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Euroweb pfändet Domain Nerdcore.de

Euroweb Nerdcore

Aus gegebenem Anlass möchte ich meine Solidarität mit dem von René Walter geführten Blog Nerdcore bekunden, der zu den erfolgreichsten und beliebtesten Blogs hierzulande zählt.

Die Euroweb GmbH ließ nach einem Gerichtsverfahren mit René, das zu ihren Gunsten ausging, gestern nun die Domain Nerdcore.de pfänden. Hintergrund der Geschichte sind Äußerungen von René, für die er von Euroweb abgemahnt wurde, die er aber nicht, wie eingefordert, von seinem Blog entfernte. Unter anderem soll er Euroweb „Arschgeigen“ genannt haben. Sicher, das ist nicht die feine Englische, aber den Schritt, für den sich die Euroweb GmbH und ihr Geschäftsführer Christoph Preuß nun entschieden haben, geht ja nun einmal gar nicht!

Auf der Startseite von Nerdcore.de informiert Euroweb über den Vorfall. Wie es dort heißt, soll die Domain Nerdcore.de in den nächsten Tagen auf Ebay versteigert werden. Die Einnahmen sollen zu je 50% Wikipedia und dem Verein freischreiber e.V zufallen. Fraglich ist, ob sich beide tatsächlich vor solch einen PR-Karren zerren lassen. Einer der vielen hundert Kommentierer schreibt auf Nerdcore.de nun: „Eine Internetfirma, die das Internet nicht verstanden hat. PR-Eigentor erster Güte“ – man mag ihm nicht widersprechen.

Einerseits das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung hochhalten (siehe Artikel auf Spreeblick) und im nächsten Atemzug Blogger abmahnen, ist widerlich. Ich goutiere keineswegs Äußerungen, die möglicherweise Einzelpersonen verunglimpfen. Auch wer hier im dt kommentiert, muss sich derlei Äußerungen verkneifen. Kritik hingegen muss in jedem Fall gestattet sein. Was Euroweb hier nun praktiziert, mag rechtlich sauber sein, moralisch ist es allerdings nicht vertretbar. Man darf auch bezweifeln, ob die Pfändung aus Sicht der Unternehmensführung klug und elegant ist.

An den Geschäftsführer Christoph Preuß und an René gerichtet: Nehmt den Hörer in die Hand und klärt das untereinander!

Mehr Infos gibt es unter:

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Dieser Beitrag hat 53 Kommentare

  1. Fraglich ist, ob sich beide tatsächlich vor solch einen PR-Karren zerren lassen.

    Die Freischreiber haben dazu bereits unter dem Titel „Natürlich nehmen wir Geld! Aber doch nicht von jedem.“ ein Statement veröffentlicht:

    Wir aber haben das Gefühl, dass hier mit ziemlich dicken Kanonen auf zierliche Spatzen geschossen wird. Und davon möchten wir nicht profitieren. Und wir möchten auch nicht, dass sich der Kanonier mit einer Spende an Freischreiber ein moralisches Mäntelchen für eine klassische Überreaktion umhängen kann.

    Lobenswert!

  2. „Die Einnahmen soll zu je 50% Wikipedia und dem Verein freischreiber e.V zufallen. Fraglich ist, ob sich beide tatsächlich vor solch einen PR-Karren zerren lassen.“

    Diese Aussage von Euroweb ist rechtlich falsch und nicht umsetzbar. Die Einnahmen durch die Versteigerte der Domain müssen zur Deckung der entstandenen Kosten (hier die der Abmahnung/gerichtskosten) eingesetzt werden. Das übergebliebene Geld muss an den Schuldner – in diesem Fall René – übergeben werden.

    Noch ist auch nicht klar, ob die Domain überhaupt gepfändet werden durfte, weil es sich womöglich um die Haupteinnahmequelle von René handelt und sie sich im Umgang bereits etabliert hat und nicht einfach zu ersetzen ist.
    In dem Fall ist die Pfändung nicht möglich und die Versteigerung wäre illegal und somit ungültig.

    Jetzt heißt es erstmal abwarten, Tee trinken, euroweb zu dieser grandiosen Negativ-PR beglückwünschen und den Kopf darüber schütteln wie unfähig eine Firma, die im Internet agiert, sein kann.

  3. Schade, Nerdcore war einer meiner Lieblingsblog, auch weil der immer coole Illustrationen und Grafikdesignthemen etc. reingestellt hat. Dazu noch Zombies, 80s, Star Wars, und verrückten Kram, eigentlich perfekt. :D

  4. Ich darf mir bei aller Sympathie für René Walter aber auch an den Kopf fassen, dass (laut Informationen der verlinkten fleißigen Infosammler) ein erfahrener Blogger eine Abmahnfrist ohne Widerspruch verstreichen lässt und sich um ein Urteil und dessen Rechtskräftigwerdung ebenfalls nicht kümmert.

    Wenn ich weiß, dass mein Nachbar zu schnell durch’s Viertel fährt, kann ich kaum mit geschlossenen Augen über die Straße gehen, wenn ich seinen Motor aufheulen höre und mich hinterher beschweren, wenn er mir über den Fuß gefahren ist und ich danach von einem Richter verknackt werde, einen Teil meiner Gips- und Arztkosten selbst zu tragen.

    Trotzdem war der Nachbar ja zu schnell oder auf den Fall zurückbezogen scheint Euroweb hier trotzdem weit über’s Ziel hinauszuschießen. Wenn „Schaden abwenden“ tatsächlich Ziel der Aktion war… Hier fasse ich mir kommentierend und in der Gelassenheit der Nicht-Involviertheit ebenfalls virtuell an den Kopf und schüttle selbigen.

    Wie wäre es mit Mediation oder Moderation, ehe weitere Juristerei und Paragraphenreiterei angegangen wird? Und hoffentlich bietet niemand für die Domain bzw. wird statt Fortführen dieser Idee nun der Dialog zwischen den Beteiligten begonnen.

    Positive Energien sendet, grad a weng esoterisch ;-)
    liqui

  5. Euroweb haben nach den Vorfällen und Vorwürfen in den letzten Jahren viel getan, um sich von dem Negativ-Image zu befreien. Man denke nur an den visuellen Auftritt des Unternehmens (das alte Logo mit Euro-Symbol, der alte Internetauftritt). Was die Projekte angeht: Teilweise sind dabei recht ansehnliche Websites entstanden. Ausgewählte, einzelne „Referenz-Internetseiten“ wohlbemerkt. Man hat Prominente vor den Karren gespannt (Fabian Hambüchen), sich sozial engagiert (Sportförderung, Stiftung), hat Auszeichnungen gesammelt, ist in Rankings hochgeklettert, hat Hände von Politikern geschüttelt, Ausbildungsplätze geschaffen, sich für Kunden aus dem Mittelstand positioniert und entsprechend Partner gesucht und gefunden. Mir ist auch ein Mitarbeiter bekannt, der sich durchaus wohl fühlt und von einem angenehmen Betriebsklima und abwechslungsreicher Arbeit spricht. Euroweb ist ein knallhartes Unternehmen mit Fokus auf Umsatz und Gewinn. Das ist weder verwerflich, noch unrecht. Die legitimen Vorwürfe bzgl. der Geschäftspraktiken und der mangelhaften Qualität der Arbeit vor ein paar Jahren waren gewissermaßen eine Zäsur für das Unternehmen. Ein Denkzettel, den man ernst genommen hat. Man hat daraufhin viel in ein neues Image investiert und die Qualität des eigentlichen Produkts, das da verkauft wird (Internetseiten) tatsächlich verbessert. Doch für mich stimmen die „weichen Faktoren“ einfach nicht. Mir ist dieses Unternehmen und dessen Auftritt unsympathisch; ich finde sie unglaubwürdig. Diese ganze „An-uns-kommt-kein-Mittelständler-vorbei-Attitüde“, als gäbe es keine Alternative zu einer Internetseite von Euroweb, und dieses „soziale Gewissen“, welches einem unter die Nase gerieben wird (um was zu beweisen oder um von was abzulenken?), finde ich aufdringlich. Die neuerliche, hier besprochene Aktion ist ein weiterer Grund für mich, die Arbeit vieler Einzelkämpfer und kleinen Agenturen hoch zu halten und von einem solchen Unternehmen Abstand zu halten. Mögen sich Anwälte damit auseinandersetzen, mögen Gerichte entscheiden… ich bin nur ein kleiner Kreativer und beurteile eben aus dieser Perspektive.

  6. @liqui.do:
    Laut Golem.de hat er mehrere Monate woanders gewohnt, da seine Mutter schwer krank war und halt nicht damit gerechnet dass da einfach so ein Gerichtsbeschluss reinflattert. Er hat ihn also nicht absichtlich ignoriert, eher aus Fahrlässigkeit nicht bemerkt.

  7. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, auf die Domain zu bieten und dann ihm zurück zu überschreiben. Soweit ich einen weiter oben aufgetauchten Eintrag verstand, geht es ja hauptsächlich um Kostendeckung des Gerichtsverfahrens, nicht um deaktivierung des Blogs?

Kommentare sind geschlossen.

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