus gerannt bin und gekündigt habe und mit 17 Jahren dachte, mein Leben ist vorbei. Das ist die Realität. Und ich habe mir geschworen mich nie wieder zur Seite drängen zu lassen.

      3. PS: was männlichen und weiblichen Feministen vollkommen fremd zu sein scheint ist die Tatsache, dass Frauen auch “Täter” im Kontext von Diskriminierung und Verfolgung sein können. Mich haben “Bettinas” im Leben genauso oft herabgesetzt oder gemobbt, wie “Thomas”, “Bettina” hat mir genauso wenig gegen den bösen “Thomas” geholfen. Die einzigen Menschen die mir geholfen haben und Halt gaben waren andere LGBT. Schwule genauso wie Lesben, Transmenschen. WIR sind eine Community, die sich nicht nach Mann/Frau teilt, sondern gemeinsam hat von “euch”, der Mehrheitsgesellschaft, ausgegrenzt und teils gequält zu werden. Nur, dass der Feminismus gerne so tut, als hätten Frauen damit rein gar nichts zu tun. Einzig “Thomas” ist der böse Schurke in diesem Feminismusmärchen. Ne, so einfach geht’s nicht. Und in solch einem Geschlechterkampf gegen “Thomas” ist bereits das angelegt, was “Thomas” immer vorgeworfen wird. Menschen nach ihrem Geschlecht zu behandeln und einzuordnen. Statt nach dem, was sie wirklich als Individuum darstellen, sagen, tun. Das ist die Lehre der LGBT Erfahrung. Jeder Jeck ist anders sagt man Köln. Statt auf einer versöhnlichen Note zu enden geht’s dem gegenwärtigen Feminismus, gar den Gender oder Queer Theoretikern, dann steckt dahinter nicht Toleranz oder Akzeptanz gegenüber Mitmenschen, sondern Vorwürfe, Unterstellungen, Kampf. Das ist nicht die Botschaft von LGBT die ich in meinem Leben kennengelernt habe.

  3. Ob du es glaubst oder nicht. Ich habe viele Schwule und auch lesbische Freunde. Tatsache. Und nur weil jemand hetero ist diskriminiert er nicht automatisch immer nicht-heteros. Komm einfach damit klar. Anscheinend hast du ein Problem mit Heteros. Und nein, es ist nicht falsch wenn jetzt mal Frauen “dran sind” . Egal ob hetero oder nicht. Frauen sind die Hälfte der Bevölkerung.

    1. @Pina: Jetzt klingst du einfach nur noch trotzig und beleidigt. Klar vertritt Eric seine Position sehr kämpferisch und emotional…bei den geschilderten Erfahrungen bedingt auch verständlich…aber die Hauptproblematik ist doch einfach diese “Ich will auch mal dran sein” Einstellung. Sobald man Anfängt andere von den Rechten auszugrenzen die man für sich selbst einfordert beginnt man zu diskriminieren. Es sollte nicht nur um die Gleichberechtigung der Frau gehen, es sollte um die Gleichberechtigung aller gehen – und nicht weniger.

      1. Richtig Tim. Selbstverständlich geht es um die Gleichberechtigung aller. Selbstverständlich. Gleichberechtigung sollte selbstverständlich für alle gelten. Und im Feminismus sind selbstverständlich auch homosexuelle, Frauen mit anderer als weißer Hautfarbe, Musliminnen etc eingeschlossen. Es tut mir leid wenn das falsch rüberkam. Das war kacke. Selbstverständlich darf niemand diskriminiert werden, männlich oder weiblich oder divers. Persönliche negative Erfahrungen möchte ich in keinsterweise schmälern. Um Gottes Willen. Das wäre wirklich furchtbar. Also sorry wenn das eher suboptimal formuliert war. Gleiche Rechte für alle.

    2. Diese Antwort zeigt mir, dass wir aneinander vorbei reden.

      “Anscheinend hast du ein Problem mit Heteros.”, vorhin hast du mir noch ein Problem mit Frauen, in anderen Worten, attestiert. Und mein Problem erkennst du wohl darin, dass ich es wage Kritik zu üben. Insofern habe ich in der Tat ein Problem mit heterosexuellen Mitmenschen, die mir Feindseligkeit entgegen bringen. Aber ich habe nichts gegen Heteros. Ich würde nie auf die Idee kommen jemand schlecht zu behandeln weil er heterosexuell ist, ich bin aber in der Tat erstmal zurückhaltend gegenüber fremden Heterosexuellen, als gebranntes Kind. Dass du das nicht verstehen willst ist deutlich geworden.

      ‘Und nein, es ist nicht falsch wenn jetzt mal Frauen „dran sind“ .’

      Schwule waren noch nie “dran” und sind es auch weiterhin nicht, andere LGBT inklusive Frauen auch nicht.

      “Frauen sind die Hälfte der Bevölkerung.”

      Und das ist vielleicht das Problem vieler Heteros das du hier zeigst. Du gehst tatsächlich davon aus, dass “die Frauen” und “die Männer” jeweils en bloc die Hälfte der Gesellschaft ausmachen. Dass es soviel mehr geschlechtsbezogene Identitäten gibt blendest du genauso aus wie den Fakt, dass bei der früheren angeblichen Männerherrschaft alle nichtheterosexuellen Männer natürlich ausgeschlossen waren und ganz unten in der Hackordnung waren und auch jetzt oft weiterhin sind, wie auch andere LGBT. Nur weil es ein paar symbolische Politiker gibt, die als lesbisch oder schwul bekannt sind, hat sich daran nichts geändert.

      Wir LGBT, ihr Heteros. Das ist leider die Realität bis heute. Dass ihr euch eures heterosexuellen Privilegs nicht bewusst seid ist Teil des Problems.

      1. Doch ich möchte dich gerne verstehen. Einiges habe ich bereits besser verstanden. Ich glaube deinen Ausführungen. Ich bin mir auch meines Privilegs oft bewusst. Nicht immer. Diskriminierung ist falsch. Ich bin für Vielfalt.

  4. Ja das gute alte Ego. Identität durch Abgrenzung. Wir gegen Die. So entstehen Kriege. Wir sind alle gleich in unserer puren Existenz, kommen aus dem selben Topf, sind miteinander verbunden. Mit biologischen Variablen und Ausrichtungen in mannigfaltiger Vielfalt. So ist es und so wird es immer sein. Alles andere ist Hirnf*** des Gedanken-Egos, Krankheit des unbewussten Geistes: Wir gegen Die.

    1. Der Mensch als Gruppentier.
      Wird man leider nie ganz abschaffen können.

      Doch wenn man nichts weiter hat zur Distinktion als seine überbetonte Geschlechtsidentität, mit der man sich fast zwanghaft laufend glaubt mittels Kauf von Produkten abgrenzen zu müssen, das ist für mich schon hohl.

      Ich frage mich oft, haben d’Leut, die auf solche hergerichtete Produkte und Dienstleistungen abfahren und sie zur Abgrenzung/Distiktion brauchen, nichts außer ihrem Kreisen um ihr Kerlsein oder ihrem Weibchensein. Vermutlich ja. Birne leere.

      Werbung und Kommerz sind zwar der Spiegel der Gesellschaft, doch sie könne auch unschöne Entwicklungen verhärten oder vorantreiben. Narzissmus und Körperfixiertheit ist so eine.

  5. Allgemein habe ich schon ein Problem mit dem “auf ein Geschlecht” Münzen von Design und Kommunikation.
    “Frauen” und “Männer” machen zwar jetzt rein biologisch etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, aber es gibt doch innerhalb dieser “Gruppen” (Kann man es bei solch vielfältigen Gruppen überhaupt als Gruppe bezeichnen) so viele Unterschiede.
    Ich bin ein weißer, heterosexueller Mann und hatte zeitlebens immer ein Problem mit anderen Männern. Ich mag gerne feingeistiges, mag typisches männliches Protzverhalten nicht und kaufe mir lieber einen weißen, geschwungenen Rasierapparat als einen schwarzen, eckigen.
    Auch bei Autos fahr ich lieber einen kleinen, niedlichen Wagen als einen fetten SUV. Und so weiter, und so fort. Mich sprechen oft “weibliche” Designs mehr an.
    Ich kenne viele Männer, die so sind – man findet sich dann irgendwo zusammen, denn so richtig Typisch ist dieses Verhalten nicht, und wird auch entsprechend von der Gesellschaft so angesehen – auch ich durfte in der Pubertät meine Erfahrungen sammeln und habe oft gehört “Deine Freundin ist doch eine Schauspielerin und du bist schwul”. Das an sich ist ja schon witzig weil “schwul” keine Beleidigung sein sollte aber als solche benutzt wird.
    Es wäre interessant zu wissen, wie viele biologische Männer und Frauen überhaupt nichts mit dem Stereotyp ihres Geschlechtes anfangen können.

    1. Es wäre interessant zu wissen, wie viele biologische Männer und Frauen überhaupt nichts mit dem Stereotyp ihres Geschlechtes anfangen können.

      Einige.

      Diese zunehmende Mainstreamisierung von Klischee-Männlich versus zuckrigrosa-Klischee Weiblich in Werbung oder Produktdesign oder Packaging zementiert. Es zweiteilt auch die Konsumenten ab Kindesalter unnötig. Unnötig aufs Geschlecht, unnötig auch die Über-Betonung aufs Sexuelle.

      Es kann ja sein, dass es den Verkauf anheizt.
      Werbung und Design als Spiegel der Gesellschaft greifen zwar angeblich nur auf, in Wahrheit verstärken sie Entwicklungen auch, wie unter einem Parabolspiegel.

      Als Designer hat man Verantwortung, nicht jeden Schiet mitzumachen und kritisch zu bleiben. Das ist schön gesagt und Vorlage für eine hehre Sonntagsrede, doch was macht der angestellte Designer. Der muss tun, was sein Chef will, der wiederum glaubt tun zu müssen, was der Werbekunde will: den Verkauf ankurbeln. Zweifler sind da nicht gerne gesehen.

      Und sonst so: Persönlich mag ich dieses Festlegen auf du bist ein Mann, dir wird schwarz und eckig und macho gefallen, gar nicht. Alles Mario Barth oder was.

      Was ist mit den vielen Männern, die von Kindheit an Fussball noch nie leiden konnten oder in Sport immer schlecht waren, miserable Autofahrer sind, mit dem schwarzen K.I.T.T. von Knightrider nichts anfangen konnten (dafür meine Schwester, die liebt bis heute Technik und abgefahrene Gimmicks). Die Männer, die Bücher lesen statt mit dem Quad herumfahren zu wollen. Die werden nirgends “abgeholt” (wie man so schön sagt).

      Persönlich sehne ich mich in die noch nicht übermäßig in der Werbung sexualisierte Zeit zurück. als wir Buben und Mädls unserer kleinen “Strolche”-Straßengang noch mit Dreck, Steinen und Zweigen spielten.

      Und wenn es regnete zuhause mit den LEGO zu bauen, die noch nicht so viele Fertigbausätze hatten, sondern mehr Raum ließen für eigene Ideen. Meine Schwester baute damit und mit Boardmitteln (Räder aus einem ausgeschlachteten Spielzeugauto plus Garn) eine Seilbahn zwischen Türklinke und Fensterkreuz, da gab es noch keine Lego-Seilbahn.

      Gebt doch den Kindern wieder mehr Phantasie.
      Statt stupid vorgefertigter Design-“Erlebnis”-Räume. Ist doch Mist so was. Wo bleibt die Kreativität. Wo bleibt das spielerische.

      1. Klasse! Genauso ist es Moritz!
        “Die Männer, die Bücher lesen statt mit dem Quad herumfahren zu wollen. Die werden nirgends „abgeholt“ (wie man so schön sagt)” also ich hole Sie dafür sehr gerne ab :)
        Diese überbetonte Sexualisierung ist mir erst letztens wieder aufgefallen. ab 17.30 Uhr kommt schon Durex Werbung oder Sexspielzeug Werbung auf vielen Kanälen. Da hat man schon fast keinen Bock mehr auf Sex. Ein perfekter Körper ohne Geist nützt nichts.
        “Statt stupid vorgefertigter Design-„Erlebnis“-Räume. Ist doch Mist so was. Wo bleibt die Kreativität. Wo bleibt das spielerische.” Ganz genau !!! Vielleicht brauchen sowas eher die Eltern zum angeben als die Kinder. Und was sich generell wirklich gut verkauft würde ich mal dreist in Frage stellen. Nur weil Manager xyz irgendwo irgendeine Studie gelesen hat muss es so sein… ja, ja. Is klar.

      2. Schon. Befürchte, es können sich nur die wirklich unabhängigen Designer leisten, den Schiet abzulehnen.

        Gründe: Wir befinden uns in einem Käufermarkt. Der Auftraggeber geht sofort woanders hin, wenn wir nicht spuren. Man kann es mit Beratung versuchen, schon.

        [Wenn ich bedenke, wen ich schon alles dezent beraten habe, um Schlimmstes abzuwenden. Es gilt leider auch: Keine Beratung ohne Beratungsauftrag. Berät man, ohne dass es bestellt ist, kann man sich eine Watschn oder einen Abgang einfangen. Strom und Heizung wollen bezahlt sein.]

  6. @ Eric
    Vielen Dank für Deine Antwort, nach der ich nun glaube besser verstehen zu können, aus welcher Perspektive Du auf die Sache schaust.

    Sich an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen empfinde ich derzeit als unglaublich frustrierend. Man hat es nicht nur mit den radikalen, polemischen, unsachlichen Schreihälsen zu tun, die ohnehin nichts Konstruktives beizutragen haben. Auch die Bereiche, aus denen man interessante und konstruktive Beiträge erwarten würde, werden nicht selten von den radikalsten Vertretern dieser Bereiche dominiert. Nach meinem Eindruck gilt das z.B. für den Feminismus – und offenbar auch, wie Deine Erfahrungen zeigen, für die Gender Studies. Vielleicht hatte ich Glück, nicht unmittelbar mit diesem Wissenschaftszweig in Berührung zu kommen, sondern vermittelt durch andere Disziplinen, wodurch sozusagen der konstruktive Teil dieser Theorien im Vordergrund stand.

    Ob die Erkenntnis, dass unsere geschlechtliche Identität auch von kulturellen Prägungen und gesellschaftlichen Zuschreibungen abhängt, tatsächlich eine Binse ist, wage ich zu bezweifeln. Es gibt noch so viele Menschen, die einen plumpen Biologismus vertreten, dass ein bisschen Aufklärung in dieser Sache nicht schaden kann. Ob das Fach “Gender Studies” dabei hilfreich ist, ist wieder eine andere Frage.

    Um noch einmal auf das konkrete Thema Produktgestaltung einzugehen: Ich erinnere mich an eine Diskussion in einem Typografie-Forum über die Frage, ob es typisch “weibliche” und “männliche” Schriftarten und -formen gebe. Da ich die meisten Forumskolleg/inn/en aus bisherigen Beiträgen als kluge und sachliche Diskutanten in Erinnerung hatte, war ich überrascht, dass viele von ihnen (sowohl Männer als auch Frauen) die Frage bejahten, und zwar nicht nur im Sinne von Klischees, die nun mal in der Gesellschaft existieren und die ein Gestalter aufgreift, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, sondern auch im Sinne einer affirmativen normativen Zuschreibung, etwa: Ja, die runden, geschwungenen Schriften sind eher weiblich, weil ja auch Frauen eher “rundliche” und “fließende” Formen haben. Ich war perplex.
    Je länger die Diskussion dauerte, umso polemischer und schärfer wurde sie. Irgendwann hatte ich aber ein persönliches Aha-Erlebnis: Die Polemik der Diskussion ließ sich ganz einfach vermeiden, indem man wie zuvor (mit den gleichen Kategorien und Vokabeln) über die Schriftarten und -formen diskutierte, aber schlicht die Zuschreibung “weiblich” / “männlich” wegließ. Denn es gibt ja in der Tat Schriften, die geschwungen, rundlich, feingliedrig, elegant oder was auch immer sind; es fügt der Diskussion nur eben nichts hinzu, diese Eigenschaften mit dem Attribut “weiblich” zu versehen – im Gegenteil, es bringt zahlreiche Probleme, die man besser vermeidet.

    In diesem Sinne ist vielleicht das Problem am Gender-Design nicht so sehr das DESIGN (also die konkrete Gestaltung), sondern die GENDER-Zuschreibung. Es ist in Ordnung, wenn es, vereinfacht gesagt, eine blaue und eine rosa Produktwelt gibt. Wenn sich jemand aufgrund bestimmter Gender-Klischees von der einen oder anderen Produktwelt angezogen fühlt, dann ist das eben so. Ein Problem wird es erst, wenn ein fetter Stempel mit eigener Gendermarkierung aufs Produkt kommt: “(nur) für Frauen” / “(nur) für Männer” (oder wahlweise: Spielzeug für Mädchen / Spielzeug für Jungen etc.). Dann nehme ich eine Zuschreibung vor, die alles irgendwie unnötig kompliziert macht und zurecht das Unbehagen einiger Kritiker auf sich zieht. Denn es ist eine Sache, bestimmte (stereotype) Vorstellungen davon zu haben, was typisch männlich oder weiblich ist; es ist eine andere Sache, Stereotype und Gender-Klischees ohne Not zusätzlich zu verschärfen.

  7. Last not least:

    Eine neue differenziertere Art von Männlichkeit hat Gillette in seinem Spot versucht. Lesenswerter Artikel in der WELT:
    https://www.welt.de/kultur/article187264124/Gillette-Spot-Toxische-Unmaennlichkeit.html

    Der Spot kam in den Sozialen Medien leider nicht besonders an, in denen es wohl einen harten Kampf mit und um das männliche Role-Model gibt.

    Die Verfestigung hartgesottener Role-Models löst sich nicht so schnell auf.

    Der Krieg der Geschlechter – das Zeitalter der Polarisierung

    Das Netz ist dem Augenschein nach zum Rückzugsgebiet und Kampfraum der “alten” Männlichkeit geworden. Wie man das bewertet, ist jedem selbst überlassen. Bedenklich, seit bekannt ist, dass die Journalisten-Facebook-Gruppe “Ligue du LOL”das Netz als Aktionsraum für Cybermobbing gegen Frauen entdeckt hat. (Quelle “le Monde”).

    Wer sagt denen endlich, dass wir sie trotzdem lieb haben, sie sich entspannen können und sie aufhören können damit. Auch Schreihals-Feministinnen.

    1. Sehr interessant – bedeutet es somit manche Männer fühlen sich bedroht wenn man ihnen eine traditionell gelebte Männlichkeit vermeintlich wegnimmt? Das tut man doch gar nicht. Positive weichere Eigenschaften ergänzen das Bild einfach. Es erinnert mich etwas an den Audi Spot mit dem Vater und Mädchen beim Superbowl. Im Vergleich dazu den Rocker Spot von Mercedes. Dann hätten wir wieder lediglich zwei Schubladen. Das ist doch traurig.

  8. Huch, mein Anspruch spannende Artikel mitsamt den Kommentaren erfordert hier heute zu viel Zeit, aber Glückwunsch zu den vielen Kommentaren und dem regen Austausch.

    Zweifelsfrei ein interessantes, wichtiges und weitreichendes Thema das hier angeschnitten wird, denn auch ich sehe diverse Geschlechterrollen, die einem im Alltag begegnen, mit gemischten Gefühlen. Das “typisch weiblich” oder “typisch männlich” hält sich auch 2019 leider ebenso hartnäckig wie die Denke, dass “heterosexuell” als “das normale” gilt …

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