120 Kommentare zu “Facettenreiches Burghausen

  1. Naja, Margit,
    als pauschalen Beweis dafür, dass „die Menschen“ es nicht so doll mögen würden …. diese Fotos zu nehmen, ich weiß nicht.
    Diese Leute dort, die in diesem Raum da sitzen während der Logo-Präsentation (dein Link), sind mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Gastronomen, Hoteliers, vielleicht auch Musik-Veranstalter dieser Stadt. Die sehen ihr eigenes konkretes Geschäft im Vordergrund.
    Das Salz der Erde der Stadttouristik. Die Zielgruppe Nummero eins ;-) von Stadttouristiklogos.

    Ich würde jetzt als Designer eines fortschrittlicheren Logos als einer gegenständlichen Burg- oder Jazz-Darstellung nicht hoffnungsfroh erwarten, dass solche konkreten, dinglichen Menschen, die das Burglogo vorher kannten, sofort in begeistertes Rufen ausbrechen, wenn sie ein abstraktes B-Logo sehen.
    Sie wollen meist Deko und Gegenständliches.

    (In Kommentaren unter dem Zeitungsrtikel rief einer, es fehlten im Logo doch arg die Facetten, die die Stadt ausmachten … (soviel zum Verständnis von Abstraktem), konterte der andere, da sind sie doch, die Facetten, dargestellt als Mosaikdreiecke.
    Also einige haben es dann doch verstanden …

    Hatte selbst einmal mit einer Stadtmarketinglogo-Geschichte zu tun. Fazit: Mit ungewöhnlichen oder abstrakten Dingen braucht man in eher biederen Gegenden wie Städten um die 20.000 Einwohner und viel Land drumherum als Designer kaum antanzen … Außer man steht als Masochist und Idealist positiv auf Haue :-) Es gewann in meiner Geschichte aus meiner Heimat eine schwarzweiße Darstellung als Logo, die aus lauter Umriss-Steinen (s/w-Outline) ein Gesicht machte. Sah aus wie Pellagra oder Lupus. Man hat die Gestalter auch gezwungen, den alten Claim von vorher zu behalten. Zusammen mit diesem – schwer erkennbaren – Steingesicht ergab er null Sinn … interessierte aber niemanden der Verantwortlichen so recht.
    (Wir Designer sind halt oft nicht einmal Ge-brauchsgrafiker, wir sind Miss-brauchsgrafiker des Marketing… und selber daran schuld …, so gesehen ist das Burghausen-Logo ein Fortschritt und ich freu mich mit.)

  2. Ja, du magst recht haben, auf dem Lande sind die Menschen (nicht Alle ;-)))) eher bodenständig und traditionell. Sollte man darauf nicht eingehen? Ein Signet kann sowohl traditionell, als auch modern und zeitgemäß und gut gestaltet sein. Es kann jung und alt ansprechen. Das ist möglich.
    Zu dem Beispiel aus deiner Heimat. Da haben wir es doch schon: Wenn die Gestalter wußten, daß der alte Claim bleiben soll, dann hätten sie auf den Claim hin arbeiten müssen. Und das beweisen müssen, daß es so keinen Sinn ergibt. Wir müßen auch nicht etwas freigeben, das nicht funktioniert das wäre ja Rufschädigend. Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit dieser Gestalter. In so einem Falle ist es doch besser einen Alternativvorschlag zu machen, also selber nachjustieren ist besser als es sich von Anderen vorschreiben zu lassen.

  3. Margit,
    wenn ein Logo überregional (oder gar international) touristisch wirken soll,
    muss man dann unbedingt auf die bodenständigen und traditionellen Wünsche der Menschen in der Region eingehen …?
    Was meinst du, wer ist die zu adressierende Zielgruppe?

    Wir müßen auch nicht etwas freigeben, das nicht funktioniert.

    Natürlich müssen wir das nicht.
    In der Regel kann man bei Pitches nach Hause gehen, wenn man nicht saugut und verständlich begründet, warum man anders vorgeht.
    Häufig verzichten Werber oder Gestalter aus Furcht, den Auftrag, den Pitch zu verlieren, auf die eigentlich richtige Auseinandersetzung und auf eine konstruktive Flucht nach vorne. Wenn ich beschreibe, dass das so läuft, heißt das noch lange nicht, dass ich das befürworte. Ich beschreibe nur.

  4. Als Designer ist man leider sehr oft im Zwang die unmöglichsten Kundenwünsche zu erfüllen. Allen Warnungen zum Trotz wird der persönliche Geschmack des Auftragsgeber durchgesetzt. Die Folge: Der Kunde ist zufrieden > der Erfolg bleibt aus > der Kunde ist unzufrieden. Es ist immer dasselbe.
    Als gelernte Grafikerin würde ich den Burghauser Bürgern dringend raten auf die Fachleute zu vertrauen. Jeder der die Ewig-Diskussion „Oldenburg-Logo“ mitbekommen hat kann ein Lied davon singen.
    Nicht ist wichtiger als Professionalität im Außenauftritt!

  5. Meiner Meinung nach bringt die Diskussion über die Meinung der Bürger zu diesem Erscheinungsbild nicht sonderlich viel, denn sie stellt die demokratische Entstehung des CDs in Frage. Gewählte Vertreter der Stadt haben sich eine Agentur ausgesucht und sollten dieser das nötige Vertrauen entgegenbringen – genauso wie die Bürger ihren Volksvertretern das Vertrauen entgegenbringen müssen. Es ist wie so oft, der Mensch muss sich an neues erst gewöhnen und meckert und kritisiert deshalb erst einmal – zumal kritisieren viel einfacher ist als selbst kreativ zu sein. Wir sprechen hier auch über Burghausen und nicht über eine so bedeutende Stadt wie Melbourne. Dafür ist das neue Erscheinungsbild mehr als passend und wird seine Wirkung erst noch entfalten. In einem Jahr sieht die Welt und Meinunng der Bürger vor Ort schon ganz anders aus.

  6. Liebe Vroni,

    “ wenn ein Logo überregional (oder gar international) touristisch wirken soll, muss man dann unbedingt auf die bodenständigen und traditionellen Wünsche der Menschen in der Region eingehen …? “

    Auf Bodenständige Wünsche muß man vielleicht nicht eingehen, aber Touristen kommen sicher wegen der Burg und der Altstadt, also spricht sie Tradition an. Ist nicht im Signet enthalten. Es ist in meinen Augen etwas oberflächlich, deshalb schrieb ich von „nachjustieren“. Auch die Kampagne mit dem „extra Lang“. Aber sie ist gut gemacht mit guten Bildern und deshalb wieder o.k.

  7. Also ich muss mich echt manchmal fragen, was in den Köpfen „professioneller“ Grafiker rumschwirrt. Wenn ich hier so die Beiträge lese, dass dieses Logo aussagekräftig und sinnvoll hergeleitet ist, kann ich dies beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das Logo wirkt mehr wie unkreativ und würde in der Realwirtschaft keinen Anklang finden. Und hier erlaube ich mir einfach den Bezug, da Marketing eben Marketing bleibt, egal ob im wirtschaftlichen oder im kommunalen Rahmen. Auch bei der werbepsychologischen Wirkung wage ich zu bezweifeln, dass dieses Gesamtkunstwerk seinen Zweck erfüllt. Genau dies sollte aber Sinn der Sache sein.

  8. Stadtlogos und Demokratie, das ist so eine Sache. Wer immer es schafft einer Stadt oder Region ein neues CD zu verpassen und dafür Beifall zu ernten, ist ein echtes Genie. Ehrlich gesagt, finde ich selbst auch erstmal alles doof – und es ist ja immer ein Haar in der Suppe.

    Das Burghausen Logo ist ein mutiger Schritt nach vorne, das Logo-Konzept ist professionell und flexibel. Eventuell ein wenig sehr im Zeitgeist und nicht für die Ewigkeit gebaut. Als Gestalter bin ich aber ein großer Facetten und Farbvarianten-Fan. Die wechselnden 3-Wort Claims kommen mir abgedroschen vor, ohne dass ich eine bessere Lösung parat hätte.

    Was glaube ich die meisten Kritiker stört, sehe ich auch: das könnte auch die neue Bildmarke für Bochum, Bielefeld oder Basel sein. Das Baugerüst-Logo hat für mich null Bezug zu Burghausen, außer die Burg wird demnächst renoviert. Das Liniengitter erzeugt eher eine Gerüstanmutung als eine Verbindung zu einem Salzkristall/Diamant.

    Inhaltlich finde ich es also sehr schwach, gestalterisch top.

    Die Kampagnenmotive mit den langen Dingen sind lustig, aber für mich eher eine kreative Extra-Idee ohne lange Halbwertszeit.

  9. Ich sehe eher das Problem darin, dass sich jede Stadt neuerdings mit Innovation, Industriestandort usw. schmücken will. Zwar hat das Stadlogo „Welt Längste Burg“ als Hauptthema ausgesucht, was dem erfrischend entgegen steht. Aber alle anderen (Unter-)Logos bedienen wieder dieses typische Klischee, welches jede Stadt für sich beansprucht: Innovation, Industriestandort, Gastfreundlichkeit, Zukunftsorientiert, Modern blablabla.

    Wenn man das Votum der Bürger sieht, dann versteht man recht schnell, dass die Bürger, die dort wohnen scheinbar wenig auf „Industriestandort“ oder „Innovation“ geben, sondern die Stadt als zu aller erst als Heimat begreifen, was die romantisierende Burg ausdrücken soll. Und wieso nimmt denn keine Stadt genau diesen Aspekt auf? Überall wird kalt und technisiert geworben. Wo sind die Städte / Kleinstädte hin, die auf das Thema Heimat setzen? Zeigen: Hier kannst du dich heimisch fühlen: Schöne Umgebung, Natur und Wohlfühlatmosphäre!

  10. Schaut euch auf der Facebook-Seite die Alternativvorschläge an. DAS, liebe Leute, ist der „Geschmack“ des Kleinbürgers. Hoffentlich wird irgendwann allen klar, dass Userbefragungen, Umfragen zu neuem Design allgemein etc. IMMER in einer Katastrophe enden. Warum wohl macht Apple niemals Usertests? Dann hätten wir nach wie vor Handys mit Mini-Tatstautr….

    Dass adas Logo ähnlich ist zu Melbourne mag sein – bewusst oder unbewusst. Das Design der Broschüren etc. sind für einen solchen Ort hervorragend! Da kann sich manche Stadt mit 500.000 Einwohnern eine Scheibe abschneiden.

    Und immer diese Kommentare von wegen Plagiat, einfallslos, handwerklich schlecht, austauschbar … nerven echt. Ich würde zu gern die Arbeiten aller Dauernörgler und Trolle hier mal sehen, ich Gaube, da käme interessantes zutage. :D

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