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Förstina vollzieht Rebranding

Förstina Logo, Quelle: Förstina
Förstina Logo, Quelle: Förstina

Die Mineralwassermarke Förstina vollzieht derzeit ein Rebranding. Die Etiketten der Flaschen bekommen ein neues Design, und auch das in gebrochener Schrift gesetzte Markenlogo wurde modifiziert, erneut.

Die Förstina-Sprudel Mineral- und Heilquellen GmbH & Co. KG ist ein deutscher Getränkehersteller mit Sitz in Eichenzell-Lütter. Das Familienunternehmen wurde 1928 von Justus Förster gegründet. Als einer der 20 größten Mineralwasserhersteller Deutschlands (über 300 Mio. Flaschen/Jahr) vertreibt Förstina ein breites Sortiment an alkoholfreien Erfrischungsgetränken, Schorlen und Limonaden. Seinen höchsten Marktanteil hat das Unternehmen in Regionen rund um den Standort Eichenzell-Lütter in Osthessen. Seit 2023 gehört Förstina, ebenso wie die Marken RhönSprudel, Bad Liebenwerda und Spreequell, zur französischen Unternehmensgruppe Sources ALMA.

Aktuell stattet der Getränkehersteller die Flaschen mit neu gestalteten Etiketten aus. Das neue Design sei „frisch, modern und vertraut wie eh und je“, wie es in einem vom Hersteller veröffentlichten Social Post auf Instagram heißt. Das Logo wird als „moderner, klarer, auf den Punkt, dabei unverkennbar Förstina“ beschrieben.⁣

Förstina Spritzig 1l-PET-Flasche – vorher und nachher, Bildquelle: Förstina, Bildmontage: dt
Förstina Spritzig 1l-PET-Flasche – vorher und nachher, Bildquelle: Förstina, Bildmontage: dt

Alle typografischen und grafischen Elemente wurden bei grundsätzlich ähnlichem Aufbau neu arrangiert und gestalterisch überarbeitet. Die in gebrochener Schrift gesetzte Wortmarke wurde abermals vereinfacht – bereits vor zwei Jahren erfolgte eine Anpassung (siehe Logo-Evolution). Bei diesem Schritt wurden unter anderem die feinen kalligrafischen Striche im Anfangsbuchstaben und im „s“ entfernt. Die Überarbeitung ging den Verantwortlichen offenbar nicht weit genug.

Mit dem nun erfolgten Redesign unterscheiden sich die Wortmarken nun deutlich von einander. Der Charakter einer gebrochenen Schrift bleibt zwar erhalten, allerdings zeigen sich signifikante Unterschiede in der Form der Lettern, etwa wie beim „F“, dessen Stamm nun senkrecht statt diagonal verläuft. Statt in rot ist die Wortmarke zudem in dunkelblau gehalten. Künftig fungiert im digitalen Umfeld einzig die Wortmarke als Absender, ohne das umgebende Oval und das Brunnen-Signet. Auf den Etiketten ist die Wortmarke hingegen weiterhin in einem Oval eingefasst.

Für alle Textinformationen und Bezeichnungen wurden neue Schriftarten gewählt. Die Sortenauszeichnung „spritzig“ ist nun in einer Groteske in Großbuchstaben gesetzt, statt in einem scriptualen Font in Kleinbuchstaben. Das Wort PREMIUM wurde entfernt.

Kommentar

„SPRITZIG“. Bei dieser Wortmarke gehen Inhalt und visueller Ausdruck extrem weit auseinander ☛ der Inbegriff einer Text-Bild-Schere. Frisch und modern wirkt die neue Etikettengestaltung zudem nicht, sondern gewöhnlich. Nichts durchbricht den streng zentrischen Aufbau. Keine kreative Idee. Ein solcher Look ist fade, nicht frisch. Gestaltung und auch das Wording („eh und je“) zeichnen das Bild einer auf Wertbestand und Erhalt bedachten, konservativ ausgerichteten Marke. Im Werbesprech kann/wird/darf dies ein Hersteller über seine eigene Marke natürlich nicht offen sagen, schon gar nicht in der geschönten Parallelwelt auf Instagram.

Ein klassisches, die Tradition bewahrendes Design ist bei einer Marke wie Förstina, die laut eigenen Aussagen regionale Verwurzelung explizit als einen starken Pfeiler des Selbstverständnisses versteht, alles andere als unpassend. Ein progressives Design und ein hipper Markenauftritt wären hier wohl der falsche Ansatz. Klassisches Aussehen und eine ansprechende Gestaltung sind allerdings kein Widerspruch. Dies ginge besser, stringenter, konsequenter und optisch ansprechender, wie beispielsweise die Mineralwassermarken Adelholzener, Gerolsteiner oder Hassia aufzeigen.

Die Triade aus Wortmarke, zweigeteiltem Oval plus Brunnen-Signet wirkt altbacken. Derart starre Konstrukte sind in der heutigen Markenkommunikation hinderlich, eben weil sie statisch und unflexibel sind. Weshalb bei Förstina auf den Etiketten auf dieses Konstrukt festgehalten wird, davon abgesehen in der Markenkommunikation ein offenes, variables System greift und stärker auf die Wortmarke als alleinigen Absender gesetzt wird, erschließt sich nicht, zumindest nicht aus Sicht von Konsumenten. Wer mit Designprozessen vertraut ist, weiß wie Entscheidungen zuweilen zustande kommen, und ahnt, wie die Präsentation mit Entwürfen des ursprünglichen Packaging-Designs vor Ort in Eichenzell-Lütter abgelaufen sein mag. Doch es wäre besser gewesen komplett auf das beliebig aussehende, indifferente Oval zu verzichten.

Wie würde eine Etikettengestaltung aussehen, die im Einklang mit den Visuals der aktuellen Kampagne steht, und nicht im krassen Gegensatz hierzu? Einen solchen Entwurf hätte ich gerne gesehen. Weder ist der Markenauftritt konsistent, noch das Packaging Design stringent, noch sind die zuletzt vorgenommenen Marketing-Maßnahmen nachhaltig. Womöglich eine Folge veränderter Besitzverhältnisse verbunden mit personellen Wechseln. Wie heißt es so schön: nach dem Relaunch, ist vor dem nächsten Relaunch.

Mediengalerie

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Wir haben bei uns im Geschäft lange Zeit den Vertrieb dieser Marke in der Gastronomie im Raum Rhein-Neckar und Rhein-Main gemacht.

    Nach dem der neue Eigentümer erst einmal den Mitbewerber Rhön-Sprudel “um die Ecke von Eichenzell bei Fulda” übernommen hatte wurde kurze Zeit danach Förstina übernommen.

    Dazwischen war noch ein Ex-Manager von Coca-Cola für ca 1,5 Jahre am Werk und hat sich an der Marke versucht.

    Der neue Eigentümer hatte dann sogleich beschlossen die Gastro-Linie von Förstina einzustellen.

    Eigentlich schade, denn Förstina hatte echt schön Gastro-Flaschen im Gegensatz zu Rhön.

    Individual-Flaschen eben.

    Rhön-Sprudel hatte / hat eher langweilige Flaschen, die meisten durch offensichtlich hohen Rücklauf und Verwendung ziemlich verkratzt durch häufige Füllung.

    Kann man keiner halbwegs gehobenen Gastronomie hinstellen.

    Ein sehr schlechter Tausch.

    Bedenkt man woher der neue Besitzer kommt wird einem alles schnell klar:
    aus der Billheimer-Ecke.

    Das “Top-Wasser” Cristaline ist das Lieblingswasser aller südländischen und türkischen Supermärkte und steht im Preis-Ranking ziemlich unten.

    Somit besteht Anlass zur Vermutung, dass Förstina, jetzt nur noch als PET und nicht mehr wie oben beschrieben als “Glas-Gastro”, eine ähnliche Karriere machen wird wie Cristaline und im Preis-Keller landen wird.

    Da ist für graphisches Weiterdenken und teure Beratung natürlich kein Budget übrig.

    Das Ergebnis kann man dann auf Etiketten sehen…

    Schade um die Marke

    PS: das Wort “Sprudel” ist derart aus der Zeit gefallen, so daß ich es beibehalten hätte. Genau ein Wort, nämlich dieses, hätte die Tradition ausgedrückt.

    1. Besten Dank für den Kommentar – für die Ergänzungen, Hintergrundinformationen und Einschätzungen.

      Somit besteht Anlass zur Vermutung, dass Förstina, jetzt nur noch als PET und nicht mehr wie oben beschrieben als “Glas-Gastro”, eine ähnliche Karriere machen wird wie Cristaline und im Preis-Keller landen wird.

      Genährt wird diese Vermutung durch den Umstand, dass in der Mediathek des Unternehmens (rsg-downloads.de) bislang ausschließlich PET-Flaschen im neuen Design hochgeladen wurden, keine Glasflaschen.

  2. Ich kenne Förstina nicht – wohne nicht im Zielgebiet, aber als regelmäßiger Mineralwasserkonsument fällt mir auf, dass anscheinend das Farbschema für still-medium-spritzig (mal wieder?) geändert wurde; womöglich schon zwischen dem vorletzten und diesem Redesign.

    spritzig: rot –> blau (ausweislich deines Visuals; mit Google finde ich auch Flaschen im alten Design, aber mit blau als Signaturfarbe)
    medium: rosa –> grün (auch hier finde ich mit Google Flaschen im alten Design sowohl mit rosa wie mit grün)
    naturell: rot/hellblau –> rot

    Generell fällt mir auf, dass sich bei vielen Produktkategorien de-fakto Standards für Farbcodes entwickelt haben; während bei Mineralwasser bis heute jede Marke ihre eigenen Regeln hat, und, wie in diesem Fall, auch gerne innerhalb der Marke gewechselt wird. So verwirrend, wenn man etwa von seiner Marke gewohnt ist, dass rot “spritzig” bedeutet, und man dann bei einer anderen Marke “naturell” erwischt, oder umgekehrt.

  3. Gerade das hellblaue Etikett mit dem roten Calcium-Balken sieht jetzt so nüchtern aus wie ein Medizinprodukt oder Nahrungsergänzungsmittel. Daran ändern auch die Stock-Wasserspritzer nichts, die schon 1993 aufgenommen und auf CD-ROM vertrieben wurden.

    Das Marketingmaterial mit den hippen, jungen Menschen grenzt fast schon an Satire.

  4. Mir gefällt die neue Gestaltung deutlich besser als die alte. Im Verhältnis zum alten Design wirkt das neue tatsächlich „jung und modern“. Aber nur im eigenen Kosmos der Marke.

  5. Die Plakatkampagne mit der sehr auffälligen weißen Frkaturschrift erinnert mich ein bisschen an Plakate aus dem dritten Reich. Dazu der deutsche Wald und ausschließlich deutsch gelesen Modelle. Kann sein, dass das alles Zufall ist aber meine ersten Assoziationen waren sofort irgendwie Wikingjugend oder so.

    1. Gäääähn… echt jetzt? Müssen wir zum hundertsten Mal typografisch-historisch klären, dass die Fraktur recht wenig mit dem Dritten Reich zu tun hat?

      Hast du auch einen fachlich-konstruktiven Beitrag, oder ist es dir vor allem wichtig, politisch-korrekt zu rügen hier?

      1. Schlichte Gotische ( wie die hier diskutierte) haben sehrwohl zeitlich wie inhaltlich signifikanten Bezug zur NS-Zeit. Wenn sie dann mit zusätzlichen diese Assoziation unterstützenden visuellen Merkmalen kombiniert ist, scheint mir der Verweis darauf ein nicht unangebrachter. Im Gegensatz zu dem reflexhaften „politisch-korrekt“-Vorwurf les ich aus dem Poste von Paul auch keine Rüge sondern eine simple Formulierung seiner nachvollziehbaren Wahrnehmung.

      2. Hier muss ich mich doch einklinken. Ich bin selbst in und um Fulda groß geworden und kenne nur zu gut die Marken RhönSprudel und Förstina. Diese Unternehmen sind in Fulda feste Größen und waren früher lokal sehr präsent.

        Ja, es ist korrekt: Eine Frakturschrift hat nicht zwingend etwas mit dem Dritten Reich zu tun.

        Nun kommen wir zum eigentlichen Problem und warum diese Schriftwahl in meinen Augen doch ein politisches Problem darstellt: Im Wahlkreis Fulda (wozu auch der Standort Eichenzell gehört) hatte die AfD bei der letzten Wahl einen Anteil von über 20 % (https://www.hessenschau.de/politik/bundestagswahl/ergebnisse/bundestagswahl-2025-ergebnisse-fuer-den-wahlkreis-173-fulda-v1,btw25-wahlkreis-wk173-100.html). Das ist, rein demokratisch gesehen, noch nicht das Problem. Doch geht man eine Ebene tiefer – und das erkennt man vor allem, wenn man in der Region gewohnt hat –, sieht man, wer teilweise hinter der AfD steckt und wie es im ländlichen Raum, wie zum Beispiel in Eichenzell, aussieht. Schnell findet man rassistische Aussagen und entsprechendes Verhalten; Neonazis werden immer präsenter und aktiver. Früher waren sie mit ihren Äußerungen nicht so offen, aber heute bietet die AfD eine Bühne dafür.

        Vielleicht sollte man sich als lokales Unternehmen die Frage stellen, welche Assoziationen die Schriftwahl heutzutage mit sich bringt. Dabei geht es nicht um die historische Wahrheit der Schrift, sondern darum, von wem sie HEUTE im lokalen Kontext leider oft vereinnahmt und genutzt wird.

        Ich kenne Förstina seit meiner Kindheit und kann die Evolution des Logos zwar verstehen, aber gerade wegen dieser lokalen, rechten Assoziationen halte ich die Außenwirkung heute unglücklich, auch wenn die Modernisierung das ganze abflacht.

        1. Danke simplified, für Deinen Kommentar. Ich denke der Kommentar greift zu kurz.

          Ja, es ist korrekt: Eine Frakturschrift hat nicht zwingend etwas mit dem Dritten Reich zu tun.

          Die Aussage kann man so nicht stehenlassen. Frakturschriften wurden, ebenso wie Antiqua-Schriften, von den Nationalsozialisten zum Zwecke der Propaganda verwendet. Deshalb besteht zwischen beiden Schriftgattungen ein unmittelbarer Bezug zum Dritten Reich. Ob diese Verbindung im Rahmen der eigenen Wahrnehmung als bestimmend und wesentlich angesehen wird, ist eine andere Frage.

          Viele in Fraktur* gesetzten Dokumente, die Nürnberger Rassengesetze hatte ich zuvor genannt, waren außerordentlich öffentlichkeitswirksam, und nicht nur für die damalige Zeit bedeutend, sondern auch in zeitgeschichtlicher Hinsicht bedeutsam und prägend. Unter anderem deshalb verbinden viele Menschen, wenn sie eine Fraktuschrift sehen, diese mit dem Dritten Reich, eben oftmals ausschließlich mit dem Dritten Reich, und mit nichts anderem. Wüsste man, dass viele bedeutenden Werke der deutschen (auch europäischen) Literatur in gebrochenen Schriften erschienen sind, „Wilhelm Tell“ (Friedrich Schiller), „Buddenbrooks“ (Thomas Mann), „Faust I“ (Johann Wolfgang von Goethe) u.v.a., könnte man eine Wortmarke wie jene von Förstina auch mit diesen Werken assoziieren. Doch dieses Wissen wird heutzutage kaum vermittelt. Stattdessen werden allenthalben von den Medien, den öffentlich-rechtlichen wie den privaten, in repetitiver Weise die immer gleichen Klischees bedient (Beispiel Visual zum Tatort – „1000-jähriges Reich“ ), und so eine verkürzte Sichtweise konstruiert und manifestiert: „Scheiß-Nazi-Fraktur“, O-Ton Jan Böhmermann. Es wird polarisiert und zugespitzt, doch viel zu selten differenziert.

          Denn das eigentliche Problem ist nicht die Vereinnahmung von gebrochenen Schriften durch rechtsextreme Gruppen. Eine solche Vereinnahmung lässt sich dadurch entgegenwirken, und dies liegt glücklicherweise im Einflussbereich von uns Kreativschaffenden, indem man Frakturschriften entsprechend ihrem tatsächlichen geschichtlichen Kontext einsetzt. Indem man kluges Design schafft, wie z.B. beim Plakat zum Film „Only Lovers Left Alive“ von Jim Jarmusch, in dem ein verheiratetes Vampir-Paar über die Jahrhunderte hinweg sich immer wieder neu begegnet. Hier passt eine Frakturschrift!

          Filmplakat „Only Lovers Left Alive“ (Jim Jarmusch), Typographie des Titels: gesetzt in der „Adhesive Nr. Seven“, entworfen von Roland Hörmann und im Jahr 2008 veröffentlicht (Phospho Type Foundry, 2008)Filmplakat „Only Lovers Left Alive“ (Jim Jarmusch), Typographie des Titels: gesetzt in der „Adhesive Nr. Seven“, entworfen von Roland Hörmann und im Jahr 2008 veröffentlicht (Phospho Type Foundry, 2008)

          Das eigentliche Problem ist, und dies wird eben oftmals übersehen, dass rechtsextreme Gruppen wie die Identitäre Bewegung heutzutage andere visuelle Codes verwenden, eben bei weitem nicht mehr nur jene Typographie und jene Farb- und Formensprachen, die in den Augen vieler Menschen als „irgendwie Nazi-haft und rechtsextrem“ angesehen werden (Eichenkranz, Adlerdarstellungen, Runen, u.a.).

          Rechtsextremisten sind um Anschlussfähigkeit bemüht, und bedienen sich deshalb entsprechender sprachlicher Mittel, in Wort und Bild. Die Gestaltung erweckt oftmals einen gefällig Eindruck, wirkt zeitgemäß, ohne offenkundigen geschichtlichen Bezug. Darin besteht eine Gefahr! Wenn die „Neuen Rechte“ bei Demos durch die Straßen marschiert, dann sind Schilder mit dem Aufdruck „Remigration“ in heute gebräuchlichen Antiqua-Schriften gesetzt, oftmals in Grotesken, teils auch handgemalt(!), und eben nicht in Frakturschriften. Auf ihrer Website nutzt die Identitäre Bewegung die Fira Sans als Webfont, eine von Ralph du Carrois ursprünglich für Mozilla entworfene Schrift (Basis ist die FF Meta von Erik Spiekermann). Diese Form der Vereinnahmung ist viel gefährlicher.

          * der Einfachheit halber verwende ich den Schriftnamen Fraktur in diesem Zusammenhang synonym, im Sinne eines Sammelbegriffs für gebrochene Schriften, welche auch als Gotische/Gothic bezeichnet werden

    2. Dank Dir für Deinen Kommentar Paul.

      Es ist, wie ich finde, bedauerlich, wenngleich in der heutigen zugespitzten, polarisierten Welt nicht unüblich, wenn der Anblick einer Fraktur-ähnlichen Schrift keine andere Assoziation hervorruft, als jene zum Nationalsozialismus. Natürlich besteht diese Verbindung zum Dritten Reich. Doch die Geschichte von gebrochenen Schriften ist viele hundert Jahre alt. Die Fraktur beispielsweise, das wird oft vergessen, war 400 Jahre lang die Buch- und Verkehrsschrift der Deutschen. Jan Böhmermann erklärte vor vier Jahren, das Apotheken-A sei „eine Nazi-Schrift“. Ich habe in aller Ausführlichkeit versucht aufzuzeigen, weshalb diese Zuschreibung und diese verkürzte Bezeichnung unzutreffend ist. Es lohnt immer den Blick zu weiten. Wer bei Anblick von gebrochenen Schriften zwangsläufig immer nur an das Dritte Reich denkt, dem möchte ich folgenden Beitrag ans Herz legen, um so weitere/andere Assoziationsräume zu schaffen:

      Ist das deutsche Apotheken-Logo so scheiße und Fraktur eine „Nazi-Schrift“, wie Jan Böhmermann behauptet?

      Fraktur mon Amour

      Edit 11:36 Uhr:

      dass die Fraktur recht wenig mit dem Dritten Reich zu tun hat

      Unzählige abscheuliche, menschenverachtende Dokumente, Schriften und Plakate, etwa die Nürnberger Rassengesetze, sind in gebrochenen Schriften wie etwa der Tannenberg gesetzt. Es ist wichtig zu betonen: Fraktur und andere/ähnliche gebrochenen Schriften haben VIEL mit dem Dritten Reich zu tun. Doch nicht nur! Ihre Geschichte reicht deutlich weiter zurück. Da gebrochene Schriften in vielen europäischen Ländern über viele Jahrhunderte verwendet wurden, ist ihre Geschichte zudem nicht nur eine rein deutsche, sondern vor allem eine europäische. Überdies haben auch Antiqua-Schriften, wie wir sie alle heutzutage konsumieren, VIEL mit dem Nationalsozialismus zu tun, wie die nachfolgenden Bilder und Grafiken zeigen. Doch dieser Umstand wird im Zuge von Zuschreibungen meist vollkommen übersehen. Die Nazis haben für ihre Propaganda sowohl Antiqua-Schriften wie auch gebrochenen Schriften verwendet.

      Nationalsozialismus – Verwendung Antiqua-Schriften. Quelle: Plakatmotiv „Gebt mir vier Jahre Zeit“ u. Motiv „Arisch oder nicht?“, „Werbung im Dritten Reich“ (Uwe Westphal). Quelle: Titelblatt „Grundsätzliches Programm der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei“, annefrank.org. Quelle: Motiv Titelseite Völkischer Beobachter, collectiegelderland.nl Nationalsozialismus – Verwendung Antiqua-Schriften.

      Die Lettern der Tannenberg ähneln jenen der Förstina-Wortmarke. Es wäre töricht, naiv und geschichtsvergessen, deshalb eine inhaltliche Verbindung zur Ideologie des Nationalsozialismus abzuleiten. Eine geschichtliche Verbindung besteht natürlich, doch sie reicht viel weiter zurück, vor die Zeit des Nationalsozialismus, in Zeiten und Epochen, als Wortmarken wie diese übliche Auszeichnungen und Beschriftungen etwa für Tavernen und Gasthöfe gewesen sind, aus denen Zünfte (Bier, Speisen, u.a.) hervorgegangen, und aus denen wiederum Marken entstanden sind. Marken unter anderem wie diese:

      Markenzeichen und Logos mit gebrochenen Schriften Markenzeichen und Logos mit gebrochenen Schriften

  6. Das „F“ ist nach der Überarbeitung, für mein Gefühl, viel zu schmal im Vergleich zu den Kleinbuchstaben. Für mich ist das ein klarer handwerklicher Fehler, insbesondere da ich davon ausgehe, dass die Buchstaben individuell gestaltet und keiner vorhandenen Schrift entnommen wurden.

    Das geänderte Farbschema ist mir ebenfalls (negativ) aufgefallen, aber dazu (und zu den Farbschemata bei Wässern im Allgemeinen) hat freiwild weiter oben eigentlich schon alles gesagt.

  7. Ich finde die neuen Etiketten sehen sehr billig aus und machen keinen hochwertigen Eindruck im Vergleich zu den alten. Die Wortmarke, die jetzt allein ohne das Sprudel steht, würde ich im ersten Moment nicht mit einem Mineralwasser verbinden, auch aufgrund des gewählten Schrifttyps. Trotz der Modernisierung. Frisch und modern sehe ich hier nicht.

    1. Björns Kommentar entspricht auch meinem Eindruck. Man hat ja auch bewusst auf den Zusatz ” Premium” verzichtet, optisch sieht es aus wie eine preiswerte Zweitmarke für den Supermarkt, der Kastenpreis ist allerdings geblieben.

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