Düsseldorf sucht das perfekte Haltestellenschild

Schild Haltestelle

Die Rheinbahn AG, Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Düsseldorf, sucht derzeit nach der perfekten Gestaltung für neue Haltestellenschilder. Notwendig wurde die Suche, da die geplante Einführung neuer Schilder im Februar 2016 alles andere als erfolgreich verlief. Um weitere Proteste seitens der Bürger zu verhindern, wurde nun eine wohl einzigartige Haltestellenschilder-Teststrecke eingerichtet.

Zum Hintergrund: Mit Eröffnung der Wehrhahn-Linie gingen im Februar 2016 vier neue U-Bahnlinien sowie sechs neue U-Bahnhöfe in Betrieb. Da sich seitdem auch die Strecken und Fahrpläne vieler anderer Bahn- und Buslinien geändert haben, entstand in Düsseldorf ein komplett neues Nahverkehrsnetz. Ein guter Zeitpunkt also, um die Optik der Schilder, die in ihrer jetzigen Form seit vielen Jahrzehnten bestehen, auf den neusten Stand zu bringen.

Die Schilder im Vergleich

Haltestellenschilder im Vergleich; links das alte Schild, rechts das im Februar 2016 eingeführte und vielfach kritisierte Schild, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Links das alte Schild, rechts das im Februar 2016 eingeführte und vielfach kritisierte Schild mit einer in Arial gesetzten Schrift, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Geplant war eigentlich, die Anfang des Jahres vorgestellten Schilder in neuer Gestaltung (in der Abb. oben rechts) zügig und flächendeckend einzuführen. Die Kritik an den Schildern, deren Schrift von vielen Bürgern als zu klein und schlecht lesbar erachtet wurde, wollte allerdings nicht abebben. Das Unternehmen versprach, die Kritik ernst zu nehmen, und so wurde der Austausch der Schilder zunächst einmal gestoppt. Somit geht das Projekt neue Haltestellenschilder für die NRW-Landeshauptstadt in die zweite Runde.

Auch auf Twitter äußerten sich Bürger kritisch zu dem im Februar in Teilen eingeführten Schildern:

Bürgerbefragung an der Haltestellenschilder-Teststrecke

Vor wenigen Tagen nun hat das Unternehmen Rheinbahn auf ihrer Facebook-Fanpage Fotos respektive Schnappschüsse von vier weiteren Entwürfen veröffentlicht, die an der ehemaligen Haltestelle „Heinrich-Heine-Allee“ vor Ort besichtigt werden können. Dort wurde eine Art Haltestellenschilder-Teststrecke eingerichtet, wie sie wohl einmalig sein dürfte (Abb unten).

„Haltestellenschilder-Teststrecke“ an der Heinrich-Heine-Allee, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

„Haltestellenschilder-Teststrecke“ an der Heinrich-Heine-Allee, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Mit Vorstellung der weiteren Entwürfe wurden Bürger dazu eingeladen, ihre Meinung zu den vier Entwürfen kundzutun, via Facebook-Kommentar, per E-Mail oder, da zu bestimmten Zeiten entsprechende Mitarbeiter vor Ort bereitstehen, mündlich. Hierbei geht es wohlgemerkt nicht darum, den besten Entwurf zu küren, um diesen dann später zu realisieren. „Uns geht es um ein Stimmungsbild. Das fließt in unsere Entscheidung ein“, so Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher gegenüber der lokalen Presse. Die jeweils besten Elemente will man dann in einem Schild  zusammenführen. „Herauskommen soll am Ende das perfekte Schild“, ist Schumacher überzeugt.

Die vier neuen Schilderentwürfe

Nachfolgend möchte ich auf die Gestaltung der vier Schilder im Detail eingehen.

Entwurf 1

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 1, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 1, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Abgesehen von der in weißer Schrift auf rotem Grund gesetzten Steignummer (in diesem Fall „1“) sind alle Textangaben in schwarz auf weißem Grund dargestellt. Die im Grunde überflüssigen Trennlinien erschweren die Lesbarkeit, da der Abstand zu den Namen hierdurch nach oben wie unten sehr gering ist. Die vorgestellten Liniennummern (U72, …) sowie besser gewählte Zeilenabstände, das zeigt Entwurf 2, sind als Ordnungselement völlig ausreichend. Fazit: Trennlinien raus, Zeilenabstände anpassen, Steignummer verkleinern und mit Entwurf 1 wäre man auf einem guten Weg.

Entwurf 2

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 2, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 2, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Die Steignummer ist in weiß auf graublauem Grund gesetzt. Der Name der Haltestelle, ebenfalls in weiß gesetzt, wird in einem roten Balken eingefasst. Auffällig ist der hellblaue Hintergrund im oberen Bereich, mit dem das grün-gelbe Haltestellenzeichen hinterlegt ist. Wozu hellblau? Auffällig ist auch das Fehlen einer Schutzzone beim Haltestellenzeichen, wie sie für Logos üblich ist. In Bezug auf die Barrierefreiheit scheint fraglich, ob derart geringe Abstände nach der DIN-Norm 32975, auf die ich in diesem Artikel später noch eingehe, zulässig sind. Die Ziffern der Umsteigemöglichkeiten sind in rot dargestellt. In allen Fällen scheint das Kontrastverhältnis von Vorder- zu Hintergrund nach besagter DIN-Norm ausreichend zu sein. Symbole finden sich, im Gegensatz zu den anderen drei Entwürfen, im oberen Bereich positioniert, der in diesem Entwurf keine gute Figur macht. Je mehr Elemente im oberen Bereich platziert werden, beispielsweise wenn vier statt nur zwei Symbole angebracht werden müssen, umso schlechter die Wahrnehmung des Haltestellenzeichen. Fazit: Ein Entwurf mit Defiziten im oberen Drittel.

Entwurf 3

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 3, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 3, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Ein vertikaler, roter Balken nimmt in diesem Entwurf alle Nummern auf, die des Steiges wie auch die der Bahn- bzw. Buslinien. Indem die Hausfarbe der Landeshauptstadt zitiert wird, kommt in allen neuen Schilderentwürfen gleichzeitig das Corporate Design von Düsseldorf zur Geltung. Grundsätzlich ist dies eine sinnvolle Maßnahme! Ob die Steignummer jedoch einen derart großen Raum einnehmen muss, scheint fraglich. In jedem Fall zu klein geraten ist in Entwurf 3 die eigentliche Bezeichnung der Haltestelle „Universität Ost / Botanischer Garten“. Hinzu kommt, dass der zu geringe Abstand zum Haltestellenzeichen die Lesbarkeit wie auch die Wahrnehmung erschwert. Fazit: In der Wahrnehmungshierarchie gehört die Haltestellenbezeichnung meines Erachtens vor bzw. oberhalb der Steignummer gesetzt. In Entwurf 3 ist die Wahrnehmung jedoch verkehrt herum. Das Auge erfasst erst die Steignummer und danach die Bezeichnung der Haltestelle. Durch die Verwendung des roten Balkens wird sehr viel Raum verschenkt. Anderseits kann der Balken durchaus als strukturgebendes Element punkten.

Entwurf 4

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 4, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

Rheinbahn Haltestellenschild Entwurf 4, Quelle: Andreas Endermann / RP ONLINE

In Entwurf 4 erscheint die Haltestellenbezeichnung in senkrechter Form. Genau dies war einer der Hauptkritikpunkte, die Bürger Anfang des Jahres an der neuen Gestaltung bemängelten. Offen gesagt ist für mich unverständlich, wie einerseits von Seiten der Rheinbahn AG betont wird, man werde die Kritik der Bürger berücksichtigen, um andererseits dann einen solchen Entwurf vorzustellen, der aus Sicht des Themas Barrierefreiheit eine für Menschen mit Sehbehinderung nur schwer zu überwindende Hürde darstellt, übrigens nicht nur für diese Gruppe. Wer mag sich schon den Kopf verdrehen, wenn er sich orientiert. Fazit: Der Entwurf mit den größten Schwächen. Gerade vor dem Hintergrund der Proteste Anfang des Jahres hätte es einen solchen Entwurf eigentlich nicht geben dürfen.

Kommentar / Gesamtfazit

Fast müsste man die Düsseldorfer um ihre einzigartige Haltestellenschilder-Teststrecke beneiden, um ein solch partizipatives Design im öffentlichen Raum. Wie heißt es so schön: Design kann immer nur durch Versuch, Irrtum und Verbesserung entstehen. Mitten in einem solchen Prozess befindet sich derzeit die Rheinbahn, und alle können zuschauen beziehungsweise mitmachen. Denn anders als bei Designprojekten üblich, vollzieht sich dieser Prozess nicht in geschlossenen Räumen, sondern sprichwörtlich auf offener Straße. Die Teilhabe ist nur im ersten Moment ein Pluspunkt, weil es nämlich nur schwer nachvollziehbar ist, warum man die Bürger mit unfertigen Gestaltungsansätzen konfrontieren muss. Es gibt andere, bessere Wege.

Design orientiert sich stets am Menschen, insofern ist das Einholen von Meinungen seitens der Bürger eminent wichtig, was nicht heißt, dass diese die Form vorgeben oder dass sie die Gestaltung in einem quasi-demokratischen Vorgang (mit)bestimmen könnten. Für die Formgebung verantwortlich sollten geschulte Gestalter sein. Gesteuert wird ein Designprozess in aller Regel von einer Designagentur, die nicht nur für die Kreation verantwortlich ist, sondern darüber hinaus moderierend wirkt, etwa im Rahmen einer Befragung innerhalb von Fokusgruppen, in denen  Interessenvertreter VORAB um ihre Meinung gebeten werden, und zwar unter Ausschluss der Presse. Dass der Prozess gesteuert wird, kann ich in diesem Fall nicht erkennen. Dort wo eine gezielte Aktion gefragt wäre, erfolgt lediglich eine Reaktion. Immerhin, könnte man meinen. Aufgeschlossenheit ersetzt allerdings kein Konzept. Denn wer stets nur reagiert, zeigt damit eigentlich nur, dass er keine eigene Strategie hat.

Alle Schilderentwürfe, auch der im Februar präsentierte Entwurf, wurden von Mitarbeitern bei der Rheinbahn AG realisiert. Bei einem derart komplexen Thema eine bemerkenswerte Entscheidung. Schließlich geht es hier um weit mehr als um ästhetische Gestaltung, es geht vor allem auch um Barrierefreiheit. In beiden Fällen ist es gut, entsprechende Experten mit an Bord zu haben, die sich unter anderem mit der DIN-Norm 32975 auskennen. In der DIN-Norm 32975 ist die „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung“ definiert, so der Titel. Gegenstand der Norm ist primär der sogenannte Leuchtdichtekontrast, der bestimmte Mindestwerte erfüllen muss. Wichtig ist zudem bei der Gestaltung von Hinweisschildern unter diesem Aspekt, dass zwischen Wahrnehmbarkeit und Lesbarkeit unterschieden wird. So muss zum Beispiel ein Fahrplanaushang aus größerer Entfernung wahrnehmbar sein, damit man dann auf ihn zugehen und ihn aus nächster Nähe lesen kann. Eine Lesbarkeit aus größerer Entfernung ist nicht erforderlich (siehe nullbarriere.de). Die Verordnung gilt seit 2009. Im Rahmen eines detaillierten Lastenheftes seien umfassende Vorgaben berücksichtigt und eingehalten worden, etwa auch besagte DIN-Norm, so wurde mir gegenüber seitens Rheinbahn versichert. Die Entwürfe widerlegen diese Aussage jedoch, weniger weil Kontraste unzureichend wären, sondern weil Größen und Abstände meines Erachtens unzureichend sind und weil die um 90 Grad gedrehte Haltestellenbezeichnung die Lesbarkeit deutlich erschwert.

Keiner der mittlerweile fünf Entwürfe ist wirklich überzeugend, schon gar nicht der im Februar vorgestellte, bei dem die Schrift Arial zum Einsatz kommt. Eine Schrift, die für die Darstellung von Text am Monitorbildschirm entwickelt wurde und von der nicht nur Leute vom Fach wissen, dass sie insbesondere in kleiner Schriftgröße, wie man so schön sagt, zuläuft. Beispielsweise berühren sich die Buchstaben „rf“, wie es auf dem besagten Februar-Schild in „Derendorf“ eigentlich nicht zu übersehen ist. In den neuen vier Entwürfen setzt man hingegen auf die Frutiger, die sich bereits seit den 1970er Jahren als Schriftart für Leitsysteme bewährt hat und somit eine deutlich bessere Wahl darstellt. Die Frutiger ist zudem die Hausschrift der Rheinbahn AG. Schwer nachvollziehbar, dass man erst jetzt auf diese Schrift zurückgreift. Seis drum. Irrtum und Verbesserung. Allerdings sollte man nicht den gleichen Irrtum zweimal begehen, wie bei den um 90 Grad gedrehten Haltestellenbezeichnungen.

Man kann der Rheinbahn nicht vorwerfen, die Bürger nicht ausreichend einzubinden. Allerdings wirkt das ganze Prozedere um die Einführung neugestalteter Schilder doch ziemlich holprig und orientierungslos. Eine Begleitung durch eine auf dem Gebiet der Leitsysteme versierten Agentur hätte dem Projekt sicherlich gut getan. Überaus sinnvoll wäre es zudem gewesen, Informationen zu den jeweiligen Entwürfen und den hierfür geltenden Vorgaben parallel zu veröffentlichen, sodass für alle Bürger ersichtlich wird, warum jener Balken an den Rand gesetzt und diese Nummer in rot dargestellt wurde. Ein solcher Schritt, wie ihn etwa die Schweizerische Nationalbank im Rahmen der Vorstellung der neuen Banknoten kürzlich vollzogen hat, zeugt vom Willen um größtmögliche Transparenz und lässt ein Kommunikationskonzept erkennen. Die Rheinbahn AG hingegen veröffentlicht zum Teil unscharfe Schnappschüsse der Schilder auf Facebook und Fotos, auf denen ihr Hausfotograf Monteure verewigt. Auch das vermisse ich in Düsseldorf, ein Kommunikationskonzept.

Wie es mit dem Projekt nun weitergehen wird, weiß niemand, nicht einmal das Unternehmen selbst. Weder zum konkreten Zeitplan noch zur finalen Gestaltung erhält man derzeit eine befriedigende Auskunft. Kein sonderlich guter Ausweis für ein Unternehmen, für das eine bestmögliche Orientierung essentiell ist. Allein die Dialogbereitschaft seitens der Rheinbahn lässt hoffen, dass die Haltestellenschilder-Designgeschichte zu einem guten Ende finden wird. Als gebürtiger Rheinländer weiß ich: et hätt noch immer jot jejange.

Online-Abstimmung

Und nun sind die dt-Leser gefragt.

Welcher Haltestellenschilderentwurf erscheint dir am besten geeignet?

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Die im Artikel verwendeten Fotos wurden freundlicherweise von der RP-Online-Redaktion bereitgestellt. Herzlichen Dank hierfür. Teile dieses Artikels sind als Kommentar auf RP-Online erschienen. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei dt-Leser Dao, der meinem Aufruf gefolgt ist und ebenso Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat, unter anderem diese beiden Schilder, die ein sonderbares Hüpfen des H-Querbalkens offenbaren.

68 Kommentare zu “Düsseldorf sucht das perfekte Haltestellenschild

  1. Warum muss auf das Schild so viel drauf – das macht die Schrift unnötig klein. Warum Symbole, die keiner versteht? Wozu das rheinbahn und vor-Logo?

    Weniger Informationen sind mehr. Die Leute wollen wissen: Welche Linie in welche Richtigen fährt, an welchem Steig sie sind und an welcher Station. Für die näheren Details liest man den Aushang im Wartehäuschen. Falls es viele Linien gibt, dann sollte es Doppelschilder geben, statt alles auf einem Schild zu haben. So in etwa würde ich es aufziehen:

    • Das Schild ohne Farbe, wie es (einige) Menschen mit Farbfehlsichtigkeit sehen:

      schild-T0yHmyl

      Das Haltestellenzeichen verschwindet. Diesbezüglich weist übrigens auch das von Daniela hochgeladene hannoversche Schild Schwächen auf (wobei der Anteil derer, die kein Blau erkennen mit 0.002% deutlich geringer ist als der, die kein Grün erkennen (1%). Weißer Text auf gelbem Grund ist zudem selbst für normalsichtige Menschen nur schwer lesbar.

      Ganz so schnell gehts dann doch nicht ;)

      Gut hingegen ist die Entscheidung, die Firmenlogos wegzulassen. Meines Erachtens ist dies nämlich Werbung, die in einer solchen Informationsgrafik, die ein Hinweisschild darstellt, nichts zu suchen hat.

      • Das Haltestellenzeichen verschwindet. Diesbezüglich weist übrigens auch das von Daniela hochgeladene hannoversche Schild Schwächen auf (wobei der Anteil derer, die kein Blau erkennen mit 0.002% deutlich geringer ist als der, die kein Grün erkennen (1%).

        Ich würde nicht so weit gehen, das als Schwäche zu bezeichnen. Nicht nur das „H“ selbst weist die Beschilderung unzweideutig als Haltestelle aus, sondern auch alle weiteren Informationen: Der Text auf dem Schild, die Position des Schilds und (falls vorhanden) das Wartehäuschen. Meist kommen dann noch weitere Symbole hinzu, wie z.B. Rillen im Boden für Sehbehinderte, eine besondere Pflasterung. Es ist nicht nötig alle Elemente getrennt voneinander zu betrachten, es ist auch ein Zusammenspiel. Steigern ließe sich die Nachvollziehbarkeit vielleicht noch durch eine Endlos-Laustprecher-Durchsage: Dies ist eine Bushaltestelle – dies ist eine Bushaltestelle – dies ist …

        Falls Fehlsichtigkeit dazukommt ist es eben ein sehr dunkler Grauton, auf dem sich die weiße Schrift deutlich zeigt. Bin da ganz mit Daniela.

      • So, habe jetzt die Kritik mal aufgegriffen und das ganze etwas anders umgesetzt. Gelb war ursprünglich gewählt, weil auf der Website der Rheinbahn der Bus als Icon diese Farbe besitzt.

        Kann sich jeder selbst in eine Haltestelle photoshoppen, ich habe ja die Bildnutzungsrechte nicht. Nebenbei bin ich natürlich kein Profi, das sieht man auch, sondern interessierter Laie. Die Beschwerden über »gratis«-Design kann ich nicht verstehen, weil die rheinbahn offenkundig sowieso nicht gewillt ist, zu zahlen. Es würde sich aber in jedem Fall lohnen, den gesamten Auftritt der Firma professionell betreuen zu lassen.

      • „Gut hingegen ist die Entscheidung, die Firmenlogos wegzulassen. Meines Erachtens ist dies nämlich Werbung, die in einer solchen Informationsgrafik, die ein Hinweisschild darstellt, nichts zu suchen hat.“

        Danke für den Hinweis Achim, das dachte ich spontan auch. Welchen Nutzen hat das/die Logos auf dem Schild? Null. Ich will von A nach B und suche die Haltestelle – wem das Schild dort gehört ist erstmal uninteressant …

  2. Design kann jeder.

    Da drängen sich zwei Fragen auf:
    Warum wird an der FH Düsseldorf Typografie unterrichtet, wenn offenbar jeder Mitarbeiter der Stadt aus dem Stand funktionale Typografie beherrscht?
    und
    Wenn der Designeinkauf so amateurhaft ist, wie sieht dann erst der Einkauf von juristischen Dienstleistungen aus?

    Eine vorsichtige Prognose: Sie realiseren einen der Entwürfe, weil das Ding gerade rollt und es keiner stoppen mag. Dann wird in fünf Jahren eine professionelle Lösung nachgeschoben und die Mehrkosten der Vorgängerregierung in die Schuhe geschoben.

  3. Scheinbar wurde nur die Aufgabe „irgendein Haltestellenschild“ gelöst bzw. beauftragt. Niemand fragt sich, was andere Unternehmen in der Zwischenzeit richtig gemacht haben!
    Wie kann man in dieser Situation die seit Jahrzehnten(!) bekannten und sehr verschiedenen Anforderungen vernachlässigen, denen die Schilder gleichzeitig gerecht werden müssen??
    Um ein paar zu nennen:
    – Lesbarkeit aus dem fahrenden Verkehrsmittel heraus bzw. unter ungünstigen Blickwinkeln
    (…woran soll sich das lesende Auge eigentlich „festhalten“?
    – Lesbarkeit unter ungünstigen Lichtbedingungen: grelle Sonne, Dunkelheit, Dämmerung, verschmutzt, alles mit dunstiger Luft (Düsseldorf ist ja schließlich kein Luftkurort)
    – Lesbarkeit für Ältere (u.a. Helligkeitsanforderung viel viel höher als bei jungen Menschen) und anderweitig Sehbeeinträchtigte, die ja deshab KEIN Auto fahren: kurzsichtig, Trübungen, etc.

    Touristen aus anderen Städten, Ländern oder Kontinenten haben wir ja zum Glück nur selten. Oder??

    …ein Fall für’s Kreuzworträtsel: Schimpfwort mit 6 Buchstaben? Design.

  4. Das Ganze wirkt – wie aus Fahrgastsicht alles bei der Rheinbahn – sehr halbgar. Dass man sich nicht professionelle Hilfe holt, um dieses Thema entsprechend zu beackern, ist mir ein absolutes Rätsel. Ich bin mir sicher, dass man sogar einem Kurs der Designstudenten der HSD das gleiche Briefing hätte geben können – mit deutlich besseren, brauchbareren und nachhaltigeren Ergebnissen.

  5. Finds auch nicht gerade doll.
    Habs mal als Anlass zur kleinen Fingerübung genommen.
    Schildlänge ist geschummelt, aber die ist schließlich auch Teil der Gestaltung :P…

      • gefällt mir 100x besser als die im (sehr amüsanten) Artikel vorgestellten Entwürfe.
        Ideal wäre wohl tatsächlich ein neuer Schildertyp mit mehr Platz. Wohlmöglich scheut die Rheinbahn hier Kosten und versucht, mit den vorhandenen Rahmen auszukommen.

  6. Die Straßenverkehrsordnung sagt übrigens in § 39 Abs. 4 S. 1: „Verkehrszeichen können auf einer weißen Trägertafel aufgebracht sein.“ Zeichen 224, das „Haltestellen-H“ ist rund, d. h. nach StVO ist strenggenommen nur ein rundes Schild mit einem Zusatzschild drunter, oder ein Schild mit dem „H“ auf einer Trägertafel mit weißem Hintergrund zulässig. Was sonst noch geht, steht in der Verwaltungsvorschrift zur StVO (z. B. Bus-/Tramsymbol, Haltestellenname, Liniennummer).

    Ich kann mich dunkel erinnern, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe ihre Mitte der 2000er-Jahre neu eingeführten Haltestellenschilder nach ein paar Wochen noch mal ändern mussten, weil zu Beginn das „H“ auf blauem Grund dargestellt war. Dann hat wohl der Amtsschimmel kurz gewiehert, und die Schilder bekamen oben eine weiße Trägerfläche (es wurde damals seitens der LVB auch auf die StVO verwiesen, ich finde die Meldung nur gerade leider nicht mehr).

    • Dank Dir Mirko, für den Einblick in die Leipziger Situation! Du meinst bestimmt die folgende Meldung, oder? LVB stellen neue Haltestellenschilder auf

      Über GoogleStreetview lassen sich zum Teil noch die alten Schilder finden, wie auf dem folgenden Screenshot links zu sehen ist.

      Schilder LVB

      Und zum Vergleich, was in anderen Städten steht:

      Berlin

      Haltestellenschilder Berlin

      Hamburg

      Haltestellenschilder Hamburg, Quelle: GoogleStreetview

      München

      Haltestellenschilder München, Quelle: GoogleStreetview

      Frankfurt

      Haltestellenschilder Frankfurt

      Bildquelle in allen Fällen: GoogleStreetview

  7. Düsseldorf sucht das perfekte Haltestellenschild
    und alle machen mit, designen neue Schilder hier.

    Alle?

    Nein! Einige unbeugsame Grafiker – von der Menge ungefähr in Dorfgröße – hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und designt lieber nix ohne Auftrag. ;-)

    Obwohl, amüsant ist es schon, wie eifrig man sich über ein Busschild hermacht, das sichtbar grausig von Laien zusammengestopselt wurde. Auch Studenten können hier in diesem Tutorial noch was lernen. ;-) no kidding.

    Doch was lernen Kommunen/Stadtobere/sonstige Blockheads daraus?
    1. selbst zusammenstopseln. 2. Bürgerbefragung machen 3. dann regen sich echte Designer auf und stopseln a bissi was besseres. 4. Schwupps hat man Schilder für lau. 5. Man sonnt sich als bürgerbezogene und sparsame Kommune und kriegt von seinem Städtetag/Minipräsi/Merkel ein Fleißbildchen mit Rautenfingern.

    Designer – oder gar Agenturen, ieh bewahre! – gehen wie immer leer aus. Die braucht man ja auch nicht bei dem Spiel. q. e. d. (quod erat demonstrandum – was zu zeigen war)

    • »…Nein! Einige unbeugsame Grafiker – von der Menge ungefähr in Dorfgröße – hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und designt lieber nix ohne Auftrag…«

      = Designix ;-)

      Auch ich bin schockiert, wie selbstverständlich sich hier einige sog. »Kollegen« den Ast absägen, auf dem sie sitzen. In vorauseilendem Gehorsam werden hier konstruktive Verbesserungsvorschläge und Designentwürfe gemacht, und das bei NULL AUFTRAG und für NULL BEZAHLUNG. Und da wundern wir uns, wenn Kunden glauben, Grafikdesigner könnten ja auch ohne Honorar arbeiten …es macht ihnen ja so viel Spaß. Hier haben sie den Beweis.

      • Ich bin Laie und selbst ich hätte einen besseren Entwurf hier zeigen können, als die stümperhaften Vorschläge; mir kam sogar der Gedanke. Es wird dadurch – meines Erachtens – kein großes Designer-Fachwissen für lau verschenkt, denn jeder mit etwas mehr Ästhetik im Auge erkennt, dass es mangelhafte Entwürfe sind und kann es womöglich selbst besser.

        Hier geht es nicht um eine Neuentwicklung z.B. des Haltestellen-Symbols, sondern um eine optisch ansprechende und vorallem übersichtliche Positionierung von altbekannten Symbolen und Texten.

      • … denn jeder mit etwas mehr Ästhetik im Auge erkennt, …

        Richtig. Genau die scheint ja bei Verantwortlichen nicht zu existieren.
        Daher isses ja wie es ist – und man denkt demzufolge, man könne sich die Fachkraft sparen.

    • Die hier geäußerten Verbesserungsvorschläge und selbst die groben Entwürfe sind ja wohl kein Hexenwerk. Wenn das schon reicht, den Designern den Ast, auf dem sie sitzen, abzusägen, dann ist der Ast aber reichlich dünn.
      Der grundsätzliche Gestaltungsansatz ist ja nur der Beginn der Arbeit.

      • …Wenn das schon reicht, den Designern den Ast, auf dem sie sitzen, abzusägen, ..

        Ja klar, das reicht schon.
        Denn wie schon angemerkt, scheinen ja Ästhetik oder modulare Logik/Stringenz gerade nicht nicht die Kernkompetenz der Verantwortlichen zu sein. Also reicht das schon, um sich locker abzusägen. Reicht bei solcher Auftragschaft immer.

  8. Was mir direkt aufgefallen ist, aber hier noch keine Erwähnung gefunden hat, ist, dass sowohl der gelbe Pfosten als auch der gelbe Rahmen, wie man ihn so in vielen Städten vorfinden kann, scheinbar wegfällt, was ich für sehr misslungen halte. Wenn ich nach einer Haltestelle suche, ist dies die erste Wahrnehmbarkeit einer entfernten Bushaltestelle im Wirrwarr von Straßenschildern, Hausfassaden und Werbetafeln einer Innenstadt – markantes Gelb und ein dicker Pfosten mit mittig aufgestecktem Rahmen. Davon wegzugehen und auf ein eher unauffälligeres Design zu setzen, das von Weitem wegen seiner fehlenden Einzigartigkeit auch eine Frisörwerbung sein könnte, halte ich für einen Schritt zurück. So bleibt nur der rote Balken und das farblich schwache H, was einem das Schild von ganz weit in seiner Funktion wahrnehmen lässt. Und das halte ich für zu wenig. Alternativen wie die eigenständige Wahrnehmung eines Stelen-haften Schildes mit zwei Pfosten oder ein komplett mit einer geeigneten und auffälligen Farbe hinterlegtes Schild finde ich da weitaus gelungener.

    Den Grund für die holprige Art dieses Nicht-ganz-Bürgerentscheids sehe ich in der (jungen) Schwierigkeit mit social-media-Kommentaren etc umzugehen und richtig zu deuten. Man merkt zwar, dass Kritik deutlicher wird, seine Aufmerksamkeit und likes findet und sich dadurch noch mehr aufbläst, sieht, man kann nicht mehr einfach etwas umsetzen ohne einen landesbekannten Shitstorm zu riskieren, es bleibt nicht bei ein paar Leserbriefen wie sonst immer, man muss mehr Bürgernähe zeigen, weiß aber noch nicht, wie das aussehen soll, da man auch nicht einfach zigtausend Bürger mitdesignen und entscheiden lassen kann, sonst kommt garantiert das bescheuertste, unpragmatischste Abbild raus, das man sich vorstellen kann.

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