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Eine erfolgreiche Kampagne?

Anti-Minarette-Plakat

Die Anti-Minarett-Kampagne der rechts-populistischen Volkspartei SVP spaltet die Schweiz. Basel und Lausanne hatten den Aushang der Plakate verboten, Genf und St.Gallen ließen sie aufhängen. Die Wähler der Schweiz stimmten heute mit einer Mehrheit von 57% für ein Verbot weiterer muslimischer Gebetstürme. Ob sie alle wussten, dass es in der Schweiz gerade einmal vier Minarette gibt?

Gut möglich, dass bei einer Kampagne, die sich in der Gestaltung der Stilmittel der Nationalsozialisten bedient, der Inhalt in den Hintergrund tritt. Das Motiv nährt Vorurteile und schürt Ängste. Minarette, die aussehen, als wären sie in den Boden gestellte Pershing-Raketen sind nicht grenzwertig, sie überschreiten die Grenze.

Muss eine Demokratie den Aushang dieses Motivs dulden oder muss sie die Veröffentlichung verhindern? Genau hier gibt es offensichtlich keine Einigkeit. Wichtig ist, dass man die Bildsprache, die sich ganz bewusst an dem Erscheinungsbild der Nationalsozialisten orientiert, richtig deutet. Wie wäre die Wahl wohl ausgegangen, hätte die SVP CD-konform gehandelt und ein in grün gehaltenes und dadurch deutlich freundlicher wirkendes Plakatmotiv gewählt?

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 63 Kommentare

  1. “Noch jemand ein Problem mit meiner Wort-Reihe?
    Ich finde sie sehr passend. Und drückt das Gedankengut der Minarett-Gegner perfekt aus.”

    “Im Besten Fall” kommen solche Reihungen von den Linken, die Ihrerseits ein Regime unterstützen, dass noch vor 20 Jahre ihre eigene Bürger erschießen lies.

    Ansonsten fehlt es aber, wie vorher bereits geschrieben, an der der nötigen Diskussion – und verhindert diese umso mehr, die »im Allgemenen« besonders in Dtl. mit solchen Themen sehr schwierig ist. Sehr oft ist es polit. Interesse diese Themen nicht zu behandeln, da sie in erster Linie den internationalen Ansehen und somit der Wirtschaft schaden könnten – wenn andere Medien etwas falsch verstehen/verstehen wollen oder man von Medien/Organisationen in gleiche “Ecke” gestellt wird. Das Image, das die Schweiz nun beklagt dürfte sich in erster Linie auch auf wirtschaftliche Sorgen beziehen.

    Vergleicht man aber die Zahlen, bei welchen 51% in der BRD die Thesen von Sarrazin für richtig befinden (laut SZ), so dürfte leicht auffallen, dass hier ebenso eine ehrliche Diskussion notwendig wäre – denn die Tabooisierung und Schein-Ablehnung der Medien bzw. führenden Parteien, genauso wie es in der Schweiz der Fall war, könnte letztendlich zu wirklichen Problem führen. In der Schweiz waren es in den Prognosen ca. 34% – also 20% als letztendlich beim Ergebnis.

    Zu dem Plakat mit Kirchenverbot – wer weiß, vllt. würde man es aufhängen. Das Problem bei uns jedoch dürfte sein, dass unsere Kultur auf diesen “Werten” basiert/e und vermutlich auch die EU in der Gesamtheit der Geschichte an sich prägt?

  2. Nein Thomas, es stand nicht zu Diskussion. Stilistisch ist es nicht so gekonnt. Ich unterstelle einmal, wäre auf den SVP-Plakaten auch “Stoppt die Minarett-Invasion” als Botschaft abgedruckt gewesen, wäre die Verbotsquote sicherlich noch einmal ein Stück weit höher. Wörter sind greifbarer und lassen sich leichter verbieten, auf Plakaten, im Fernsehen oder in der Musik. Ein Widerspruch kommt hier früher. Gestaltung ist und wirkt subtiler. Sie ist weniger anfechtbar und reglementierbar. Wer ein T-Logo in Magenta gestaltet, wird ein Schreiben aus Bonn erhalten und zwar eher früher denn später.

    Markenschutz greift in diesem Fall aber nicht. Die Verwendung eines Hakenkreuzes ist verfassungswidrig. Die erfolgreiche Formsprache, mit der schon die Nazis die Menschen auf ihre Seite gezogen haben, ist hingegen frei nutzbar, siehe NPD und auch SVP. Das Minarett-Plakat ist tatsächlich von seiner Wirkung her höchst wirksam. Das zeigt die Präsenz in den Medien und es spricht für die Gestaltung. Die verantwortliche Agentur Goal hat einen echten Coup gelandet, die Beschädigung moralischer und ethischer Werte in gesellschaftspolitischer Dimension allerdings ganz bewusst in Kauf nehmend. Zumindest darf man davon ausgehen, dass ein Bewusstsein vorhanden sein sollte.
    Nicht der Markenschutz oder Gesetze verbieten es mir solch ein Motiv zu entwerfen, sondern die “natürliche Barriere” einer ethischen Grundhaltung. Ich meine, Erfolg sollte nicht der einzige Maßstab sein, an dem diese Kampagne gemessen werden darf. In jedem Fall ist es wunderbar, dass die Gestaltung nicht nur hier im Blog sondern in allen Medien diskutiert wird. Viel problematischer wäre es, wenn die Gestaltung des Plakats überhaupt nicht polarisieren würde und stattdessen ein Konsens vorherrschte, jedes stilistische Mittel sei recht um auf ein Thema aufmerksam zu machen. Dann bekäme ich es tatsächlich mit der Angst zu tun. So aber umschleicht mich nur “ein mulmiges Gefühl” und es tut gut zu wissen, dass es offenbar ganz vielen Menschen ähnlich ergeht.

    Und was die Raben-Metapher angeht: NPD und SVP zeigen “gierige Aaskrähen”. Die Parteien bedienen sich einer Metapher, die ihren Ursprung in der Mystik des Mittelalters und auf den Schlachtfeldern Europas hat. Sie offenbart auf eindrückliche Weise die rückwärtsgewandte Denke. Tatsächlich symbolisierte der Rabe schon früher die Weisheit. Er ist heute erwiesenermaßen eines der intelligentesten Tiere unserer Erde. Gestaltung lässt einen wunderbar zwischen den Zeilen lesen.

  3. Bedient sich dann nicht auch „Die Linke“ in der Gestaltung der Stilmittel der Nationalsozialisten?
    Zitat einer interessanten Persönlichkeit: „Die Farbkombination Schwarz, Weiß, Rot ist alles andere als politisch unbelastet.“

  4. Schön zitiert. Dazu muss man sagen, dass unter Hitlers Führung, die NSDAP ganz gezielt das Farbspektrum der Kommunisten besetzte. Seine erste Invasion, wenn man es so nennen will, galt der Farbe Rot, die kultur- und länderübergreifend die höchste Strahlkraft besitzt und die man gewissermaßen annektierte. Hieran erkennt man, wie strategisch die Nazis in Bezug auf das Erscheinungsbild gehandelt haben. Das Wahlplakat zu diesjährigen Bundestagswahl der Linken bedient sich demnach ureigener Mittel, wenn man mal unkorrekt sein darf und Linke und Kommunisten über einen Kamm schert.

    Noch einmal sei an dieser Stelle auf das Buch NSCI von Andreas Koop hingewiesen. Nicht, dass der Eindruck entsteht, es sei alles auf meinem Mist gewachsen.

  5. Angesichts der Kommentare (Gleichsetzung von demokratischer Mehrheit mit rechtem Mob, Demokratie mit Faschismus) wird manchem diese Lektüre sicherlich auch nicht schaden:

    https://www.bmi.bund.de/cln_165/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/DE/2007/Muslime%20in%20Deutschland.html?nn=109632
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,524535,00.html

    Ich sehe im übrigen keinerlei Anlaß, meine Kommentare zu verteidigen oder unter im gleichen Thread unter zwei verschiedenen Kürzeln zu posten.

  6. Also bitte.
    Logisch ist ein Plakat einer Populistischen Partei Populistisch. Aber der vergleich zu den Nazis ist so weit hergeholt. Nur wegen einer Farbcombo ist das Plakat noch lange nicht nationalsozialistisch angehaucht. Auch was daran Rassistisch sein soll, sehe ich nicht ganz. Eine Burkaträgerin stellvertretend für den Islam erachte ich nicht als Rassistisch.

    Ausserdem sollte man die Gestaltungsdebatte von der Politischen debatte trennen. Nur weil man mit dem Abstimmungsresultat nicht zufrieden ist gleich die klassische Nazikeule hervorholen zeugt von schlechtem Geschmack.

    Ich habe zwar Nein gestimmt, aber ein demokratisches Urteil ist zu akzeptieren, auch wenns einem gegen den Strich geht. Immerhin haben es die gegenparteien Propagandatechnisch dermassen vergeigt und auch die Muslimischen kreise haben sich nicht einen deut darum gekümmert, dass sie jetzt nicht verwundert sein dürfen. So macht man der SVP das leben einfach.

    Ach ja und vielen dank an alle Kantone die die Plakate verboten haben. Warum schreibt ihr euch nicht gleich bei der SVP ein. Die Pfeifenpolitiker sollten mal ein paar lektionen Kommunikationstheorie durchackern.

  7. @hh: Spätestens seit der Debatte um das »Zugangs-Erschwerungs-Gesetz im Internet« weiss ich, dass man auf Umfrage-Werte nichts geben kann. Man muss immer nur schauen, wer die Umfragen in Auftrag gegeben hat und diejenigen werden die Fragen schon so stellen, dass Prozentwerte rauskommen, die ihnen bei Ihren Zielen weiterhelfen. Und das das Bundesinnenministerium daran interesse hat, Panik zu verbreiten, um weitere Kontrollmechanismen in der Bevölkerung zu etablieren, ist ja nix neues.

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