Das Wirtschaftsministerium des Landes Schleswig-Holstein präsentierte Mitte der Woche in Kiel eine neue Standortkampagne, die das Ziel verfolgt, „das Profil des Landes besser sichtbar zu machen, wie es in der entsprechenden Pressemeldung heißt. Wie sich zeigt, ist der Start offensichtlich deutlich missglückt, auch weil ein unfertiges Logo respektive Konzept präsentiert wurde.
„Längst überfällg“ sei der Schritt, Marketing-Aktivitäten unter einer gemeinsamen Marke zu bündeln, so das Ministerium; ein grundsätzlich lobenswertes Vorhaben. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer möchte, dass „Schleswig-Holstein erkennbarer wird.“ Gegenüber dem NDR bemängelte er den uneinheitlichen Markenauftritt, so man denn von einem solchen sprechen kann. Das „Land der Horizonte“, so der bisherige Kampagnen-Claim, ist Schleswig-Holstein meist nur auf Autobahnschildern. Darüber hinaus fand Schleswig-Holstein in der Werbung unter dieser Klammer kaum statt.
Mit neuem Logo und Werbespruch soll sich dies nun ändern. Mit „Schleswig-Holstein – Der echte Norden“ soll zukünftig die Attraktivität des Landes beworben werden. Der erste Aufschlag in der lokalen Presse etwa auf <…
Das Wirtschaftsministerium des Landes Schleswig-Holstein präsentierte Mitte der Woche in Kiel eine neue Standortkampagne, die das Ziel verfolgt, „das Profil des Landes besser sichtbar zu machen, wie es in der entsprechenden Pressemeldung heißt. Wie sich zeigt, ist der Start offensichtlich deutlich missglückt, auch weil ein unfertiges Logo respektive Konzept präsentiert wurde.
„Längst überfällg“ sei der Schritt, Marketing-Aktivitäten unter einer gemeinsamen Marke zu bündeln, so das Ministerium; ein grundsätzlich lobenswertes Vorhaben. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer möchte, dass „Schleswig-Holstein erkennbarer wird.“ Gegenüber dem NDR bemängelte er den uneinheitlichen Markenauftritt, so man denn von einem solchen sprechen kann. Das „Land der Horizonte“, so der bisherige Kampagnen-Claim, ist Schleswig-Holstein meist nur auf Autobahnschildern. Darüber hinaus fand Schleswig-Holstein in der Werbung unter dieser Klammer kaum statt.
Mit neuem Logo und Werbespruch soll sich dies nun ändern. Mit „Schleswig-Holstein – Der echte Norden“ soll zukünftig die Attraktivität des Landes beworben werden. Der erste Aufschlag in der lokalen Presse etwa auf <…
Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.
@Schrägstrich Tatsächlich scheint besagtes „Antesten“ der Beweggrund für die, aus meiner Sicht, verfrühte Präsentation zu sein. Wenn man ein offensichtlich noch unfertiges Konzept antesten möchte, dann gäbe es hierfür doch deutlich bessere Wege, als den über die Presse. Auftraggeber und Kreative setzen sich mit Interessenvertretern aus der Wirtschaft und Verbänden zusammen, darunter auch gerne ein zusätzlicher Designprofi, um ein Basiskonzept – im Idealfall gemeinsam – weiter feinzuschleifen.
Solch eine Runde – und hier, lieber Schrägstrich, löst sich womöglich auch Dein Eindruck der Widersprüchlichkeit auf –, ermöglicht zudem den Austausch mit den Menschen vor Ort. Es geht ja nicht darum, den Bürger auf der Straße für die Kampagne zu begeistern, sondern etwa den Geschäftsführer aus der Hotel- oder Gastronomiebranche. Mehr Partizipation mag aus Sicht einiger Bürger vor Ort vielleicht wünschenswert sein, ist allerdings, zumindest vor dem Hintergrund einer Standortkampagne, wenig zielführend.
Denn nie wird es gelingen, Alle unter einen Hut zu bekommen. Je mehr Personen ein Mitspracherecht einfordern, desto weichgespülter wird das Ergebnis sein. Da eine Standortkampagne allerdings nicht der kleinste gemeinsame Nenner sein sollte, sondern eine aufmerksamkeitsgenerierende Maßnahme, gilt es in erster Linie die direkt Involvierten für die Idee zu begeistern, die selbstredend von entsprechenden Fachleuten entwickelt wird.
In der Presse ist nun zu entnehmen, dass es besagte Einbindung der Interessenvertreter im Vorfeld nicht gab. Dass diese nun, ob des wenig erquickenden Präsentationsmaterials nicht in Jubelstürme ausbrechen, ist nachvollziehbar. Der zweite Aufschlag müsste nun schon überzeugender sein, will man SH glaubhaft als wirtschaftlich und touristisch attraktiven Standort vermarkten. Der Start ging jedenfalls „echt“ daneben.
Abgesehen davon teile ich die Ansicht von Arne, dass „wahre“ das bessere, weil vielschichtigeres, gleichsam weniger ausgrenzendes Eigenschaftswort ist, sagt man den Norddeutschen doch eine unverfälschte, ehrliche und direkte Art nach.
Volle Zustimmung! Spontan wirkt der Claim auf mich negativ, weil ausgrenzend. Das Wappentier erinnert an das Logo des USK (Unterstützungskommando der Polizei)
Bild/Grafik einfügen
[…] Fehlstart für neue Schleswig-“‹“‹Holstein-Marke […]
Was mich an dieser Marke stört ist, dass der Löwe und das Nesselblatt stilistisch sher untschiedlich sind, so als wollte man zeigen, dass Schleswig und Holstein nicht so wirklich zusammengehören.
Die einzelnen Bestandteile der neuen Marke sind in der Tat etwas unglücklich aneinandergereit. Im ersten Moment habe ich auch an eine stylische Zensur eines gewissen englischen Wortes gedacht.
“Und außerdem wird das SH ja auch im Logo als Schleswig-Holstein ausgeschrieben.”
Ja aber warum muss man etwas abkürzen um es in der nächsten Zeile aufzulösen – ???
Hier könnte man doch einfach etwas selbstbewusster mit dem Namen umgehen!
Der Gedanke, einheitliche Rahmenbedingungen zu entwickeln, um geschlossen und schlagkräftiger aufzutreten, ist doch sinnvoll.
Die Frage von Achim, warum ein unvollständiges Konzept vorgestellt wird, habe ich mir auch gestellt. Wo sind die Ableitungen für Flensburg, Kiel, Sylt, Pellworm, Itzehoe oder Lübeck? Es wird bestimmt eine sinnvolle Herleitung geben, die Frage ist, was hat das Ministerium davon übrig gelassen?
Seit 2008 lebe und arbeite ich auf Föhr. Der Claim, der 2009 für die Insel ersonnen wurde (Friesische Karibik) hat zu einer Spaltung der Insel geführt. Die Tourimus GmbH wird zum Jahresende aufgelöst, neue Ideen sind weit und breit nicht zu sehen. https://www.designtagebuch.de/frischer-wind-auf-der-insel-foehr/
Dass der echte Norden hier oben so kontorvers diskutiert wird, hat die gleichen Gründe wie der Slogan auf Föhr. Und, was alle Agenturen und auch Auftraggeber in diesen Momenten vergessen: das erste Ziel ist die Schaffung einer Identität für die Menschen, die dort leben. Wer diese Multiplikatoren nicht auf seiner Seite hat, der hat mit der ersten Vorstellung schon verloren. Das ist im Kleinen wie Großen das gleiche Problem.
Eigentlich können wir hier oben solche Prozesse schon ganz gut koordinieren. Und die besten Gestalter der Zeit an Bord holen, wie z.B. zur Gestaltung der Kieler Woche. https://www.designtagebuch.de/plakat-der-kieler-woche-2011/
Ich hoffe, dass Boy (übrigens zusammen mit Synchronis aus Hamburg) noch einige zentrale Stellschrauben drehen kann und dass das Ministerium die wichtigsten Aufgaben von Standortmarketing nicht vergisst.
Also ich habe auch zuerst SH_T gelesen, auch wenn ich das Nesselblatt kenne. Man hätte es halt anders anordnen sollen. An der Farbe störe ich mich auch ein wenig. Magenta ist weder nordisch noch maritim. Wenn schon, dann ein traditionelles Ochsenblutrot :D
“Gerade bei Standortkampagnen ist nicht unwesentlich, die eigenen Bürger ein Stück weit mitzunehmen”
Das wird wohl eher kein Problem sein. Naja da sind die Schleswig-Holsteiner schon ein ganz eigenes Volk. Sie lieben ihr Land heiß, sind extrem stolz und nehmen eigentlich jedes Marketingkonzept, das sich an der Region ausrichtet, sehr schnell und begeistert auf.
Man kennt es aus anderen Regionen so nicht, aber nachts wird täglich im Radio die Landeshymne gespielt, regionale Marken, die auf maritimes Flair und nordische Tradition anspielen, sind sehr beliebt (Hansano, Unser Norden, Hüpferli Segel und wasnichtalles…) Es ist fast wie in Amerika. Ich bin überzeugt – und das ist auch an Arne Christiansens Antwort hier zu erkennen – unsere Nordlichter werden die Kampagne begeistert annehmen und all ihre Macken von Herzen verteidigen. Auch das mit dem “echten” Norden wird tatsächlich vielen zusagen.
“Das Wappentier erinnert an das Logo des USK (Unterstützungskommando der Polizei)”
Das ist ein Greif, kein Löwe. Und Wappentiere ähneln sich nun mal.
@ M
Weils ausgeschrieben in der Größe vielleicht reichlich zu lang ist. (Is nur so’n Gedanke)