Die Web-2.0-Schublade

Hört das denn nie auf mit dieser Web-2.0-Schublade? Kaum erscheint ein Logo mit einem Verlauf, kommen, wie aus der Pistole geschossen, diese vage formulierten Vorwürfe, das Logo wäre deshalb schlecht, weil es “Web-2.0-mäßig” ausschaut. Was bitteschön hat dieses Logo und viele andere Firmenzeichen der zurückliegenden Monate denn mit dem Marketingbegriff “Web 2.0” zu tun? Rein gar nichts!

Ja, das Logo hat einen Verlauf. Hey… sagen da Einige, es hat einen Verlauf! Dann ist es Web 2.0 und damit zum In-die-Tonne-Werfen. Ich sags mal wie es ist: Das ist Unfug. Verläufe gibt es, seitdem es Farben gibt. Auch in Logos werden sie seit mindestens einem Jahrzehnt verstärkt eingesetzt. Das bringen die Zeit, die Möglichkeiten und auch die Erfordernisse nun einmal mit sich. Wer bei einem Motorradhersteller, wie zuletzt bei Ducati nicht den Zusammenhang zwischen den Produkten und eines in 3D angelegten Emblems erkennt, das gleichzeitig als Markenzeichen fungiert, sollte mal auf einen Shopper steigen und sich das Hirn freipusten. Es ist doch albern in solchen Fällen, wie auch jüngst beim Beispiel Turkish Airlines, auf den “Ich-habs-als-Web2.0-Logo erkannt-Zug” aufzuspringen. Der Zug ist bereits seit langem proppenvoll. Er quillt über. Es ist weder schick dort mitzureisen, noch wird man durch solch eine Kritik erreichen, dass die Nichtgestalter auf den gleichen Zug aufspringen.

Stellen wir uns doch einmal vor, man nähme die drei neuen Logos Wick, Ducati und Turkish Airlines und würde sie in einer länderübergreifenden Untersuchung den alten Firmenzeichen gegenüberstellen und von den Menschen unterschiedlichster Herkunft und Gesellschaftszugehörigkeit bewerten lassen. Was glaubt Ihr würden die Menschen sagen, welches Logo moderner und vertrauensvoller erscheint? Und vor die Wahl gestellt würde man die Menschen fragen: Mit welcher Airline würden sie lieber fliegen und hätten ein sicheres Gefühl? Welche Hustenbonbonverpackung würden sie lieber kaufen? Oder bei welchem Motorrad erscheint ihnen die Technik als zuverlässiger? Immer jeweils ein Produkt mit dem alten und eines mit dem neuen Logo versehen. Kurz mal drüber nachdenken.

Ein Logo hat in erster Linie die Aufgabe im Hier und Jetzt zu funktionieren, das heißt, es muss die Produkte und die Werte eines Unternehmens in der aktuellen Situation bestmöglich verkörpern und also eine adäquate Gestaltungslösung anbieten. Es muss die Fähigkeit zur Wandlung in sich tragen. Und wenn es dann an eine neue Generation von Kunden, Konsumenten oder allgemeiner Menschen angepasst wird, damit es von dieser Generation als zeitgemäß und nicht veraltet eingestuft werden kann, dann sollte sein Veränderung ein Mittelweg aus Fortführung und Erneuerung sein.

Ebenso wie sich der Geschmack der Menschen ändert – nein ich trage keine Hosen mit Schlag, wie sie meine Eltern trugen und ja ich höre auch eine andere Musik als sie – so muss sich auch ein Corporate Design solch einem veränderten Empfinden für Formen, Farben, Mode, Musik, Kunst, etc. immer wieder aufs Neue einer Wandlung stellen. Es muss sich anpassen. Und just in dem Moment, in dem es sich behutsam an einen, in der Bevölkerung als modern geltenden Stil annähert, damit es als Marke attraktiv, „sexy“ und begehrenswert erscheint, was für jede Marke unablässig ist, bekommt aus den immer gleichen Rohren die volle Breitseite ab. Designer und angehende Designer degradieren es. Pech, Schwefel und die Web-2.0-Worthülse werden über dem Logo und der Designlinie ausgeschüttet. Welch eine Schmach. Die Frage ist nur, ist sie für das Logo größer oder für unsere Zunft?

Entschuldigung, dass ich mich so echauffiere, aber wer als Designer nicht mehr zu bieten hat, als immer diese ollen Kamellen von vor zwei Jahren rauszuholen, um sie unters Volk zu bringen, der sollte sich und seine Rolle als „Vermittler“ mal für einen Moment überdenken.

66 Kommentare zu “Die Web-2.0-Schublade

  1. Aus einer deutschen Hochschule…

    Diese Diskussion finde ich besonders interessant. Erfolgreiche Zeichen zu Entwickeln ist keine leichte Aufgabe. Ein gutes Signet kämpft an vorderster Front um die Wiedererkennung des eigenen Produktes. Es repräsentiert im besten Fall, eindeutig und unverwechselbar die Geschäftsidee und Unternehmenswerte. Warscheinlich wird es deshalb auch zu häufig mit Aufgaben bestückt, die es nicht erfüllen kann bzw. sollte. Wie schon Kurt Weidemann sagte: “Die Form eines guten Logos ist so einfach, dass man sie mit dem Fuß in den Sand zeichnen kann.”

    Es ist mühselig darüber zu streiten ob man nun gestalterisch ehr “blingbling” oder schlicht arbeiten sollte. Ich bin da ganz der Meinung von Till, dass die Anwendungen/Aufgaben bei der Entwicklung eines Zeichens im Vordergrund stehen sollten. “Logos” die Trends verfolgen sind äußerst selten erfolgreich geworden. Erfolgreich definiere ich hierbei mit langlebig und bekannt, ohne dabei eine endlose Anzahl von Veränderungen durch zu machen. (Bsp.: Braun // nur 2 kleine Redesigns in 73 Jahren) Zeichen die 50 oder 100 Jahre existieren, und in dieser Zeit keine 25 Facelifts brauchten halte ich für erfolgreich.

    Eben genau das wäre mein Bedenken bei Logos, welche mit zuviel trendigem Zuckerguss ausgestattet sind. Trends ändern sich, und das wohl immer schneller. Ganz schnell landet man da in der “Bäumchen-wechsel-dich-Falle”. Leider gibt es viel zu viele “Mach-mir-mal-schnell-nen-Logo-Aufträge” mit dem netten Zusatz…”und mach mal wie die”. Genau deshalb ertrinken wir in einem Meer von Byterlogos, die weder Produkt noch Unternehmen sinnvoll vertreten, geschweige denn aus der Masse herausheben. Das wirkliche Problem ist, dass viel zu selten genug Zeit/Geduld und/oder Geld vorhanden ist, um gute Zeichen zu entwickeln.

    Ich persönlich liebe Logos, die in enger Verbindung mit einem tollen Corporate eine Kommunikationswelt erschaffen, die ohne vergängliche “Schlaghosentrends” auskommt. Dabei möchte ich jedoch nocheinmal betonen, dass Zeichen, welche auf 3d-glas-sonstwas design aufbauen nicht generell zu verurteilen sind, solange man die Hintergründe der Gestaltung nicht kennt.

    Wir Menschen können uns aber eben nur in der Welt zurechtfinden, indem wir Sinngruppen bilden. Wir denken in Sinn-Kategorien…in Zugehörigkeiten. Daher wohl auch diese ständigen Schubladen mit ihren Vor- und Nachteilen…

  2. Ich finde, der wichtigsten Satz in Deinem Artikel ist, dass ein Logo „… die Fähigkeit zur Wandlung in sich tragen …” muss. Wenn der Zeitgeschmack bei „Web 3.0” angekommen ist oder wie auch immer eine neue Generation ihre Sehgewohnheiten nennen wird, dann werden sicherlich – wie schon vor den Zeiten von Web 2.0 – einige heute allzu kurzsichtig angelegte Logos an einem adäquaten Relaunch scheitern. Vielleicht sogar ein paar ohne Verläufe ;-)

  3. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur ein Trend ist. Gerade die Automonilhersteller haben seit längerem auf “3D-Optik” umgestellt und das, lange bevor es Web2.0 gab. Ich denke, die heutigen Möglichkeiten der Drucktechnik und der Darstellungsmöglichkeiten in den Medien machen es reizvoll die Features der heutigen Grafikprogramme auszuschöpfen.
    Gerade die Apple User werden wissen, wie stark Mac OS durch Aqua die Szene geprägt hat. Und ich denke, es kann sich niemand davon freisprechen, bei kommerziellen Arbeiten nicht schonmal mit all diesen Effekten rumgespielt zu haben ;)

    Gruss Olli

  4. In meiner Ausbildung hieß es, ein gutes Logo sieht auch dann noch vernünftig aus wenn es per Fax verschickt worden ist. Solange ein Logo das schafft ist es mir persönlich wurscht, wie viele Verläufe, Kanten oder Reflexionen da dran sind. Solche kleinen “Spielereien” können durchaus ein letzter Schliff sein, sollten aber nie die Form an sich ersetzen.

    Dass derzeit tausende von Designs Verläufe oder Refelexionen etc. verwenden, macht weder Verläufe noch Reflexionen besser. Aber es macht sie auch nicht schlechter. Auch das Wettern gegen “Web 2.0 Designs” ist eine Art Trend.

    Gerade einem Logo sieht man in den seltensten Fällen an, wie viel Arbeit darin steckt.

  5. Da hast du absolut recht!

    Bei Turkish Airlines hat man sich ja auch über den alten Schriftzug aufgeregt. Auch wenn der alte von den Proportionen Zeitloser war. (was ich für wichtig halte an einem Logo!!!)

    Leider ist auch hier nicht jede Kritik sachlich, sondern oft auch von den Emotionen geprägt. Daher muss man immer versuchen Herauszulesen wir die Kritik gemeint war, und nur auf die hören, die einem etwas bringen. (woran hat der Kritiker gedacht? an sich selbst oder wirklich an das Produkt!)

  6. Ich sehe das ähnlich, wie Achim, bei druboe sind auch sehr wichtige Dinge angesprochen worden.
    Für mich ist ein gutes Logo gut, wenn die grundsätzliche Formsprache gut ist und ein handwerkliches Niveau bei der Gestaltung erkennbar ist. Auch hier kann man sich wieder streiten.
    Ob noch zusätzlich ein Glanzeffekt, Verlauf oder sonstiger plastischer Effekt verwendet wurde, spielt eher eine zweite Rolle (solange dieser Effekt auch gut gemacht ist).
    Das optimale Logo sieht sowohl mit als auch ohne Effekt gut aus. Das VW Logo als ein Beispiel von vielen.
    Zur Zeit wollen die Konsumenten dreidimensional anmutende Gestaltung. Also sollen sie es auch bekommen, ich sehe da nichts schlimmes. Wenn das Logo gut gemacht ist, ist es gut. Fertig.
    Denn eines sollte man sich vor Augen halten:
    Was nützt einem Unternehmen das beste Logo, was auch allen Ur-Kriterien entspricht, wenn es die Zielgruppe nicht positiv erreicht?

  7. Sehr schön gesagt & wohl (leider) wahr.
    Aber was bringt es wenn ein Logo doof aussieht nur damit es nicht in die WEB2.0-Schublade fällt? Ja ja… immer nur meckern, das ist am einfachsten.

  8. Achim – egal welche Meinung Du vertrittst, es wird immer Leute geben, die auf Deinen Zug aufspringen. Ebenso, wie es Leute gibt, die auf den “ich-meckere-über-web2”-Zug aufgesprungen sind. Aber grundsätzlich finde ich, sollte man sich schon ein paar Gedanken machen, bevor man seine geistigen Ergüsse in den Kommentarstrom einleitet…
    Wobei – Du bist ja schon weit vorn mit Deinen Kommentatoren hier. Anderswo haben die Leute nix anderes zu tun, als nur “Erster!!!” drunterzuschreiben. Und dann regen sich 20 Leute darüber auf, wie blöd das doch ist…

    Also, in diesem Sinne halte ich mich von jetzt an auch selbst verstärkt an den Leitspruch:
    “Wenn man mal nix weiß – einfach mal die Fresse halten…” ;-)

  9. Ich verbinde mit dem Web.2 Stil die schöne bunte 3D Plastikwelt mit Verlauf und Schatten. Sieht alles aus wie aus einem Lego-Spiel zusammengebastelt. Besonders ist mir das bei dem Redesign des Regensburg Logos aufgefallen, wo unnötiger Weise solche Effekte aufgefahren wurden und ein seriöses Stadtwappen zu einem trendigen Spielzeuglogo gemorpht wurde.
    Und da hört es meiner Ansicht nach auf. Die Regensburger können das Ding in ein paar Jahren in die Tonne hauen, weil es keinen Bestand hat und der Trend vorbei ist. Von der Typo will ich gar nicht erst reden. Das ist zu kurz gedacht, wenn das Logo Opfer einer Mode-Erscheinung wird. Ein Logo muss Modetrends unbeschadet überleben können.

    Und den Einfluss der Web.2 Logos kann man nun nicht abstreiten. Den gibt es zweifellos. Da muss man als Gestalter abwägen, für welche Anwendung macht es Sinn und wo nicht.

  10. Ich als angehender Mediengestalter kann dir nur zustimmen. Also ich hab mich mal längere Zeit mit dem Thema Web 2.0 auseinander gesetzt und ich kann dazu sagen das Web 2.0 hat null mit Design zu tun es ist in erster Linie hat es mit Benutzerfreundlichkeit im Internet zu tun. Sprich
    RSS Feeds, Browserbasierte Applikationen, etc…

    so Sätze wie “Sieht ja voll nach Web 2.0 aus!” sind doch total bekloppt.
    Ich finde das Ducati Logo total schick und dem Zeitgeist entsprechend.
    Genau so wie ich eine schlichte Wortmarke mit einer gut gewählten Typo einfach schön finde. Aber es kommt immer darauf an was das Logo transportieren soll.

    Das dazu und danke Achim

  11. Hui, da hats aber mal richtig Schimpfe gegeben. ^^
    Ich würd dem, was da oben steht auch größtenteils beipflichten. Ein Logo ist nicht automatisch schlecht nur weils einen oder mehrere Verläufe hat. Allerdings finde ich, dass man Kommentare, die vielleicht nur eine verbreitete Meinung nachplappern, nicht mit einem verärgerten Unterton (vielleicht liegts an mir, aber den hör ich heraus, wenn ich den Artikel lese) entgegenkommt, und aufzählt warum es nicht schick ist auf den entsprechenden Zug aufzuspringen. Sondern stattdessen argumentiert, warum das Logo doch gut sein könnte.
    Ich könnte mir vorstellen, dass ich, wenn ich einer derjenigen gewesen wäre, die bei dem TA-Logo das böse Web 2.0 Wort benutzt hätte und jetzt diesen Artikel gelesen hätte, wahrscheinlich ersteinmal aus Trotz auf meiner Meinung beharren würde, anstatt mich für eine neue Sichtweise zu öffnen. ;-)

    Ich finde der Boris Noll hat schon Recht, es gibt unterschiedliche Leute, von jung bis alt, von erfahren bis unerfahren oder von qualifiziert bis unqualifiziert und jeder sollte das Recht haben seine Meinung zu äußern, ohne das er danach Angst haben muss er bekommt jetzt einen verpuhlt.

  12. Ich konnte diese dummen Sprüche ala „Hat der Designers nichts drauf, macht er ’nen Verlauf“ nie verstehen. Verläufe bilden doch nur die reale Welt ab, simulieren Schatten, Licht und Spiegelungen. Und den Trend zu haptischen Logos gibt es ja auch schon einige Jahre. Als Volkswagen von 2D auf 3D umschwenkte gab es auch Gemotze in diversen Ecken.

  13. Kann mich nur anschliessen – weise Worte!

    Der Irrglauben ein Logo mit Verlauf, abgerundeten Schriftarten, Zweifarbigkeit in der Wortmarke oder einer Bildmarke mit Sticker- / Supermarkt-Look wäre dann gleich Web2.0 hält sich hierzulande wie ein schlimmer Schnupfen. Ich habe schon agentureigene Umfragen, mit anderen Worten an Professionelle gelesen, die darauf hindeuteten, dass nur wenige überhaupt den Begriff klar definieren konnten und allzu viele ihn mit einem klischierten Look verwässert interpretieren.
    Zur Entschuldigung muss man aber sagen, dass viele vielleicht auch allzuviele Web2.0 Startups sich gestaltungstechnisch hübsch ins Klischee einreihen. Dennoch sei eine Beschäftigung mit dem Begriff und seinen “Erfinder” O’Reilly zu empfehlen.

    Wenn ich einen Kommentar schreibe wie etwa “das ist mir zu Web2.0 und damit schlecht” dann ist das in sich Schwachsinn, die Tätigkeit in einem Blog einen Kommentar zu setzen ist selbst Web2.0.

  14. “sieht nach web2.0 aus” heisst nicht unbedingt, dass es auch web2.0 ist, bzw. dass es so gedacht ist. Nur weil das Ducati-Logo nen Verlauf und nen Kanteneffekt hat, was auch auf viele web2.0-Logos zutrifft, ist es nicht automatisch auch eins. Es kommt auf die Art der Umsetzung an, web2.0-Logos sind oft übertrieben und haben starke Farben, Spiegelungen und Verläufe. Das VW-Logo hat dezente Spiegelungen und Verläufe und wirkt dadurch auch besser. Ein anderer Punkt ist das angesprochene “reale” Modell, denn die “verschönerten” Logos von Ducati, VW oder Audi entsprechen dem, was dann auf dem Fahrzeug als Plakette draufkommt.

    Wenn sie als web2.0-Logo gedacht wären, sähen sie eher so aus:
    http://www.flickr.com/search/?q=yay2dot0logoparody

  15. Ruhig bleiben. Ich nehme für mich – als ausgebildeter und langjährig erfahrener Kommunkationsdesigner und nicht als x-beliebiger Quereinsteiger – in Anspruch, Gestaltung beurteilen zu können.

    Wenn ich mich gegen unnötige Verläufe in Logos ausspreche, dann liegt das daran, dass Logos prinzipiell nur sanft verändert werden, nicht jedem Trend nachlaufen und alle drei Jahre neu gelauncht werden sollten, um als Markenbild zu funktionieren. Von Problemen mit Faxen und Kosten bei Briefbögen fange ich garnicht an.

    Es geht um gute Gestaltung. Ein schlechtes Logo wird durch einen Verlauf, einen Schatten oder eine andere Effekthascherei nicht besser! Wenn in zwei Jahren alle Welt blinkende Gif-Logos auf ihre Websites baut, finde ich das nicht dadurch besser, dass es vielleicht alle machen.

    Der “Step-Back” von Mercedes beispielsweise gibt mir Recht und ich werde mich nicht dafür zu entschuldigen, dass ich auf den Einsatz von Fancy-Glossy-Hyper-Blink nicht stehe und ihn für Useless halte.

    Dass die Logos von Ducati, Turkish-Airlines ein Update vertragen konnten, steht außer Frage. Es hätte aber auch wunderbar mit einer sauberen Grafischen Umsetzung und einer oder zwei perfekt passenden Schmuckfarben funktioniert – und das auch noch in 5 Jahren.

  16. Ich fang’ mal oben an, um auf die Kommentare zu antworten.

    >Du hast nicht zufällig ner Firma nen Verlauf und Spigeleffekt Logo verpasst oder?
    Das einzige Mal, dass ich einem Logo ein Verlauf verpasst habe, liegt schon ne Weile zurück nämlich genau 10 Jahre, als ich das Logo für den Niedersächsischen Landtag entworfen habe. Damit dürfte ich hoffentlich die notwendige Neutralität mitbringen, oder? In Entwürfen für digitale Medien verwende ich Verläufe gerne um Plastizität bzw. eine Blattmetapher zu erzeugen.

    Danke Oliver für die Integration des Links!

    >dieses web2.0 getexte steht all zu oft einer sachlichen beurteilung eines logos im weg.
    Genau aus diesem Grund habe ich den Artikel geschrieben! Merci.

    @Jerry: Aber es ist jedes mal als “was-man-gemeinhin-als-web2.0-Stil-bezeichnet” gekennzeichnet. Dass es einen Stil gibt, den man bei vielen Web2.0-Platformen antrifft, bestreitet ja auch keiner, auch ich nicht.

    > Nur mehr ist mehr! Soll man das so verstehen?
    Nein. Es geht mir um Differenzierung bei der Beurteilung von Design

    > Danke Enzo für die Aufzählungsliste, die ganz gut die Gestaltung charakterisiert, die man als “Web2.0-Stil” bezeichnen könnte. Allerdings sind Web2.0-Plattformen aus unserer Zeit heraus entstanden. Sie spiegeln unsere Gesellschaft wieder, weshalb man weder diese Art der Gestaltung verdammen noch sie abfeiern sollte. Man sollte sie einzuordnen wissen.

    >Das ist in Ordnung, wenn die Kritik insgesamt Substanz hat.
    Aber genau daran mangelte es tendenziell in letzter Zeit. Mir macht es keine Spaß sich an einer Diskussion zu beteiligen, bei der weder der begleitende Artikel gelesen wird noch irgend eine Art der Differenzierung stattfindet. Bitte alle, die Substanz beisteuern nicht missverstehen!

    > da hatte sich ja einiges angestaut bei dir :-)
    In der Tat! Ich musste mir mal etwas Luft verschaffen.

    @druboe Dank Dir, dass Du Dir soviel Zeit genommen hast!

    > Leider ist auch hier nicht jede Kritik sachlich, sondern oft auch von den Emotionen geprägt.
    Das muss zuweilen aber auch erlaubt sein. Ich hoffe auch mir nimmt man mein “Engagement” nicht übel.

    @tom Auch das Regensburger Wappen ist kein Web2.0-Logo! Es enthält auch keinen Stil gleichen Namens. Es ist lediglich ein Wappen, bei dem man mit grafischen Mitteln eine 3D-Optik versucht nachzuahmen. Mehr nicht.

    > das Web 2.0 […] in erster Linie hat es mit Benutzerfreundlichkeit im Internet zu tun.
    JojO, das ist nicht richtig. Web2.0 steht für “user generated content” es beschreibt durch den Nutzer entstandenen Inhalt. Es will in einem Begriff einen Trend beschreiben, der ausgelöst durch Portale wie youtube, flickr und allen voran Blogs, in den letzten Jahren das Internet bestimmt hat. Inhalte, von Nutzern für Nutzer ist der Leitgedanke. Damit einhergehend findet sich in vielen dieser Plattformen ein brauchbares Interfacedesign und eine gute Usability, weil man ja in erster Linie bei solchen Konzepten an die Nutzer gedacht hat. Das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass alle Web2.0-Formate über eine tolle Website verfügen. Ich finde nach wie vor youtube hinsichtlich der Verwaltung im eingeloggten Zustand eher gruselig.

    Und an alle gerichtet. Ich freue mich sehr über die Kommentare!

  17. Ich frage mich manchmal was schlimmer ist, die die schimpfen ohne Wissen oder die, die aus scheinbarer Not und oder Erfahrung über den Dingen stehen. Ist auch ein Frage wie man sich selbst wahrnimmt und dann Logos wahrnimmt. Man könnte böse behaupten: wer langjährig mäßig arbeitet wird durch die Dauer allein auch nicht gut oder besser.

    Ein schlechtes Logo bleibt auch mit Verläufen schlecht, ein gutes verkauft sich allerdings vor dem Kunden besser eben mit Verläufen, es vermittelt Modernität und eben Erneuerung (auch das Alibi das Logo erneuert zu haben). Das Mercedes Logo ist ein lustiges Beispiel. Als arrivierter Gestalter sollte man auch eindeutig erkennen, dass es Mercedes wie auch Porsche nur nachrangig um Modernität geht und das Motiv Tradition und damit subtilste gestalterische Evolution weit mehr Rolle spielt. Witzig ist Mercedes samt Seite auch dadurch, weil das dünne kleine Logo gar nicht Raum für Verläufe lässt, wohl aber für eben einen Glossy-ähnlichen Look durch den Minimal Kontrast von Weiss auf Hellgrau. Hinzukommt das Auto-Logos von Natur aus Glanz und Verläufe haben, da sie meist metallisch anmutend auf Metall angebracht werden.

    Es gibt Trendhuren und Trendverweigerer, Tief- und Hochstapler, Mitläufer und Zwangspartisanen aber letztlich stehen alle (!) Kunden und Entscheidern entgegen, die niemanden als “Hofkünstler” beschäftigen.

  18. Hm, ich denke es geht bei den Logo-Kommentaren mehr um die Ästhetik. Eine schlecht gemachte 3D-Imitation sieht für das geschulte Auge eben genau so mies aus wie ein schlechtes Kerning oä.
    Dass “Web 2.0” nicht für einen Gestaltungstrend steht, sollte ja hoffentlich jedem klar sein. Ich denke, man sucht halt nach einem Vergleich wo man diese Art der Darstellung schon mal gesehen hat. Und da muss man zugeben, dass bei sog. “Web 2.0” Anwendungen shiny pseudo-3d Logos überproportional häufig vorkommen.

    Genau so würde ich mich bei grobpixeliger Ästhetik zu einem “sieht c64-mäßig aus” herablassen. Auch wenn es *eigentlich* völliger Blödsinn ist.

  19. Großartig.
    Das ist wie ständig über nicht-eingehaltene Typoregeln stänkern, ohne drüber nachzudenken ob das Ergebnis funktioniert und ob es genau deshalb funktioniert weil mal jemand nicht ein auswendig gelerntes Regelwerk anwendet sondern seinen Kopf aktiviert hat.

  20. Interessant wie viele nun zustimmen ^^

    Ich finde weiterhin die bösen “Web2.0” Logos unpassend, speziell bei Unternehmen die eher Dienstleistungen anbieten und somit nicht greifbare Produkte anbieten! :)

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