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Ein neues Schild für die Lindenstraße

Die Lindenstraße, Mutter aller deutschsprachiger Seifenopern, erhält eine neue Beschilderung respektive ein neues Logo. Der Austausch erfolgt vor dem Hintergrund des 30-jährigen Serienbestehens. Ein Schriftzug gesetzt in der DIN ist nicht die einzige Novität, die dazu beitragen soll, die Zuschauerzahlen wieder zu steigern.

Derzeit wird für die Lindenstraße kräftig die PR- und Marketing-Trommel auf allen Medienkanälen gerührt. Die Jubiläumsfolge zum 30-jährigen Bestehen wird am 6. Dezember erstmals live im Ersten ausgestrahlt. Zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen soll das vor diesem Hintergrund entworfene neue Logo. Die Normschrift DIN löst die seit jeher verwendete serifenbetonte Antiquaschrift ab.

Lindenstraße Schild – vorher und nachher

Was dem geneigten Lindenstraße-Fan weniger geläufig sein dürfte, ist der Umstand, dass die Münchner Straßenbeschilderung aus typographischer Sicht zu den interessantesten zählt. Ihre Bedeutung lässt sich beispielsweise anhand des Wikipedia-Eintrags „Münchner Straßenschilder“ ablesen, in dem alle verwendeten Schriften akribisch aufgelistet werden. Auch die FAZ würdigt die Schilder in einer Bilderstrecke.

Kurioserweise wird für die Lindenstraße nun eine Schrift genutzt, die in besagtem Wikipedia-Eintrag unter dem Titel „Wohnbau-Groteske“ firmiert. Ein passender Name auch für die Serie, wird sich so manch einer denken.

Beide Schriftzüge, die im ersten wie auch im neuen Schild, basieren übrigens nicht auf der offiziellen Schriftart. Standardschrift der Landeshauptstadt München ist eine Antiqua Schrift, die speziell für die Straßenbeschilderung die Stadt entworfen wurde.

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Das Schild ist Langeweile pur, genau wie die Sendung. Dort kommt mir alles vor wie eine in Grau und Beige gedrehte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Kultur-Beamtentum mit Bildungsauftrag, wie Chris es schon so treffend beschrieben hat, ist auch genau mein Empfinden.

    Das alte Schild, mit seinem geschwungene Rahmen und der Serifenschrift, hatte wenigstens noch etwas Charakter, aber zum Beamtentum passt die DIN natürlich viel besser, das sehe ich ein. Mein Vorschlag für das Schild wäre Beige auf Grau, ohne Rahmen und dann in Sütterlin gesetzt. Die Schrift kennen alle Zuschauer wenigstens noch aus Ihrer Schulzeit und es wäre etwas Besonderes.

  2. Nun ist es schon eine DIN 1451 – Schrift und trotzdem sieht es viel weniger nach einem Straßenschild aus als zuvor.

    Das liegt daran, dass die Proportionen zwischen Schildergröße und Textgröße nicht beachtet wurden.
    Nach dem Richtzeichen „Zeichen 437: Straßennamensschild“ aus der Bildtafel der Verkehrszeichen in Deutschland beträgt das Verhältnis zwischen Versalhöhe und Schildhöhe ca: 5 : 9
    Betrachtet man hingegen das neue Lindenstraßenlogo, dann beträgt schon das Verhältnis zwischen Versalhöhe und weißem Rahmen 5 : 9, das Verhältnis zwischen Versalhöhe und Gesamthöhe hingegen fast 5 : 12.
    Damit wird das Konstrukt aufgrund unserer Sehgewohnheiten nicht mehr als Straßenschild wahrgenommen.
    Nun könnte man argumentieren, dass der weiße Rahmen tatsächlich als Schildabschluss gemeint sei. Allerdings sieht man am alten Schild (ebenso wie bei vielen Beispielschildern aus München), dass ein solcher Rahmen meist in den Zwischenraum integriert wird und zu keiner (oder nur einer minimalen) Veränderung des Verhältnisses zwischen Versalhöhe und Gesamthöhe führt.

    Es kann natürlich auch sein, dass die Distanzierung von einer Schilderoptik gewollt ist, nur dann ist es nicht konsequent umgesetzt.

  3. Ach du liebe Güte,
    da entdecke ich durch die Diskussion um ein Namensschild dass es die Lindenstraße überhaupt noch gibt…Eine Kulturlücke? Gibt es irgendwo eine grobe Zusammenfassung über die letzten Jahrzehnte? :-)
    Womöglich geht es noch mehr Menschen so…insofern ein genialer Schachzug der Aufmerksamkeit.

  4. Die Schrift im neuen Schriftzug der Fernsehserie »Lindenstraße« ist nicht die Mittelschrift nach DIN 1451. Es ist, zumindest in der hier gezeigten Grafik, die von mir 1995 gestaltete FF DIN Medium. Lediglich die Spationierung wurde enger gehalten. Zu eng für ein Straßenschild und natürlich auch zu eng für den Schriftzug einer Fernsehserie. Wie »Tobi« und »Der Siedler« kommt es mir ebenfalls merkwürdig vor, dass der Zwischenraum »in« kleiner ist als »aß«. Die Original-Zurichtung der FF DIN weist diese Abweichung nicht auf. Nun ja, trotzdem freue ich mich, als Holländer eine der Lieblingsschriften der Deutschen und jetzt auch das Logo eine ihrer Lieblingsserien (mit-)gestaltet zu haben. Schönen Gruß aus Hamburg! Albert-Jan Pool.

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