Freistaat Bayern vereinheitlicht Design von Regionalzügen und S-Bahnen
Der Freistaat Bayern harmonisiert das visuelle Erscheinungsbild im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und lässt künftig alle neuen Regionalzüge und S-Bahnen mit weiß-blauen Rautenmuster rollen. Das vereinheitlichte Design soll Fahrten intuitiver machen und biete eine bessere Orientierung am Bahnsteig.
Wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) im Rahmen der Vorstellung des neuen Erscheinungsbildes erklärt, sei dieses ein wesentlicher Bestandteil der übergeordneten Touchpoint-Strategie des Bahnlandes Bayern. Ziel sei es, alle Berührungspunkte der Fahrgäste – von digitalen Informationsmedien über Fahrausweisautomaten, Videoreisezentren und Kundencenter bis hin zu den Fahrzeugen – klarer, verständlicher und wiedererkennbarer zu gestalten. Kennzeichnungen für Nutzungsbereiche (z. B. Mehrzweckbereiche, 1. Klasse) sowie Piktogramme für Rollstühle, Fahrräder und Kinderwagen wurden hierbei berücksichtigt.
Auszug der Pressemeldung
Das neue Landesdesign ist Teil der bayernweiten Customer-Touchpoint-Strategie. Ziel ist, Fahrgästen eine klare Orientierung und einen einheitlichen Wiedererkennungswert zu bieten – ganz unabhängig davon, welches Verkehrsunternehmen gerade fährt. Die Fahrgäste sollen sofort erkennen: Das ist ein Angebot des Freistaats Bayern. „Wir bekommen Züge mit mehr Bayern-Seele sowie einem schicken, selbstbewussten und sachlich klaren Erscheinungsbild.. Damit wollen wir gerade den Fahrgästen in den Bahnstationen die Orientierung erleichtern und Zugangshemmnisse abbauen“, so Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) ist.
Das „Landesdesign“ gelte, wie einer Infoseite der BEG zu entnehmen ist, ausschließlich für Neufahrzeuge, die ab den kommenden Ausschreibungen bestellt werden. Bestehende Fahrzeuge werden nicht umgestaltet, da dies wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre. Das neue Design sorgt demnach also für mehr Einheitlichkeit, wird jedoch nicht vollumfänglich auf alle Züge übertragen.
Neu bestellte Münchner XXL-S-Bahnen sollen ab Ende 2028 mit dem „Landesdesign“ ausgestattet werden, erste Regionalzüge Anfang der 2030er Jahre. Die Logos der jeweiligen Betreiber würden groß und gut sichtbar an den Fahrzeugseiten angebracht. Fahrgäste könnten also weiterhin auf den ersten Blick sehen, wer auf den einzelnen Strecken unterwegs ist.
Mediengalerie
- Bahnland Bayern Landesdesign Visulaisierung Schienenfahrzeuge, Quelle: BEG Bahnen Website, Quelle: Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH
- Exterieurgestaltung des Siemens Mireo Fahrzeugs im Bahnland Bayern Landesdesign, Quelle: BEG Bahnen Website, Quelle: Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH
- Ansicht der Bereichsmarkierung im Bahnland Bayern Landesdesign am Beispiel des Fahrzeugs Siemens Mireo, Quelle: BEG Bahnen Website, Quelle: Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH
- Bahnland Bayern Design, Quelle: BEG Bahnen Website, Quelle: Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH
Weiterführende Links













Bei Meldungen dieser Art stelle ich mir die Frage, weshalb sowas nicht bundesweit geregelt wird? Dann wäre es wirklich ein Dienst an Kundinnen und Kunden. Und die Aussage wäre auch wirklich zutreffend und keine Freistaatpolitik die den Grund wahrscheinlich vorschiebt:
Eine deutschlandweit einheitliche Gestaltung für Schienenfahrzeuge gab es über viele Jahrzehnte hinweg. Erst vor wenigen Jahren wurde das aufgeweicht und seitdem kocht jedes Bundesland oder jeder Verkehrsverbund sein eigenes Süppchen. Das führt mittlerweile sogar so weit, dass die Züge der Betreiber in Details auch technisch unterschiedlich konfiguriert werden und untereinander nicht mehr kompatibel sind, obwohl sie vom selben Hersteller kommen und selben Typs sind.
Der klassische Spruch eines Otto-Normal-Bahn-Kunden, “einfach mal einen Waggon mehr ranhängen”, ist daher sowohl optisch als auch technisch nicht mehr möglich.
Die bundesbahnweit einheitlichen Produktfarben, die zwischen 1986 und 1996 aktuell waren und bei denen nur zwischen den Zuggattungen unterschieden wurden, sind da nach wie vor meine Favoriten.
Da stimme ich voll und ganz zu, ich war hier in Rheinland-Pfalz auch am Rande an einem ähnlichen Prozess beteiligt und frage mich, welchen Mehrwert ein bundeslandeinheitliches Design bietet (selten fragt man sich ja, in welchem Bundesland man sich wohl gerade befinden mag) und wie die “Orientierung am Bahnsteig verbessert werden” soll (dass man einen Zug vor sich hat und nicht das Bahnhofsgebäude, erkennt man in der Regel designunabhängig). Es dient also ausschließlich der Profilierung der jeweiligen Landesregierung.
Man könnte sogar soweit gehen, zu sagen, dass ein einheitliches Design die Orientierung erschwert. Schließlich kann man die Züge nicht mehr differenzieren, sieht z.B. nicht mehr, ob es eine S-Bahn oder ein Regionalzug ist. Oder man erkennt “seinen” Zug nicht schon an der Hausfarbe des Verkehrsunternehmens.
Für mein Empfinden bewegt man sich auch im Produktdesign eher zurück als nach vorn. Wenn ich noch an der ersten ICE-Züge denke in ihrer klaren Formensprache – Apple und Braun auf der Schiene sozusagen. Die Front des Bayern-Zuges mit ihren bösen Augen scheint eher einem japanischen Manga zu entspringen. 😔 Da will dann auch das schönste, vereinheitlichte Grafikdesign nicht passen.
Das ist ein Siemens Mireo, ich weiß nicht wer da die Form gestaltet hat. Gibt es schon seit 2018. Ich empfinde die Formgebung als nicht wirklich zeitlos, was bei Schienenfahrzeugen mit jahrzehntelanger Lebensdauer, die auch irgendwann umlackiert und modernisiert werden, problematisch ist. Im Vergleich hat Stadler (Nose design experience) weniger eigenwillige Formen gefunden, an denen sich die Fahrgäste dafür auch nicht so schnell sattsehen werden.
Das bayerische Design betont nur die Enden der Triebzüge (ich weiß nicht ob noch lokbespannte Züge betroffen sein werden, die gibt es als Doppelstockzug vereinzelt auch noch). Wenn ich an den Bahnsteig komme und der Zug steht da schon, wirkt er ziemlich schwarzweiß.
In Baden-Württemberg ging die Einführung des bwegt-Designs mit der Schaffung einer gemeinsamen Fahrzeugflotte (nvbw) einher. So können bei einem Betreiberwechsel die gleichen Fahrzeuge weiterverwendet werden, ohne alles umzulackieren.
Sachsen-Anhalt wird übrigens auch ein Landesdesign einführen:
https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/so-fahrt-sachsen-anhalt-kunftig-bahn-4181428
Als Franke empfinde ich das unglaublich arrogant. Weiss-Blau gehört nicht nach Franken, hier verwenden wir ein Rot mit weissem Rechen. Wenn man bedenkt dass Franken erheblich grösser ist als Bayern ist das eine Frechheit.
“Wenn man bedenkt dass Franken erheblich grösser ist als Bayern ist das eine Frechheit.”
Du täuscht dich. Franken mit seinen 3 Regierungsbezirken ist Flächenmäßig nicht größer als Rest-Bayern.
Ich gehe stark davon aus, dass Anne hier viel mehr Franken mit Oberbayern/Niederbayern vergleicht, das ist tatsächlich ähnlich groß. Der schwäbische Teil versteht sich ja auch eher als schwäbisch denn als bayerisch. Die Oberpfalz ist nochmal ein ganz eigenes Thema, zwar traditionell altbayerisch, aber auf Grund der lokalen Nähe wohl auch eher zu Nürnberg denn zu München als nächster Großstadt orientiert.
Aber unabhängig davon verstehe ich sehr gut, dass es sich aus fränkischer Sicht etwas schmächlich anfühlen muss diese Weiß-Blauen Züge zu ertragen. Ganz nebenbei finde ich sie vom Design her auch nicht wirklich ansprechend. Im Allgemeinen empfinde ich den Ansatz Regionalverkehr rot/Fernverkehr weiß doch als beste Orientierungshilfe. S-Bahnen könnten meiner Meinung nach hingegen auf Grundlage der regionalen Identitäten durchaus auch eine eigene Designsprache bekommen. Für München mag hier das Bayerndesign passen, für Nürnberg hingegen absolut nicht.
Franken erstreckt sich über die Bundesländer Thüringen, Hessen, Baden Württemberg und Bayern.
@Anne: Diese Aussage, die auf Krampf eine historische Rivalität am Leben hält kann ich als Franke, Bayer und Deutscher nicht mehr nachvollziehen. Finde derlei Sprüche auch nicht annähernd lustig. Dieses Gedankengut ist auf gleichem Niveau mit den ewigen Sachbeschädigungen durch Fußball-Fan-“Kunst” im öffentlichen Raum. Aufkleber auf sämtlichen Straßenschildern, Graffitis an jeder Brücke oder komplett gestrichene Stromkästen in Vereinsfarben… Alles auf Kosten des neutralen Bürgers. Finanziell und seelisch. Ich wünsche mir weniger Spaltung in unserer Gesellschaft.
Diese “Aufspaltung” geschieht idr. primär auf bairischer Seite, mit tatsächlich belegbaren Formen der Diskriminierung (z.B. die Landkreis-Bereinigung in den 1970ern, bei denen sämtliche SPD- und FDP-Wahlkreise zerschlagen wurden, forcierte Verstädterung / Verödung von ländlichen Gegenden uvm). Allerdings ist sie bei weitem nicht so intensiv wie von den Beeinträchtigten, also Franken, angenommen.
cu, w0lf.
Da bin ich ganz bei Anne: Hier wird das Lokalkolorit geopfert und durch eine blau-weiße Klischeedarstellung ersetzt, die eben nicht Bayern als Ganzes repräsentiert. Nicht umsonst werden im Staatswappen des Freistaats die „vier Stämme” mit ihren jeweiligen Farben dargestellt.
Man mag das kleinteilige Design in der Gesamtsicht als “Kraut und Rüben” bezeichnen, aber ich finde es schön, wenn die Regionalbahnen am Bahnhof etwas Regionales ausstrahlen. Ob man einen Zug in den Farben Weiß-Rot-und-Grün sieht und weiß der Thüringer Wald ist nicht mehr weit oder die drei Löwen mit gelben Akzenten Schwaben ankündigen…
Gerade die große Gleichmacherei sorgt doch für mehr Polarisierung als statt Toleranz gegenüber kleinen Eigenheiten. Und wenn ich auch kein Experte für Barrierefreiheit bin, machen die schwarzen Türen auf mich nicht den Eindruck, als würden damit “Zugangshemmnisse” abgebaut.
Das ist Äpfel mit Birnen vergleichen… Auch ich mag es andere Regionen am Design zu erkennen. Auch ich finde daher pro Bundesland ein eigenes Design nicht schlecht. Dir gefällt, dass man Züge aus Thüringen oder Baden-Württemberg erkennt. Ja und am Design-Konzept dieses Themas würde man Bayern erkennen. Das ist die gleiche Ebene! Für Unwissende muss offenbar gesagt werden, dass Franken kein Bundesland ist, sondern sich auf drei Regierungsbezirke innerhalb Bayerns begrenzt, ob es Leuten nun gefällt oder nicht. Und wenn nun die Bayerische Eisenbahngesellschaft beschließt, ein weiß-blaues Farbschema zu nutzen, statt Standard-rot, dann finde ich das absolut nachvollziehbar.
Eine Fränkische Bahngesellschaft gibt es nunmal nicht. Schließlich ist es ja auch nicht der Fall, dass die bisher roten Züge für Franken standen, auch wenn es zufällig die passende Farbe gewesen wäre. Meines Wissens sind das einfach die DB-Regio-Farben. Wenn schon Erbsen zählen, dann bitte richtig. Du schreibst, dass das bayerische Wappen die vier Stämme zeigt. Richtig! Aber zentral steht nunmal die weiß-blaue (nicht blau-weiße) Raute.
Wobei das auch erst seit Napoleon so ist. Davor war das alles eigenständig.
cu, w0lf.
Ich bin mir sicher dass die Aufregung in Franken gross sein wird wenn das mal bekannt wird.
es geht ja auch darum das Franken seit 200 Jahren ihre Identität zu Gunsten Bayerns aufgeben müssen. Das sage ich als Universalist. Aber die kulturellen Identitäten sind total unterschiedlich.
Liebe Anne, ich akzeptiere Deinen Unmut in der Sache. Am Ende kommt es aber immer drauf an, was man will, denn wer Unterschiede sucht, wird sie auch finden. Davon abgesehen sind politische Grenzlinien selten auch exakt die Kulturellen, sehr wohl aber im Zuständigkeitsbereich eines Bahn-Unternehmens. Da ich in einer Grenzregion lebe kann ich vielleicht die krassen Franken/Bayern-Patrioten nicht verstehen, zumindest Diejenigen, die den Anderen als Rivalen oder Feind betrachten. Viele Grüße.
Ich finde die Diskussion sehr interessant und möchte mich bei allen für den Austausch bedanken.
Spannend zu beobachten, wie die Farbgebung und die Gestaltung der Züge mit der persönlichen Identität bzw. mit der Vorstellung von regionaler Identität verbunden und verwoben ist respektive neuerdings (wieder) verbunden wird. Denn die Entwicklung ist in dieser Hinsicht noch vergleichsweise jung. Abgeschlossen kann diese ohnehin nicht sein.
Erzdeebee hat bereits richtigerweise darauf hingewiesen, dass es über viele Jahre in Deutschland ein einheitliches Design gab, auch für regionale Züge.
Hier das Ergebnis einer Recherche und eine kurze Zusammenfassung der Entwicklung im Regionalverkehr:
Bahn-Landesfarben:
Baden-Württemberg: Schwarz-Weiß-Gelb (“bwegt”-Design)
Schleswig-Holstein: Blau-Grau-Weiß (NAH.SH-Design)
Niedersachsen: Blau-Gelb-Weiß (LNVG-Design)
Hinzu kommt nun das weiß-blaue Rautendesign für Bayern.
Konsequenterweise müsste sich mit der Umstellung auf das weiß-blaue Bayern-Design – für mich ist nicht zu erkennen, ob dieser Aspekt von verantwortlicher Seite mitbedacht wurde – auch das visuelle Erscheinungsbild , das CD, der jeweiligen Bahngesellschaften angepasst werden, beispielsweise das der Westfrankenbahn (https://www.westfrankenbahn.de/). Da diese Bahngesellschaften bislang als eine Submarke der Deutschen Bahn positioniert sind, ist die Sache alles andere als trivial.
Immer weniger Bahngesellschaften nutzen für Züge das im Rahmen der Bahnreform 1994 eingeführte Verkehrsrot (RAL 3020) als verbindliche Kennzeichnung. Mit landesweit geltenden Designs lassen sich zwar Regionalbahnen bündeln, gleichzeitig sorgen diese dafür, dass die Corporate Identity der Bahn immer weniger sichtbar ist. Touristen und andere Besucher, die durch Deutschland reisen, sind vermehrt mit zahlreichen unterschiedlichen Designs konfrontiert. In Ländern wie der Schweiz oder Japan ist dies meines Wissens nicht anders.
In Japan scheint es so zu sein, dass die Unterschiedlichkeit und Spezifik regionaler Züge von Seiten der Betreiber ausdrücklich erwünscht ist, wie etwa Angebote wie der „Pokémon with You Train“ verdeutlichen. In diesem Fall sind es weniger tradierte regionale Merkmale, an denen Identität festgemacht wird, etwa heraldische Wappen oder Landesfarben, als vielmehr aktuelle Entwicklungen innerhalb der Kultur, wie auch die „Hello Kitty Shinkansen“-Züge dokumentieren. In Japan ist Zugdesign stärker themengebunden.
Auch Design mit dieser Art pop-kulturellem Themenbezug kann identitätsstiftend sein. Die Frage ist, wie man die eigene Identität begreift, wo man sich als Individuum verortet und welchem Kulturkreis zugehörig fühlt. Als Nürnberger, als Franke, als Bayer, als Deutscher, als Europäer, als Teil der Weltgemeinschaft.
Wohl ein Beispiel wie sich »politischer Zeitgeist« auf Design auswirkt, oder?
Es hätte ja auch genauso gut in die andere Richtung gehen können: Weg vom regionalen, nationalen Denken zu mehr Europa, was sich dann auch im Zug-Design hätte bemerkbar machen können – ein einheitliches europäisches Design. 😬
Irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass die BEG da bei der S-Bahn Stuttgart abgekupfert hat.
https://www.stuttgarter-zeitung.de/gallery.modernes-design-und-mehr-platz-grau-statt-rot-so-sieht-die-neue-s-bahn-aus.a0615b6a-eb21-43eb-a34d-eaeb785d314f.html/id/348c199c-9799-43ba-bef2-5c74e491ae52