120 Kommentare zu “Facettenreiches Burghausen

  1. margit,
    ich denke, dass ein Logo, ob für eine Stadt, eine Marke oder ein Unternehmen, maßlos überfordert ist, wenn es darum geht, kurzzeitig einen bestimmten Effekt zu erreichen. Wer glaubt, Touristen würden aufgrund eines Logos einen Ort besuchen, überschätzt Design und zwar in die eine wie auch in die andere Richtung. Das Vorgängerlogo ist ja ein eindeutiger Beleg dafür, dass TROTZ mieser Gestaltung Besucher die Burg und seine Stadt ansteuerten. Jetzt könnte man natürlich auch sagen, warum lässt man es dann nicht dabei? Hat ja funktioniert! Eben so funktioniert Design nicht. Es gibt kaum Messbares, das einen Erfolg oder einen Misserfolg von Design belegt. Klar ist nur, gutes Design zahlt sich aus, allerdings im Bereich der Implementierung eines neuen Erscheinungsbildes eher später als früher.

    Das zeigt etwa auch der gerade im städtischen Umfeld so typische Diskurs bei der Einführung eines neuen Designs respektive Logos. Fast immer spitzt sich eine Diskussion einzig auf das Logo zu. Warum? Weil nicht Wenige glauben, hier ohne entsprechende Vorkenntnisse, ein Wörtchen mitzureden. Das dürfen und das sollen sie auch, nur wäre es aus Sicht des Auftraggebers fatal, sich ausschließlich auf die oftmals so viel beschworene „Volkes Stimme“ zu verlassen. Wer oder was ist denn Volkes Stimme ist? Sind 300 hundert von einem engagierten Lokalredakteur zusammengetrommelten Stimmen auf Facebook „Volkes Meinung“?
    Ein Design, das allen gefällt, gibt es nicht. Das muss es auch gar nicht. Natürlich sollte ein neues Stadtlogo samt dem zugehörigen Design möglichst viele Bürger ansprechen. Hierfür sehe ich im Fall von Burghausen gute Chancen.

    Der Umstand, dass Design aus mehr als nur diesen einen (Logo)Absender besteht, ist offenkundig dem nicht-fachkundigen Bürger schwer vermittelbar. Aber genau hier sollte man ansetzen und klar machen, dass etwa die Image-Broschüre nicht nur aus dem Logo besteht, sondern auch aus tollem Fotomaterial, frischen Farben und einer interessanten Typographie. Egal ob man dessen Gestaltung mag oder nicht, man wird ihr eine Professionalität und handwerklich saubere Leistung nicht absprechen können. Und ich denke, diesen Eindruck werden auch viele Touristen, Investoren und Bürger teilen.

    Design ist ein kleiner Stein, der viele andere Steine ins Rollen bringen kann. Bis sich in den Köpfen der Menschen eine Veränderung einstellt, braucht es Zeit.

  2. Ich gebe Achim recht, dass einem Logo oft zuviel zugemutet wird. Und wie man hier in der Diskussion sieht, manchmal sogar auch von Leuten, die im Bereich Marketing bzw. Design arbeiten. Das entscheidende ist doch das Gesamtpaket – also das Corporate Design (mitsamt Logo). So kann man dann auch auf Zyros Einwand (#49) entgegnen, dass sehr wohl auch „Heimat“ transportiert wird – nämlich in der Imagebroschüre. Schon das Cover vermittelt mir das: warme Farben und ein schönes Titelfoto mit dem Ort und der Burg inmitten der Flusschleife.

    Wir nehmen doch jegliche Information auch immer in einem Kontext auf – im konkreten Fall z.B. die Imagebroschüre oder die Website. Wo steht denn mal ein Logo wirklich alleine? Höchstens vielleicht auf irgendwelchen Veranstaltungsplakaten, wo es dann sowieso nicht wahrgenommen wird. Wie sieht es denn mit großen Marken aus, wenn wir die nicht kennen würden? Erinnert das simple rot-weiße „DB“ denn irgendwie an Eisenbahn? Was transportiert denn ein alleinstehender angebissener Apfel? Nichts. Wir wissen nur, dass es sich dabei um die Bahn bzw. eine Computermarke handelt, weil wir es schon „erlernt“ haben. Wir haben das Symbol irgendwann auf Zügen bzw. Computern gesehen und später auf der Website oder dem Faltblatt informiert.

    Wichtig an einem Logo ist, dass es handwerklich gut gemacht ist (Einsatz in verschiedenen Farb- S/W-Ausführungen auf verschiedenen Medien), seinen Platz (und somit Bezug) im Corporate Design hat, gut wieder zu erkennen ist und sich im Branchenumfeld von Mitbewerbern unterscheiden lässt. Wegen letzterem ist im vorliegenden Fall die Burg auch eher nicht praktikabel – wieviele Städte haben eine Burg/Tor o.ä. im Wappen bzw. Logo? Wieviele nutzen ein schön gestaltetes „B“? Als letzten (und wichtigsten) Punkt ist noch die Offenheit des Logos zu nennen – das gestaltete „B“ kann ich für alle Zielgruppen und Bereiche gut einsetzen: Tourismus, Jazzwoche, Neubürger, Wirtschaft. Bei einer Burg wäre schon letzteres problematisch, wenn man sich nicht gerade als Steuerparadies positionieren will.

  3. Lieber Philipp,

    Das Liniengitter erzeugt eher eine Gerüstanmutung als eine Verbindung zu einem Salzkristall/Diamant.

    Inhaltlich finde ich es also sehr schwach, gestalterisch top.

    So in etwa.
    Ich will jedoch nicht wissen, was da so alles das Marketing den Gestaltern Wollmilchschafschweiniges, eierlegendes reingeflüstert hat.

    Satire:
    [Also, a bissi hab ich reingeschmeckt, was deco-driven Touristik-Marketingladies so Alles als wichtig empfinden, was da so alles aus ihrer Briefingsicht an dekorativen Bedeutungsideen in ein Logo soll … – so ungefähr genau das Gegenteil von inhaltlicher Klarheit und Single-Mindedness. Von daher: immer noch Hut ab vor den Gestaltern … Vermutlich sind zu Beginn die Facettenteilchen der Gestalter sogar diamantiger gewesen, aber dann war das Bläuliche irgendjemandem der Deko-Tanten „zu kalt“ – und schwupps war der Diamant-Charakter weg. Heraus kommt ein kasachischer Kelim … So kann es gewesen sein – ich kenn grade die (Marketinglady-)Vögel an ihren Federn. Es geht schon mit dem üblichen tiefrotem Lippenstift und der schicken schwarzen Armani-Werberbrille an, früher war es die Buntbrille – sowas hieß für mich schon immer: Achtung, in Deckung, Deko-Alarm!!!
    Es ist ein Kreuz, aber bitte jeder nur eines. ]

  4. Achim:

    Der Umstand, dass Design aus mehr als nur diesen einen (Logo)Absender besteht, ist offenkundig dem nicht-fachkundigen Bürger schwer vermittelbar. Aber genau hier sollte man ansetzen und klar machen, dass etwa die Image-Broschüre nicht nur aus dem Logo besteht, sondern auch aus tollem Fotomaterial, frischen Farben und einer interessanten Typographie.

    So ist es.

  5. Heidi

    Was ist der „Erfolg“ eines Logos?
    An ein Logo einen ROI knüpfen zu wollen, wird schief gehen.

    Als Designer ist man leider sehr oft im Zwang die unmöglichsten Kundenwünsche zu erfüllen. Allen Warnungen zum Trotz wird der persönliche Geschmack des Auftragsgeber durchgesetzt. Die Folge: Der Kunde ist zufrieden > der Erfolg bleibt aus > der Kunde ist unzufrieden. Es ist immer dasselbe.

    Stimmt.
    Deswegen erstelle ich zuerst ein geistiges Gerüst, einen inhaltlichen backbone, an dem entlang die Gestaltung entwickelt wird.
    Damit kann man das Geschmäcklerische etwas in den Griff kriegen und die Auftraggeber vorsichtig, freundlich „zurückpfeifen“, wenn immer wieder angefangen wird, dem backbone das Rückgrad rauszuziehen und anschließend „herumzudekorieren“ .

    Besonders Inhabern, die recht stark innerlich mit ihrer Firma, ihrem Produkt identifiziert, ja fast über-identifiziert sind, gelingt die nötige professionelle Distanz nicht, ein klares Briefing abzusondern und den Gestalter in Ruhe entwickeln zu lassen.

    Touristk-Marketing-Gremien sind nochmal ein bisschen anders: Ihnen gelingt es deswegen nicht, den Gestalter arbeiten zu lassen, weil die einzelnen Mitlglieder den klaren Auftrag haben, ihre Interessen durchzusetzen. Viele Köche …

    Der kluge alte Daddy Ogilvy „läutete die Glocke“ (er schmiss hin), als er erfuhr, dass er die schicke Seidenkampagne mit einem Gremium/Konsortium von 12 Abgesandten/Händlern zu entwickeln hatte.
    Und da war er noch am Anfang: Er war jung und hätte das Geld sicher gut gebraucht für seine damals junge Agentur … Soviel zu der anhaltenden Freude, Gremien zufrieden stellen zu müssen, bei ehrgeizigen Gestaltern beliebt wie Fußpilz. Und nur mit hoch diplomatischem Geschick mit gleichzeitig wenig Anspruch „an den großen Wurf“ manövrierbar. Stadtlogos gehören dazu.

  6. Erstmal zum Logo – mir gefällt es gut, das mit dem Extra Lang finde ich etwas zu viel. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

    Was ich an der Sache jetzt viel spannender finde ist die ganze Diskussion darüber – Journalisten die ein Forum und die ganze Werbewelt verteufeln, Designer und Nichtdesigner hacken bei facebook aufeinander rum …. Ich dachte erst das wär ne fake Story, oder aber auch ein geschickt eingefädeltes Machwerk der Tourismus Chefin von Burghausen. Verrückt

  7. Den „Kleinbürgergeschmack“ als Gegenargument zu nehmen finde ich schwach, denn das sind Laien, und die Vorlagen sind damit zwangsläufig lachhaft. Mit dem gleichen Argumen könnte man regelmäßig die Auftraggeber verhöhnen. Nein, aber was die Leute wollen, ist Heimat. Deswegen finden die das Design nicht gut. Heimat und Kommerz wird halt immer ein Widerspruch sein.

  8. Eigentlich hat Burghausen mit dem neuen Corporate-Design einen echten Volltreffer gelandet: Sie sind in aller Munde. Besser und treffender kann ein Marketingbudget eigentlich nicht eingesetzt werden.

  9. Lieber Herr Achim Schaffrinna,

    ihre Unterstellungen, ich als Redakteur hätte irgendwelche Stimmen auf facebook zusammengetrommelt, ist schlichtweg unwahr. Wie sollte das gehen? Wir haben lediglich auf unserer Burghausen-facebook-Seite „I mog Burghausen“ die Frage gestellt, wie das Logo gefällt. Niemand in unserer Redaktion hätte mit einer derartig heftigen Reaktion zu Ungunsten des Logo gerechnet! Glauben Sie es, oder glauben Sie es nicht. Im Gegensatz dazu behaupte ich, dass Sie es sind, der sich hier in diesem angeblich neutralen Forum zu sehr aus dem Fenster lehnt für die (befreundete???) Matern-Agentur, wie man aus all ihren Kommentierungen ablesen kann. Sollten Sie als Seitenbetreiber nicht neutraler sein? Soweit ich das überblicken kann, ist dieses Voting das einzige dieser Art auf Ihrer Seite? Wollten Sie dazuhelfen, ein Gegengewicht zu der facebook-Umfrage zu erstellen. Die Tourismus-Chefin jedenfalls zieht dieses Register. Für mich haben weder die Kommentare hier, noch das Voting eine Aussagekraft, denn theoretisch könnten sich die Befürworter (und/oder Macher) des Logos hier mehrfach unter falschem Namen anmelden und lobhudeln. Und im Gegensatz zu einer facebook-Umfrage, bei welcher nur einmal namentlich gevotet werden kann, besteht hier ganz leicht die Möglichkeit der Manipulation – mit wenigen PC-Kenntnissen. Ich bin übrigens grafisch nicht völlig unbeleckt und hatte jahrlang eine sehr erfolgreiche Musikdesign-Agentur. Unter anderem zeichnete unsere Firma verantwortlich für das Cover des Welthits „Mambo No. 5 von Lou Bega“ und das Artwork vieler weiterer erfolgreicher Schallplatten, CDs und Blu-Ray-Discs. Also stellen Sie bitte nicht die Burghauser als Dorfdeppen hin, die kein gutes Design zu schätzen wissen. Es ist doch ganz einfach: Ein gutes Logo muss bei den Bürgern das Gefühl der Identifikation wecken. Und das schafft dieses Logo nicht. Und eine historische Stadt wie Burghausen wäre gut beraten, in ihrem Logo den Eindruck zu vermitteln, dass es sich aus touristischer Sicht lohnt, die Stadt zu besuchen. Und meinetwegen gerne durch eine stilisierte Abbildung der Burg. Wenn sich hier Designer für ihre Arbeit gegenseitig auf die Schultern klopfen, dem „kleinen Manne“ das Logo aber missfällt, dann hat der Grafiker seinen Job nicht richtig gemacht. Wenn ein Logo 20 Minuten erklärt werden muss, dann hat es seinen Zweck verfehlt. Punkt. Im Übrigen gefällt mir die Imagebroschüre mit dem XXL-Thema sehr gut. Ok, ich finde die schmalen Überschriften typografisch nicht passend zu dem Rest, aber damit könnte ich leben. Sagen Sie mir aber bitte, wo sich dieses XXL-Thema im Logo widerspiegelt? Das sind doch zwei völlig eigenständige Konzepte die nichts miteinander zu tun haben! Im Übrigen – gern geschehen, dass Ihre Seite durch unsere Diskussion mal ordentlich Zugriffe bekommt.

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