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Wann ist ein Designer ein Designer?

Grundsatzfrage: Was macht einen Designer eigentlich zum Designer? Ist ein Designer etwas anderes als ein Gestalter ein? Wenn ja, was zeichnet den Designer aus? Braucht es eine bestimmte Ausbildung? Rechtlich geschützt ist die Berufsbezeichnungen wie wir wissen ja nicht. Wie sind eure Gedanken hierzu?

Zitat von Achim Schaffrinna am 30. September 2018, 15:55 Uhr

Rechtlich geschützt ist die Berufsbezeichnungen wie wir wissen ja nicht.

Einerseits ist die (Selbst-)Bezeichnung als Designer daher in meinen Augen erst einmal nur ein leeres Versprechen.

Andererseits gibt es Kreative, die sich als Designer bezeichnen, deren Arbeiten für sich sprechen und sich in meinen Augen vollkommen zu Recht Designer nennen dürfen sollten.

Letztendlich muss mit der o.g. Nicht-Regelung das Können entscheiden. Dann gibt es eben gute Designer ohne Abschluss, die die Bezeichnung verdienen und schlechte Designer, die studiert haben oder umgekehrt.

Ich bezeichne mich als Mediengestalter, weil ich vor langer Zeit mal eine Ausbildung gemacht habe. Designer würde ich mich A) wegen Nail-Design u.Ä. nicht nennen und B) weil ich es eigentlich besser fände, wenn die Bezeichnung Designer eine definierte Bedeutung hätte, z.B. den studierten Designern vorbehalten wäre.

Mich würde da die Sicht der Designer mit Abschluss interessieren, z.B. von Kommunikationsdesign-Absolventen. Wie bezeichnet ihr euch selbst und warum?

Designer würde ich mich A) wegen Nail-Design u.Ä. nicht nennen und B) weil ich es eigentlich besser fände, wenn die Bezeichnung Designer eine definierte Bedeutung hätte, z.B. den studierten Designern vorbehalten wäre.

In Deutschland hat man ja generell das Problem als Designer, wenn man sich so nennt, mit Mode- oder Industriedesignern verwechselt wird. Das ist in anderen Ländern, z. B. USA, ja anders und beinhaltet auch mehr. Ich finde die Bezeichnung »Designer« eigentlich gut und überlege immer, ob ich mich auch nicht so bezeichnen möchte. Ich helfe ja Unternehmen Probleme zu lösen aus Designer-Perspektive. Mit welchen Mitteln ist ja vorerst nicht so wichtig vielleicht?

Andererseits sage ich auch direkt, was ich als Designer mache / woran ich arbeite. Das bleibt ein schwieriges Thema.

Mich würde da die Sicht der Designer mit Abschluss interessieren, z.B. von Kommunikationsdesign-Absolventen. Wie bezeichnet ihr euch selbst und warum?

Hallo zusammen,

ich stelle fest, dass ich da unterscheide: Wenn ich nur die Frage beantworte, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene sage ich "Grafik-Designer (Und Illustrator)" – da können sich die allermeisten etwas drunter vorstellen. Bin ich aber darauf aus, zu erklären wie ich meinen Beruf verstehe, sage ich "Kommunikationsdesigner".

Erstens habe ich das studiert und zweites drückt es nach meinem Empfinden besser aus, was mein Metier ausmacht: Ich übersetze Botschaften oder Sachverhalte in eine visuelle Sprache, mit dem Ziel, diese schnell und effektiv an die Empfänger zu bringen. Mit einem Schwerpunkt im Corporate Design, gestalte ich, wie Unternehmen mit ihren Mitarbeitern, Partnern oder Kunden kommunizieren.

Die Bezeichnung "Designer" in für sich allein stehender Form meide ich – dafür scheinen mir die zwar verwandten, aber doch deutlich anders gelagerten Disziplinen zu populär zu sein: Produktdesigner, Modedesigner und eben auch die ewigen Nail-/Fliessen-/Hair-Designer.

 

 

 

Um aber auf die Eingangsfrage einzugehen:
Ich persönlich empfinde es als etwas schade, dass die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist.  Auf der anderen Seite sehe ich ein, dass es genau in diesem Metier schwierig bis unmöglich ist, empirisch nachvollziehbare Maßstäbe zu definieren, die man an die Bezeichnung anlegen könnte. Zudem erscheint mir das Streben nach Individualität unter Designern zu sehr ausgeprägt, als dass sie sich jemals mit einem verallgemeinerndem Stempel identifizieren würden.(Sind wir nicht Meister darin, fortwährend neue fantasievolle Berufsbezeichnungen zu erfinden um ja nicht in Verdacht zu geraten, dasselbe zu tun wie der Kollege im Büro gegenüber?)
Insofern: Dieser Beruf wird sich wohl nie schützen lassen und vermutlich ist das auch OK.

Auch die Relevanz der Ausbildung steht im Zweifel, gibt es doch tausend und einen Autodidakten, die fantastische Arbeit abliefern.
Dass ein Abschlusszeugnis einer Designhochschule gemeinhin wenig über die Qualifikation aussagt, halte ich allerdings für ein Problem und einen eher unnötigen Zustand. Wundern tut mich das allerdings weniger, ist doch die Vergütung von Lehrbeauftragten eklatant niedrig. So werden gute Lehrkräfte nicht motiviert, guten und anspruchsvollen Unterricht zu halten.

Zum Thema, was den "Designer" auszeichnet, mag ich die Zusammenfassung des Designtags gerne

"Design gestaltet Dinge, Informationen und Prozesse..."

Präambel

...wenn ich auch die ästhetische Komponente in der Aufzählung vermisse. Neben aller Analyse, Konzeption und Problemlösung schaffen Designer/innen doch primär auch einfach schöne Dinge, zuweilen sogar im Grenzbereich zur Kunst.

Zitat von Juergen am 4. Oktober 2018, 17:05 Uhr

Um aber auf die Eingangsfrage einzugehen:
Ich persönlich empfinde es als etwas schade, dass die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. [...]

Die Frage ist die: Wer bestimmt denn darüber, dass der Begriff Designer den Grafik-Designern gehört und nicht denen, die darunter Tattoos, Nägel, Räume, Architektur, Produkte, Industrie, Audio, Video, Mode oder sonswas "designbares" verstehen?

Am Ende wird die Berufsbezeichnung geschützt für Menschen, die Modedesign studiert haben. Das wäre schade für uns.

Früher habe ich mich selbst "Grafik-Designer, UI/UX-Designer und Frontend-Developer" genannt, aber das kam einfach nicht gut an, da es zu viele Optionen hatte. Nur Mediengestalter oder nur Designer hat den Menschen auch nie gesagt, was ich tue und ich musste mich immer erklären. Heute sage ich nur noch "Brand Identity Designer". Da weiß erstmal sogut wie niemand, was mit gemeint ist. Interessierte fragen nach, da kann ich denen gleich meine Prozesse mit erklären und mich verkaufen, die anderen denken sich "Irgendwas mit Design, interessiert mich nicht" und gut.

Aber ich möchte auch gerne noch was zum eigentlichen Thema sagen.

Wann ist ein Designer ein Designer?

Beim Design geht es im Gegensatz zur Kunst darum, dieses zu verkaufen. Ggf auch unentgeltlich. Auf jeden Fall geht es darum, dass das Werk, die Kreation eingesetzt wird.

Folglich ist für mich jeder ein Designer, der mindestens eine Kreation für jemand Anderen erstellt hat und der Andere dieses auch aktiv einsetzt. Unabhängig von der Qualität oder Größe des Werkes.

 

Grüße

Chris

kleine Spieltheorie: Wenn wir den Begriff Designer schützen lassen, braucht man eine Institution, die anerkennen und aberkennen kann. Das würde sich finden lassen (und dann später vom EU-Recht kassiert). Dann hätte man Designer, die unter dem Titel Designer arbeiten und drum herum Kolleg+innen, die unter einem anderem Namen (Gestalter, Formgeber, Developer, etc) arbeiten und nicht an die Vorgaben des geschützten Begriffs Designer gebunden sind, auch nicht in der Kalkulation. Folglich hätten die »echten« Designer einen Nachteil, weil sie an Vorgaben des Titels Designer gebunden sind. Der geschützte Begriff wäre demnach nutzlos.

Designer ist eine Kategorie wie Koch oder Musiker. Der Erfolg macht den Titel. Wenn die Leute kommen und essen oder kommen und hören, dann ist man folglich ein Koch oder ein Musiker. Dieses Prinzip umzudrehen ist nutzlos. Was nützt es mir, wenn ich ein zertifizierter Koch bin, aber keiner zum Essen kommt.

Grüße in die Runde