Ein Zeichen für die Kreislaufwirtschaft: Das neue „Reuse“-Symbol soll Wiederverwendung sichtbar machen
Die Kreislaufwirtschaft hat ein neues visuelles Erkennungszeichen. Mit dem weltweit eingeführten „Reuse“-Symbol präsentiert die Organisation PR3 (The Global Alliance to Advance Reuse) erstmals ein universelles Kennzeichen für wiederverwendbare Verpackungen und die dazugehörigen Rückgabe- und Reinigungssysteme. Ziel ist es, Wiederverwendung auf einen Blick erkennbar zu machen und von Recycling klar abzugrenzen.
Aus gestalterischer Sicht schließt das Reuse-Symbol (ausgesprochen „re-use“) eine Lücke. Während das bekannte Recyclingsymbol mit seinen drei im Kreis angeordneten Pfeilen seit Jahrzehnten für stoffliche Verwertung und Recycling steht, fehlte bislang eine international verständliche Kennzeichnung für Wiederverwendung und Mehrwegsysteme. Das neue Zeichen wurde in einem globalen Designwettbewerb entwickelt und anschließend in internationalen Nutzertests evaluiert.
Die Einführung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Wiederverwendung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bereits 2025 forderten Organisationen aus der Reuse-Branche ein verbindliches, rechtssicheres Reuse-Symbol für Europa. Ihr Anliegen: Nur tatsächlich in Mehrwegsystemen zirkulierende Verpackungen sollen entsprechend gekennzeichnet werden, um Greenwashing zu verhindern.
Dass Wiederverwendung inzwischen weit über klassische Getränkeflaschen hinausgeht, zeigen aktuelle Beispiele. In Freiburg demonstrieren automatisierte Rücknahmeautomaten für Mehrwegbecher, wie Reuse-Systeme in den urbanen Alltag integriert werden können. Die Rückgabe wird damit ähnlich einfach wie etablierte Pfandsysteme.
Auch außerhalb der Verpackungsbranche gewinnt das Prinzip an Relevanz. Mercedes-Benz baut in Kamenz derzeit ein „Battery ReUse Center Europe“ auf. Dort sollen gebrauchte Hochvoltbatterien geprüft, aufgearbeitet und erneut eingesetzt werden, bevor sie recycelt werden. Reuse wird damit zum strategischen Baustein der Ressourcenwirtschaft.
Entworfen haben das Reuse-Symbol Nicole Ascanio Rodriguez und Juan Navarrete, Mitgründern von Epigrama Studios aus Bogotá. Ihr Entwurf setzte sich in einem offenen Wettbewerb gegen 236 Einreichungen aus 29 Ländern durch und wurde in 17 Ländern mit 1.275 Testpersonen auf Wiedererkennbarkeit, kulturelle Übertragbarkeit und Abgrenzung zu bestehenden Zeichen und Recycling-Symbolen geprüft. Der Intention der beiden Gestalter nach beschreibt das Zeichen die Vorstellung von Zeit als Spirale: zurückkehrend, wiederherstellend, neu beginnend.
Der konzeptuelle Kern des Symbols liegt also im Systemgedanken, nicht im Materialmerkmal. Genau das ist der entscheidende Unterschied sowohl zum internationalen Recyclingsymbol als auch zum Grünen Punkt. Der Grüne Punkt, seit 1990 auf deutschen Verpackungen präsent, ist kein Hinweis auf Recyclingfähigkeit oder Mehrwegbetrieb – er zeigt lediglich, dass der Hersteller eine Lizenzgebühr an ein duales Entsorgungssystem entrichtet hat. Der Grüne Punkt ist ein Finanzierungsnachweis, keine Nutzungsaussage. Das neue Reuse-Symbol hingegen darf nur dann auf einer Verpackung erscheinen, wenn diese nachweislich Teil eines vollständigen Kreislaufsystems ist – mit Rücknahme, Transport, Reinigung und erneutem Einsatz.
Kreislaufwirtschaft funktioniert nur dann im Alltag, wenn Menschen die zugrunde liegenden Systeme intuitiv verstehen. Genau hier können Designer wirken, indem sie durch klare Gestaltung und leicht erkennbare Symbolik und Informationen die Verständlichkeit unterstützen.
Hintergrund: PR3 ist eine 2019 gegründete Organisation mit dem Ziel, Wiederverwendungssysteme zu stärken. PR3 entwickelt Standards für eine wachsende Mehrweg-Wirtschaft und schafft damit eine Grundlage für effiziente, zuverlässige und umweltverträgliche Rücknahmesysteme. Die Standards werden von einem globalen Konsensus-Gremium mit über 80 Organisationen aus Industrie, Regierung und Zivilgesellschaft festgelegt. PR3 ist vom American National Standards Institute (ANSI) als Standardisierungsorganisation akkreditiert.
Am Standardisierungsprozess sind unter anderem folgende multinationale Konzerne beteiligt: Ahold Delhaize, American Beverage Association, Anchor Packaging, Closed Loop Partners (stellvertretend für Starbucks, McDonald’s und The Coca-Cola Company), Mars, Nestlé, Target, The Clorox Company, Tomra und Unilever.
In Europa wird der mit einem vollständigen Kreislaufsystem verbundene Anspruch zunehmend regulatorisch eingeholt. 78 Organisationen – darunter Reusable Packaging Europe und die New European Reuse Alliance – haben von der EU ein klares, durchsetzbares Reuse-Kennzeichen gefordert. Die Verordnung schreibt ab August 2026 vor, dass Mehrwegverpackungen als solche erkennbar sein müssen. Das spezifische Piktogramm ist noch nicht festgelegt. Das PR3-Symbol könnte hier als Referenz wirken – oder als Vorlage.
Mediengalerie
- ReUse Symbol in Use, Quelle: PR3
- ReUse Symbol in Use, Quelle: PR3
- ReUse Symbol in Use, Quelle: PR3
- ReUse Symbol in Use, Quelle: PR3
- ReUse Symbol – Social Post Image
- ReUse Symbol, Quelle: PR3
- ReUse Symbol, Quelle: PR3
- Symbole der Kreislaufwirtschaft, Bildquelle: Wikipedia, Bildmontage: dt
Weiterführende Links


















Ich dachte erst, ich würde die visuellen Ebenen vielleicht nicht richtig zuordnen, aber es scheint ja wirklich um die Verschmelzung eines Pfeils mit dem Buchstaben R zu gehen. Das ist gelungen. Konzeptionell hat das einen Haken: International (das ist der Anspruch) sind die lateinischen Schriftzeichen gerade im Alltag kein Standard. Und dann erschließt sich das Ganze nicht mehr visuell. Und dann viel mehr plötzlich auf, dass immer von „Symbol“ die Rede ist. Mein Eindruck: Hier konnte sich strategisch nicht zwischen Logo und Icon entschieden werden. Visuell herausgekommen ist eher ein Logo. Das ist in diesem Fall nicht zielführend, wenn das „Symbol“ eine Visualisierung des Systems „Reuse“ sein soll.
Danke für Deinen Kommentar Michael.
Etwa 70 % der Weltbevölkerung nutzt die lateinische Schrift, so einschlägige Lexika. Es ist das am weitesten verbreitete Schriftsystem der Welt. Dass das Aufsetzen auf dieses System in konzeptioneller Hinsicht einen Haken hat, wie Du schreibst, kann ich offen gestanden nicht erkennen. Welcher andere konzeptionelle Ansatz wäre aus Deiner Sicht sinnvoller?
Schon für Menschen, die lateinische Schriftzeichen verwenden, ist das Erkennen des Buchstabens R in diesem Zeichen nicht leicht. In Kulturkreisen mit anderen Schriftsystemen dürfte dies noch schwieriger sein. Hier teile ich Deine Skepsis. Allerdings ist unwesentlich, dass in dem Zeichen im Zuge der Perzeption ein R identifiziert wird. Entscheidend ist, dass das Zeichen mit dem Reuse-System und mit der Bedeutung der Wiederverwendung als solcher in Verbindung gebracht werden kann und wird. Für deutsche Konsumenten ist wesentlich, dass sie das Zeichen mit Wiederverwendung in Zusammenhang bringen, polnische Konsumenten mit ponowne użycie, chinesische mit 重複使用, syrische mit إعادة الاستخدام. Die Tatsache, dass Reuse auch eine Marke darstellt und deshalb das Zeichen auch Identität transportiert, ist nachrangig. Im Vordergrund steht die Funktion. Weshalb das Zeichen weniger als Logo betrachtet werden sollte, das eine bestimmte Identität stiftet, als viel mehr als ein Symbol, das eine Eigenschaft beschreibt. Genau darin unterscheiden sich Logo und Symbol.
Die Bedeutung von Zeichen und Symbolen, die auf der lateinischen Schrift basieren, erschließt sich dank Globalisierung zudem auch in Teilen der Erde, in denen andere Schriftsystemen und Leserichtungen gebräuchlich sind und vorkommen. Im Beitrag Links, rechts, vorwärts, rückwärts, positiv, negativ – über die Wahrnehmung von Zeichen und Logos habe ich versucht aufzuzeigen, dass diesbezüglich mittlerweile eine Art Bedeutungskanon entstanden ist. Ein nach rechts gerichteter Pfeil wird auch in anderen Kulturkreisen zunehmend als „nach vorne“ und ein nach links gerichteter Pfeil als „nach hinten“ angesehen. Die Gestaltungsprinzipien erlangen zunehmend universale Gültigkeit. Es ist dies ein über viele Jahrzehnte verlaufender Prozess.
Ob das Reuse-Zeichen in einigen Jahren (größtenteils) als gelernt angesehen werden kann, hängt freilich weniger von der Symbolik selbst ab als vielmehr von dessen Gebrauch und dem Grad der Marktdurchdringung, Stichwort Penetration.