Frisch im Netz – März 2013

Hier einige Relaunchs der vergangenen Tage, die im dt nicht ausführlich besprochen werden, aber auch nicht gänzlich untergehen sollen.
Audi.de
Zuletzt im Dezember 2008 umfangreich relauncht. Nun setzt man wieder verstärkt auf weiß statt eines grauen Fonds. Von Flash wollte man sich allerdings nicht trennen.
Dict.leo.org
Wahrlich ein Webdino. Die LEO-Fremdsprachenwörterbücher, ursprünglich von Studierenden der TU München und der LMU München aufgebaut, dürften für viele Menschen regelmäßige Anlaufstelle im Netz sein. Sowohl am Interface wie auch in Bezug auf die Funktionen wurde optimiert. Typisch „LEO“ ist es allerdings nach wie vor. So sahs vorher aus.
Vattenfall.de
Der Webauftritt des Energieunternehmens wurde mit Webfonts, großzügig dimensionierten Schaltflächen und zentrierter Ausrichtung ausgestattet. Nur das Logo ist geschrumpft.
Chefkoch.de
Mit über 37 Millionen Visits im Monat zählt der Auftritt zu den traffic-stärksten in Deutschland. Wenn man Nutzern über einen langen Zeitraum eine bestimmte Linkfarbe an die Hand gegeben hat – im Fall von Chefkoch.de war es rot –, dann ist die Umstellung auf gleich zwei neue Farben nicht unproblematisch. Den einzelnen, rein in schwarz ausgezeichneten Forennamen sieht man nicht an, dass es sich hierbei um Links handelt. Das war vorher eindeutiger.
Piper.de
Der Münchner Piper Verlag hat sich von artundweise einen kleinen, aber feinen Webauftritt schneidern lassen, der vor allem durch seine Scroll-Funktionalitäten auffällt.
Weitere Relaunch-Meldungen können gerne als Kommentar angeheftet werden.





Ebenfalls neu ist http://www.speyer.de
Das neue UNDesign von LEO geht mir persönlich ziemlich auf den Geist – das wirkt alles so auf Teufel komm raus für “Mobile Systems” getrimmt. Gute Funktionen sind jetzt sehr versteckt bzw. man muss erst 1 – 2 Ebenen TIEFER gehen, um sie nutzen zu können.
Die “tollen” fetten Sprachumschalter rechts hätten ruhig im Header bleiben können – lenken gewaltig ab. Dazu diese MEGA-Schaltflächen, die einem so richtig derb ins Auge springen ..
Das alte Design war zwar tatsächlich recht altbacken, aber dafür auch sehr funktional. Das jetzige Design ist zwar sehr supertrendy, aber tatsächlich auch recht dysfunktional.
Ähnliches kann man von Chefkoch.de sagen – dort wurde etwa die Rezepte-Sammlung/Paging-Funktion so dämlich verhunzt, dass ich sie seit dem Relaunch nicht mehr benutze. Dämlich im Sinne von: Beim “Blättern” wird die Seite IMMER neu geladen, UND springt dadurch immer zum Seitenanfang.
.. ein richtiges Usability-Fail. Oder vielleicht sogar QA-Fail. Das ist doch sooo einfach, das zu korrigieren: Einfach eine ID (Tag-Attribut “id”) für den Container setzen, und automatisch darauf verlinken. IMHO auf den letzten Drücker zusammengeklöppelt, und gar nicht erst durchgetestet. *kopfschüttel*
cu, w0lf.
@ mell: ne, Responsive ist NICHT das Stichwort. Nur ein neuer Trend ;)
Vor allen Dingen in Doofland.
Wer sich ernsthaft mit dem Thema auseinander gesetzt hat – z.B. mittels UI-Tests aus dem RL – stellt schnell fest, dass es eben NICHT ausreicht, irgendein “uh guck ma, wenn ich das Fenster hier kleiner mach, verändert sich das Design, und alles sieht viiiiel einfacher aus”-Schema aufs Design draufzuklatschen.
Der große Fehler bei all diesem trendigen Hypescheiß ist der, dass neben der Vereinfachung des Designs auch die Inhalte sowie die Funktionalität vereinfacht wird. Und genau DAS wünscht sich der Benutzer nicht – darum nutzen inzwischen mehr als ein Drittel der Otto-Normal-Mobilnutzer die reguläre Desktop-Variante der jeweiligen Website, und freuen sich nicht sonderlich, wenn ihnen der Inhalt im Ultra-Reduziert-Modus vereinfachst vorgekaut wird.
Wir haben also momentan zwei “Trends”:
1. Ultra-Abspeckung aka “Responsiveness”
2. Behutsame Erweiterung aka “Mobile Enhancement”
Was nun “besser” ist, kann man so einfach wohl nicht entscheiden. Ist es besser, eine stark vereinfachte Website zu benutzen? Ja, und nein. Für manche Fälle, z.B. Wikis,ist das durchaus richtig. In anderen Fällen fehlt einem eben die Funktionalität, z.B. eine gute semantische Suche, weshalb in diesen Fällen also #2 die bessere Wahl wäre.
Letztlich – so hoffe ich – wird es wohl auf eine gute Mischung von 1 + 2 hinauslaufen.
cu, w0lf.